Französische Revolution - Teil 1: Kampf für die bürgerliche Freiheit

Die erste Phase der "Großen Revolution" in Frankreich

Teil 1 von 2

von Tanja Lindauer und Britta Pawlak

Vor dem Ausbruch der Französischen Revolution herrschte in Frankreich der Absolutismus. In der absolutistischen Monarchie hatte der französische König Ludwig XVI. große Macht über Frankreich und seine Untertanen besaßen kaum politisches Mitspracherecht. Doch das Volk begehrte immer stärker gegen den Ständestaat auf und 1789 brach in Frankreich die Revolution aus, die einen Umbruch von bis dahin unbekanntem Ausmaß bewirkte. Innerhalb von nur vier Jahren wurden die Menschen- und Bürgerrechte ausgerufen, der König wurde abgesetzt und eine Republik errichtet. Wie kam es zur Französischen Revolution und was waren ihre Folgen?

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Ludwig XVI. führte ein luxuriöses und verschwenderisches Leben am Königshof. (Quelle: Wikimedia Commons)

Das französische Volk war unter der Herrschaft von König Ludwig XVI. immer unzufriedener und lehnte sich zunehmend gegen den feudal-absolutistischen Ständestaat auf. Der Begriff Feudalismus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Lehngut". Der Lehnherr oder auch Feudalherr war damals im Besitz der Landtümer. Die Bauern hatten hingegen keinen eigenen Besitz - das Land, auf dem sie arbeiteten, gehörte dem Grundherren. Viele Bauern waren so genannte Leibeigene - das bedeutet, sie waren den Gesetzen ihres Herren, dessen Land sie bearbeiteten, völlig unterworfen.

Doch verschiedene Ursachen kamen zum Ende des 18. Jahrhunderts zusammen und führten zum Ausbruch der Französischen Revolution. So waren die aufständischen Bürger und Gelehrten maßgeblich von den Ideen der Aufklärung geprägt: Diese bezeichnet einen Zeitabschnitt zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert und stellte die menschliche Vernunft in den Mittelpunkt. Die Aufklärer wollten die Gesellschaft von alten Denkweisen und Vorstellungen befreien. Durch den Verstand und die Freiheit des menschlichen Geistes sollte das Volk sich aus lange währender Unterdrückung und Armut erlösen.

Die "Große Revolution" in Frankreich hatte schließlich Auswirkungen auf ganz Europa und veränderte die Geschichte nachhaltig. Denn Frankreich war damals auf militärischer, politischer und kultureller Ebene die Großmacht in Europa: Nach und nach wurde die feudale Ständegesellschaft abgeschafft, der absolutistische Staat überwunden und Königsherrschaft und Adelsgesellschaft schließlich vom Zeitalter des Bürgertums abgelöst. Geprägt von den Aufklärungsgedanken waren die Schlagwörter der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" - auf Französisch "liberté, égalité und fraternité".

Wie kam es zur Revolution?

Diese Karikatur stellt dar, wie der Dritte Stand den Klerus und den Adel trägt. Er trug die gesamte gesellschaftliche Last und musste hohe Steuern zahlen, von denen die anderen beiden Stände befreit waren. (Quelle: Revolutionary print/ Wikimedia Commons)

Vor dem Ausbruch der Revolution herrschte in Frankreich die so genannte Ständegesellschaft. Die Gesellschaft war zu dieser Zeit in drei Stände eingeteilt: Den ersten Stand bildete der Klerus, also Geistliche wie Pfarrer, Bischöfe und Äbte. Der zweite Stand umfasste Zugehörige des Adels. Alle übrigen Menschen, also die große Mehrheit der Bevölkerung, gehörten dem dritten Stand an. Sie hatten kaum Rechte und mussten sich der Macht und Vorherrschaft der beiden höheren Stände beugen. So mussten die Menschen des dritten Standes zum Beispiel Steuern zahlen, von denen der Adel und der Klerus befreit waren - die armen Bauern mussten sogar die meisten Abgaben leisten.

Der dritte Stand bestand aber nicht nur aus Bauern oder Handwerkern, sondern auch reiche Bankiers oder Firmenbesitzer gehörten ihm an. Manchmal besaßen sie sogar mehr Geld als der Adel, aber aufgrund ihres Standes, in den sie hineingeboren wurden, konnten sie nicht die gleiche Position in der Gesellschaft einnehmen. Weiterhin kam es zunehmend zu einer Spaltung innerhalb der ersten beiden Stände, da auch Teile des Landadels und des niederen Klerus verarmt waren. Viele Vertreter des Adels empörten sich über die Verschwendungssucht des Königs und wollten dessen Macht beschränken.

Das Volk lehnte sich zunehmend gegen diese Ungleichheit auf und verlangte, dass das Ständesystem abgeschafft wird. Die Menschen forderten eine demokratische Staatsform, in der die Bürger politisch mitbestimmen können und alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten haben ("Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit"). Der König wollte seine Macht und Alleinherrschaft über Frankreich natürlich aufrecht erhalten. Die Französische Revolution wird rückblickend in drei verschiedene Phasen eingeteilt. Die Phase 1 beschreibt den Zeitraum zwischen 1789 und 1791 und bezeichnet den Kampf für die bürgerlichen Freiheitsrechte.

Die Nationalversammlung und der Ballhausschwur

Beim "Ballhausschwur" schworen sich die Abgeordneten, nicht eher auseinanderzugehen, als bis sie dem Land eine Verfassung gegeben haben. (Quelle: frome de lutene/ Wikimedia Commons)

Viele Menschen in Frankreich waren damals verarmt - die Ernten fielen schlecht aus, die Nahrung wurde knapp und der Preis für Getreide stieg extrem. Die hohen Steuern, die der dritte Stand abgeben musste, trugen maßgeblich zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten bei. Immer mehr Menschen waren infolge der Industrialisierung in die Städte gezogen, um Arbeit zu finden. Doch die Wohnungen wurden knapp, viele Menschen hatten keine Arbeit und es kam zur Verelendung der städtischen Unterschichten - insbesondere in Paris.

Der französische König hingegen lebte in Luxus und Überfluss, während vor seinem Palast das Volk Hunger litt. Im Laufe der Jahre hatte der königliche Hof viele Schulden gemacht, die er durch die Erhöhung der Steuern wieder abbauen wollte. Frankreich hatte sich mit der Unterstützung der Nordamerikaner im Krieg gegen England und aufgrund des verschwenderischen Lebens am Königshof hochverschuldet - das Land stand kurz vor einem Staatsbankrott. 1787 versuchte der Finanzminister die Schulden zu senken, indem auch die ersten beiden Stände zur Steuerzahlung verpflichtet werden sollten. Der Adel wusste dies aber geschickt zu verhindern. Um endlich die Frage der Besteuerung zu klären, ließ Ludwig XVI. 1789 die "Generalstände" einberufen. Jeder Stand hatte dabei 300 Vertreter - das bedeutet, dass der dritte Stand deutlich im Nachteil war, denn er vertrat zwar etwa 97 Prozent der französischen Bevölkerung, aber nur ein Drittel der Stimmen.

Die Abgeordneten des dritten Standes erklärten sich deshalb am 17. Juni 1789 zur "Nationalversammlung" und beschlossen, eine Verfassung auszuarbeiten, in welcher die Rechte des Königs beschränkt werden sollten. Auch von den Idealen der Aufklärung geprägte, fortschrittlich denkende oder einfach unzufriedene Adlige und Kleriker schlossen sich der Nationalversammlung an. Die Ungerechtigkeit der Stimmverteilung war ihnen bewusst und viele von ihnen ahnten auch, dass Unruhen bevorstanden, wenn man den Angehörigen des dritten Standes, die in der überwiegenden Mehrheit waren, nicht endlich mehr Mitspracherecht gewähren ließ. Außerdem waren immer mehr Vertreter des Adels Gegner der bestehenden Ordnung und wollten die Macht des Königs begrenzen. Im berühmten "Ballhausschwur" vom 20. Juni bekräftigten die Abgeordneten des dritten Standes, nicht auseinander zu gehen, bis eine Verfassung verabschiedet sein würde.

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Der Sturm auf die Bastille

Der "Sturm auf die Bastille" am 14. Juli 1789, als das Volk Waffen plünderte, um gegen die Regierung zu kämpfen, gilt als Beginn der Französischen Revolution. (Quelle: Jean-Pierre Houël)

Der König ließ indessen heimlich seine Truppen zu sich nach Paris beordern, um notfalls mit Gewalt für Ruhe in seinem Land zu sorgen. Das wütende Volk stürmte daraufhin am 14. Juli 1789 die Bastille, das Staatsgefängnis in Paris. Es wurden nur sechs Gefangene befreit, denn viel mehr waren dort nicht inhaftiert. Dennoch hatte das Volk ein wichtiges Zeichen gesetzt: Es demonstrierte, dass es gegen die Unterdrückung des Königs ankämpfen konnte und sich notfalls mit Gewalt zur Wehr setzte.

Der Kommandant der Bastille, Bernard-René Jordan de Launay, wurde von den Aufständischen regelrecht überrumpelt und wusste nicht, wie er reagieren sollte. Er befahl zunächst, auf die Eindringlinge zu schießen, entschied sich dann aber, das Staatsgefängnis zu übergeben. 98 Tote und 73 Verwundete waren das Ergebnis der Stürmung und der Fehlentscheidungen des Kommandanten. Die Eindringlinge ließen die Brücken herunter und noch mehr Aufständische konnten die Bastille stürmen. Auch Soldaten und Offiziere mussten nun ihr Leben lassen, und auch Launay wurde ein Opfer der Stürmung. Der König wusste zu diesem Zeitpunkt von alledem noch nichts. Erst mitten in der Nacht erfuhr er von den Vorfällen.

Die Angehörigen der armen Unterschichten wurden von den politischen Ereignissen teils ermutigt und teils beunruhigt. Viele von ihnen begannen ebenfalls aufzubegehren und es kam zu Aufständen in ganz Frankreich. Die Bevölkerung auf dem Land reagierte mit Angst und Panik auf die Vorgänge in Paris. Vor allem fürchtete sie sich vor einer Rache des Adels und es kamen Gerüchte auf, dass Räuberbanden das ganze Land überfallen würden. Die aufgebrachten und verängstigten Bauern bewaffneten sich, um sich zur Wehr zu setzen. Schließlich richtete sich ihre aufgestaute Wut gegen den Adel und sie überfielen Schlösser und Kirchen, plünderten und steckten Gebäude in Brand. Durch das Anzünden der Häuser wollten sie auch die Urkunden, die sich darin befanden, vernichten. Denn in diesen stand, dass die Grundherren feudale Rechte über die Bauern hatten und über sie bestimmen durften. In der Geschichte werden diese Ereignisse oftmals als "Grande Peur" ("Große Furcht") bezeichnet.

Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte

Der Zug der Frauen im Oktober 1789: Hunderte von Frauen zogen in Begleitung der aufständischen Nationalgarde zum Königshof nach Versailles. (Quelle: Muse Carnavalet, Paris)

Die Nationalversammlung in Versailles war von den Vorfällen sehr beunruhigt. Es war kein gutes Zeichen, dass sich die Menschen nun auch auf dem Land erhoben und zur Wehr setzten. Es musste gehandelt werden, und so beschlossen die Abgeordneten im August 1789, die Vorrechte der ersten beiden Stände abzuschaffen. Sowohl die Leibeigenschaft als auch die Steuerbefreiung der ersten beiden Stände wurden für nichtig erklärt. Durch diese Aufhebung der feudalen Ordnung sollten die aufständischen Bauern besänftigt werden.

Die Nationalversammlung arbeitete nun eine Erklärung aus, in denen die Menschen- und Bürgerrechte, also beispielsweise die Freiheit jedes Menschen oder die Pressefreiheit, genau festgelegt wurden. Diese wurden dann am 26. August 1789 verabschiedet. Damit die neuen Rechte aber auch ihre Gültigkeit erhielten, musste der König sie unterschreiben. Jedoch weigerte sich der Monarch, die neuen Regelungen als rechtskräftig anzuerkennen und unterschrieb die Regelung nicht.

Der darauf folgende "Zug der Frauen" nach Versailles am 5. Oktober 1789 war ein weiteres wichtiges Ereignis in der Französischen Revolution: Zunächst hunderte von Frauen, darunter viele Marktfrauen, versammelten sich beim Pariser Rathaus und beschlossen, gemeinsam zum Versailler Königshof zu ziehen. Begleitet wurden sie dann von der aufständischen Nationalgarde. Schließlich gingen mehrere tausend Menschen auf die Straßen und riefen: "Versailles schlemmt, Paris hungert!" Die teils bewaffneten Gruppen marschierten nach Versailles und zwangen den König, die neuen Bürgerrechte zu unterschreiben. Zudem wurde Ludwig XVI. gezwungen, in ihrer Begleitung nach Paris zurückzukehren und in den alten Tuilerienpalast umzuziehen. Dieses Ereignis erregte großes Aufsehen in Frankreich und ganz Europa.

Eine neue Verfassung wird verkündet

Fotografie des Tuilerien-Palasts um 1865 (Quelle: Wikimedia Commons)

Um die Schulden weiter zu senken, wurden am 10. Oktober 1789 alle Kirchengüter enteignet und gingen in den Besitz des Staates über. Am 19. Dezember wurde das Gesetz über die "Assignaten" beschlossen. Das Gesetz legte fest, dass Assignaten (das damalige Papiergeld) gegen Kirchengüter eingetauscht werden konnten. Im Juli 1790 wurde beschlossen, dass für den Klerus eine Zivilverfassung ("zivil" bedeutet "bürgerlich") eingeführt wurde und dass die Priester einen Eid darauf schwören mussten. Auch bestimmte Pflichten des Klerus wie Armen- und Krankenpflege wurden verstaatlicht. Die Verfassung besagte, dass Bischöfe und Pfarrer nun gewählt wurden und dass sie einen Lohn vom Staat erhalten sollten. Insgesamt spricht man von einer "Säkularisierung" - gemeint ist eine "Verweltlichung" und Loslösung vieler Lebensbereiche von der Kirche.

Papst Pius VI. empfand die neu eingeführten Menschenrechte als gottlos. Er war empört darüber und sagte: "Kann man etwas Unsinnigeres ausdenken als eine derartige Gleichheit und Freiheit für alle zu dekretieren (befehlen)." Er verbot außerdem, dass man einen Eid auf die Verfassung schwor, denn durch diese verlor der Klerus natürlich an Einfluss. Wer sich gegen die Haltung des Papstes stellte, dem drohte der Ausschluss aus der Kirche. Nur die Hälfte der Geistlichen leistete deshalb den Eid. Frankreich war nun auch religiös gespalten. Der Druck auf das Königspaar, König Ludwig XVI. und Königin Marie-Antoinette, erhöhte sich zunehmend und so unternahmen die beiden im Juni 1791 einen Fluchtversuch. Zwar gelang es ihnen, aus dem Schloss zu entkommen, das mittlerweile schwer bewacht werden musste, doch trotz Verkleidung wurden sie auf ihrer Flucht erkannt und zurück nach Paris gebracht. Die Stimmung in Paris wurde nach der gescheiterten Flucht Ludwigs XVI. radikaler. Am 17. Juli 1791 fand eine Massenkundgebung in Paris statt, die jedoch von Soldaten niedergeschlagen wurde.

Am 3. September wurde dann die neue Verfassung Frankreichs als "konstitutionelle Monarchie" verkündet - das bedeutet, dass der König zwar weiterhin Staatsoberhaupt war, aber seine Macht eingeschränkt und an die Verfassung gebunden wurde. In der Verfassung stand, dass der Staat in drei Gewalten geteilt wurde: die Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (Vollziehung) und Judikative (Rechtsprechung). Durch eine solche Gewaltenteilung sollte verhindert werden, dass eine Person oder Einrichtung alleine zu viel Macht besitzt. Der König sollte an der Spitze der Exekutive stehen. Damit konnte er die Erlassung neuer Gesetze zeitlich blockieren oder Minister ernennen und entlassen. Ein so genanntes "Zensuswahlrecht" schloss jedoch die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin von einer politischen Teilhabe aus: Wählen durften nur Männer über 25 Jahre, die einen bestimmten Mindestbetrag an Steuern zahlten. Jedoch wählten auch sie die Abgeordneten nicht direkt, sondern über Wahlmänner, die eine noch höhere Steuerleistung (mindestens zehn Arbeitstagen entsprechend) erbrachten.

Wie entwickelte sich die Situation in Frankreich weiter? Im zweiten Teil des Artikels über die Französische Revolution, Schreckensherrschaft der Jakobiner, erfährst du mehr über die Phase des Terrors, die Jakobinerherrschaft und das Ende der Revolution durch den Staatsstreich Napoleon Bonapartes.


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