Indianer: Pizarro und der Untergang der Inka

Die Ureinwohner Amerikas - Teil 6

Teil 6 von 7

von Felicia Chácon Díaz und Björn Pawlak

Im Dezember 1533 erreichte der spanische Eroberer Francisco Pizarro mit seinen Begleitern die Inka-Hauptstadt Qusqu. Zunächst wurden die europäischen Neuankömmlinge dort von vielen Inka als Befreier begrüßt, denn unter den Söhnen des Inka-Herrschers Huayna Capac herrschte Streit um das Erbe des Vaters. Die Brüder Atahualpa und Huascar führten einen Krieg um den Inka-Thron und spalteten das Reich in zwei Lager. Atahualpa war mit seinen Unterstützern siegreich und ließ den Bruder Huascar gefangen nehmen - doch dann kam wie aus dem Nichts Pizarro.

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Atahualpa, mit seinen Brüdern letzter Herrscher der Inka: Als Pizarro und seine Männer das Reich der Inka betraten, bekriegte er sich mit seinem Bruder Huascar. Dadurch wurde den Spaniern die Eroberung sehr leicht gemacht. (Quelle: Wikipedia)

Für Pizarro war es ein Glücksfall, dass er das Inka-Reich zu einer Zeit der inneren Spaltung betrat. Die beiden zerstrittenen Brüder wurden schon bald getötet - Atahualpa wurde von den Spaniern hingerichtet, Huascar von Atahualpas Unterstützern. Ein weiterer Bruder namens Manco sollte nun zum nächsten Herrscher bestimmt werden. Dieser hielt Pizarro für einen Verbündeten, was ein schwerer Fehler war. Denn Pizarro war nur des Goldes wegen gekommen. Auf die Belange der Inka nahmen die Spanier in der Folgezeit keinerlei Rücksicht.

Die Spanier krempelten die Inka-Kultur völlig um und trachteten die Gesellschaftsordnung durchzusetzen, die sie aus ihrer Heimat kannten. Man könnte auch sagen, dass die Inka-Kultur von den Spaniern gnadenlos vernichtet wurde. Mit den Spaniern kamen auch die christlichen Missionare in das Land, um die "ungläubigen" Inka mit Überredungskunst bis hin zu Folter und "Gehirnwäsche" zum Christentum zu bekehren. Die Spanier beobachteten und beschrieben natürlich auch vieles, was sie in der "Neuen Welt" antrafen. Für die spätere Geschichtsschreibung waren diese Darstellungen ("Chroniken") Hauptquelle dafür, etwas über die alte Kultur der Inka zu erfahren.

Das Gold der Inka

Francisco Pizarro, Anführer der spanischen Eroberer: Gerüchte über einen immensen Goldschatz in den Händen der Inka lockten ihn tief nach Südamerika. (Quelle: Wikipedia)

Schon bei der Eroberung des Aztekenreichs in Mexiko (1519 bis 1521) haben die spanischen "Conquistadores" Gold und andere Schätze beiseite geräumt und ins Mutterland Spanien verfrachtet. Das spanische Königshaus verlangte immer mehr Gold und schickte weitere "Entdecker" nach Übersee. Die erste Expedition nach Südamerika leitete Pascal de Andagoya im Jahr 1522 - doch er erkrankte und überließ seine Schiffe den Abenteurern Francisco Pizarro und Diego de Almagro. Wohlhabende europäische Handelshäuser finanzierten die "Entdeckungsreisen", von denen sie sich große Gewinne versprachen.

Als der Inka-König Huayna Capac bereits im Sterben lag, sollte er über seine Nachfolge als Herrscher unter seinen Söhnen entscheiden. Die Nachfolge konnte jedoch nicht eindeutig geklärt werden, woraufhin ein erbittert geführter Bürgerkrieg zwischen seinen Söhnen Huáscar (Sohn der Schwester des Königs) und Atahualpa (Sohn einer ecuadorianischen Prinzessin) entflammte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Spanier noch nördlich des Inka-Reiches auf der Höhe von Panamá. Aus Erzählungen hörten sie jedoch von dem sagenumwobenen "Gold der Inka" - gemeint war der Sonnentempel in Qusqu. Auch Pizarro kannte die Gold-Legende - er beschloss den Inka-Schatz zu finden und an sich zu reißen.

Zug der Spanier nach Cajamarca

Ruinen von Cajamarca heute: Damals fand hier eine große Schlacht statt, als Atahualpa mit seinen Kämpfern dem Eindringling Pizarro gegenüberstand. (Quelle: Wikipedia)

Pizarro verließ mit seiner Flotte Spanien im Jahr 1530. Begleitet wurde er von ungefähr 180 Mann, darunter auch seine Brüder Juan, Gonzalo und Hernando. 1532 erreichte die Truppe den Ort Tumbes, der durch den Bürgerkrieg zwischen Atahualpa und seinem Halbbruder Huáscar völlig verwüstet worden war. Pizarro erkannte die Chance, sich den Streit der Brüder zunutze zu machen - Einheimische hatten ihm in etwa vermitteln können, in welcher Situation sich die Inka gerade befanden. Entlang der alten Königsstraße der Inka bewegten sich Pizarro und seine Leute weiter in Richtung Süden.

Auf dem Weg nach Qusqu wurde Pizarro samt Mitstreitern immer wieder angegriffen, ohne jedoch ernsthaft aufgehalten werden zu können. Ähnlich wie Cortés in Mexiko gelang es auch Pizarro, die kleineren Stämme gegeneinander auszuspielen. Diese waren daran interessiert, ihre Unabhängigkeit vom Inka-Reich zurückzuerlangen, auch deshalb ließen sie Pizarro weiter gewähren. Die Spanier mussten noch mehrere Male Andenpässe überwinden - am 14. November 1532 erreichten sie schließlich die Stadt Cajamarca. Hier kam es zur großen Schlacht gegen Atahualpa und seine Kämpfer.

Gefangennahme und Tod von Atahualpa

Atahualpa kurz vor seiner Hinrichtung: Die Spanier versprachen erst, Atahualpa im Tausch gegen Gold und Silber wieder freizulassen. Stattdessen richteten sie ihn hin, Gold und Silber nahmen sie trotzdem. (Quelle: Wikipedia)

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Vor der Stadt befand sich Atahualpa mit seinem 30.000 Mann starken Heer. Pizarro schickte einen Boten und überredete Atahualpa zu einem Treffen und zu Verhandlungen. Es handelte sich jedoch um einen Hinterhalt, auf den Atahualpa hineinfiel.

Als ein Priester mit der Bibel an Atahualpa herantrat, um ihn zum Christentum zu bekehren, soll dieser die Bibel genommen und in den Staub geworfen haben. Laut der spanischen Chronisten war dies das Signal zum Angriff - man eröffnete sofort mit Gewehren das Feuer auf eine unbewaffnete Menge. Die unvorbereiteten Inka konnten keine Gegenwehr mehr starten.

Die Spanier metzelten mit Gewehr und Schwert an die 10.000 Menschen nieder, Atahualpa wurde gefangen genommen. Zuerst wurde verabredet, dass man den Inka-König im Tausch gegen viel Gold und Silber wieder laufen lassen würde. Die Spanier ließen im gesamten Inka-Reich goldene und silberne Verzierungen von den Tempeln entfernen, sammelten Schmuck und andere Kunstgegenstände ein.

Als das ausgehandelte Lösegeld in Form von Gold und Silber ausgehändigt war, wurde Atahualpa trotzdem nicht freigelassen. Stattdessen machten die Spanier ihm einen Prozess und verurteilten ihn zum Tod. Um nicht verbrannt zu werden - was dem Totenkult der Inka völlig widersprach - willigte Atahualpa kurz vor seinem Tod noch ein, sich taufen zu lassen. Er wurde aufgehängt.

Pizarro übernimmt die Macht

1534 ließ der spanisch König Karl V. Südamerika in folgende vier Zonen aufteilen (von Nord nach Süd): Nueva Castilla, Nueva Toledo, Nueva Andalucía und Nueva León. (Quelle: Wikipedia)

Pizarro zog nun weiter in die Inka-Hauptstadt Qusqu, die er 1533 noch in der ersten Jahreshälfte erreichte. Hier waren kaum Anhänger von Atahualpa, deswegen empfing man Pizarro einigermaßen freundlich. Der neue Inka-Herrscher Manco war jedoch zu schwach, um sich gegen Pizarro auch nur irgendwie zu behaupten. Die neuen Machthaber im Land waren die Spanier, allen voran Pizarro. Zum Zeichen seiner Überlegenheit nahm er das 18-jährige Inka-Mädchen Quispe Cusi zur Braut, die Schwester Mancos.

Es dauerte noch einige Zeit, bis der Inka-Aufstand gegen die Spanier offen ausbrach. Zuvor plünderten die Spanier weiter - in Qusqu wurde sogar eine Gießerei aufgebaut, um alle verfügbaren goldenen Kunstgegenstände der Inka einzuschmelzen. Zwanzig Prozent ging direkt an den König, der Rest wurde unter Pizarro und seinen Soldaten aufgeteilt. Lima wurde zur neuen Hauptstadt ausgebaut, weil man hier den geeigneten Hafen hatte, um die Schätze nach Europa wegzuschaffen.

Letzter Inka-Aufstand unter Manco

Tupac Amaru, Sohn des Manco: Nach dem missglückten letzten Inka-Aufstand floh Manco ins Exil nach Vilcabamba. Doch die Spanier folgten einige Jahre später und stürmten auch die letzte Zuflucht. (Quelle: Wikipedia)

Was die Inka über die Eindringlinge dachten, hat ein spanischer Chronist festgehalten - Folgendes soll der letzte Inka-König Manco gesagt haben: "Nun haben die bärtigen Männer unser Land betreten, ihre Heimat liegt in weiter Ferne. Sie reden anders, als sie handeln. Sie haben keine Ehrfurcht vor Gott und kennen keine Scham. Sie behandeln uns wie Hunde und nennen uns auch so. Ihre Gier ist so groß, dass es keinen Palast und keinen Tempel mehr gibt, den sie nicht ausgeplündert hätten. In der Tat, selbst wenn sich aller Schnee in Gold und Silber verwandeln würde, wären sie immer noch nicht zufrieden. Ihr Ziel ist es, uns so geknechtet und versklavt zu sehen, dass uns nur noch übrig bleibt, wertvolle Metalle für sie zu finden und ihnen unsere Frauen und unser Vieh zu geben."

Die Inka bereiteten einen letzten Aufstand vor, heimlich wurden Truppen aufgestellt und Waffen beschafft. Man wollte gleichzeitig die beiden Städte Qusqu und Lima angreifen, die fest in spanischer Hand waren. Manco, zuvor in spanischer Gefangenschaft, war die Flucht geglückt, so dass er in den Reihen seines Volkes kämpfen konnte. Mancos Armee umfasste schließlich ungefähr zehntausend Krieger.

Nachdem die Kämpfe begannen, fanden die überrumpelten Spanier sich zunächst in fast auswegloser Situation wieder. Qusqu und Lima wurden gleichzeitig belagert, Hunderte von spanischen Soldaten fanden den Tod. Pizarro sandte einen Hilferuf nach Spanien, schließlich rückten spanische Truppen unter der Führung von Diego de Almagro aus dem Süden von Chile her nach. Manco floh mit seiner verbliebenen Armee nach Antisuyu im Osten des alten Inka-Reiches, später dann nach Vilcabamba. Erst 1571 stürmten die Spanier auch diese Stätte und ermordeten Tupac Amaru, den Sohn von Manco.

Die noch übrig gebliebene Kultur der einheimischen Inka wurde von den Spaniern in den Folgejahren systematisch zerstört. Die überlebenden Indios wurden zwangsweise zum Christentum bekehrt und mussten als Zwangsarbeiter in den Silberminen arbeiten.


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