"Die Tribute von Panem" - Brot und Spiele jetzt auch im Kino

von Antje Leser - 13.03.2012

Mit großer Vorfreude blicken viele von euch einem Kinoereignis entgegen, das das Zeug hat, den Hype um die Vampirsaga "Twilight" von Stephenie Meyer zu toppen. Viele haben die Romantrilogie "Panem" von Suzanne Collins verschlungen, bei der die 16-jährige Katniss einer grausamen Endzeit-Regierung und deren abartigem Medienspektakel den Kampf ansagt. Das erste Buch des Roman-Dreiteilers wurde sogar mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Am 22. März kommt jetzt dessen Verfilmung, "The Hunger Games", in die deutschen Kinos.

Der erste Teil der Panem-Verfilmung läuft ab dem 22. März 2012 in den deutschen Kinos. Bild: Die Hauptfigur Katniss ist einer der 24 Tribute. Für sie beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. (Quelle: Studiocanal)

Inspiriert von einem Vater, der im Vietnam-Krieg gekämpft hat, und der aktuellen Entwicklung des Fernsehprogramms, verfasste die Autorin Suzanne Collins eine packende Trilogie (das ist ein Werk, das aus drei Teilen besteht). Dabei schwebten ihr vor allem die immer beliebter werdenden "Realityshows" vor - also Sendungen, bei denen die Wirklichkeit so realistisch wie möglich abgebildet werden soll und Menschen dafür in allen möglichen oder unmöglichen Alltagssituationen gefilmt und auch "vorgeführt" werden.

Die brutale Endzeit-Geschichte ist erst etwas für die schon älteren Kids und nichts für schwache Nerven: Seit Nordamerika durch Kriege und Umweltkatastrophen zerstört wurde, herrscht im daraus entstandenen Panem eine Willkürregierung, die sich auf Ausbeutung und Unterdrückung gründet. Die Handlung spielt auf die römische Antike an, bei der unter dem Schlagwort "panem et circenses", also der lateinischen Bezeichnung für "Brot und (Zirkus-)Spiele", Massenunterhaltungen in Arenen stattfanden, um der Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu begegnen. Unter einem Tribut versteht man übrigens eine Abgabe oder eine Ehrerbietung einer Sache oder einem anderen gegenüber.

Das Land Panem ist in verschiedene "Distrikte" unterteilt. Es entstand nach einem verheerenden Krieg des reichen Kapitols, der Regierung, gegen die Menschen aus den armen Distrikten im Umland, die sich gegen die Ausbeutung aufgelehnt hatten. Um politische Unruhen in Panem nun bereits im Keim zu ersticken und die jungen Generationen zu mahnen, wurden von der Regierung in der Folge "Hungerspiele" ins Leben gerufen. Somit muss jeder der zwölf Distrikte alljährlich zwei jugendliche Tribute benennen, die in einer riesigen Arena vor laufender Kamera gegen die Tribute der anderen Distrikte antreten sollen. Am Ende der grausamen Hungerspiele darf von den 24 Tributen nur einer überleben.

Eine packende Story zwischen Lob und Kritik

Andere töten, um zu überleben: Bei den brutalen Hungerspielen müssen Kinder und Jugendliche vor laufender Kamera gegeneinander kämpfen. Nur einer darf am Ende übrigbleiben. (Quelle: Studiocanal)

Die Meinungen zur Panem-Trilogie gehen auseinander: Während die einen Suzanne Collins vorwerfen, sie habe sich die Handlung eigentlich nicht selbst ausgedacht, sondern das meiste von anderen Werken übernommen und ihre Story sei zu brutal und flach, loben die anderen die Spannung und Ideenvielfalt der Romane.

Nach Aussage der Autorin ist bei der Geschichte auch Gesellschaftskritik gewollt und erwünscht: Den Lesern und Zuschauern wird durchaus der Spiegel vorgehalten, wenn unter dem Motto "Die Welt wird euch zusehen" vor laufender Kamera brutale Wettkämpfe zwischen Jugendlichen abgehalten werden, die zuvor noch wie Popstars gefeiert wurden. Der eine oder andere fühlt sich bei dieser düsteren Fantasy-Story also an die Schattenseiten der Reality-TV-Sendungen und Casting-Shows erinnert. Gleichzeitig werden gesellschaftliche Themen wie der Gegensatz zwischen Arm und Reich, Gut und Böse sowie Menschlichkeit und Grausamkeit angesprochen.

Für einige bleibt die Frage, ob der Roman nicht genau das zur Schau stellt und "feiert", was eigentlich kritisch betrachtet werden soll, wenn mit Sensationslust die grausamen Kämpfe in Szene gesetzt werden, ohne dass der Heldin tatsächlich moralische Bedenken kommen. Durch die eindeutige Trennung von Gut und Böse wird es dem Leser zumindest einfach gemacht, den Tod der gleichaltrigen Tribute mit einem Achselzucken abzutun und sich lieber der Liebesgeschichte zu widmen, die am Ende der Handlung für eine scheinbar überraschende Änderung der Spielregeln sorgt. Ob die Story, in der schon Kinder in den Kampf um Leben und Tod geschickt werden, dabei eigentlich noch jugendgerecht ist, darüber kann man streiten. Der Film wurde in Großbritannien sogar um sieben Minuten gekürzt, da einige Szenen für das junge Publikum als zu blutrünstig angesehen wurden. In Deutschland ist er hingegen in voller Länge ab zwölf Jahren zu sehen.

Band 1: Tödliche Spiele

Diese Karte zeigt das Fantasy-Land Panem mit seinen 13 Distrikten. (Quelle: aimmyarrowshigh.livejournal.com)

Die 16-jährige Katniss Everdeen lebt mit ihrer kleinen Schwester Prim und ihrer Mutter in Distrikt 12, einer Region, in der hauptsächlich Kohle abgebaut wird. Ihr Vater ist bei einem Kohlenunglück ums Leben gekommen, sodass Katniss die Versorgung der Familie übernommen hat. Gemeinsam mit ihrem Freund Gale wildert sie und verkauft alles auf dem Schwarzmarkt, dem so genannten Hob. Als bei der Auswahl der alljährlichen Hungerspiele das Los auf Prim fällt, meldet Katniss sich freiwillig.

Zusammen mit Peeta, dem männlichen Tribut aus Distrikt 12, wird sie in die Hauptstadt, das Kapitol, gebracht, wo sie auf den Wettkampf auf Leben und Tod vorbereitet wird. Die Vorbereitungen und anschließenden Kämpfe werden zu jeder Zeit im Fernsehen übertragen und die Bevölkerung ist unter Androhung von Strafe gezwungen, dem grausamen Medienspektakel beizuwohnen. Im Laufe der Spiele, in dem sich die Tribute gegenseitig umbringen, können Katniss und Peeta als tragisches Liebespaar die Sympathie der Zuschauer gewinnen. Am Ende fordern sie die Regierung offen heraus, sind sich jedoch im Klaren darüber, dass dieses Verhalten eine Kampfansage ist, die nicht ohne Folgen bleiben wird.

Band 2: Gefährliche Liebe

Jennifer Lawrence spielt in der Verfilmung von Panem, "The Hunger Games", die 16-jährige Katniss. (Quelle: Mingle Media TV/ Flickr.com)

Während Katniss und Peeta hochoffiziell als Sieger der 74. Hungerspiele gefeiert werden und zur "Tour der Sieger" aufbrechen, befürchtet die Regierung um Präsident Snow einen möglichen Aufstand der Distrikte. Snow droht Katniss, auch ihre Familie und Freunde zu bestrafen, wenn sie nicht mit ihm zusammenarbeitet. Während ihrer Siegertour wird Katniss zunehmend als Symbol des Widerstands betrachtet.

Um eine Auflehnung im Keim zu ersticken, beschließt die Regierung, bei den 75. Hungerspielen 24 Tribute aus den früheren Hungerspielen auszulosen. Da es seither in Distrikt 12 nur drei Überlebende gab, müssen Katniss und Peeta erneut in den Ring. Auch diesmal gestalten sich die Spiele äußerst brutal, enden jedoch für die Spielemacher höchst überraschend, als auf einmal die totgeglaubten aufständischen "Rebellen" aus dem zerstörten Distrikt 13 eingreifen.

Band 3: Flammender Zorn

Gladiatorenkämpfe gab es bereits im alten Rom. Meist handelte es sich bei den Kämpfern um Sklaven, die sich bei besonderer kämpferischer Leistung freikaufen konnten. (Quelle: Jean-Léon Gérôme, phxart.org)

Der letzte Band der Trilogie handelt vom Aufstand der Distrikte gegen das Kapitol. Während Katniss sich von ihren Verletzungen erholt, die sie sich in der Arena zugezogen hat, gilt ihre Sorge Peeta, der nach wie vor in den Händen des Kapitols ist. Dort foltert man ihn so lange, bis sein Wille gebrochen ist und er sich gegen Katniss und die Rebellen wendet, als den Aufständischen endlich seine Befreiung gelingt.

Coin, die Anführerin der Rebellen, missbraucht Katniss als Symbol der Auflehnung und lässt sie in Begleitung eines Kamerateams an den Kampfhandlungnen teilnehmen. In einer Art "Guerillakampf" (also einem Kampf aus dem Untergrund gegen einen übermächtigen Feind wie der Regierung) gelingt es den Rebellen unter Katniss Führung schließlich beinah, in das Kapitol einzudringen. Doch plötzlich wird deutlich, dass Coin, ähnlich wie ihr Gegenspieler Snow, über Leichen geht, um ihr Ziel zu erreichen. Als Katniss schließlich klar wird, dass sie als Figur in einem abartigen Spiel um Macht benutzt wird, wendet sie sich gegen Coin.

"Morituri te salutant" - Die Totgeweihten grüßen dich!

Diese Szene auf einem antiken Teller stellt Theseus im Kampf mit dem Minotaurus dar. (Quelle: Bibi Saint-Pol/ Wikimedia Commons)

Auf den ersten Blick erinnert Suzanne Collins Romantrilogie an die Gladiatorenkämpfe im antiken Rom, bei denen Sklaven untereinander oder gegen wilde Tiere kämpfen mussten. Während jedoch das römische Volk durch "Brot und Spiele" von den innerpolitischen Missständen abgelenkt werden sollte, werden die Hungerspiele in Panem als Warnung der Regierung vor Aufständen abgehalten.

Collins orientiert sich dabei an der altgriechischen Sage um Theseus und dem Minotaurus, einem Fabeltier mit menschlichem Körper und dem Schädel eines Stiers. In dieser Sage aus der griechischen Mythologie werden alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen als Menschenopfer nach Kreta gesandt. Dort werden sie in ein Labyrinth gebracht, wo der gefräßige Minotaurus bereits auf sie wartet.

Doch Katniss, die wie Theseus als weiblicher Tribut ausgelost und in einen scheinbar aussichtslosen Kampf geschickt wird, übernimmt in dem Dreiteiler nicht nur die Rolle des Griechen. Sie ist auch eine Art weiblicher Spartakus, ein römischer Sklave und Gladiator, der um 70 vor Christus einen Sklavenaufstand gegen die römischen Legionen (das waren Kampfeinheiten aus Soldaten) angezettelt hat. Angeblich hatte Spartakus dabei ein Heer von 200.000 Männern angeführt, mit dem er von Süd- bis Norditalien zog. Katniss geht einen ähnlichen Weg wie Spartakus, denn sie mausert sich vom entrechteten Tribun in der Arena zur Rebellenführerin - wenn auch eher unfreiwillig und gezwungenermaßen.

Die Autorin Suzanne Collins

Die Autorin Suzanne Collins hatte die Idee zu dem Dreiteiler "Die Tribute von Panem" während einer Fernsehsendung über den Irak-Krieg. (Quelle: David Shankbone/ Flickr.com)

Suzanne Collins, geboren 1962 in New Jersey, arbeitete zunächst als Drehbuchautorin für das US-amerikanische Kinderfernsehen, bevor sie 2003 ihren ersten Bestseller auf den Markt brachte. Als Auftakt zu der fünfteiligen Fantasy-Reihe "Underland Chronicles" verfasste sie den Roman "Gregor und die graue Prophezeiung", der bei vielen auf große Begeisterung stieß. 2009 erschien "The Hunger Games", der erste Band der Panem-Trilogie, die mittlerweile in 40 Ländern verkauft wird.

Angeblich wurden die deutschen Ausgaben, die im Oetinger Verlag erschienen sind, bislang insgesamt über 700.000 Mal verkauft. 2010 erhielt Collins neben zahlreichen Preisen auch den Deutschen Literaturpreis (Preis der Jugendlichen). Vom US-amerikanischen Nachrichtenmagazin "TIME" wurde sie 2010 auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2010 gesetzt. Dort hielt sich "The Hunger Games" auf der Bestsellerliste zwei Jahre lang auf Platz 1. Suzanne Collins hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Connecticut in den USA.

Panem - Der Film

Der Schauspieler Josh Hutcherson ist in der Rolle des Peeta Mellark zu sehen. (Quelle: Eva Rinaldi/ Flickr.com)

Der erste Film der Roman-Trilogie, "Hunger Games", wurde unter strenger Geheimhaltung der Sets in North Carolina, einem an der Atlantikküste gelegenen Bundesstaat im Südosten der USA, gedreht. Die nahezu unberührte Natur mit ihren dichten Wäldern bietet sich für die Darstellungen in der Arena geradezu an. Das Kapitol wurde aufwändig in einem Studio nachgebaut.

Der Film ist auf jeden Fall nichts für jüngere Kinder und erst ab zwölf Jahren zugelassen. In den Hauptrollen spielen Jennifer Lawrence als Katniss und Josh Hutcherson sowie Liam Hemsworth als Peeta und Gale. Die Synchronstimme von Katniss spricht Maria Koschny, die bereits die Hörbücher eingesprochen hat.

"Flammender Zorn" wurde sogar für den Deutschen Hörbuchpreis 2012 nominiert. Über die Verfilmung von Teil 2 der Trilogie wird bereits verhandelt, allerdings wird die Regie nicht mehr Gary Ross übernehmen. Diesmal soll in einer tropischen Region gedreht werden. Falls Teil 1 das Einspielergebnis von 100 Millionen US-Dollar in den USA erreicht, werden drei weitere Filme folgen - ein doppelter für das Finale. Die Fans warten schon gespannt auf den Kinostart und bereits seit Wochen gibt es viele Fanklubs und Homepages, auf denen man sich im Forum über die neuesten Trailer austauschen kann.

letzte Aktualisierung: 25.03.2012

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