Erneut schwere Kämpfe im Libanon

Katastrophale Bedingungen im Flüchtlingslager

von Svenja Schumacher - 23.05.2007

Seit Sonntag (20. Mai) bekämpfen sich im Norden des Libanons Soldaten und Anhänger der radikalen Islamistengruppe "Fatah al Islam". Ort der Gefechte ist das Flüchtlingslager Nahr el Bared. Dutzende Menschen kamen schon ums Leben, darunter viele Zivilisten. Die Zustände sind katastrophal: Tote bleiben einfach auf den Straßen liegen, die medizinische Versorgung ist schlecht, und die Hilfswerke haben Probleme, Nahrungsmittel und Medikamente ins Flüchtlingslager zu bringen. Jetzt verlassen tausende palästinensischer Flüchtlinge das Camp.

(Quelle: Helles Köpfchen)

Die Kämpfe zwischen Militär und Angehörigen der islamistischen Gruppe Fatah al Islam um das Flüchtlingscamp Nahr el Bared waren nach einem Schusswechsel zwischen Soldaten und Angehörigen der Gruppe ausgebrochen. Seit Sonntag verschanzen sich ungefähr 300 Kämpfer der Fatah al Islam in dem Flüchtlingslager. Bis Dienstag stand das Lager deshalb unter Dauerbeschuss. Die Lebensumstände für die Flüchtlinge verschlechtern sich zunehmend. Das Lager liegt im Norden Libanons etwa 16 Kilometer nördlich der Stadt Tripoli.

Am Dienstag hatten die Soldaten der radikal-islamischen Gruppe dann eine einseitige Waffenruhe verkündet. Kurze Zeit später flammten die Kämpfe wieder auf, mit Einbruch der Dunkelheit beruhigte sich die Lage wieder. Dennoch ist die Situation für die rund 40.000 Menschen, die in dem Flüchtlingscamp leben, kritisch.

Massenflucht aus dem Flüchtlingslager

Die Bedingungen im Flüchtlingslager sind katastrophal. Vor allem Frauen mit Kindern und alte Menschen nutzten den Waffenstillstand, um zu fliehen. (Quelle: Unicef )

Die Lebensbedingungen in dem Camp sind so schlecht geworden, dass die Menschen dort nicht mehr bleiben wollen. Tausende nutzen den Waffenstillstand, um zu fliehen. Besonders Frauen mit Kindern und alte Menschen verließen am Dienstagabend das Lager in der Nähe von Tripoli. Um sich vor Angreifern zu schützen, trugen sie weiße Fahnen mit sich. Einige der Flüchtlinge kamen in einem benachbarten Camp unter, andere in Notlagern, die in Schulen eingerichtet wurden.

Flüchtlinge, die es schafften, sich in Sicherheit zu bringen, erzählten von katastrophalen Zuständen in dem Camp: Leichen bleiben einfach auf den Straßen liegen, es gibt kaum ärztliche Hilfe und nur eine einzige Krankenstation, die von Verwundeten überfüllt ist. Außerdem haben Mitarbeiter von Flüchtlingshilfswerken aufgrund der Gefechte Schwierigkeiten, Nahrungsmittel, Medikamente und Stromgeneratoren in das Flüchtlingslager zu bringen.

Keine Seite will aufgeben

Nahr al-Bared ist ein palästinensisches Flüchtlingslager im Norden Libanons. (Quelle: Wikipedia )

Weder die Kämpfer der Fatah al Islam noch die libanesische Armee geben nach. Das Militär hat den Auftrag von der Regierung, gegen die Fatah al Islam vorzugehen. Die radikal-islamische Gruppe soll vom syrischen Geheimdienst kontrolliert werden, und man befürchtet, dass sie eine große Gefahr für den Libanon darstellt. Allerdings will die Armee vorsichtig vorgehen im Kampf gegen Fatah al Islam, um möglichst keine Unschuldigen, vor allem palästinensische Zivilisten, die in dem Lager leben, zu verletzen oder gar zu töten.

Zudem belastet der Dauerbeschuss des Camps die Beziehungen zwischen den palästinensischen Flüchtlingen und den Libanesen. Je länger die Belagerung dauert und je mehr über die schlimmen Zustände im Lager bekannt wird, desto erzürnter sind die Palästinenser.

Mehr über die Hintergründe der Situation im Libanon und des Nahost-Konfliktes findest du in den unten verlinkten Artikeln.

letzte Aktualisierung: 01.12.2009

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