Nach fehlgeschlagenem Bahn-Attentat: Zweiter Verdächtiger gefasst

von Anna Schäfer - 24.08.2006

Auch der zweite der beiden Männer, die Ende Juli Sprengstoff-Anschläge auf zwei Regionalzüge geplant haben sollen, ist gefasst. Jihad H. (20) hat sich im Libanon der Polizei gestellt. Trotzdem machen sich viele Menschen große Sorgen um die Sicherheit in Deutschland. Politiker haben vorgeschlagen, noch mehr Überwachungskameras aufzustellen und bewaffnetes Zugpersonal einzusetzen.


Diese Aufnahmen der beiden mutmaßlichen Verbrecher stammen von einer Überwachungskamera im Kölner Hauptbahnhof. (Quelle: BKA)

(Update) - Am Samstagmorgen (19. August) hatte die Polizei in der norddeutschen Stadt Kiel den ersten Verdächtigen festgenommen. Es handelt sich um einen 21-jährigen Mann, der aus dem Libanon stammt und in Deutschland studiert. Er soll Kontakte zu Islamisten haben - so bezeichnet man gewaltbereite religiöse Fanatiker, die die westliche Welt hassen und sie im Namen Allahs mit allen Mitteln bekämpfen wollen. Auch sein mutmaßlicher Komplize, Jihad H., stammt aus dem Libanon. Dorthin ist er geflüchtet. Am Donnerstag, 24. August, hat er sich jedoch den Behörden gestellt. Jihad (auch Dschihad geschrieben) heißt übrigens "Heiliger Krieg" (gegen die "Ungläubigen"). Für seinen Namen kann der junge Mann zwar nichts, er lässt aber darauf schließen, in welchem Sinne seine Eltern ihn erzogen haben müssen.

Beide Männer werden verdächtigt, dass sie am 31. Juli einen Anschlag auf zwei Regionalzüge verüben wollten. Damals wurden zwei "herrenlose" Koffer entdeckt, die keinem der Reisegäste gehörten. Die Polizei stellte später fest, dass sie Bomben enthielten, die offenbar in den Zügen explodieren sollten. Zum Glück hat vermutlich ein Defekt verhindert, dass der Sprengstoff gezündet werden konnte. Sonst hätte es zu einer Katastrophe kommen können, bei der viele Menschen ums Leben gekommen wären.

Nachdem die Polizei drei Wochen lang Überwachungsvideos von zahlreichen Bahnhöfen ausgewertet hat, stieß sie schließlich auf zwei Männer, die die Kofferbomben in Köln in die beiden Züge gestellt haben. Bei ihnen soll es sich um den festgenommenen libanesischen Studenten und seinen mutmaßlichen Komplizen handeln.

Steigt die Gefahr von Anschlägen?

Viele Politiker wünschen sich, dass künftig noch mehr Überwachungskameras aufgestellt werden. (Quelle: Jens Z. (Pixelquelle))

Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) hatten befürchtet, dass der flüchtige Jihad H. versuchen könnte, weitere Attentate zu verüben. Jetzt können sie aufatmen. Seit den Anschlägen am 11. September 2001 auf das Pentagon und das Welthandels-Zentrum (WTC) in New York, bei denen knapp 3.000 Menschen starben, haben Islamisten überall auf der Welt immer wieder schwere Gewalt-Taten verübt – auch in Europa. In Deutschland sollen bis heute nach BKA-Angaben fünf Anschläge rechtzeitig verhindert worden sein. BKA-Chef Jörg Zierckehatte die Situation als "ungewöhlich Ernst" bezeichnet.

Die Bundesanwaltschaft will sich nun darum bemühen, dass Jihad H. nach Deutschland ausgeliefert und hier gemeinsam mit seinem mutmaßlichen Komplizen vor Gericht gestellt wird. Das ist allerdings gar nicht so einfach, weil mit dem Libanon kein "Auslieferungs-Abkommen" besteht. Mittlerweile sind in der süddeutschen Stadt Konstanz sowie im Libanon zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. Sie sollen die beiden mutmaßlichen Bombenleger unterstützt haben.

Anti-Terror-Datei, bewaffnete Zugbegleiter und Video-Überwachung

Polizei und Politiker diskutieren seit den fehlgeschlagenen Zug-Anschlägen darüber, wie sie künftig Gewalttaten von islamistischen Fanatikern verhindern können. Da die beiden mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter durch die Aufnahmen einer Überwachungskamera am Kölner Hauptbahnhof identifiziert werden konnten, fordern viele Politiker nun, die Video-Überwachung an öffentlichen Orten noch weiter auszubauen.

Außerdem soll eine "Anti-Terror-Datei" eingerichtet werden, in der alle Erkenntnisse über Menschen gesammelt werden sollen, die verdächtigt werden, Attentate zu planen oder Attentäter zu unterstützen. Auf diese Daten sollen neben der Polizei auch die Geheimdienste zugreifen können. Geheimdienste sind staatliche Organisationen, die Informationen über Personen oder Regierungen beschaffen sollen, von denen eine Bedrohung für ihr Land ausgehen könnte. Vorgeschlagen wurde auch, dass in Zukunft bewaffnete Zugbegleiter für mehr Sicherheit sorgen sollen.

Viele Politiker sind davon überzeugt, dass Verbrechen nur mit Hilfe vieler Überwachungs-Kameras an belebten Orten verhindert oder zumindest schnell aufgeklärt werden können. Datenschützer sind jedoch weniger begeistert, dass immer mehr Menschen auf Schritt und Tritt von Kameras überwacht werden. Dadurch dringe der Staat ohne ausreichenden Grund in den privaten Bereich (die "Privatsphäre") von Millionen unschuldigen Bürgern ein, argumentieren sie.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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