Verbot für Gen-Mais

Welche Risiken birgt die "grüne Gentechnik"?

von Britta Pawlak - 14.04.2009

In Deutschland ist der Anbau von Gen-Mais verboten worden. Damit ist Deutschland der sechste EU-Staat, der die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais untersagt. Bundesagrarministerin Ilse Aigner begründete die Entscheidung damit, dass der genmanipulierte Mais eine Gefahr für die Umwelt darstellen könnte. Vor allem werden Risiken für Marienkäfer, Schmetterlinge und bestimmte Insektenarten befürchtet. Während Befürworter der Gentechnik die Entscheidung als "unsachlich" abtun, atmen Umweltschützer und Bio-Bauern vorerst auf. Sie sehen in der "grünen Gentechnologie" noch weitaus größere Gefahren.

Gentechnisch veränderte Anbaupflanzen wie Mais, Soja, Tomaten und Kartoffeln werden in vielen Ländern gezüchtet und verkauft. (Quelle: Pixelio (Fotograf: qay))

In vielen Ländern werden mittlerweile gentechnisch veränderte Pflanzen gezüchtet und auf den Markt gebracht. Schon seit längerem wird darüber debattiert, ob und wie diese Lebensmittel gekennzeichnet sein sollen. Seit 2004 gilt für EU-Länder eine Kennzeichnungspflicht. Davon ausgenommen sind aber Fleisch, Eier und Milchprodukte - obwohl viele der Tiere mit Gen-Pflanzen gefüttert werden. Auch wenn in den Produkten Zusätze, Aromen und Enzyme, die mit Gentechnik hergestellt wurden, enthalten sind, gilt die Regelung nicht.

Mit der Kennzeichnung "Ohne Gentechnik" sollen die Käufer in Deutschland zwischen herkömmlichen und Gen-Lebensmitteln wählen können. Bei Fleisch, Milch und Eiern soll dabei garantiert werden, dass die Tiere nicht mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. Die Nahrung muss aber nicht gekennzeichnet sein, wenn der Gewichts-Anteil von gentechnisch verändertem Material unter 0,9 Prozent liegt.

Anbau von genmanipuliertem Mais verboten

Gen-Mais ist nun auch in Deutschland verboten worden. Gefahren für die Umwelt seien nicht ausgeschlossen, heißt es. (Quelle: Pixelio)

Das bisherige Gesetz regelte auch den Mindestabstand zwischen natürlich angebauten Pflanzen und Gen-Feldern - welcher vor allem den Bio-Bauern viel zu gering war. Denn Wind und Bienen sorgen dafür, dass sich die Pollen in der Umgebung weiter ausbreiten. So kann selbst beim Öko-Anbau nicht mehr gewährleistet werden, dass die Pflanzen frei von Gentechnik sind.

Nun ist der Anbau von Gen-Mais, der in Deutschland im Jahr 2006 zunächst genehmigt wurde, verboten worden. Es handelt sich um den so genannten Typ "Mon810" des US-Konzerns Monsanto - die bisher einzige genmanipulierte Pflanze, die in Europa als Anbaupflanze für den Handel zugelassen ist. Auch andere Staaten wie Frankreich, Österreich oder Ungarn haben die Aussaat in ihrem Land jedoch verboten. Bei diesem Gen-Mais wurde ein "Gift-Gen" - ein Gen eines bestimmten Bodenbakteriums - eingeschleust. Dieses produziert ein Gift, das für Larven von Insekten wie zum Beispiel Käfern und Schmetterlingen tödlich ist. Damit sollte die Pflanze resistent (also widerstandsfähig) gegen bestimmte Schädlinge gemacht werden.

Was sind die Risiken?

Umweltschützer von Pro Natura und dem WWF machen auf die Gefahren von gentechnisch veränderten Anbaupflanzen aufmerksam. (Quelle: WWF)

Problematisch ist zum einen, dass der Mais sich mit natürlichen Maissorten vermischen kann - vor allem über Honigbienen. Auch, dass Honig selbst durch Gen-Mais-Pollen verunreinigt werden kann, führte zu Debatten. Ein deutscher Imker klagte mit Erfolg gegen Monsanto, da in seinem Honig ein nicht geringfügiger Anteil an Gen-Mais-Pollen festgestellt wurde.

Darüber hinaus wird befürchtet, dass neben den Schädlingen, gegen welche die Pflanze resistent sein soll, auch andere Insektenarten gefährdet sind. Weiterhin warnen viele Forscher davor, dass die Schädlinge gegen dieses "Gift-Gen" längerfristig eine Resistenz entwickeln und dann auch Insektenmittel unwirksam werden könnten. Ob der Verzehr dieses Gen-Maises tatsächlich völlig unbedenklich für den Menschen ist, wird von einigen Seiten stark angezweifelt. Langzeitstudien gibt es nicht - und ebenso wenig ist bekannt, welche Folgen der Anbau der Genpflanze über längere Zeit noch für die Natur haben könnte.

Bei dem US-amerikanischen Konzern "Monsanto", von dem der Gen-Mais stammt, handelt es sich nicht um irgendein beliebiges Unternehmen. Der umstrittene Agrarkonzern machte in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfach negativ auf sich aufmerksam. Er stellt gentechnisch verändertes Saatgut, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Süßstoffe und weiteres her. Monsanto spezialisiert sich seit den 1990er Jahren auf Biotechnologie und die Entwicklung von neuem Saatgut. Das Unternehmen erforscht, produziert und verkauft Gen-Saatgut. Entscheidend ist: Etwa 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen - nahezu der gesamte Anbau - stammen von der Firma Monsanto! Dem Unternehmen wird von vielen Seiten vorgeworfen, die Landwirtschaft weltweit beherrschen und kontrollieren zu wollen (mehr dazu im Teil 2 des Artikels).

Was ist Gentechnik?

Mithilfe der Gentechnik wird das Erbgut der Pflanze verändert. So können zum Beispiel blaue Tomaten gezüchtet werden. (Quelle: Pixelio (Fotograf: Sirengel) )

Gene sind das Erbmaterial von Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie enthalten Merkmale und Informationen, die vererbt wurden: Zum Beispiel das Aussehen, bestimmte Eigenschaften oder auch Anfälligkeiten für Krankheiten. Bei Pflanzen ist die Zusammensetzung der Gene einfacher als bei Menschen und Tieren. Forscher haben herausgefunden, welche Gene für welche Eigenschaften verantwortlich sind.

Es ist ihnen gelungen, einzelne Erbinformationen zu trennen und neu zusammen zu setzen. Mit diesen Möglichkeiten können Pflanzen zum Beispiel so gezüchtet werden, dass sie schneller wachsen, andere Farben haben, größer werden, unempfindlich gegen bestimmte Insektengifte, gegen Schädlinge selbst oder widerstandsfähiger sind. Auch an die Nachkommen der gentechnisch veränderten Pflanze werden diese Eigenschaften weitergegeben.

Viele sehen in der Gentechnik also entscheidende Vorteile. Die Ernteerträge können deutlich erhöht und die Umsätze gesteigert werden. Es wird sogar an Obst, Gemüse und Getreide geforscht, das in lebensfeindlichen Gebieten wie Wüsten wachsen kann. Pflanzen könnten auch so gezüchtet werden, dass sie mehr Vitamine oder andere wichtige Stoffe enthalten. Einige fragen sich jedoch, ob der Verzehr genveränderter Nahrungsmittel überhaupt gesund ist. Außerdem wird oft bemängelt, dass viele gezüchtete Obst- und Gemüsesorten weniger Geschmack hätten.

Mit Gentechnik den Welthunger bekämpfen?

Gentechnik gegen den Welthunger? Klingt gut, stimmt aber nicht, sagen die Kritiker. (Quelle: Pixelio (Fotograf: Jerzy) )

Noch ein anderes wichtiges Argument wird von Befürwortern - allen voran vom Konzern Monsanto - genannt: Mit dem Anbau großer und widerstandsfähiger Pflanzen könnte man den Welthunger bekämpfen. Kritiker finden dies allerdings sehr fadenscheinig.

Tatsächlich geht es bei der Verwendung von Gentechnik in Nahrungsmitteln in erster Linie um wirtschaftliche Interessen. Denn: Dass so viele Menschen hungern müssen, liegt nicht daran, dass es insgesamt zu wenig Nahrung auf der Welt gibt.

Für die große Armut vieler Länder sind vor allem die wirtschaftlichen Verhältnisse verantwortlich. In einigen so genannten "Entwicklungs-" und "Schwellenländern" werden zum Beispiel riesige Ackerflächen genutzt, um Futterpflanzen für die Massentierhaltung der reichen Staaten zu züchten. Sie werden gegen wenig Geld in Länder wie Deutschland importiert, damit bei uns günstig viel Fleisch hergestellt und dann zu Niedrig-Preisen verkauft werden kann. Währenddessen sterben in diesen Ländern viele Menschen an Hunger oder leiden an Mangelernährung. Dabei wird auch nicht an den Welthunger gedacht, vielmehr geht es um Vorteile und Gewinne für die Industriestaaten.

Nicht einschätzbare Gefahr für Mensch und Umwelt?

Gen-Gemüse? Nicht nur in der Schweiz und in Österreich, auch in Deutschland ist die deutliche Mehrheit dagegen. (Quelle: Pixelio (Fotograf: Joujou))

Eine solche Erbgutveränderung ist ein erheblicher Eingriff in die Natur. Dass man bisher noch nichts über mögliche Langzeitfolgen von Gen-Pflanzen weiß - weder für die Umwelt, noch für die Menschen und Tiere, die sich davon ernähren -, ist für viele schon Grund genug, vorsichtig zu sein. Denn niemand kann wirklich garantieren, dass genmanipulierte Pflanzen so unbedenklich sind, wie es von einigen Seiten immer behauptet wird.

Menschen könnten möglicherweise gegen immer mehr Lebensmittel Allergien und Unverträglichkeiten entwickeln, oder Gen-Nahrung könnte sich negativ auf die Entwicklung und den Organismus auswirken. Befürworter sagen, dies seien unbegründete Ängste. Sie halten bestimmte Forschungsergebnisse entgegen, allerdings nicht aus Langzeitstudien. Außerdem gibt es auch unter den Wissenschaftlern völlig unterschiedliche Meinungen. Befürworter der Gentechnik stützen sich auf bestimmte Studien. Es existieren aber auch gegensätzliche Forschungsergebnisse.

So wurde zum Beispiel in einer Versuchsreihe mit Mäusen getestet, welche möglichen Folgen die Fütterung von Gen-Mais haben könnte. Fast fünf Monate lang wurden die Tiere über vier Generationen mit dem Gen-Mais gefüttert, der auch in der Europäischen Union als Lebens- und Futtermittel zugelassen ist. In der dritten und vierten Generation sollen auffällige Unterschiede bei der Anzahl der Nachkommen beobachtet worden sein. Die Mäuse, die mit Gen-Mais gefüttert wurden, hatten deutlich weniger Nachkommen als andere Mäuse, die keinen gentechnisch veränderten Mais erhielten, heißt es in dieser Studie.

Irgendwann nur noch Gen-Nahrung?

Wird man bei Bio-Produkten in Zukunft noch garantieren können, dass sie wirklich frei von Gentechnik sind? (Quelle: Helles Köpfchen )

Umweltschützer sprechen von einer nicht absehbaren Gefahr für die Natur. Ungeahnte Schäden könnten sich erst nach einiger Zeit bemerkbar machen. In der Natur haben sich viele Tier- und Pflanzenarten aufeinander eingestellt und leben in gegenseitiger Abhängigkeit. Problematisch könnte es zum Beispiel werden, wenn sich "nach Maß" gezüchtete Pflanzen mit anderen Arten kreuzen und ihre Eigenschaften an diese weitergeben.

Womöglich wären irgendwann Unkräuter robust gegen sämtliche Schädlinge und würden wichtige Pflanzen und Tiere verdrängen. So könnten Gen-Pflanzen nicht nur "Schädlinge", sondern auch andere Tiere vertreiben. Einige Forscher befürchten, dass das ökologische Gleichgewicht stark gefährdet werden könnte.

Da es keine strikte Trennung zwischen natürlichem Anbau und Gen-Feldern geben kann, werden nach und nach auch die anderen Ackerflächen verunreinigt. Denn die Gen-Pollen mischen sich zunehmend unter die anderen Pflanzen. Hat eine solche "Verunreinigung" durch erbgutveränderte Pflanzen erst einmal stattgefunden, ist sie nicht mehr rückgängig zu machen. Dadurch wird es auch für die ökologische Landwirtschaft immer schwieriger, wirklich Gentechnik-freie Produkte zu garantieren.

letzte Aktualisierung: 20.11.2010

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