Lexikon: absurd/ Absurdität

von Björn Pawlak

Sisyphos mit seiner Last - in dieser Gestalt aus der griechischen Mythologie sah Camus ein Sinnbild für den Menschen im Absurden (Bild: Gemälde von Tizian). (Quelle: Wikipedia)

Die Wörter "absurd" oder "Absurdität" bezeichnen allgemein etwas "Widersinniges" oder "Unsinniges" - sie gehen auf das lateinische Wort "absurdus" zurück, das wörtlich übersetzt "misstönend" heißt. Besonders der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus hat den Begriff des "Absurden" geprägt, womit er das Gefühl der Fremdheit des Menschen in der Welt zum Ausdruck bringt. Camus gehört neben Jean-Paul Sartre zu den wichtigsten Vertretern des "Existenzialismus" - das ist eine Denkströmung, die die menschliche Existenz in den Mittelpunkt ihrer Philosophie rückt.

Das Absurde ist Thema in Camus' erstem philosophischem Werk, welches den Titel "Der Mythos des Sisyphos" trägt. Das Absurde ist für Camus das Gefühl der Fremdheit des Menschen in der Welt, das Hin- und Hergerissenwerden zwischen menschlicher Hoffnung und Todesgewissheit. Auch das sich ständig wiederholende Alltagsleben nennt Camus "absurd" - täglich zur Schule oder zur Arbeit gehen zum Beispiel. Camus fühlt angesichts des Absurden auch "Ekel" und "Überdruss" dem Dasein gegenüber. Deswegen stellt sich für ihn die allem zugrunde liegende Frage, ob das Leben überhaupt "lebenswert" ist oder nicht. Diese Frage möchte Camus zunächst einmal radikal mit ja oder nein beantworten.

Dabei möchte er jedoch auf alle "falschen Hoffnung" verzichten, wie sie seiner Ansicht nach etwa von den Religionen und deren Vorstellungen eines allmächtigen Gottes verbreitet werden. Camus war "Atheist", was heißt, dass er die Existenz Gottes leugnete. Camus' Ansicht nach kann man nicht gleichzeitig an Gott und an die Absurdität glauben, beides schließt sich gegenseitig aus. Die Welt ist für Camus Chaos und "Anarchie" (also "Herrschaftslosigkeit") - aber beim Menschen stellt er die Gabe fest, sich selbst einen Sinn zu geben. Indem der Mensch sein Leben annimmt, lehnt er sich laut Camus gegen die Bedingungen seines Daseins auf. Indem der Mensch den Tod "ablehnt", gewinnt das Leben einen positiven Wert. Auch wenn der Mensch weiß, dass er einmal sterben muss, ist er mit dem ihm gewissen Tod niemals ausgesöhnt. Die absurde Überlegung versteht Camus letztlich als Lebensermutigung - sie fordert den Menschen auf, sich selbst zu seinem Zweck zu machen.

Was hat das alles mit Sisyphos zu tun, der sagenumwobenen Gestalt aus der griechischen Mythologie? Auch Sisyphos erträgt ein hartes Schicksal und lebt deswegen im Absurden - die Götter haben ihm die Strafe auferlegt, einen schweren Felsbrocken wieder und wieder einen Berg hinaufzurollen. Oben angekommen rollt der Felsbrocken wieder ins Tal - Sisyphos steigt herab, um diese Arbeit von neuem zu verrichten (man spricht auch von "Sisyphosarbeit"). Diese sinnlose Aufgabe nimmt kein Ende. Doch Sisyphos erträgt sein Los und entfaltet laut Camus ein "reiches Bewusstsein", wenn er von seiner Last befreit den Weg zurück ins Tal nimmt. Durch seine Haltung ist er seinem Schicksal dann "überlegen". Sisyphos versinnbildlicht bei Camus den im Absurden lebenden Menschen.

letzte Aktualisierung: 16.10.2011

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