Karikaturen-Streit wird zum erbitterten Kampf der Kulturen

von Andreas Fischer - 18.02.2006

Eine dänische Zeitung veröffentlichte Karikaturen, die den islamischen Religionsgründer Mohammed zeigen. Viele Muslime in aller Welt reagierten entsetzt und erzürnt. Es folgten sogar Brandstiftungen, Bomben- und Morddrohungen. Ein Kampf zwischen der westlichen und der islamischen Welt ist entfacht.


Karikaturen über Mohammed haben einen Streit zwischen der westlichen und der islamischen Welt ausgelöst. (Quelle: Fotomontage)

Der Streit um Karikaturen, die eine dänische Zeitung abdruckte, hat sich mittlerweile zu einem erbitterten Kampf der Kulturen ausgeweitet. Karikaturen stellen Menschen mit übertriebenen Gesichtszügen dar. In vielen Zeitungen macht man sich auf diese Art über Politiker und öffentliche Personen lustig. Dies ist auch eine Möglichkeit, versteckte oder hintersinnige Kritik an ihnen zum Ausdruck zu bringen. Meist sind sie aber völlig übertrieben dargestellt.

Die Zeichnungen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, zeigen den islamischen Propheten Mohammed mit einer Bombe - eine Anspielung auf radikal-islamische Terroristen. Der Chef der Kulturseiten dieser Zeitung sagte, die Zeichnungen seien gewollt provokant gewesen. Man hätte die Reaktion der Öffentlichkeit und der muslimischen Minderheit in Dänemark testen wollen. Denn schließlich seien Meinung- und Pressefreiheit wichtige Bestandteile der Demokratie - dies müsse auch von Muslimen, die in demokratischen Ländern leben, akzeptiert werden.

In vielen Teilen der islamischen Welt ist es allerdings nicht erlaubt, Allah und Mohammed abzubilden. Die Muslime waren also zum einen empört darüber, dass diese Karikaturen ihren Propheten zeigten, zum anderen verspotteten sie ihn und ihre Religion auch noch. Außerdem stellten die Bilder eine Verbindung zwischen ihrem Glauben und radikalen Terroristen her. Ein dänisches Gericht wies die Klage der Muslime allerdings aus Gründen der Meinungsfreiheit ab.

Muslime aus aller Welt erzürnt

"Ja, man darf Gott karikieren", titelte eine französische Abendzeitung. Kurz danach war der Chefredakteur arbeitslos. (Quelle: France Soir)

Aber nicht nur Muslime in Dänemark, sondern aus aller Welt waren zornig. Vertreter der dänischen Muslime reisten in islamische Länder, um auf die Karikaturen aufmerksam zu machen. Offenbar zeigten sie dabei nicht nur die eigentlichen Bilder, sondern auch gefälschte, die noch viel beleidigender und weitgehender sind.

Ladeninhaber arabischer Staaten verweigerten den Verkauf von dänischen und norwegischen Produkten, und die Innenminister vieler arabischer Staaten forderten von der dänischen Regierung eine harte Strafe für die Verantwortlichen der Karikaturen. Auf den Straßen wurden dänische Flaggen verbrannt. Auch die Entschuldigung des Chefredakteurs der dänischen Zeitung änderte nicht mehr viel an der Situation. Es gab Bombendrohungen gegen die Redaktion, und aufgebrachte Muslime griffen dänische Botschaften in ihren Ländern an.

Der Konflikt weitete sich immer mehr aus: Auch Zeitungen anderer europäischer Staaten wie Deutschland druckten die Karikaturen ab, woraufhin sich die Wut der Muslime gegen immer mehr Länder - und letztendlich gegen die gesamte westliche Welt richtet.

War es in Ordnung, dass die dänische Zeitung die Karikaturen agedruckt hat? Oder hätten die Zeichnungen aus Rücksicht auf die muslimischen Einwanderer nicht veröffentlicht werden dürfen? Hältst du es für richtig, dass andere europäische Zeitungen ebenfalls die Karikaturen zeigen? Was muss der Westen und was müssen die islamischen Staaten tun, damit wieder Frieden herrscht? Ist eine Versöhnung zwischen den beiden Kulturen überhaupt möglich? Im Forum kannst du mit anderen Lesern darüber diskutieren.

letzte Aktualisierung: 12.06.2010

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