Die Geschichte der RAF

Teil 1

Teil 1 von 3

von Britta Pawlak und Carola Beck

Die Terrororganisation RAF entstand zur Zeit der 68er-Generation, als viele junge Menschen auf die Straßen zogen, um sich für eine "gerechtere Gesellschaft" einzusetzen. Die radikale RAF jedoch wollte ihre Ziele mit Terror und Gewalt durchsetzen. RAF-Terroristen waren an Ermordungen und Anschlägen beteiligt. Durch die Debatte um die Begnadigung von ehemaligen RAF-Mitgliedern wie Christian Klar wurde auch die Zeit des RAF-Terrors in Deutschland wieder zum Thema in den Medien. Wie entstand die RAF, was waren ihre Ziele und wann löste sie sich auf?

Brigitte Mohnhaupt, ehemalige Terroristin der RAF, wurde im März 2007 nach 24 Jahren Haft vorzeitig entlassen. (Quelle: Helles Köpfchen (abfotografiert) )

Für ihre zahlreichen Gewaltverbrechen verurteilte ein Gericht die beiden ehemaligen RAF-Mitglieder, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, 1985 zu einer Haftstrafe, die auf "fünfmal lebenslang" lautete. Die beiden Ex-Terroristen wurden 1982 von der Polizei gefasst und inhaftiert. Die "Rote Armee Fraktion" war eine terroristische Vereinigung in Deutschland, die im Jahr 1970 gegründet wurde. Erst 28 Jahre später, im Jahr 1998, gab die RAF offiziell ihre Auflösung bekannt. Mit Gewalt, Erpressung, Bombenanschlägen und Mord versuchte die Untergrund-Organisation, ihre politischen Ziele durchzusetzen.

Brigitte Mohnhaupt schloss sich 1971 im Alter von 22 Jahren der RAF an - und wurde bereits ein Jahr später gefasst und zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach ihrer Freilassung gehörte sie von 1977 bis zu ihrer Festnahme 1982 zu den führenden Köpfen der "Roten Armee Fraktion". Christian Klar trat 1976 im Alter von 24 Jahren der Terror-Organisation bei. Beide gehören zu den Hauptverantwortlichen bei der Entführung und der späteren Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer und waren an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto beteiligt.

Ex-RAF-Terrorist Christian Klar wurde im Dezember 2008 aus dem Gefängnis entlassen. (Quelle: Helles Köpfchen (abfotografiert) )

Die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt wurde nach mehr als 24 Jahren Haft vorzeitig auf Bewährung entlassen. Das Oberlandesgericht in Stuttgart entschied, dass sie das Gefängnis im bayerischen Aichach im März 2007 verlassen durfte.

Ex-Terrorist Christian Klar wurde erst im Dezember 2008 aus der Haft entlassen. Bundespräsident Horst Köhler hatte zuvor die Gnadengesuche der ehemaligen RAF-Mitglieder Christian Klar und Birgit Hogefeld abgelehnt. Kurz vor seiner Entscheidung hatte sich Köhler mit dem Ex-Terroristen Klar getroffen. Vor allem dieses Gespräch soll ausschlaggebend gewesen sein, sich gegen eine vorzeitige Haftentlassung zu entscheiden.

Proteste gegen das System

US-amerikanische Soldaten im Einsatz in Vietnam. Als Reaktion auf den fortdauernden Vietnam-Krieg beschloss die RAF, Anschläge auf US-Ziele in Deutschland zu verüben.

In den sechziger Jahren protestierten viele junge Menschen gegen die Regeln und Lebensgewohnheiten, die ihre Eltern ihnen vorschrieben. Sie empörten sich über den Krieg, den die USA in Vietnam führten. Sie meinten, dass die Generation ihrer Eltern sich nicht ausreichend mit den Verbrechen, die im Nationalsozialismus begangen wurden, auseinander setzte und die Vergangenheit herunterspielte. Sie lehnten sich gegen starre und veraltete Lehrmethoden an Schulen und Universitäten auf.

Sie kritisierten den Kapitalismus. Das ist das Wirtschaftssystem, das auch heute in Deutschland und anderen Ländern herrscht. Sie bemängelten daran vor allem, dass der Besitz ungleich verteilt war und die Macht in erster Linie den reicheren Menschen gehörte, die "auf Kosten der Ärmeren" lebten. Ihrer Ansicht nach beuteten die einflussreichen Unternehmer mit Geld (dem Kapital) ihre Angestellten und Arbeiter aus. Zudem kritisierten die jungen Menschen, dass vor allem die reichen Staaten Macht ausübten und Herrschaftsansprüche stellten - und ärmere Länder durch den Handel benachteiligt waren. Sie warfen dem Großteil der Gesellschaft vor, hauptsächlich auf materielle Dinge, also Reichtum und Geld, bedacht zu sein. Sie wehrten sich gegen den Bau der ersten Atomkraftwerke und prangerten an, dass die Menschen viel zu sehr auf ihren persönlichen Vorteil bedacht seien und sich zu wenig für ihre Umwelt und die Erhaltung der Natur einsetzten.

Studentenbewegung der 68er-Generation

Eine friedliche Studenten-Demonstration gegen Atomkraftwerke. Bild links: Studentenführer Rudi Dutschke. (Quelle: Hans Weingartz)

Vor allem Studenten suchten nach neuen Lebensformen und zogen die Schriften von Denkern wie Karl Marx und Friedrich Engels heran, mit deren Theorien und Werten sie eine neue, gerechtere Gesellschaft errichten wollten. Sie solidarisierten sich mit den Arbeitern, die sich gegen die "mächtigen Unterdrücker" auflehnen sollten. Sie vertraten eine politische Auffassung, die auch heute noch als "links" bezeichnet wird - und wurden als die "linken Rebellen" der "68er-Bewegung" bekannt. Den Staat - also etwa Politiker, Richter und Polizei - der der Gesellschaft ihrer Ansicht nach ein vorgegebenes System aufzwang, empfanden sie als unterdrückend und autoritär.

Auch die Gründer der RAF strebten nach diesen Zielen, aber mit einem ganz entscheidenden Unterschied: Sie hielten sich nicht an die Regeln des demokratischen Staates - und schreckten auch vor Gewalt nicht zurück. Sie versuchten sogar, ihre Ziele mit Mord, Erpressung und Gewaltanschlägen durchzusetzen. Die "Rote Armee Fraktion" wird deshalb - im Gegensatz zu friedlichen linken Gruppierungen - als "linksextremistische Terrororganisation" bezeichnet.

Wut und Entrüstung: Tod eines friedlichen Demonstranten

Trauriger Höhepunkt des Konflikts zwischen Protestlern und Staat: Der friedliche Student Ohnesorg wurde am 2. Juni 1967 von einem Polizisten erschossen.

In vielen Städten Europas demonstrierten junge Menschen. Sie zogen auf die Straße, um ihre Meinung zu verkünden und auf die Missstände und die "ungleichen Verhältnisse" aufmerksam zu machen. Die Proteste der Studenten wurden von vielen Politikern leichtfertig abgetan - und der Staat ging zum Teil mit harten Polizeieinsätzen gegen die demonstrierenden Studenten vor. Protestaktionen wurden gewaltsam beendet, einige junge Demonstranten wurden von der Polizei auch tätlich angegriffen und verhaftet.

Zeitungen wie das Boulevard-Blatt "Bild" hetzten massiv gegen die Vertreter der 68er-Bewegung und bezeichnete sie öffentlich als "Politgammler" und "Krawallköpfe", gegen die man "gewaltsam" vorgehen müsse. Man verurteilte alle Anhänger der Studentenvereinigungen, radikal und gewaltbereit zu sein und forderte die Bevölkerung dazu auf, die "Störenfriede" zu bekämpfen.

Der vorerst traurige Höhepunkt des Konfliktes zwischen Staat und rebellierender Jugend in Deutschland war der Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Der 26-Jährige bekannte sich zur friedlichen Auseinandersetzung und nahm am 2. Juni 1967 in Berlin zum ersten Mal an einer Demonstration teil. Am Rande der Versammlung geriet er in ein Handgemenge mit der Polizei. Aus der Dienstwaffe eines Polizisten, Karl-Heinz Kurras, fiel ein Schuss, der für Benno Ohnesorg tödlich war. Vor Gericht beteuerte der Polizist später, der Schuss habe sich versehentlich gelöst und wurde frei gesprochen. Im Mai 2009 wurde der Fall in den Medien allerdings wieder aufgerollt: Es wurde bekannt, dass der heute 81-Jährige ein geheimes Mitglied der SED, der Einheitspartei der DDR, gewesen sein und für die Stasi gearbeitet haben soll.

Dies wird deshalb als bedeutend angesehen, da der Tod Benno Ohnesorgs und der Freispruch Kurras' als Wendepunkt in der Studentenbewegung gelten. "Der Staat hat auf uns alle geschossen" war ein prägender Satz, der von nun an durch die Studentenvereinigungen ging. Die Bild-Zeitung spielte den Tod Ohnesorgs damals herunter und beschuldigte hingegen die "gewaltbereiten" und "militanten" Studenten, für die Ausschreitungen verantwortlich zu sein.

Abspaltung gewaltbereiter Terror-Gruppierungen

Das Zeichen der Terror- organisation "Rote Armee Fraktion". (Quelle: Wikipedia)

Für die Studentenbewegung, unter ihnen die zukünftigen RAF-Terroristen, saß der Schock tief. In der "linken Szene" spalteten sich von den mehrheitlich friedlichen Protestlern extreme Gruppierungen ab, die ihren überzeugten Kampf mit allen verfügbaren Mitteln führen wollten. Die radikale, gewaltbereite Einstellung der RAF-Mitglieder fand hier ihren Nährboden.

Die Mitglieder der "Roten Armee Fraktion" verübten von der Zeit der Gründung 1970 bis ins Jahr 1993 zahlreiche Anschläge und Entführungen in Deutschland sowie auch im Ausland. Vor allem in den siebziger Jahren richteten sich die Terrorattacken der RAF immer wieder gegen bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. 34 Menschen fielen den schlimmen Gewalttaten der RAF zum Opfer, auf Seiten der "Roten Armee Fraktion" starben 20 Mitglieder.

Erfahre mehr über die Hintergründe des RAF-Terrors, die Debatte um die Begnadigung der Ex-Terroristen und die Geschichte der "Roten Armee Fraktion". Klicke auf den Pfeil rechts unten, um zum zweiten Teil unserer Serie über die RAF zu gelangen. <

letzte Aktualisierung: 11.09.2009

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