Sklaverei gestern und heute

Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung

von Sebastian Zender

Seit 1998 fordert die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) dazu auf, jährlich am 23. August der Menschen zu gedenken, die unter dem Sklavenhandel zu leiden hatten. Dieser Tag wurde gewählt, da in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 in Saint Dominique (heute Haiti) ein Sklavenaufstand ausbrach, der als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Abschaffung der Sklaverei angesehen wird. Offiziell ist die Sklaverei inzwischen in allen Ländern der Welt verboten. Nach Schätzungen leben aber auch heute noch über 27 Millionen Menschen in Sklaverei oder in sklavereiähnlichen Verhältnissen.

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Sklaverei in Brasilien auf einem Gemälde von Jean-Baptiste Debret (Quelle: Wikipedia)

Als "Sklaverei" bezeichnet man einen Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt und gegen ihren Willen zur Arbeit gezwungen werden. Ein "Sklave" kann nicht frei über sein eigenes Leben entscheiden, sondern ist wirtschaftlich und rechtlich von einem anderen Menschen abhängig, der ihn so behandelt als würde er ihm "gehören" - der Sklave wird also als eine "Art lebendiges Eigentum" angesehen, wie es der griechische Philosoph Aristoteles ausdrückte.

Sklaverei gab es schon in den frühesten Hochkulturen der Menschheit. So finden sich beispielsweise bereits im "Codex Hammurabi", einem babylonischen Gesetzestext aus dem 18. Jahrhundert vor Christus, Vorschriften für den Umgang mit Sklaven. In der Antike fand die Sklaverei in Griechenland und Rom weite Verbreitung. Als die Eroberungskriege des Römischen Reichs ab dem 2. Jahrhundert einen immer weiteren Umfang annahmen, kam es zu einer massenhaften Versklavung von Kriegsgefangenen. Die Menschen in den unterworfenen Gebieten hatten nach Ansicht der Eroberer keine Rechte mehr. Sie wurden häufig per Schiff nach Rom oder Athen geschafft und auf den dortigen Sklavenmärkten meistbietend verkauft. Anschließend wurden sie in allen wirtschaftlichen Bereichen, vom Hausdienst bis zum Bergbau, eingesetzt oder als Gladiatoren benutzt. Das Sklavendasein war erblich: Die Kinder von Sklaven wurden automatisch auch zu Sklaven und gehörten fortan dem "Herren" ihrer Eltern.

Im Mittelalter blühte der Sklavenhandel vor allem im Norden und Osten Europas. Kriegsgefangene wurden als Sklaven in den Orient verkauft. Die Opfer dieses Handels kamen zu einem Großteil aus der Volksgruppe der Slawen. Man vermutet daher, dass das Wort "Sklave" dem mittellateinischen "sclavus" entlehnt ist, das gleichbedeutend mit "Slawe" ist. Mit der fortschreitenden Verbreitung des christlichen Glaubens ging der Sklavenhandel in Mitteleuropa zurück, da es verboten war, andere Christen als Sklaven zu verkaufen oder zu erwerben.

Menschenjagd als Geschäft: Der Sklavenhandel in der Neuzeit

Antike Ketten (Quelle: Urban | Wikipedia)

Einen erneuten traurigen Höhepunkt erlebte die Sklaverei nach der "Entdeckung Amerikas" durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492. In Folge dieser Entdeckung wurden nach und nach ganz Amerika und die karibischen Inseln von europäischen Seefahrtsmächten erobert. Bei der Gründung dieser neuen Kolonien gingen die Europäer mit äußerster Brutalität gegen die indianischen Einheimischen vor. Wer die blutigen Feldzüge überlebt hatte, wurde meist zu Zwangsarbeit auf Plantagen oder in Bergwerken verpflichtet.

Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und die von den Europäern eingeschleppten Infektionskrankheiten führten schließlich zur beinahe vollständigen Ausrottung der indianischen Bevölkerung. Deshalb kam man auf die Idee, afrikanische Sklaven, die als "widerstandsfähiger" galten, für die Arbeit in den Kolonien einzusetzen. Nahezu alle europäischen Seefahrts- und Handelsnationen - besonders Portugal, Spanien, England und die Niederlande - waren ab dem 16. Jahrhundert vorübergehend am internationalen Sklavenhandel beteiligt. Manchmal entführten die Europäer selbst Afrikaner, um sie zu versklaven, meist wurden die Sklaven aber von örtlichen Herrschern und Händlern entlang der afrikanischen Küste gekauft oder gegen Waren eingetauscht. Das gewinnbringende Geschäft mit den Europäern führte in Afrika zu einer regelrechten Menschenjagd.

Wie viele Männer, Frauen und Kinder sind während dieser Zeit aus Afrika verschleppt worden? Die genaue Zahl wird man wohl nie erfahren, aber die Schätzungen liegen zwischen elf und 15 Millionen. Angekettet und zusammengepfercht wurden diese Menschen in Sklavenschiffen auf dem mehrwöchigen Seeweg nach Amerika verfrachtet. Schon während dieses unmenschlichen Transports verdursteten viele Sklaven oder starben an Erschöpfung - Schätzungen zufolge bis zu 1,5 Millionen Menschen. In den Kolonien angelangt, mussten die afrikanischen Sklaven nicht nur unter schrecklichen Bedingungen und ohne Bezahlung schuften, sondern waren auch ständig der Willkür ihrer "Herren" ausgesetzt. Wer sich wehrte oder versuchte zu fliehen, dem drohten sehr harte Strafen, nicht selten auch die Hinrichtung.

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Widerstand und Befreiungskampf

Dieses Bild zeigt einen misshandelten Sklaven, Louisiana (USA) 1863 (Quelle: Shauni | Wikipedia)

Erst im Zuge der Aufklärung entstand in Europa Ende des 18. Jahrhunderts eine Anti-Sklaverei-Bewegung. Zudem drangen die Schlagworte der Französischen Revolution von 1789 - "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" - auch bis in die Kolonien, wo es immer öfter zu Sklavenaufständen kam. Der folgenschwerste brach in Saint Dominique, dem heutigen Haiti, aus. Saint Dominique war eine französische Kolonie und umfasste einen Teil der Insel Hispaniola. Der andere Teil, die heutige Dominikanische Republik, war eine spanische Kolonie und hieß Santo Domingo. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 erhoben sich im französischen Teil der Insel die Sklaven gegen die weiße Oberschicht. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen, aber die Sklaven gaben nicht auf: Unter der Führung des freigelassenen Sklaven François-Dominique Toussaint Louverture führten sie den Kampf gegen die Sklaverei weiter.

Als der französische Nationalkonvent 1794 die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien beschloss, wechselte Louverture auf die französische Seite. Als General in der französischen Kolonialverwaltung kämpfte er gegen die Spanier im östlichen Teil der Insel. 1797 gelang es ihm und seinen Anhängern schließlich, alle weißen Kolonisten von der Insel zu vertreiben. Daraufhin blieb den Franzosen nichts anderes übrig, als den Schwarzen in der Kolonie völlige Freiheit und gleiche Rechte zu gewähren. Louverture wurde 1799 zum Gouverneur der Kolonie. Er strebte nach der Unabhängigkeit von Frankreich und gab der gesamten Insel Hispaniola 1801 eine eigene Verfassung. Inzwischen war in Frankreich Napoléon Bonaparte an die Macht gekommen. Bevor er 1802 die Sklaverei in den französischen Kolonien wieder einführen ließ, entsandte er Truppen, die Louverture gefangen nahmen. Louverture wurde nach Frankreich gebracht, wo er 1803 in Haft starb. Die Wiedereroberung von Saint Dominique scheiterte trotzdem. 1804 erklärte sich die ehemalige Kolonie zum unabhängigen Staat Haiti. Dies war der Anfang vom Ende der Sklaverei in den Kolonien.

Toussaint Louverture führte den Kampf gegen die Sklaverei auf Haiti an. (Quelle: Wikipedia)

Großbritannien verbot 1807 den Handel mit Sklaven auf britischen Schiffen. Schließlich zogen auch andere Nationen nach. 1815 verabschiedete der "Wiener Kongress" - eine Versammlung von Vertretern europäischer Staaten anlässlich des Sturzes von Napoleon - eine gemeinsame Erklärung gegen die Sklaverei. In den USA war die anhaltende Sklaverei ein Grund für den Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten. Schließlich hielt das Verbot der Sklaverei 1865 auch in die amerikanische Verfassung Einzug. 1926 unterzeichneten 44 Staaten des "Völkerbundes" (ein Vorläufer der "Vereinten Nationen") ein Übereinkommen: Darin verpflichteten sie sich, den Sklavenhandel zu unterbinden und der Sklaverei entgegenzuwirken. Die Menschenrechtskonvention ("Konvention" bedeutet "Übereinkunft") der Vereinten Nationen von 1948 bestätigt das Verbot der Sklaverei und des Menschenhandels. Als letzte Staaten haben Saudi-Arabien 1963 und Mauretanien 1980 die Sklaverei gesetzlich verboten.

Sklaverei heute: Erschreckende Zahlen

Kindersoldat aus Sierra Leone (Foto von UNICEF) (Quelle: UNICEF/ Giacomo Pirozzi http://www.unicef.de)

Trotz aller Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft ist die Sklaverei auch heute noch weit verbreitet. Im April 2006 veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation "terre des hommes" (der Name ist französisch und bedeutet soviel wie "Erde der Menschen") Zahlen, nach denen immer noch rund zwölf Millionen Menschen in Sklaverei leben. Die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Die Zahlen anderer Organisationen, wie beispielsweise "Anti-Slavery International", sind noch erschreckender: Nach ihren Schätzungen gibt es sogar mindestens noch 27 Millionen Menschen, die in Sklaverei oder ähnlichen Verhältnissen leben müssen. Die Gesamtzahl dieser Menschen wäre damit viermal so groß wie die Einwohnerzahl der Schweiz.

Von den modernen Formen der Sklaverei sind Kinder und Jugendliche oft besonders betroffen. Sie sind Opfer von Menschenhandel, Zwangs- und Kinderarbeit oder werden als Kindersoldaten gezwungen, in Kriegen zu kämpfen. Weit verbreitet ist nach wie vor auch der Handel mit Mädchen und Frauen, die zur "Prostitution" - also dazu, sich gegen Geld an Männer zu verkaufen - gezwungen werden. Er gehört zu den gewinnbringendsten Aktivitäten der organisierten Kriminalität. Auch diese Menschen sollen uns durch den internationalen Gedenktag ins Gedächtnis gerufen werden - und der Umstand, dass der Kampf gegen die Sklaverei mit ihrem weltweiten gesetzlichen Verbot noch nicht gewonnen ist.


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