Pelze: Wenn Nerze, Füchse und Robben zu Kleidung werden

Was steckt hinter dem Handel mit Tierfellen?

von Katrin Schönfeld

Wenn der Herbst beginnt und sich die Blätter an den Bäumen verfärben, müssen wieder die warmen Jacken aus dem Schrank geräumt werden. Bei manchen Leuten sind sie nicht nur aus Baumwolle oder Kunststoffen, sondern aus Pelz, also aus Fellen von Säugetieren. Diese Mode wird von Tierschützern massiv kritisiert. Denn Pelze stammen meist von Tieren, die nur dafür gefangen oder gezüchtet und getötet werden. Mit welchen Pelzen wird hauptsächlich gehandelt? Wie ist die Situation in Deutschland und anderen Ländern? Und welche Einwände haben die Tierschutzorganisationen?

Viele Millionen Nerze werden weltweit in Pelzfarmen gezüchtet und in engen Käfigen gehalten. (Quelle: PeTA Deutschland e.V./ pixelio.de)

Laut Angaben des Deutschen Tierschutzbundes werden jedes Jahr weltweit etwa 80 Millionen Tiere - ungefähr so viele Menschen leben in Deutschland - für den Handel mit Pelzen getötet. Ihre Felle, also die mit Haar bedeckte Haut der Tiere, werden zu Mänteln, Jacken oder Mützen verarbeitet und verkauft. Für einen einzigen Pelzmantel bräuchte man beispielsweise die Felle von ungefähr 30 bis 50 Waschbären oder 14 Luchsen, 40 bis 60 Nerzen, zwölf Wölfen, 110 Eichhörnchen oder 130 bis 200 Chinchillas.

Weitere begehrte Tierpelze sind die von Robben, Kaninchen, Iltis, Zobel, Rotfüchsen, Polarfüchsen, Sumpfbibern und Marderhunden. Diese Tiere werden gejagt oder extra gezüchtet, um ihre Felle zu verkaufen. Auch mit dem Pelz von normalen Hunden und Katzen wird seit einigen Jahren gehandelt - vor allem in asiatischen Ländern wie China. Was ist nun das Besondere an Pelz? Ein bearbeiteter Pelz ist kuschelig weich und manche Menschen finden, dass er edel aussieht. Für viele ist ein Pelz auch ein Ausdruck von Luxus und Wohlstand. Die Herstellung von Pelzen ist sehr aufwändig. Damit das Fell eines Tieres weich wird, sind etwa 140 Arbeitsschritte notwendig. Aus diesem Grund sind Pelzwaren nicht billig: Ein Nerzmantel kann beispielsweise mehr als 2.000 Euro kosten.

Der Handel mit begehrten Tierfellen

Die Herstellung von Pelzen ist sehr aufwändig - damit das Fell eines Tieres weich wird, sind etwa 140 Arbeitsschritte notwendig. (Quelle: Wikipedia)

Bereits in der Epoche der Steinzeit (sie begann vor etwa drei Millionen Jahren und endete vor etwa 10.000 Jahren) trugen Menschen das Fell von Tieren als Schutz gegen Kälte und Regen. Es wurde also schon früh als Bekleidungsstück verwendet. Die Tiere wurden damals jedoch in erster Linie zu Nahrungszwecken gejagt und teilweise komplett verwertet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Mensch, Tiere nicht mehr nur zur Fleischgewinnung, sondern wegen ihres Pelzes zu fangen und zu züchten. Dabei wurden einige Tierarten fast ausgerottet. Weil die Nachfrage nach Pelzen stieg, wurden die Tiere in so genannten Pelztierfarmen, also Anlagen zur Pelzgewinnung, gezüchtet.

Die ersten Tiere, die aufgrund ihres Pelzes in Massen gehalten wurden, waren Silberfüchse, Sumpfbiber und Nerze. Der Nerz ist aufgrund seines Pelzes noch heute das meist gezüchtete Wildtier. Weltweit werden etwa 40 Millionen Nerze in Zuchtfarmen gehalten. Weiterhin stehen Füchse auf der Liste der begehrten Pelztiere - weltweit sind es etwa 6,5 Millionen Füchse. Die hohe Nachfrage nach Pelzen ließ die Zahl der Pelztierfarmen schnell ansteigen. In Europa gibt es mittlerweile ungefähr 8.000 solcher Farmen, in denen jedes Jahr 27 Millionen Nerze und drei Millionen Füchse hochgezogen und dann wegen ihres Felles getötet werden. Laut Angaben des Deutschen Tierschutzbundes existieren in Deutschland derzeit 29 Pelztierfarmen, in denen vor allem Nerze (etwa 330.000 Tiere), aber auch Füchse, Chinchillas und Sumpfbiber gehalten werden.

Pelzwaren für jedermann

Pelzmäntel sind sehr teuer. Oft werden Pelze aber auch als Accessoires mit anderen Stoffen verarbeitet, so dass sie sich nicht nur wohlhabende Leute leisten können. (Quelle: Wikipedia)

Eine Zeit lang galt der Pelz als Luxusware, da er sehr aufwändig in der Herstellung war, und wurde daher vorwiegend von wohlhabenden Leuten getragen. Heutzutage werden Bekleidungsstücke aus Pelz auch an weniger reiche Menschen verkauft und sind bei Jüngeren durchaus beliebt. Pelzkleidung galt zwischenzeitlich eher als "out", liegt aber seit einiger Zeit wieder stärker im Modetrend. Dass Pelzwaren heute erschwinglicher sind, macht vor allem die Verwendung von Pelz als Accessoire möglich - als Teil- oder Schmuckstück an der Kleidung.

Es muss in der Modewelt nicht mehr ein ganzer Pelzmantel sein, sondern es reicht, wenn der Kragen mit einem Pelzrand gesäumt ist oder die Stiefel einen Pelzbesatz haben. Das ist viel billiger und ermöglicht so den Pelz für jedermann. Laut einer Umfrage würden sich etwa 90 Prozent der Deutschen keine Pelzmäntel kaufen, den Kauf von Artikeln mit Pelzbesatz schließen jedoch weniger Menschen aus. Trotzdem Pelze wieder mehr im Trend liegen, ist der Umsatz von Pelzwaren in Deutschland seit Jahren rückläufig. Während der Hauptmarkt für Pelze früher in Europa und Nordamerika war, liegt er heute vor allem in China und Russland.

Tierquälerei für die Pelzgewinnung

Nerzfarm in Wisconsin in den USA (Quelle: User:Royalbroil/ Wikimedia Commons)

Viele Tierschutzorganisationen wie PETA ("People for the Ethical Treatment of Animals", deutsch: Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren) oder der Deutsche Tierschutzbund protestieren gegen die Pelztierfarmen. Mit zahlreichen Demonstrationen, Unterschriftenaktionen, Plakaten und Flugblättern machen die Organisationen auf die Problematik aufmerksam. Denn ihrer Meinung nach findet dort eine massive Tierquälerei statt.

Zum einen werden die Tiere auf grausame Weise gefangen. Sie geraten in Fangeisen oder Schlingen von Fallenstellern, in denen sie nicht sofort getötet werden, sich aber tagelang darin quälen, weil sie sich beispielsweise bei Befreiungsversuchen verletzt haben und keine Nahrung bekommen. Zum anderen leben sie in den Anlagen zu schlechten Bedingungen. Sie sind vorwiegend in engen Drahtkäfigen untergebracht, in denen sie wegen des Gitters am Boden keinen festen Halt haben und ihre natürlichen Bedürfnisse und Verhaltensweisen wie Beutejagd, Graben, Wühlen, Baden, Springen und Freilauf nicht ausleben können. Auch leben teilweise Tiere, die sich in freier Wildbahn aus dem Weg gehen würden, in nebeneinander stehenden Käfigen und sind permanentem Stress ausgesetzt.

Maßnahmen der EU

In Kanada werden jedes Jahr hunderttausende Robben - darunter viele Jungtiere - wegen ihrer Pelze gejagt und grausam getötet. (Quelle: Ansgar Walk/ Wikimedia Commons)

In einigen Ländern haben die Regierungen gewisse Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere festgelegt. So gibt es in Deutschland seit 2006 Vorschriften für die Haltung von Pelztieren - dazu zählen größere Käfige, befestigte Böden statt solche aus Drahtgitter, Sonnenschutz, jederzeit Zugang zu Trinkwasser sowie Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere. Füchse und Marderhunde müssen die Möglichkeit zum Graben haben, für Chinchillas sind Sandbäder und für Nerze und Sumpfbiber Schwimmbecken vorgeschrieben.

Tierschutzorganisationen sind jedoch der Meinung, dass viel mehr passieren müsste - so sind die Käfige noch immer recht klein und es ist längst keine artgerechte Haltung gewährleistet. Auch bezüglich des Handels gibt es Beschränkungen. Mit Hunde- und Katzenfellen darf seit Anfang 2009 in Europa nicht mehr gehandelt werden und in Österreich, der Schweiz, Wales, England und Schottland gilt sogar ein Zuchtverbot für Pelztiere.

Weiterhin hat das Parlament der Europäischen Union ein Einfuhr- und Handelsverbot für Felle von Robbenjungtieren aus Kanada und anderen Ländern beschlossen. Denn dort werden jedes Jahr hunderttausende Robben - darunter überwiegend Jungtiere mit noch weißem Fell ("Whitecoats") - wegen ihrer Pelze gejagt und grausam getötet. In den meisten Fällen werden sie mit Knüppeln erschlagen, zum Teil werden sie auch schwer verletzt über das Eis geschleift oder bei lebendigem Leib gehäutet. Das EU-Verbot gilt nicht für Pelze von Robben, die von den Inuit ("Eskimo"-Völkern) gejagt werden, um für Nahrung zu sorgen und ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Getötet wegen Überpopulation?

In Deutschland werden jährlich 600.000 Rotfüchse getötet und deren Pelz weiterverarbeitet. (Quelle: Fuzzy Freddy/ Wikimedia Commons)

Weiterhin gibt es Felle von wildlebenden Tieren wie Waschbären, Rotfüchsen oder Bibern - oft heißt es, dass diese aufgrund einer "Überpopulation" getötet werden. Das bedeutet, dass in einem Gebiet übermäßig viele Tiere einer Art leben und sie immer mehr Schäden in der Natur anrichten. Um dem vorzubeugen, erlegen Jäger einen Teil der Tiere und halten auf diese Weise ihren Bestand auf einem mittleren Niveau.

Laut Pelzindustrie werden deshalb in Deutschland jährlich ungefähr 600.000 Rotfüchse getötet, deren Pelz dann weiterverarbeitet wird. Das Argument der Pelzhändler ist, dass diese Tiere nicht in erster Linie zur Pelzgewinnung getötet würden, sondern aus Naturschutzgründen. Tierschützer halten dagegen, dass der Tierbestand auf natürliche Weise und nicht durch den Menschen reguliert wird. Denn die meisten Pelztiere sind Beutegreifer - sie jagen und fressen also andere Tiere. Die Menge der Beutegreifer hängt wiederum von der Anzahl an Beutetieren ab. Gibt es weniger Futter, wird es auch weniger Beutegreifer geben, da es ihnen an Nahrung fehlt.

"Überpopulation" ist nicht selten ein willkommenes Argument der Pelzindustrie, um das Töten von Tieren zum Handel mit ihren Fellen moralisch zu verteidigen. So wird auch in Kanada und anderen Ländern, in denen Robbenjagd betrieben wird, immer wieder damit argumentiert, dass es ohnehin zu viele Robben gäbe und das natürliche Gleichgewicht gefährdet sei - tatsächlich ist der Lebensraum der Robben jedoch zunehmend bedroht. Pelzbefürworter betonen außerdem, dass einige Pelze nicht von Wildtieren oder Zuchttieren aus Pelzfarmen stammen, sondern von den so genannten "Nutztieren" wie Schafen und Kaninchen, die zur Fleischgewinnung getötet werden. In vielen Fällen handelt es sich allerdings überhaupt nicht um Felle von Tieren aus der Fleischzucht - viele Kaninchen und andere "Nutztiere" werden speziell für die Pelzindustrie gezüchtet.

Ein klares "Nein" für Pelze?

Viele Tierschutzorganisationen rufen zum Verzicht von Pelzkleidung auf. Bild: Eine französische Aktivistin demonstriert gegen das Tragen von Pelzen. (Quelle: Rama/ Wikimedia Commons)

Die Tierschutzorganisationen werden bei ihren Aktionen und Kampagnen von vielen Menschen - darunter bekannte Stars aus Film, Musik und Fernsehen - unterstützt. Auch einige Kaufhäuser und Modehersteller sprechen sich gegen Pelzwaren aus. Sie verweigern sich dem Pelzhandel, indem bei der Herstellung von Kleidung auf Pelze verzichtet wird oder in den Warenhäusern keine Waren mit Pelz angeboten und verkauft werden.

Der Deutsche Tierschutzbund gibt auf seinen Internetseiten Auskunft darüber, welche Warenhäuser und Handelsketten keine Pelze anbieten. Zwar ist das Tragen von Pelzmänteln nicht verboten, dennoch sollte man sich bewusst machen, unter welchen Umständen diese Produkte zum großen Teil hergestellt werden und dass Tiere dafür leiden und getötet werden müssen. Der Kauf von Pelzwaren ist also auch eine Gewissensfrage, die man nicht außer Acht lassen sollte.

letzte Aktualisierung: 07.10.2011

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