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Geiseldrama in Afghanistan

Entführter Deutscher wurde endlich freigelassen

11.10.2007

Der vor drei Monaten in Afghanistan entführte Deutsche ist endlich freigelassen worden. Im Juli haben afghanische Terroristen auch eine Gruppe Südkoreaner entführt. Zwei der Geiseln sowie ein zweiter entführter Deutscher wurden ermordet. Die anderen Südkoreaner sind mittlerweile alle befreit worden. Die Geiselnehmer gehören der radikal-islamischen Taliban an und wollen die Regierungen mit Entführungen immer wieder erpressen. Sie forden die Freilassung von Terroristen und den Truppenabzug internationaler Soldaten aus Afghanistan.

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Entführung: Übung für die Beendigung in den USA. (Quelle: U.S. federal government)

Immer wieder werden in Afghanistan Menschen entführt. Damit wollen die Terroristen die afghanische Regierung sowie die Regierungen anderer Länder erpressen. Sie fordern die Freilassung von gefangenen Taliban-Kämpfern oder Lösegeld. Und vor allem wollen sie erreichen, dass die Regierungen der Heimatländer, aus denen die Geiseln stammen, ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen.

Im Juli wurden zwei Deutsche entführt, einer von ihnen starb. Zunächst hieß es, die Todesursache wäre Kreislaufversagen gewesen. Schließlich wurde bekannt, dass die Geisel erschossen wurde. Von der Bundesregierung forderten die Entführer, die deutschen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Das Schicksal des zweiten deutschen Bauingenieurs war lange Zeit ungewiss. Deutschland wollte sich nicht auf die Forderungen der Entführer einlassen. "Die Bundesregierung ist nicht erpressbar", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli.

Der 62-jährige Rudolf B. war insgesamt fast drei Monate lang in der Gewalt seiner Entführer. Am Mittwoch (10. Oktober) wurde er endlich freigelassen. Nun ist er auf dem Weg zurück nach Deutschland. Fünf entführte Afghanen kamen ebenfalls frei. Die Regierung Afghanistans hat sich darauf eingelassen, dafür vier Männer freizulassen, die an der Entführung beteiligt gewesen sein sollen.

Drama um südkoreanische Geiseln

Im Juli haben Terroristen auch eine Gruppe von südkoreanischen Helfern in Afghanistan entführt. Zwei der Geiseln wurden getötet. Am 30. August wurden die letzten Südkoreaner freigelassen. Was genau verhandelt wurde, ist nicht bekannt. Wie schon vor der Geiselnahme beschlossen, will Südkorea seine in Afghanistan stationierten Soldaten abziehen.

Außerdem ging die südkoreanische Regierung auf die Forderung ein, "keine christlichen Missionare mehr ins Land zu schicken". Auch die entführten Südkoreaner waren Helfer der christlichen Kirche. Das Vorgehen Südkoreas wurde von einigen kritisiert. Durch das "Nachgeben" der Regierung könnten weitere Geiselnahmen durch die Taliban folgen.

Das Dilemma von Geiselnahmen

Afghanische Nationalarmee: Die gewaltsame Befreiung der südkoreanischen Geiseln wurde ausgesetzt. (Quelle: U.S. federal government)

Das Dilemma: Wenn die Politiker auf die Vorgaben der Geiselnehmer eingehen, sehen diese, dass ihre Strategie erfolgreich ist. Immer mehr Geiselnahmen könnten die Folge sein. So würden wichtige politische Entscheidungen mit erpresserischen Methoden durchgesetzt werden. Allerdings gehen viele Entführer auch mit äußerster Brutalität gegen die Geiseln vor und ermorden sie.

Manche halten es deshalb für richtig, auf die Forderungen der Geiselnehmer einzugehen, um das Leben der Menschen zu retten. Anstatt sich erpressen zu lassen, suchen die Regierungen aber auch nach anderen Strategien, um die Menschen zu retten. So dachten sie daran, die Südkoreaner durch afghanische Soldaten militärisch zu befreien. Die Taliban drohten nach dieser Ankündigung jedoch damit, die Geiseln bei Beginn einer solchen Aktion sofort zu töten. Die Regierungen versuchten deshalb, durch Verhandlungen, deren Inhalte auch gegenüber den Medien strengster Geheimhaltung unterliegen, die Freilassung zu erreichen. Auch Geld wird angeboten, damit Entführte freigelassen werden.

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Terror und kein Ende

Taliban in Harat (2001): Die Terroristen versuchen, wieder die Herrschaft zu erlangen. (Quelle: Wikipedia )

Die Taliban regierten von 1995 bis zum Jahr 2001 fast in ganz Afghanistan. In dieser Zeit herrschten Unterdrückung und Gewalt in dem Land. Mädchen durften nicht zur Schule gehen, Frauen mussten sich von Kopf bis Fuß verschleiern. Die Taliban ermordeten viele Menschen ihres eigenen Volkes. Auch die Terroristen der Al Quaida, die sich zu den Anschlägen auf die USA am 11. September 2001 bekannten, fanden bei den Taliban Unterschlupf. Unter Führung der USA wurde Afghanistan daraufhin angegriffen, viele Terroristen festgenommen und die Herrschaft der Taliban beendet. Dabei kamen aber auch unschuldige Menschen ums Leben, und weiterhin ist die Situation in Afghanistan sehr kritisch.

Die Taliban versuchen mit Gewalt, wieder an die Macht zu kommen. Sie verüben Anschläge, greifen die Regierungssoldaten an oder versuchen, mit Entführungen zu ihrem Ziel zu gelangen. Die neue afghanische Regierung ersuchte deshalb, die internationale Gemeinschaft, mit Genehmigung durch den Weltsicherheitsrat Soldaten für einen so genannten "friedenserzwingenen Einsatz" zu senden. Seit Dezember 2001 sind Soldaten unter anderem aus Deutschland, Italien und den USA Teil der ISAF, der "International Security Assistance Force" (internationale Sicherheitsunterstützungstruppe) in Afghanistan. Allerdings sterben durch die militärischen Handlungen der internationalen Truppen immer wieder Zivilisten. Die Einsätze werden zunehmend kritisch gesehen.

Auch Hilfsorganisationen werden angegriffen

Afghanische Schulkinder sind unter anderem die Leidtragenden der unsicheren Situation in Afghanistan. (Quelle: Wikipedia)

Auch viele Afghanen verurteilen das Vorgehen der Schutztruppen und fordern ihren Abzug. Sie werfen ihnen vor, bei den Militäraktionen zu wenig auf den Schutz der afghanischen Zivilbevölkerung bedacht zu sein. Der Wiederaufbau soll zwar weiter vorangetrieben werden, bisher befindet sich das Land aber immer noch in einer tiefen Krise. Die meisten Afghanen sind Gegner der terroristischen Taliban und verurteilen die Entführungen und Anschläge.

Nicht nur Soldaten sind Ziel von Angriffen der Terroristen und nicht nur viele afghanische Zivilisten fallen Anschlägen zum Opfer. Auch die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen werden von Taliban-Truppen angegriffen. Sie versorgen die Bevölkerung mit Lebensmitteln, Medikamenten und ärztlicher Hilfe. Zum Teil arbeiten Helfer von Organisationen wie der Deutschen Welthungerhilfe und der Kindernothilfe unter lebensbedrohlichen Bedingungen.

Mehr Informationen und Hintergründe findest du in unserem Artikel "Krisensituation in Afghanistan", der unten verlinkt ist.

letzte Aktualisierung: 29.08.2009

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