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Das Turbo-Abi - Wo liegen die Probleme?

Immer mehr Schüler sind überfordert

02.04.2008

Nach der Grundschule nur noch acht Jahre bis zum Abi - gut oder schlecht? Die Meinungen dazu sind gespalten. Fest steht: In anderen Ländern studieren gleichaltrige Jugendliche schon, während sie in Deutschland noch aufs Abitur hinarbeiten. Das wollte man nun kurzer Hand auch in Deutschland umstellen. Doch wo liegen die Probleme für die Schüler? Warum leiden immer mehr junge Menschen unter Stresssymptomen? Was bedeutet das "Turbo-Abi"?

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Nachmittagsunterricht und danach Hausaufgaben - für Hobbies bleibt da kaum noch Zeit. (Quelle: pixelio/ Rainer Sturm )

Die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre hat viele Diskussionen ausgelöst. Viele Eltern beklagen, dass ihre Kinder völlig überfordert seien, Kinderärzte schlagen sogar schon Alarm: Stresssymptome wie Bauch- und Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Müdigkeit sind keine Seltenheit mehr bei jungen Menschen. Außerdem treten immer mehr Fälle von Schulverweigerungen und Schulphobien - also panischen Ängsten - auf.

Hintergrund der Reform war vor allem eine "bessere Konkurrenzfähigkeit" auf dem Arbeitsmarkt: In anderen Ländern studieren gleichaltrige junge Menschen nämlich schon, während sie in Deutschland noch zur Schule gehen. Die traurige Wahrheit hinter der Reform sieht jedoch so aus, dass die meisten Schulen zwar auf "G8" umstellen, jedoch wenig an der Unterrichtsform ändern. Der Stoff, der den Gymnasiasten normalerweise in neun Jahre vermittelt wurde, wird nun einfach in acht Jahren durchgezogen. Viel Zeit für Hobbies, Sport oder Freunde bleibt da neben der Schule nicht übrig. Der Druck auf die Schüler wächst - und somit auch die Unlust oder sogar Angst vor der Schule.

Stress und Überforderung der Schüler

Das "Turbo-Abi" soll innerhalb von 12 anstatt 13 Schuljahren erlangt werden. (Quelle: pixelio/S. Hofschlaeger)

Es gibt auch Schulen, die sich den neuen Umständen optimal angepasst haben: und zwar weg vom Frontal-Unterricht hin zu einer neuen Unterrichtsgestaltung. Dieser Weg bedeutet deutlich weniger Stress für die Schüler. In diesen etwas anderen Ganztagsschulen wird darauf geachtet, dass alles, was mit Schule zu tun hat, auch dort erledigt wird. Anschließend sollen die Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit genießen können. Zwar verweilen Schüler an den Ganztagsschulen eine Stunde länger als Schüler einer regulären Schule. Sie haben anschließend aber schon ihre Hausaufgaben und Förderprogramme hinter sich - und somit noch genug Zeit und Muße für Freizeit und Erholung.

Schüler, die eine normale Schule besuchen, leiden seit der Einführung des Turbo-Abis vermehrt unter Stress und haben immer größere Probleme, dem Druck stand zu halten. Nachmittagsunterricht, deutlich mehr Hausaufgaben und damit viel weniger Zeit für andere Dinge - diese Faktoren nehmen den Schülern nach und nach die Motivation. Bedenklich ist außerdem, wenn durch den ganzen Schulstress kaum noch Zeit für Bewegung und Sport bleibt, sondern die geringe Freizeit zu Hause vor dem Fernseher mit Kartoffelchips und Süßigkeiten verbracht wird - da den Kindern Elan und Energie fehlen. Entspannung, Bewegung zum Stressabbau und Ausgleich sowie Gesundheit im allgemeinen sind schließlich wichtig - und auch Grundvoraussetzung für Leistungsfähigkeit in der Schule.

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Es bedarf mehr, als schlicht ein Schuljahr zu streichen

Wie viele Hausaufgaben sind gerechtfertigt? Wie viel Freizeit sollten Kinder und Jugendliche haben? (Quelle: pixelio)

Viele Experten fordern daher keine schlichte Ballung der neun Jahre Lehrstoff auf acht, sondern eine Änderung im kompletten Schulsystem. Ganztagsschulen seien wie geschaffen für das G8-Konzept, und auch die Lehrpläne müssten wieder einmal neu in Form gebracht werden. Dort sei zu viel veralteter Stoff zu finden, der die Zeit der Schüler und Lehrer in Anspruch nimmt, ohne dass er noch von großer Bedeutung ist.

Die Forderung lautet: weg vom Frontalunterricht hin zur Gruppenarbeit, und auch die Unterrichtseinheit von 45 Minuten scheint mittlerweile veraltet zu sein. Blockstunden, in denen Schüler sich länger mit einem Lernfach auseinander setzen und so viel tiefer in die Materie einsteigen können, scheinen ein effektiveres Lernen zu garantieren. Schnelles Handeln ist gefordert, bevor die Schüler frustriert und überfordert aufgeben. Vor allem von den Verantwortlichen der "Schulreform" wird mehr Kreativität gefordert sein, als einfach ein Schuljahr zu streichen.

Wie findest du das Turbo-Abi? Im unten verlinkten Forum kannst du dich mit anderen Schülern austauschen. Mehr zum Thema "Schulangst", "Lernstress" und "richtiges Lernen" findest du auf Helles Köpfchen im unten verlinkten Artikel.

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letzte Aktualisierung: 25.11.2009

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