Der Dalai Lama: Oberhaupt der Tibeter

Besuch in Deutschland

von Britta Pawlak - 16.05.2008

Der Dalai Lama ist nach Deutschland gereist. Das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten traf während seiner Reise Politiker und machte auf die Situation der Tibeter und den Konflikt mit China aufmerksam. Seit langer Zeit setzt sich der Dalai Lama weltweit für die Selbstbestimmung Tibets ein. Für die tibetischen Buddhisten ist der Dalai Lama ein "Erleuchteter in Menschengestalt" - und stellt die höchste weltliche Autorität dar.

Der Dalai Lama ist das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. (Quelle: Luca Galuzzi/ Wikimedia Commons)

Das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten gilt in Deutschland - wie auch in vielen anderen Ländern - als gern gesehener Gast. Schon lange prangert der Dalai Lama Verletzungen der Menschenrechte in seinem Heimatland an. In Deutschland führte er Gespräche und besuchte verschiedene Veranstaltungen.

Seit einigen Wochen sind die Aufstände in Tibet, die von den Chinesen gewaltsam niedergeschlagen wurden, immer wieder Thema in den Nachrichten. Der Konflikt zwischen Tibet und China besteht schon seit langer Zeit. Dass die Proteste der Tibeter nun aufmerksam verfolgt werden, ist kein Zufall. Wegen der Olympischen Spiele, die in diesem Jahr in Peking stattfinden werden, ist das weltweite Interesse an China gewachsen - was die Tibeter wiederum nutzen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Seit vielen Jahren wird das tibetische Volk im eigenen Land von der chinesischen Regierung unterdrückt.

Für seinen politischen Einsatz erhielt der Dalai Lama im Jahr 1989 den Friedensnobelpreis. Der tibetische Mönch mit dem Namen Tenzin Gyatso ist der 14. Dalai Lama. Tibet, auch als das "Dach der Welt" bezeichnet, umfasst einen großen Teil des Himalaya-Gebirges. Es zählt zu den höchstgelegenen Regionen der Welt. Nachdem die Truppen Chinas das Land schon seit 1950 besetzt hielten, musste der Dalai Lama seine Heimat im Jahre 1959 schließlich verlassen und "ins Exil" nach Indien gehen (das Wort Exil kommt von dem lateinischen Begriff "exilium", was "Verbannung" bedeutet). Mit ihm verließen viele tibetische Buddhisten das Land. Etwa zwei Drittel der Einwohner Tibets sind heute Chinesen.

Buddhismus - der Weg zur Erkenntnis

Buddha-Figur von Borobudur - eine der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Die Pyramide befindet sich auf der Insel Java in Indonesien. (Quelle: Jan-Pieter Nap/ User Nappio (Wikimedia Commons))

Gründer des buddhistischen Glaubens und erster Buddha ("der Erwachte") war Siddhartha Gautama, der im 5. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien lebte. Der reiche Fürstensohn entsagte seinem Leben in Luxus und machte sich auf die Suche nach Erkenntnis. Jahrelang lebte er in Enthaltsamkeit und Askese (vom griechischen Wort "askeo", bedeutet "üben", "sich befleißigen"). Ihn beschäftigte die Frage nach dem Leiden der Menschheit.

Jede Art von Gewalt und Gier nach Macht oder Besitz lehnte er ab - darin sah er die Ursachen für das Leid. Nach der buddhistischen Lehre erlangte er im Alter von 35 Jahren Bodhi (bedeutet "Erleuchtung" oder "Erwachen"). Buddha wird nicht als Gott und auch nicht als Überbringer der Lehre eines Gottes angesehen. Wichtig ist für die Buddhisten die selbst erlangte Erkenntnis - das Verständnis des eigenen Geistes, der Dinge und der Natur.

Durch Konzentration, innere Versenkung und Meditation kommen sie ihr Schritt für Schritt näher. Im Zentrum steht dabei immer Eigenverantwortung und Selbstständigkeit. Ein von höheren Autoritäten unkritisch übernommener Glaube und Obrigkeitsdenken werden abgelehnt. Darin unterscheidet sich der Buddhismus von vielen anderen Religionen. Auch eine kritische Haltung des Menschen gegenüber dem geschriebenen Wort und bestehenden Lehren wird im buddhistischen Glauben vermittelt. Mit ungefähr 450 Millionen Anhängern gehört er zu den großen Weltreligionen.

Der Dalai Lama - Oberhaupt der tibetischen Buddhisten

Die Buddhisten sehen im Mönch Tenzin Gyatso die Wiedergeburt des 13. Dalai Lamas (Bild). (Quelle: Wikipedia )

Die Bezeichnung "Dalai Lama" kommt aus dem Mongolischen und heißt frei übersetzt etwa "Ozean der Weisheit". Buddhisten glauben an Reinkarnation - die Wiedergeburt des Menschen. Im tibetischen Buddhismus wird der Dalai Lama als Mensch angesehen, der aus Güte und Mitgefühl das irdische Leben gewählt hat, obwohl er ein erleuchtetes Wesen ist - und den Kreislauf der Wiedergeburt hätte verlassen können. Die tibetischen Buddhisten nehmen an, dass der vorherige verstorbene Dalai Lama wieder auf die Welt zurückkehrt.

Eine tibetische Ordenskommission macht sich auf die Suche nach ihm. Die Buddhisten orientieren sich an Beschreibungen oder Symbolen des früheren Dalai Lamas. Auch besondere Träume von Eltern, außergewöhnliche Fähigkeiten von kleinen Kindern oder Naturerscheinungen werden als Zeichen gedeutet. Mönche stellen Kindern Aufgaben, die Hinweise liefern könnten - zum Beispiel müssen sie persönliche rituelle Gegenstände des verstorbenen Dalai Lamas erkennen. Der gegenwärtige Dalai Lama wurde im Alter von zwei Jahren von Mönchen entdeckt.

Mit dem Namen Lhamo Thondup wurde er am 6. Juli 1935 als Sohn einer Bauernfamilie im Nordosten Tibets geboren. Im Jahr 1939 wurde der Junge offiziell als Dalai Lama anerkannt. Die Mönche brachten ihn zum Potala-Palast - dem traditionellen Sitz der Dalai Lamas in der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Er wurde zum Mönch ausgebildet und in buddhistischer Philosophie und Meditation intensiv geschult. Sein neuer Name lautete Tenzin Gyatso. Im Alter von 15 Jahren übernahm er schließlich die Staatsgewalt in Tibet. Der Dalai Lama stellt für die tibetischen Buddhisten die höchste weltliche Autorität dar - und ist einer der bedeutendsten religiösen Titel.

Einsatz für die Selbstbestimmung Tibets

Majestätisch thront der Potala-Palast auf dem Roten Berg über der Hauptstadt Lhasa. 1950 besetzten chinesische Truppen das Land und vertrieben viele tibetische Buddhisten. (Quelle: Wikipedia / Library of Congress)

1950 besetzten die kommunistischen Truppen Chinas das Land. Sie wollten erzwingen, dass Tibet chinesisches Staatsgebiet wird. Die Menschen in Tibet, angeführt vom Dalai Lama, protestierten gegen die Besatzung. Doch die chinesische Armee ging mit brutaler Gewalt gegen sie vor. Mit 24 Jahren flüchtete der Dalai Lama schließlich aus seiner Heimat - sein Leben war in Gefahr. Viele Tibeter verließen ihr Land und folgten ihrem Oberhaupt nach Indien.

1959 wurde in Indien die tibetische "Exilregierung" gegründet. Man nennt sie so, weil sie im Ausland, also im Exil, gegen die Besatzer ihres Landes kämpft und den Anspruch erhebt, die rechtmäßige Regierung zu sein. Seit 1960 lebt der Dalai Lama im indischen Dharamsala am Südhang des Himalayas. Dort ist in einem buddhistischen Kloster auch sein Amtsitz. Bis heute konnte der Dalai Lama nicht in sein Heimatland zurückkehren und ist weiterhin Oberhaupt der tibetischen Exilregierung . Die Volksrepublik China erkennt ihn als solches nicht an.

Nun schon seit langer Zeit setzt sich der Dalai Lama friedlich für die Selbstbestimmung Tibets ein. Er steht nach eigenen Aussagen für einen gewaltfreien Widerstand und Frieden unter den Völkern ein. Weltweit kämpft er für die Rechte Tibets. Regelmäßig reist er durch Europa und Amerika, hält Reden und besucht Veranstaltungen. Einigen Tibetern gehen die Forderungen des Dalai Lamas nach Selbstbestimmung nicht weit genug. Sie wollen, dass Tibet politisch vollständig unabhängig wird. Kritische Stimmen werfen dem Dalai Lama hingegen vor, die Situation im früheren Tibet zu beschönigen: Die tibetischen Mönche und einige Adelige seien damals im Besitz von Grund und Boden gewesen und hätten ihre Arbeiter versklavt - sogar harte Strafen wie Körperverletzungen und Verstümmelungen habe man gegen die Sklaven angewandt. Weiterhin wird dem lamaistischen Regime unter Tenzin Gyatso die Unterdrückung von Frauen und die Einschränkung von Freiheitsrechten vorgeworfen.

letzte Aktualisierung: 17.10.2011

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