Blutiger Amoklauf in den USA

In einer Hochschule im Bundesstaat Virginia starben mindestens 32 Menschen

von Andreas Fischer - 17.04.2007

Ein 23-jähriger Student der technischen Universität Virginia hat am Montag innerhalb weniger Stunden 32 Menschen erschossen und 15 weitere zum Teil schwer verletzt. Anschließend tötete er sich selbst. Die Beweggründe des Amokläufers und die genauen Umstände sind noch unklar. Sowohl Polizei als auch die Universitätsleitung wurden für ihr Vorgehen scharf kritisiert. Erneut ist in den USA die Debatte um härtere Waffengesetze entbrannt.

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"Die Universität wurde heute von einer Tragödie monumentalen Ausmaßes getroffen..“ Charles W. Seeger (Universitätspräsident). (Archivbild) (Quelle: Pixelquelle)

Bereits um kurz nach sieben Uhr morgens wurde eine Schießerei in einem Wohnheim auf dem Universitätsgelände (Campus) gemeldet. Dabei sollen zwei Studenten erschossen und sieben weitere verletzt worden sein. Mit einem Rundschreiben per E-Mail forderten die Verantwortlichen der Universität daraufhin die Studenten auf, in ihren Wohnungen zu bleiben.

Sowohl Polizei als auch Universitätsleitung gingen davon aus, dass der Täter den Campus schon längst verlassen hatte. Deshalb hielten sie es nicht für nötig, den gesamten Universitätsbereich zu evakuieren (also die Menschen in Sicherheit zu bringen).

Amokläufer verschloss die Türen mit Ketten

Ketten an den Türen versperrten den Studenten und Lehrern den Weg nach draußen, für einige blieb nur der Sprung aus dem Fenster. (Archivbild) (Quelle: Photocase)

Nach der ersten Schießerei waren ungefähr zwei Stunden vergangen, als plötzlich wieder Schüsse zu hören waren - diesmal aus einem Hörsaalgebäude. Zu dieser Zeit saßen viele Studenten schon in den Hörsälen oder waren auf dem Weg zum Frühstück.

Der Amokläufer hatte die Türen des Gebäudes von innen mit Ketten verschlossen, sodass die Menschen darin in der Falle saßen. Man vermutet deshalb, dass die Tat genau geplant war. Manche Studenten retteten sich mit einem Sprung durch die Fenster ins Freie, jedoch kam die Rettung für viele zu spät.

Am Abend gedachten mehrere hundert Studenten auf dem Campus der Opfer. Dabei äußerten sie auch massive Kritik an der Universitätsleitung. Über zwei Stunden lang habe diese es versäumt, die Studenten zu informieren und den Campus abzuriegeln. Der Leiter der Campus-Polizei rechtfertigte dies damit, dass man die erste Schießerei für einen "Einzelfall" gehalten habe. Man habe zudem geglaubt, dass sich der Täter nicht mehr auf dem Campus befinden würde.

Was war das Motiv für die Tat?

Immer häufiger kommt es zu Amokläufen.

Das Motiv des Täters sind noch nicht geklärt. Es handelt sich um einen 23-jährigen südkoreanischen Englisch-Studenten. Der Vizepräsident der Universität, Larry Hincker, beschrieb den Täter als "Einzelgänger", über den nicht viel bekannt sei. Er war im Alter von acht Jahren mit seiner Familie aus Südkorea in die USA eingewandert. Eine Mitstudentin sagte, der Täter habe "blutrünstige" Dramen verfasst.

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Eine traurige Gewissheit steht schon jetzt fest: Dieser blutige Amoklauf hat bisher die meisten Opfer - nicht nur an amerikanischen Lehranstalten - gefordert. Die Rufe nach einem verschärften Waffengesetz in den USA werden nun immer lauter. Amerika ist das Land, in dem die meisten Schusswaffen in Privatbesitz sind. Gerade der Bundesstaat Virginia hat diesbezüglich eine sehr nachlässige Regelung.

Immer öfter kommt es zu schrecklichen Vorfällen dieser Art. Mehr als die Hälfte der Amokläufe weltweit spielen sich in den USA ab, aber auch in anderen Ländern - so auch in Deutschland - blieben die Menschen nicht davon verschont. Im Jahr 1999 löste der Amoklauf an der "Columbine High School" im US-Bundesstaat Colorado Entsetzen aus: Zwei Jungen töteten zwölf Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst erschossen. Im November vergangenen Jahres kam es an einer Schule in Nordrhein-Westfalen zu einem Amoklauf eines ehemaligen Schülers, der anschließend Selbstmord begang.

Warum werden junge Menschen zu Amokläufern?

Was sind die Ursachen für Amokläufe? Experten sind der Ansicht, dass das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle spielt. (Quelle: Pixelquelle)

Als Amokläufer bezeichnet man Täter, die wie im Rausch wahllos Menschen angreifen oder sogar töten. Das Wort leitet sich von der mailaiischen Bezeichnung "meng-âmok" her, was so viel wie "in blinder Wut angreifen und töten" bedeutet. Die Täter befinden sich in einer seelischen Verfassung, die durch Unzurechnungsfähigkeit und extreme Gewaltbereitschaft gekennzeichnet ist. Es stellt sich die Frage, wie es zu einer solchen Tat kommen kann. Eine wirkliche Antwort darauf wird es wohl nicht geben. Einige vermuten, dass viele junge Menschen durch brutale Computerspiele und Filme "abstumpfen" und ihre Gewaltbereitschaft dadurch steigt. Besonders "Ego-Shooter" werden in diesem Zusammenhang immer wieder kritisiert.

Entscheidend ist aber vor allem das soziale Umfeld. Die meisten Gewaltforscher sind der Meinung, dass die Hauptursache darin liegt, dass die Täter Identitätsprobleme hätten. Viele von ihnen haben das Gefühl, in der Gesellschaft nicht anerkannt zu sein und von Mitschülern, Lehrern oder Kollegen gedemütigt zu werden. Häufig haben sie nur wenige oder keine Freunde, oft leben sie in schwierigen familiären Verhältnissen. Die meisten Experten sind der Ansicht, dass Computerspiele und Filme zwar als Vorlage für die geplante Tat dienen könnten und Aggressionen schüren, aber nicht die eigentliche Ursache für einen Amoklauf seien.

Mit Sicherheit spielt vor allem in den USA auch eine Rolle, dass Waffen viel zu leicht zugänglich sind. Zwar wären auch härtere Bestimmungen keine Garantie dafür, dass sich so etwas Schreckliches nicht wiederholt. Trotz allem wäre eine Verschärfung des Waffengesetzes kein Nachteil. Die Hemmungen, eine Waffe zu benutzen, würden dadurch steigen.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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