Lexikon: Europäische Union

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Die 28 Länder der Europäischen Union (Quelle: S. Solberg J., Kolja21, Masterdeis, Creative Commons (CC BY-SA 3.0) )

Die Europäische Union (Abkürzung: EU) ist ein Zusammenschluss von 28 europäischen Staaten. In der EU leben insgesamt 505,73 Millionen Menschen. Wie und zu welchem Zweck haben sich die Länder der EU zusammengeschlossen? Welche Aufgaben erfüllt die Europäische Union?

Bei der EU ging es ursprünglich einmal nur um die Wirtschaft. 1951 gründeten Belgien, Westdeutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande die Montanunion, 1957 dann Euratom und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Wichtigstes Ziel war es, dass die Länder untereinander keine Zölle mehr erheben sollten - das sind Gebühren, die anfallen, wenn man Waren in ein anderes Land bringt. Dadurch konnten alle EWG-Mitglieder in den anderern Mitgliedsstaaten ihre Waren günstig verkaufen. Aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft entwickelte sich 1993 die Europäische Union, in der es mittlerweile um viel mehr geht als "nur" um Wirtschaft. Die Wirtschaft der Mitgliedsländer wuchs immer weiter - und so wollten sich immer mehr Nachbarstaaten anschließen und es kam zur Erweiterung der Staatengemeinschaft:

  • Norderweiterung 1973: Großbritannien, Dänemark und Irland
  • Süderweiterung 1981/82: Griechenland, Spanien und Portugal
  • Dritte Erweiterung 1995: Finnland, Schweden und Österreich
  • Osterweiterung 2004: Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und Zypern
  • 2007: Beitritt von Rumänien und Bulgarien
  • 2013: Beitritt von Kroatien

Alle Mitgliedsstaaten einigen sich auf gemeinsame Gesetze, gemeinsame Bildungsstandards, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie Währungspolitik. Natürlich gibt es auch immer wieder Streitigkeiten zwischen den Ländern - etwa wenn es um Themen wie die gemeinsame Währung, Standards zum Umwelt- und Tierschutz oder die Energiepolitik geht. Alle Länder der Europäischen Union senden dafür Abgeordnete in das Europäische Parlament. Dort werden dann Gesetze beschlossen, die in allen Mitgliedsländern gelten sollen. Dafür wurde eine gemeinsame Europäische Verfassung ausgearbeitet. Die Europäische Union erklärt soziale und wirtschaftliche Stabilität sowie Frieden in Europa als eines ihrer Ziele und führt darüber hinaus auch Verhandlungen mit anderen Staaten, die nicht zur EU gehören.

Für die EU-Staaten und ihre Bürger hat das viele Vorteile:

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  • Die EU-Staaten können politisch eng zusammen arbeiten und gemeinsame Ziele verfolgen.
  • Firmen müssen keine Zölle zahlen, wenn sie Waren in ein anderes EU-Land bringen. Das nennt man einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Die EU ist der größte Wirtschaftsraum der Welt.
  • Besonders die wohlhabenderen EU-Länder profitieren davon, dass sie ihre Waren in der "Freihandelszone" innerhalb der EU-Grenzen produzieren und verkaufen können. So wird die Produktion noch gesteigert und es können mehr Arbeiter eingestellt werden. Folglich stehen mehr Arbeitsplätze zur Verfügung, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Wirtschaft wächst.
  • Ärmere und "weniger entwickelte" Länder bekommen von der EU Zuschüsse, um zum Beispiel neue Fabriken zu bauen und die Infrastruktur zu verbessern. Sie erhoffen sich von einem EU-Beitritt mehr Wohlstand, mehr Arbeitsplätze, einen höheren Lebensstandard, mehr gesetzlichen Schutz und weniger Kriminalität.
  • Ein einheitliches Europa mit gemeinsamen Zielen stärkt natürlich die Machtstellung der einzelnen Länder in der Welt.
  • Die EU hat bestimmte Bedingungen für den Umweltschutz und die Gesundheit der Verbraucher festgelegt - etwa bei der Produktion von Waren oder den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln. Diese sind beispielsweise strenger als in den USA. Vielen gehen die Regelungen allerdings nicht weit genug und sie fordern, dass noch deutlich mehr zum Schutz der Umwelt, der Tiere oder der Verbraucher getan wird.
  • Das Verreisen innerhalb Europas geht ohne Visa-Anträge und strenge Grenzkontrollen. So können wir als EU-Bürger problemlos nach Frankreich oder Spanien reisen - anders als wenn man als deutscher Staatsbürger nach Russland, Marokko oder die Türkei reisen will. Dort braucht man an der Grenze ein Visum, das man bei der Botschaft dieser Länder beantragen muss.
  • EU-Bürger dürfen aber nicht nur in allen Mitgliedsstaaten Urlaub machen, sondern dort auch arbeiten und sich Immobilien wie zum Beispiel ein Haus kaufen.
  • EU-Länder wie Deutschland müssen nicht mehr mit Soldaten ihre Grenzen bewachen und benötigen somit auch weniger Soldaten.

Zur Europäischen Union gehören nur 28 der 44 Länder Europas. Rumänien und Bulgarien wurden im Jahr 2007 in die EU aufgenommen, Kroatien 2013. Verhandlungen zum Beitritt der Türkei gibt es schon seit einigen Jahren, auch sie soll später dazukommen. Einige Staaten in Europa wollen nicht Mitglied der EU sein, so wie Norwegen, die Schweiz, Liechtenstein und Island. Einige Staaten in Ost- und Südosteuropa sind laut der EU (noch) nicht bereit für einen Zusammenschluss. Es gibt zu wenige Gemeinsamkeiten in Wirtschaft, Politik, Rechtswesen und Kultur. Um in die Europäische Union aufgenommen zu werden, muss ein Land nämlich bestimmte Anforderungen erfüllen. Problematisch sind hingegen politische und gesellschaftliche Probleme wie große Armut, Kriminalität und Bestechung. Für einen EU-Beitritt sollen auch die Menschenrechte in einem Land eingehalten werden. Den EU-Nachbarn wird statt einer Mitgliedschaft eine Partnerschaft angeboten. Georgien, Armenien und Aserbaidschan sind bereits eine solche Partnerschaft eingegangen.

Und dann gibt es noch einige Gebiete, die zur EU gehören, aber gar nicht in Europa liegen: Französisch-Guayana in Südamerika, die Faröer Inseln und Grönland, Guadeloupe und Martinique in der Karibik, die Kanarischen Inseln, die spanischen Städte Ceuta und Melilla bei Marokko und 19 weitere Inselgruppen.

Trotz all dieser Vorteile sind mit der Staatengemeinschaft der Europäischen Union auch viele Probleme und Nachteile verbunden:

  • Dadurch, dass die EU immer mehr gemeinsame Regelungen für alle Mitgliedsstaaten durchsetzt, verlieren die einzelnen Staaten zunehmend einen Teil ihrer Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Die EU-Bürger können in vielen wichtigen Fragen - etwa zum Umwelt- und Tierschutz, Gesundheit und Verbraucherschutz - nicht mehr entscheidend politisch mitbestimmen: Nicht nur sind die EU-Wahlen politisch anders aufgebaut als die nationalen Wahlen (wie die Bundestagswahl in Deutschland). Natürlich zählt auch die Stimme eines Bürger der Europäischen Union, die eine halbe Milliarde Bürger umfasst, wesentlich weniger als die eines Staatsbürgers in seinem Land.
  • Reichere Länder befürchten, dass ihr Wohlstand durch ärmere Mitgliedsstaaten gefährdet werden könnte.
  • Die Wirtschaft in ärmeren Ländern profitiert zwar einerseits durch eine EU-Mitgliedsschaft, andererseits steigen durch den Beitritt auch die Warenpreise und Steuern im Land an und große Konzerne gewinnen dort an Einfluss. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass kleinere Händler und Landwirte nicht mehr konkurrenzfähig sind und ihre Lebensgrundlage verlieren.
  • Die Situation vieler ärmerer EU-Bürger wird ausgenutzt, die oft bereit sind, harte Jobs für wenig Geld und zu schlechten Arbeitsbedingungen zu verrichten. Einige von ihnen wandern in reichere EU-Länder ein und arbeiten dort für ein geringes Gehalt. Von einer solchen "billigen Arbeitskraft" profitieren die wohlhabenderen Länder, während die Wirtschaft in den ärmeren Staaten darunter leidet und sich das Gefälle zwischen Arm und Reich noch verstärkt.
  • In vielen Wirtschaftszweigen werden Jobs dagegen von den reicheren in ärmere EU-Länder "verlagert" - somit sparen die reicheren Länder wie Deutschland noch mehr Geld. Die Waren werden zollfrei wieder ins eigene Land gebracht und hohe Gewinne erzielt. Das kommt den Menschen in den ärmeren EU-Ländern jedoch kaum zugute und die Wirtschaft kann dort keinen Aufschwung erleben.
  • Regelungen zum Umwelt- und Tierschutz werden immer weiter herabgesetzt. Ein Beispiel aus der Fleischproduktion: Es gibt immer mehr Massentierhaltungs-Betriebe, in denen viele Tiere auf engstem Raum gehalten werden. Schlachttiere werden heute aus Kostengründen zusammengepfercht oft quer durch Europa transportiert.
  • In vielen Wirtschaftsbereichen lassen die EU-Länder ihre Waren mittlerweile außerhalb von Europa produzieren, zum Beispiel in China, wo zahlreiche Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben. Dort schuften die Arbeiter für einen Hungerlohn - oftmals sogar Kinder. Von der so genannten "Auslagerung" der Jobs profitieren in der EU vor allem große Konzerne. Sie werden immer mächtiger, während kleinere Firmen pleite gehen.
  • Während die Kontrollen zwischen den EU-Mitgliedsländern fallen, werden die Grenzen zu anderen Staaten umso stärker abgesichert. Das hat schlimme Folgen für viele Flüchtlinge in Not. Falls sie überhaupt die Chance auf Asyl haben, können sie dieses nur noch ein einem einzigen EU-Land beantragen. Im Falle einer Ablehnung müssen sie die Europäische Union verlassen.

Die EU-Flagge besteht aus zwölf Sternen auf blauem Hintergrund. (Quelle: Europäische Union)

Die Europaflagge steht für die Einheit und Identität Europas. Die Zahl der Sterne, zwölf, ist traditionell das Symbol der Vollkommenheit, Vollständigkeit und Einheit. In ihr verbirgt sich eine alte Zahlensymbolik . Die Zwölf ist das Produkt aus der Dreifaltigkeit und den vier Elementen. Andere sagen, die 12 stehe für die 12 Tafeln des ersten geschriebenen römischen Rechts als Ausdruck der europäischen Rechtsgemeinschaft.

Als Europahymne wurde die Melodie von Beethovens Ode an die Freude 1972 vom Europarat eingeführt. Den Text "Freude schöner Götterfunken" verfasste Friedrich Schiller. Am 1. Januar 2002 wurde der Euro (€) als Europäische Währung in Form von Bargeld eingeführt. Er löste in zwölf der damals 15 EU-Ländern die Landeswährung ab. Dänemark, Schweden und Großbritannien führten die Europäische Währung nicht ein. Neue Beitrittsländer hingegen können den Euro erst einführen, wenn sie mehrere Jahre lang eine stabile Wirtschaft nachgewiesen haben. Der Euro gilt heute außerdem als offizielles Zahlungsmittel in einigen Ländern, die nicht zur EU gehören: Monaco, San Marino, Vatikanstadt und Andorra, aber auch im Kosovo und in Montenegro.


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