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Drogen- und Suchtbericht 2008 veröffentlicht

09.05.2008

An einer amerikanischen Universität im Bundesstaat Kalifornien fand die Polizei große Mengen Drogen und Waffen. Offensichtlich haben einige Studenten mit Drogenhandel Geld verdient. Erst vor wenigen Tagen wurde in Deutschland ein Drogenbericht veröffentlicht. Steigt die Zahl junger Menschen, die Drogen konsumieren? Warum ist die Suchtgefahr bei Jugendlichen besonders hoch? Worin liegt die Gefahr von Drogen?

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Medikamente und Drogen: An der US-Universität in San Diego ist den Ermittlern ein Schlag gegen Drogendealer gelungen. (Quelle: Quelle: pixelio.de ; Helga Schmadel)

Die Polizei fand bei einer Drogenrazzia auf dem Gelände der Staatlichen Universität San Diego unter anderem zwei Kilogramm Kokain, 23 Kilo Marihuana und etwa 350 Ecstasy-Pillen sowie 60.000 Dollar (rund 38.640 Euro) Bargeld und mehrere Waffen. Dazu fanden die Ermittler Methamphetamine (synthetische Drogen, die anregend wirken), Pilze, die stark auf die Psyche wirken und Medikamente, die einer Verschreibung durch den Arzt bedürfen.

Nach dem Drogentod einer Studentin im Mai 2007 hatten die Ermittlungen begonnen. Bisher nahm die Polizei 96 Personen, davon 76 Studenten, fest. Sie hatten zum Teil Drogen an verdeckte Scheinkäufer der Polizei verkauft. Undercover-Agenten der US-amerikanischen Drogenfahndungsbehörde DEA hatten sich in Studentenverbindungen eingeschleust, in denen die Drogen verkauft wurden. Einer der verhafteten Studenten hatte "Innere Sicherheit" studiert, ein anderer stand kurz vor dem Abschluss im Fach "Kriminalrecht".

Drogen an der Universität

Belastung, Gruppenzwang oder Neugier? Es kann viele Gründe geben, Drogen zu konsumieren. (Quelle: Quelle: pixelio.de; B. Stolze)

Der Fall in San Diego sprengt bisher alle bekannt gewordenen Drogendelikte an Universitäten in den vergangenen Jahren. Einige der Studenten haben mit Drogen gedealt, sie also gewinnbringend an andere verkauft, andere haben die Rauschmittel gekauft und genommen. Im Februar 2008 hat die Techniker Krankenkasse in Deutschland eine Studie veranlasst, in der Studenten nach ihren Problemen gefragt wurden. In dieser Studie an deutschen Universitäten kam heraus, dass immer mehr Studenten Probleme haben und zu Drogen greifen.

Der Haschischkonsum wächst, Alkohol und Medikamente nehmen Studenten häufiger als früher. Dafür machen die Verfasser der Studie den wachsenden Druck im Studium, häufige Prüfungen und den engeren Zeitrahmen verantwortlich. Die Studenten klagten über folgende Beschwerden: 16 Prozent der Studierenden litten unter depressiven Verstimmungen, 25 Prozent hatten Nacken- oder Rückenschmerzen und starke Konzentrationsschwierigkeiten. Die Krankenkassen haben darauf reagiert und bieten nun gezielte Entspannungs- und Vorsorgekurse für Studenten an.

Hoher Konsum von Rauschmitteln

Einstieg leicht gemacht: Alkohol ist ab 16 erlaubt, Rauchen seit 2007 ab 18 Jahren. (Quelle: pixelio.de)

Der Drogen- und Suchtbericht 2008, der vor wenigen Tagen in Berlin vorgestellt wurde, ist insgesamt alles andere als erfreulich: Zwar geht daraus hervor, dass immer weniger Jugendliche Tabak oder Haschisch rauchen. Auffallend ist allerdings, dass der Alkoholkonsum unter Jugendlichen noch weiter gestiegen ist. "Komasaufen" unter Freunden oder auf Partys sowie Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholkonsums werden immer häufiger.

Bei den Erwachsenen ist auffällig, dass noch immer jeder Dritte - also ungefähr 16 Millionen Menschen - Zigaretten raucht. Und es gibt laut Drogenbericht sogar immer mehr Erwachsene, die Haschisch rauchen. Auch der Alkoholkonsum von Erwachsenen ist Besorgnis erregend: 9,5 Millionen Deutsche trinken übermäßig viel Alkohol, etwa 1,3 Millionen sind Alkoholiker - also abhängig. Aber auch bei Alkohol sind die Grenzen zur Sucht fließend. Eineinhalb Millionen Erwachsene sind dem Suchtbericht zufolge abhängig von Medikamenten.

Was macht Drogen so gefährlich?

Vernebelte Sicht: Drogen können das Bewusstsein und die Psyche massiv verändern. Extreme Entzugserscheinungen können eintreten, wenn man bereits abhängig ist und die Wirkung der Droge nachlässt.

Drogen bergen viele Risiken: zum einen besteht natürlich die Gefahr, seelisch und körperlich abhängig zu werden und sein Leben immer mehr nach der Sucht auszurichten. Dies wirkt sich auf die ganze Persönlichkeit aus. Bei harten Rauschmitteln treten schließlich schlimme seelische und körperliche Entzugserscheinungen auf, wenn die Wirkung der Droge nachlässt. Der Körper hat sich an die Droge gewöhnt und "braucht" immer mehr davon. Zum anderen wirken viele Rauschmittel wie Giftstoffe auf den Körper - sie sind also schädlich für unsere Gesundheit.

Außerdem wirken Drogen bewusstseinsverändernd - man hat ein falsches Bild der Realität und neigt oft zu gefährlicher Selbstüberschätzung. So ignoriert man Bedürfnisse seines Körpers, verkennt Gefahren und kann sich und andere auf diese Weise in bedrohliche Situationen bringen. Viele Unfälle sind auf den Konsum von Drogen zurückzuführen. Hinzu kommt, dass verbotene Drogen oft von skrupellosen Händlern auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Welche (giftigen) Inhaltsstoffe wirklich enthalten sind und was man eigentlich zu sich nimmt, kann nicht überprüft werden. Viele Drogen werden aus Kostengründen "gestreckt", man mischt also irgendwelche - häufig schädlichen - Zusatzstoffe unter.

Drogen als Problemlösung?

Veränderte Wahrnehmung: Drogen wirken auf das Hormonsystem unseres Körpers und täuschen ein verändertes Bild der Wirklichkeit vor. (Quelle: Quelle: pixelio.de)

Gerade unter Stress, wenn vieles nicht so läuft, wie man will, beginnt der oft fatale Einstieg in den Drogenkonsum. In Situationen, die auf das Gemüt drücken und scheinbar nicht bewältigt werden können, sehen viele in Drogen eine Art "Ausweg". Mal vergessen, mal entspannen, mal abschalten - viele Drogen entlasten im Rausch zunächst vordergründig von Problemen, vermindern Ängste und Hemmungen. Viele Drogen bewirken ein gesteigertes Selbstwertgefühl, Glücksgefühle und Entspannung. Wer die Erfahrung macht, dass Drogen zunächst das Wohlbefinden verbessern, ist schnell in Versuchung, immer öfter auf sie zurückzugreifen.

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Dann steigt die Gefahr, süchtig zu werden. Drogen helfen niemals bei Problemen. Die vordergründige Erleichterung führt schnell zu einem Suchtverhalten und massiven Problemen, welche es ohne Drogen überhaupt nicht gäbe. Die Situation wird immer schlimmer. Bei vielen Rauschmitteln muss immer häufiger und mehr von dem Stoff konsumiert werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Entzugserscheinungen und seelische Verstimmungen treten ein. Der regelmäßige Gebrauch von Rauschmitteln kann sich erheblich auf unsere Psyche auswirken sowie Charaktereigenschaften und Verhalten verändern. Viele stumpfen ab, werden depressiv, leicht reizbar oder haben immer größere Probleme, die Realität im "nüchternen Zustand" - also nicht berauscht - zu ertragen.

Spaßfaktor Droge?

Spaßfaktor Droge: Viele Rauschmittel hellen die Stimmung auf. (Quelle: Quelle: pixelio.de)

Drogen lösen die Probleme jedoch nicht, sondern sie helfen dabei, sie vorübergehend zu verdrängen und eine Art Realitätsflucht zu betreiben. Nach dem Drogenrausch geht es vielen deshalb oft noch schlechter. Aber es muss nicht immer der Stress oder Problembewältigung sein - viele junge Menschen probieren auf der "Suche nach Spaß" alle möglichen Drogen aus. Viele betrachten diese Erfahrungen als cool und gewinnbringend.

Gerade weil so viele Jugendliche Kontakt und Erfahrungen mit Drogen machen, ist es schwer, sich abzugrenzen und "Nein" zu sagen. Wer dazugehören will, macht in vielen Fällen einfach mit. Man steht schnell alleine da, wenn man nicht mitraucht oder mittrinkt - oft gilt man auch als "Langweiler" oder "Angsthase". Es braucht also häufig einiges an Mut zu sagen, dass man keine Drogen - ob legale wie Zigaretten und Alkohol oder illegale, also verbotene - zu sich nehmen will. Es ist eben fast schon normal, beim Ausgehen Alkohol zu trinken, zu rauchen oder zu "kiffen" - also Haschisch zu rauchen.

Das aus der Cannabis-Pflanze gewonnene Rauschmittel ist neben Zigaretten und Alkohol die am weitesten verbreitete Droge. Die meisten haben schon einmal an einem "Joint" - also einer gedrehten Haschischzigarette - gezogen. In der Techno-Szene ist der Konsum von synthetischen Ecstasy-Pillen verbreitet, die leistungssteigernd wirken. Abgesehen davon, dass der Konsument nicht weiß, welche schädlichen Stoffe in den verbotenen, chemischen Pillen wirklich enthalten sind, birgt diese Droge weitere Gefahren: Körperliche Bedürfnisse werden vermindert oder überhaupt nicht mehr wahrgenommen. So tanzen einige trotz völliger Erschöpfung die ganze Nacht durch, ohne Flüssigkeit zu sich zu nehmen, da sie kaum ein Durst- und Müdigkeitsgefühl verspüren. Das ist gefährlich und kann sogar tödlich enden.

Junge Menschen besonders gefährdet

"Komasaufen" gilt bei einigen Jugendlichen als "angesagt" und "cool". Nicht selten landen Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. (Quelle: photocase)

Gerade junge Menschen sind anfälliger dafür, in die Sucht abzurutschen. Wer Drogen nimmt, kann schwer abschätzen, wann er in den Strudel der Abhängigkeit gerät. Sucht ist ein stetig voranschreitender Prozess, eine klare Grenze ist beim Drogenkonsum nur schwer zu erkennen. Oft fängt es ganz "harmlos" an - man will einfach mal etwas Neues ausprobieren und seine Erfahrungen machen - so wie es viele andere schließlich auch schon mal getan haben.

Das Problem ist aber, dass viele die Gefahr einer Abhängigkeit unterschätzen und glauben, den Konsum von Rauschmitteln "im Griff" zu haben. Dass sie bereits abhängig sind, ist den meisten nicht einmal bewusst - oder sie wollen nicht wahrhaben, dass sie ein Suchtproblem haben. Da Jugendliche schneller als Erwachsene lernen und ihr Körper empfindlicher reagiert, gewöhnen sie sich auch schneller an den Genuss von Suchtstoffen. Bei jungen Menschen führen die sensiblen Nervennetze rasch zum Suchtverhalten. Und nicht nur das: Sie können die Persönlichkeit verändern. Besonders gefährdet sind nach Einschätzung vieler Experten junge Menschen, die mit Hilfe der Droge Lebensaufgaben wie Schule, Studium, Berufstätigkeit, Kontakte knüpfen sowie die ersten Liebeserfahrungen bewältigen wollen und so versuchen, ihre Probleme zu lösen. Sie gehen oft leichtsinning mit der Gefahr von Rauschmitteln um und können die Folgen schwer einschätzen.

Einstieg leicht gemacht

Cannabis ist neben Alkohol und Zigaretten das am weitesten verbreitete Rauschmittel und gilt als "Einstiegsdroge". Der Konsum soll bei Jugendlichen gesunken, bei Erwachsenen dagegen gestiegen sein. (Quelle: Pixelio (Henning Hraban Ramm))

Ob gegen das Gesetz verstoßend oder erlaubt - Drogen wie Alkohol, Zigaretten, Haschisch, Ecstasy, Kokain, psychoaktive Pilze, LSD oder gar Heroin verändern unsere Wahrnehmung, beeinträchtigen ein freies, selbstbestimmtes Leben und machen süchtig. Viele der Rauschmittel führen sogar sehr rasch zur Abhängigkeit. Bei der gefährlichen Droge Heroin beginnt der Teufelskreislauf der Sucht meist schon nach der ersten oder zweiten Einnahme.

Natürlich ist das Konsumverhalten bei Rauschmitteln, die Wirkung der Droge sowie die Anfälligkeit zur Sucht individuell verschieden. Der Einstieg zu den illegalen Drogen erfolgt aber sehr häufig über die erlaubten und gesellschaftlich anerkannten Drogen Zigaretten und Alkohol. Anders ausgedrückt: Wer raucht, ist in den meisten Fällen deutlich anfälliger für Haschisch, Ecstasy und andere Drogen. Dabei zielt gerade die Getränke- und Zigarettenindustrie verstärkt auf immer jüngere Konsumenten ab: beispielsweise mit süßen Alkopops, die auch Jugendlichen schmecken und denen man den hohen Alkoholgehalt kaum anmerkt, und Werbung mit jungen, gutaussehenden Models für Zigaretten. Und das, obwohl für alle Suchtstoffe die Tatsache gilt: je jünger ein Mensch Drogen konsumiert, desto größer ist das Suchtrisiko.

Welche verschiedenen Drogen gibt es, wie werden sie hergestellt oder gewonnen und wie wirken sie? Warum machen sie süchtig und wie gefährlich sind sie? Im unten verlinkten Artikel erfährst du mehr über die einzelnen Rauschmittel.

Wie sind deine Erfahrungen? Warum ist der Drogenkonsum unter Jugendlichen so hoch? Wo liegen die Probleme? Was könnte dagegen getan werden? Wie denkst du zu diesem Thema? Im unten verlinkten Diskussionsforum kannst du dich mit anderen Lesern austauschen.

letzte Aktualisierung: 26.10.2011

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