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Machtübernahme der "NSDAP": Diktatur in Deutschland

Der Zweite Weltkrieg und seine Vorgeschichte - Teil 2

Teil 2 von 4

von Björn Pawlak

Auf dem Gipfel der Weltwirtschaftskrise zerbröckelte das demokratisch-parlamentarische politische System in Deutschland immer mehr - antidemokratische Parteien, allen voran die "Nationalsozialistische Partei Deutschlands" ("NSDAP"), hatten bei den Wahlen nun einen großen Zulauf. Im Jahr 1933 gelang den Nationalsozialisten um Adolf Hitler die Übernahme der Regierung, Deutschland wurde zu einer Diktatur. Der Einfluss der NSDAP ging schließlich so weit, dass sie nahezu in alle Lebensbereiche der Menschen eingriff.

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Paul von Hindenburg, deutscher Reichspräsident zwischen 1925 und 1934: in den letzten Jahren der Weimarer Republik war seine Position gestärkt, vielen galt er als "Ersatzkaiser". (Quelle: Wikipedia)

Im Jahr 1933 war mit der NSDAP eine neue Partei an die Macht gekommen, die zuerst innenpolitisch und dann auch außenpolitisch einen immer aggressiveren Weg ging. Zu Beginn und noch auf den Wahlkampf angewiesen, machte sie den von der Wirtschaftskrise gebeutelten und von der Politik enttäuschten Deutschen Versprechungen, um sich beliebt zu machen. Daneben ging sie jedoch auch von Anfang an mit brutaler Härte gegen Andersdenkende vor. Ab 1933 baute die Partei den Staat und die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen um.

Die Staatskrise zu Beginn der 1930er-Jahre hatte dazu geführt, dass das deutsche Parlament keine tragenden Mehrheiten mehr bilden konnte - sowohl die NSDAP als auch die Kommunisten waren mittlerweile zu stark geworden. Politische Beschlüsse mussten mithilfe von "Notverordnungen" getroffen werden. Diese Tendenz stärkte die Position des vom Volk direkt gewählten Reichspräsidenten - seit 1925 bekleidete dieses Amt als Nachfolger von Friedrich Ebert der parteilose ehemalige kaisertreue Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, 1932 wurde er bei neuerlichen Präsidentenwahlen in seinem Amt bestätigt. Die jeweiligen Regierungen, also der Reichskanzler und seine Minister, waren in den letzten Jahren der Weimarer Republik ohne die Zustimmung von Hindenburgs praktisch handlungsunfähig.

Die letzten Reichskanzler vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten waren Heinrich Brüning (1930 bis 1932), Franz von Papen (1932) und Kurt von Schleicher (1932 bis 1933) - der schnelle Wechsel an der Regierungsspitze war bezeichnend für die politische Krise. Schon 1931 hatten sich NSDAP, "Deutschnationale Volkspartei", nationalistische Kampfbünde wie "Stahlhelm" sowie sympathisierende Wirtschafts- und Finanzkreise zur "Harzburger Front" zusammengeschlossen. Die NSDAP hatte ihren bis dahin größten Wahlerfolg im Juli 1932, als mehr als 37 Prozent der Deutschen dieser Partei ihre Stimme gaben.

1933: "Reichstagsbrand" und der Wahlerfolg der NSDAP

Morgen nach dem Reichstagsbrand: Am 28. Februar 1933 brannte die Kuppel des Gebäudes. Die Nationalsozialisten nahmen die Brandstiftung zum Anlass für Unterdrückung - zahlreiche politische Gegner, größtenteils Kommunisten, wurden verhaftet. (Quelle: Wikipedia || Deutsches Bundesarchiv)

Mangels Alternativen berief von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler - seine NSDAP ging zunächst ein Bündnis mit der Zentrumspartei ein. Im Februar 1933 hatte sich der Reichstag aufgelöst, es kam deswegen zu Neuwahlen. Gemeinsam mit der "Kampffront Schwarz-Weiß-Rot" reichte es aus Sicht der NSDAP zu einer absoluten Mehrheit - allerdings wurden die Stimmen der Kommunistischen Partei für nichtig erklärt, zugleich wurde die Partei verboten. Die Zeitungen trauten sich in dieser Phase schon längst nicht mehr, zu kritisch über das Vorgehen der Nationalsozialisten zu berichten.

Die politische Lage war völlig vergiftet, nachdem es in der Nacht auf den 28. Februar 1933 zum "Reichstagsbrand" gekommen war. Brandstifter hatten das Reichstagsgebäude in Berlin angezündet - die Umstände und die Täterschaft konnten bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden, auch wenn wohl viel für einen Einzeltäter spricht. Als mutmaßlichen Täter verhaftete man am Tatort den niederländischen Arbeiter Marinus van der Lubbe. Die Nationalsozialisten beschuldigten die Kommunisten, für die Brandstiftung verantwortlich zu sein. Diese wiederum beschuldigten die Nationalsozialisten, das Feuer selbst gelegt zu haben, um noch rücksichtsloser gegen politische Gegner vorgehen zu können.

Als Reaktion auf den Brand verabschiedete von Hindenburg die "Reichstagsbrandverordnung" - mit dieser Verordnung war der Weg frei für die Verfolgung von politischen Gegnern der nationalsozialistischen Bewegung. Die Partei nahm den Reichstagsbrand zum Anlass, mithilfe von Polizei, "SA" ("Sturmabteilung") und "SS" ("Schutzstaffel") in den folgenden Wochen und Monaten rund 100.000 politische Gegner zu verhaften - zunächst mehrheitlich Kommunisten. Der Reichstagsbrand und seine Folgen gelten als wichtige Stufe bei der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.

Das "Ermächtigungsgesetz": Selbstentmachtung des Parlaments

Der Diktator Adolf Hitler stieg schnell zur führenden Persönlichkeit der Nationalsozialisten auf - im Jahr 1934 war er zeitgleich Reichskanzler, Reichsminister und Parteivorsitzender der NSDAP. (Quelle: Wikipedia)

Das Ende des Parlamentarismus der Weimarer Republik kam mit dem so genannten "Ermächtigungsgesetz" vom 24. März 1933. Um dieses Gesetz durchzubringen benötigte die Regierung eine Zweidrittelmehrheit im Parlament - im Grunde wurde hier über eine Selbstentmachtung des Parlaments abgestimmt. Durch das Ermächtigungsgesetz wurde das parlamentarisch-demokratische System radikal beseitigt. Obwohl die NSDAP mit ihrem Bündnispartner die Zweidrittelmehrheit nicht erreichen konnte, wurde das Gesetz mithilfe von Stimmen der Zentrumspartei durchgesetzt - die SPD stimmte als einzige Partei geschlossen gegen das Gesetz.

Aufgrund des Ermächtigungsgesetzes wurde die NSDAP zur "Staatspartei" - die anderen Parteien wurden später durch das "Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" ganz verboten. Zugleich untergrub die Führung der NSDAP um Hitler die Eigenständigkeit der Bundesländer und die Selbstverwaltung der Gemeinden - die Länderparlamente wurden aufgelöst, stattdessen wurden der Partei ergebene "Reichsstatthalter" eingesetzt. Das ganze Reichsgebiet teilte man zusätzlich in "Gaue" ein, zunächst 38 an der Zahl - jeder Gau wurde durch je einen "Gauleiter" verwaltet. (Das Wort "Gau" war die alte germanische Bezeichnung für einen geschlossenen Siedlungsraum.)

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Die NSDAP begann nun damit, das gesamte politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben im Staat zu kontrollieren. Mithilfe von SS, SA und der nun von der Partei kontrollierten Polizei war es kein Problem mehr, die verbliebenen politischen Widersacher und den deutschen "Widerstand" unter Kontrolle zu halten. Zehntausende von "politischen Gefangenen" wurden schon ab dem Jahr 1933 in neu errichteten "Konzentrationslagern" festgehalten. Der nationalsozialistische "Volksgerichtshof" sprach als höchstes politisches Gericht vielfach die Todesstrafe gegen "politische Verbrecher" aus. Die ersten Konzentrationslager wurden zunächst von der SA eingerichtet und verwaltet, später übernahm dies zunehmend die SS, während die SA an Bedeutung verlor.

Arbeitsbeschaffungsprogramm und Wiederaufrüstung

Zum Programm der Nationalsozialisten gehörte auch der Kampf gegen mündliche und schriftliche Meinungsfreiheit. Die Abbildung zeigt eine Bücherverbrennung als "Aktion wider den undeutschen Geist". (Quelle: Wikipedia)

Die maximale Machtfülle erreichte Hitler, als er nach von Hindenburgs Tod im Jahr 1934 neben dem Amt des Reichskanzlers auch noch das Amt des Reichspräsidenten an sich riss. Hitler verzichtete jedoch auf den Titel "Reichspräsident", stattdessen nannte er sich "Führer und Reichskanzler". Vorsitzender der zur Staatspartei aufgestiegenen NSDAP war er sowieso schon.

Das nationalsozialistische Regime verfolgte zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein "Arbeitsbeschaffungsprogramm". Der Erfolg der hier beschlossenen Maßnahmen trug dazu bei, dass das Regime von vielen Deutschen akzeptiert wurde. Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik konnte sich einen allgemeinen Aufschwung der Weltwirtschaft nach 1933 zunutze machen, zugleich stieg die deutsche Staatsverschuldung aber noch einmal stark an.

Die Gewerkschaften wurden zerschlagen, stattdessen ordnete man alle Arbeiter und Unternehmer der staatlichen Einheitsorganisation "Deutsche Arbeitsfront" unter. Das Prinzip der kapitalistischen Privatwirtschaft blieb zwar erhalten, zugleich aber wurde es in den Dienst der Partei gestellt. Das nationalsozialistische Deutschland trieb die Wiederaufrüstung voran - nicht zuletzt dadurch entstanden zahlreiche Arbeitsplätze. Die wirtschaftliche Not vieler Deutscher ging in dieser Phase zurück - bis zum Jahr 1937 kam es in Deutschland zur "Vollbeschäftigung", nachdem zuvor noch Massenarbeitslosigkeit geherrscht hatte ("Hitlersches Wirtschaftswunder").

Weltanschauung der Nationalsozialisten

Gruß mit ausgestrecktem Arm bei den Römern (hier auf einem Gemälde von Jacques-Louis David): im Gedenken an die Größe des Römischen Reiches führte der italienische Diktator Benito Mussolini diese Geste wieder ein, auch die Nationalsozialisten übernahmen sie als "Hitler-Gruß". (Quelle: Wikipedia)

Hitler ließ sich von seinen Parteigenossen schon vor der Machtergreifung als "Führer" anreden, später musste man ihm mit dem "Hitlergruß" begegnen. Vorbild für den Hitlergruß war übrigens der "Saluto romano" ("römischer Gruß") - ein Gruß, der bei den alten Römern mit einem ausgestreckten Arm durchgeführt wurde. Hitler konnte sich diese Grußform beim italienischen Diktator Benito Mussolini abschauen, der seinerseits damit vor dem italienischen Volk die Größe des Römischen Reiches heraufbeschwören wollte.

Viele Nationalsozialisten waren zudem stark von germanischer Mystik beeinflusst, die von der Partei auch politisch für die eigenen Zwecke benutzt oder besser gesagt missbraucht wurde ("Nazi-Mystik"). Davon zeugt zum Beispiel das Hakenkreuz (auch "Swastika" genannt), ein uraltes Symbol, das die NSDAP sich als Kennzeichen aussuchte - man wählte dafür ein nach rechts gerichtetes schwarzes Hakenkreuz in weißem Kreis vor rotem Hintergrund.

Hitler stellte sein politisches und weltanschauliches Programm erstmals in seiner Schrift "Mein Kampf" vor. Er schrieb dieses Buch im Jahr 1924, als er nach seinem ersten Umsturzversuch ("Hitler-Putsch") in einem Gefängnis in Bayern saß. Hier erzeugte er eine Mischung aus Demokratiefeindlichkeit ("Antiparlamentarismus"), Feindseligkeit gegenüber dem Kommunismus und Judenfeindlichkeit ("Antisemitismus"). Hinzu kam die biologisch-rassentheoretisch begründete Idee der Überlegenheit der "arisch-germanischen Rasse" und die "Vision" einer Weltmachtstellung des "Großgermanischen Reichs Deutscher Nation". Während seiner Zeit als Wahlkämpfer war Hitler jedoch - anders als noch Anfang der 1920er-Jahre - vorsichtig genug, sein Weltbild nicht allzu offen zur Schau zu stellen, weil es in seiner Radikalität viele Menschen abgestoßen hätte.

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letzte Aktualisierung: 23.02.2013

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