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Bekannte Werke von Bertolt Brecht

Bertolt Brecht - Teil 2

Teil 2 von 2

von Tanja Lindauer

Im ersten Teil hast du mehr über das Leben des berühmten Schriftstellers Bertolt Brecht erfahren. Nun stellen wir dir einige der bekannten Werke des deutschen Autors vor.

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Das Epische Theater

1949 gründete Bertolt Brecht mit seiner Frau Helene Weigel das Theater "Berliner Ensemble", das auch heute noch die epischen Theaterstücke Brechts sowie Dramen anderer Autoren zeigt. (Quelle: Silke Sohler/ Wikimedia Commons)

Brecht setzte bei seinen Theaterstücken ungewohnte Mittel ein, um den Zuschauer daran zu hindern, sich einfach unterhalten oder von der Geschichte mitreißen zu lassen: Schrille Musik, verzerrte Bühnenbilder oder direkte Ansprache des Publikums - die Möglichkeiten, den Zuschauer wachzurütteln, sind vielfältig. Bei Brechts "Trommeln der Nacht" hing beispielweise ein Plakat im Raum: "Glotzt nicht so romantisch!" Brecht nannte das "Verfremdungseffekt" (abgekürzt "V-Effekt").

Die Theaterbesucher sollen sich dadurch nicht mehr in die Figuren einfühlen, sondern sie kritisch betrachten und über ihre Handlung nachdenken. Menschen sollten nach Brecht im Theater nicht der Wirklichkeit entfliehen und in fantastische Welten entführt werden, sondern über die Probleme der "wirklichen Welt" nachdenken. Oftmals erreichte er das durch die direkte Ansprache des Publikums. Ein anderes beliebtes Mittel war auch das Weglassen von Vorhängen - der Zuschauer konnte so beispielweise die Umbauarbeiten während einer Aufführung beobachten und ist sich die ganze Zeit bewusst, dass er sich nur in einem Theater befindet.

Mit seinen Stücken wollte Brecht aber keine einfachen Antworten liefern, die dem Zuschauer aufzeigen, wie er sich zu verhalten habe. Vielmehr stellte er durch seine Theaterstücke Fragen in den Raum und am Ende blieb das Publikum mit diesen Fragen ohne Antworten zurück. Die Theaterbesucher sollten selbst über die politischen Verhältnisse und gesellschaftlichen Probleme nachdenken.

Die Dreigroschenoper (1928)

Die Seeräuber-Jenny in einer US-amerikanischen Produktion der Dreigroschenoper (Quelle: Bradmays/ Wikimedia Commons)

Das wohl bekannteste und berühmteste Stück von Brecht ist zweifelsohne die Dreigroschenoper - viele Menschen kennen heute noch die Lieder aus diesem Stück, wie etwa das Lied von Mackie Messer "Und der Haifisch, der hat Zähne". Oder das Lied der Seeräuber-Jenny. Ganz Berlin pfiff nach der Aufführung die Lieder der Bettleroper.

Schon nach einem Jahr war das Stück weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt: In Moskau, Paris, Warschau, Prag und sogar in den USA wurde sein Stück gespielt. Die Dreigroschenoper ist eines der ersten Stücke des epischen Theaters.

Zwar spielt die Handlung in England des 19. Jahrhunderts, aber Brecht kritisierte damit eindeutig die Missstände der Weimarer Republik. In seinem Stück treten Räuber, Bettler und Gauner auf, und es wird vom Überlebenskampf und den Niederlagen dieser Großstadtkriminellen erzählt. Im Mittelpunkt steht der Londoner Straßenräuber Macheath, von allen nur Mackie Messer genannt. Sein Schwiegervater, der Bettlerkönig Peachum, will ihn verraten und am liebsten am Galgen baumeln sehen. Und so nimmt die Handlung seinen Lauf.

Bertolt Brecht wurde beim Verfassen seines Stücks von einem anderen Theatermacher beeinflusst. 1728 wurde in London nämlich die "Beggar's Opera" von John Gay aufgeführt. Brecht ließ den Text von Elisabeth Hauptmann übersetzen und daraus entstand dann die weltberühmte Dreigroschenoper.

Die Moritat von Mackie Messer

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Das Lied von Mackie Messer ist das bekannteste und beliebteste Lied der Dreigroschenoper. (Quelle: rateyourmusic)

Das Lied von Mackie Messer ist das bekannteste und beliebteste Lied der Dreigroschenoper. Viele Künstler haben den Song gecovert, auch außerhalb Deutschlands ist er sehr bekannt. Im Englischen heißt das Lied "Mack the Knife". Künstler wie Louis Armstrong, Frank Sinatra, Robbie Williams oder Marius Müller-Westernhagen haben den Song gecovert. Die ersten beiden Strophen des Liedes gehen folgendermaßen:

Und der Haifisch, der hat Zähne

Und die trägt er im Gesicht

Und Macheath, der hat ein Messer

Doch das Messer sieht man nicht.

An 'nem schönen blauen Sonntag
Liegt ein toter Mann am Strand
Und ein Mensch geht um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt.

Mutter Courage und ihre Kinder (1941)

Proben zu Mutter Courage im Berliner Ensemble, 1978 (Quelle: Deutsches Bundesarchiv / Rehfeld, Katja)

Ein weiteres weltbekanntes Theaterstück Brechts ist "Mutter Courage und ihre Kinder", das der Autor im Exil in Schweden schrieb. Es wurde 1941 in Zürich uraufgeführt. Das Drama spielt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1624 und 1636. Anna Fierling, die "Mutter Courage", hat drei Kinder schlägt sich als "Marketenderin" durch - das heißt, sie begleitet und versorgt Soldaten im Krieg. Sie zieht durch Europa, um dem finnischen Regiment zu folgen. Ihre drei Kinder, Eilif, Schweizerkas und die stumme Kattrin, verliert die geschäftstüchtige Mutter Courage im Laufe des Stücks und bleibt traurig allein zurück.

Bertolt Brecht übt in "Mutter Courage" allgemein eine scharfe Kritik am Krieg und an der "kapitalistischen" Gesellschaft, die er für die Gewalt, gesellschaftlichen Missstände und Krisen verantwortlich macht. Das Drama entstand zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland zu Beginn des Zweiten Weltkrieges und ist auch als eine direkte Warnung vor den Schrecken dieses Krieges aufzufassen. Das Theaterstück ist ein typisches Beispiel für Brechts episches Theater - der Zuschauer wird auf Distanz gehalten und zum kritischen Nachdenken angeregt. Zur Zeit des Kalten Krieges wurde "Mutter Courage und ihre Kinder" in manchen Ländern der westlichen Demokratien nicht gezeigt.

Der gute Mensch von Sezuan (1943)

"Der gute Mensch von Sezuan" in einer indischen Fassung von Brechts Stück (Quelle: Yoddal/ Wikimedia Commons)

Auch in diesem epischen Theaterstück übt Brecht Kritik an der Politik und Gesellschaft. Es erzählt vom Schicksal der jungen Chinesin Shen Te: In der chinesischen Provinz namens Sezuan besuchen drei Götter die Erde, um gute Menschen zu suchen. Sie wollen beweisen, dass es gute Menschen gibt, doch leider werden sie nicht fündig. Der Wasserverkäufer namens Wang sucht eine Unterkunft für die Götter, aber niemand will sie bei sich aufnehmen. Doch dann erbarmt sich die arme Shen Te ihrer. Die Götter zeigen sich dankbar und schenken ihr Geld, womit sie einen Tabakladen eröffnen kann. Sie verspricht den Göttern, fortan nur noch gut zu sein, das erweist sich allerdings als ein sehr schwieriges Unterfangen.

Shen Te bemüht sich sehr, denn sie ist fest entschlossen, stets Gutes zu tun. Sie hilft den Armen, wo sie nur kann, wird in ihrer Gutmütigkeit aber immer wieder ausgenutzt und steht schließlich kurz vor der Pleite. Deshalb erfindet sie einen Vetter mit dem Namen Shui Ta. Sie verkleidet sich, schlüpft in seine Rolle und versucht, in seinem Namen ihr Geld wieder einzutreiben und ihren Tabakladen mithilfe von kleinen Gaunereien zu retten.

Doch bald läuft alles aus dem Ruder. Nachdem sie nur noch als Shui Ta auftritt, befürchten die Leute, dass der erfundene Neffe Shen Te umgebracht habe. Als ihr Neffe Shui Ta wird sie vor Gericht gezerrt. Dort sitzen die drei Götter und Shen Te beichtet alles. Sie kommt zu dem Schluss, dass "Gut zu sein und doch zu leben" nicht möglich sei. Die Geschichte hat ein offenes Ende - denn Brecht wollte, dass der Zuschauer selbst zu einer Lösung kommen solle. Ganz schön verzwickt, das Ganze!

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Co-Autorin: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 28.08.2012

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