ANZEIGE

Weltweite Finanzkrise: Wenn Banken sterben

25.09.2008

In den vergangenen Monaten wurde in den Nachrichten immer wieder über die Situation verschiedener großer Banken in den USA berichtet. Einige der mächtigsten US-amerikanischen Banken sind bankrott oder stehen kurz davor - anfängliche Rettungsversuche haben die Lage noch verschärft und ließen die so genannte "Bankenkrise" riesige Ausmaße annehmen. Folge ist eine Finanzkrise, durch die vielen Ländern eine starke Rezession - also ein wirtschaftlicher Abschwung - droht. Wie und wann begann sie und warum ist sie mittlerweile auch zu uns "herüber geschwappt"? Inwieweit wird die Krise unser Leben beeinflussen?

ANZEIGE
Weltweite Bankenkrise: Panikverkäufe an der New Yorker Wall Street haben sich auch auf die anderen Börsen der Welt ausgewirkt. (Quelle: Gerd Altmann | pixelio)

Der Grundstein der heutigen Krise wurde bereits vor vielen Jahren gelegt. Nach den Anschlägen auf das wirtschaftliche "Herzstück" Amerikas am 11. September 2001, das World Trade Center, breitete sich Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung aus - und ebenfalls unter Anlegern des Aktienmarktes. Dies führte innerhalb kurzer Zeit zu einem Crash - also einem "Zusammenbruch" - an der New Yorker Börse.

An Börsen wird mit Aktien gehandelt - das sind Wertpapiere, die besagen, dass man bestimmte Anteile an einem Unternehmen hat. Der Wert einer Aktie kann dabei ansteigen oder fallen. Je nach ihrem aktuellen Wert kann man die entsprechende Aktie für mehr oder weniger Geld kaufen oder verkaufen. Macht eine Firma gute Geschäfte, haben ihre Aktienbesitzer einen Anteil an diesem Gewinn - der Wert dieser Aktien steigt dann.

Panikverkäufe ließen die Aktienkurse in den USA vor einigen Jahren fallen. Die US-Regierung erklärte dem "internationalen Terrorismus" den Krieg und der Staat pumpte große Geldmengen in das Militär. Viele Amerikaner waren verunsichert, ihr Land wurde an der "empfindlichsten Stelle" getroffen, der Wirtschaft.

Wohlstand "auf Pump"

Billige Kreditverzinsung lädt zum Kauf auf Pump ein. (Quelle: h.lunke | pixelio)

Um den Frieden im Land zu wahren und die Bürger mehr in Sicherheit zu wiegen, wurden die Zinsen für Kredite extrem heruntergesetzt. Das bedeutet, man leiht sich Geld bei Banken oder Kreditinstituten und bezahlt dieses in Raten zurück. Meist sind Kreditzinsen sehr hoch und einen Kredit aufzunehmen bedeutet, die erste Zeit nur Zinsen abzubezahlen, bis man schließlich die Summe des eigentlichen Kredits zurückzahlt.

Mit den Zinsen für Kredite verdienen die Banken Geld. Der Vorteil eines Kredits besteht darin, dass man die Möglichkeit hat, sich etwas anzuschaffen, für das man das Geld nicht direkt aufbringen kann. Das Geld kann also nach und nach zurückbezahlt werden - plus der zusätzlich anfallenden Kreditzinsen. Dies unterstützt die Bevölkerung bei finanziellen Belastungen - vor allem in Krisensituationen. Normalerweise prüfen Banken, ob derjenige, der einen Kredit aufnehmen will, auch zahlungsfähig ist - also die Summe zurückzahlen und für die Zinsen aufkommen kann, an denen die Banken verdienen. Sie suchen deshalb nach Sicherheiten, damit sie später auf dem verliehenen Geld nicht sitzen bleiben.

Durch die niedrigen Zinsen war es in den USA immer mehr Menschen möglich, sich Häuser zu kaufen oder selbst zu bauen. Auch Anschaffungen wie Autos, Elektrogeräte und weiteres wurden über Kredite - also "auf Pump" - finanziert. Der Bau oder Kauf von Häusern und Wohnungen (also Immobilien) wurde von Immobilienfinanzierern und Banken teilweise sogar komplett übernommen, ohne dass die Kunden eine ausreichende Sicherheit hatten, um eine Rückzahlung zu gewährleisten.

Verkalkuliert: Aufschwung und Fall

Viele Häuser haben in den USA extrem an Wert verloren, ihre Besitzer sind verzweifelt und fühlen sich betrogen. (Quelle: Wikipedia)

Mehr und mehr Bürger nahmen Kredite auf, um sich ihre eigenen Vier Wände zu finanzieren. Da die Nachfrage nach Häusern größer wurde als das Angebot, stiegen die Immobilienpreise immer weiter an. Zwar hatte sich der US-amerikanische Finanzmarkt bis 2003 wieder etwas erholt, die Kreditzinsen blieben jedoch niedrig und die Bürger griffen weiter zu.

Als 2004 die Zinsen wieder angehoben wurden, gab es durch den Bauboom der vergangenen Jahre plötzlich mehr Angebote an Immobilien als Interessenten. Nun fielen die Preise der Eigenheime in den Keller. Plötzlich war der Wert der Häuser viel geringer, als er ursprünglich gewesen war.

Durch den Anstieg der Zinsen wurden weniger Kredite aufgenommen und die Kaufkraft der US-Amerikaner ließ nach. Viele Produkte wurden nicht mehr verkauft und Firmen mussten Angestellte entlassen. Da mehr Menschen ohne Arbeit und damit Gehalt waren, wurde noch weniger gekauft. Hinzu kamen die Rückzahlungen der Kredite, deren Zinsen nun viel höher waren. Viele Hausbesitzer mussten nun ihr Eigenheim zu einem Schleuderpreis verkaufen, da sie die Raten nicht mehr bezahlen konnten.

Pro Tag werden in den USA schätzungsweise 5.000 Häuser zwangsversteigert. Die so genannte "Hypothekenkrise" hat sich verschärft. Eine Hypothek ist eine Absicherung für den Kreditgeber und berechtigt ihn, den Erlös zu erhalten, den ein Grundstück im Falle einer Zwangsversteigerung einbringt. Auch mit diesen Hypotheken wurde wiederum gehandelt, sie wurden also von den Kreditbanken an verschiedene Investmentbanken und Versicherungen weiterverkauft. Investmentbanken ("investment" ist Englisch und bedeutet "Anlage") haben das Ziel, das Geld ihrer Anleger möglichst gewinnbringend anzulegen. Im Zuge der Bankenkrise gibt es in den USA nun keine reinen Investmentbanken mehr, da sich diese durch die vielen Fehlinvestitionen nicht mehr tragen konnten.

Ein Finanzmarkt auf dem Weg ins Aus

ANZEIGE
Die New Yorker Börse - sie ist mit den Finanzmärkten anderer Länder verknüpft und hat weltweit einen großen Einfluss. (Quelle: O. Fischer | pixelio)

Es sollte eine Absicherung sein, die teilweise unsicheren Kredite der nicht gerade zahlungskräftigen Bürger mit sicheren Anlagen - also zum Beispiel Krediten zahlungsfähiger Bürger - zu "vermischen". So wurde das Risiko auf viele verteilt und Finanzexperten gingen von einer niedrigeren Gefahr aus. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand damit, dass plötzlich so viele Menschen gleichzeitig zahlungsunfähig werden würden.

Als 2006 eine Welle geplatzter Hypotheken auf den US-amerikanischen Finanzmarkt prallte, geriet dieser ins Wanken. Die unsicheren Kredite wurden über Jahre hinweg immer wieder neu gestückelt und mit anderen Wertpapieren gemischt, sodass alles immer undurchsichtiger wurde und nicht mehr zu entschlüsseln war. Selbst die großen Banken und Versicherungen konnten dem nicht standhalten - sie wurden in dem Strudel mit nach unten gerissen. Milliarden von Dollar wurden von den Banken abgeschrieben - das bedeutet, die Banken gestanden ein, das Geld für immer verloren zu haben.

Der Skandal zog immer weitere und größere Kreise. Viele Banken halfen sich untereinander nicht mehr aus, da niemand wusste, wer wie tief in dem finanziellen Sumpf steckte. In einer funktionierenden Wirtschaft ist es üblich, dass sich Banken untereinander mit Krediten aushelfen. Mit einer plötzlichen Unterbrechung dieses Systems werden viele Banken zahlungsunfähig und gehen Bankrott. Aus Angst, sich noch mehr zu verspekulieren und weitere Verluste hinzunehmen, geschah genau dies in den USA. Erst als die Zentralbank Mitte 2007 eingriff und zur Rettung der Banken eine Menge Geld in den Markt pumpte, schien sich die Lage zu entspannen.

Die Krise schwappt nach Europa über

Das Ergebnis der Finanzkrise: Alles wird teuer, aber das Einkommen bleibt gleich. Immer mehr Bürger eines Staates geraten in Not - und dadurch verschärft sich die Krise weiter. (Quelle: pixelio)

Die Ruhe hielt jedoch nicht lange an. Zwar konnten die Banken die finanziellen Ausfälle bis zum Ende des Jahres 2007 vertuschen, dafür kamen im ersten Halbjahr 2008 ihre enormen Verluste zum Vorschein. Erneut mussten Milliarden von Dollar abgeschrieben werden. Diesmal ging es um die Existenz der großen Banken und Baufinanzierer. Mittlerweile haben mehrere Banken ihren Bankrott angemeldet, wurden aufgekauft oder verstaatlicht. Der weltweit größte Versicherer AIG (American International Group) wurde alleine durch einen Kredit der US-Notenbank in Höhe von 85 Milliarden Dollar gerettet. Die "Bankenkrise" scheint noch lange nicht am Ende zu sein.

Bereits im Sommer 2007 wurde in Deutschland ein Bericht der IKB "Deutsche Industriebank" veröffentlich, der deutsche Finanzexperten aufschrecken ließ. Es war klar, dass die Hypothekenkrise der USA kein rein amerikanisches Problem mehr war. Die IKB, die eigentlich als eher stabil und seriös gilt, gab zu, ebenfalls in Geschäfte mit den unsicheren Hypothekenkrediten verwickelt zu sein. So wurde mit einem Mal aus einem US-amerikanischen ein globales - also weltweites - Problem. Offenbar hatte die IKB Geschäfte mit einer US-amerikanischen Gesellschaft gemacht, die ebenfalls im Besitz dieser unsicheren Wertpapiere war und musste mit mehreren Milliarden Dollar aushelfen. Dadurch stand die Deutsche Industriebank ebenfalls kurz vor dem Aus - nur durch eine Aktion der deutschen Banken unter der Leitung der KfW (Förderbank) konnte die IKB gerettet werden.

Der Dollar auf dem Tiefpunkt

Hat der Euro gegenüber dem Dollar eine enorme Wertsteigerung, bringt dies für die EU-Länder einen geringeren Export mit sich, denn sie erhalten für ihre Produkte weniger Geld.

Immer mehr Banken in Deutschland räumen ein, von der Krise in den USA betroffen zu sein. Einen Grund zur Sorge gibt es laut Aussagen einiger Experten für die Deutschen jedoch noch nicht, da unser Finanzsystem sicherer ist als das der USA. Trotz allem sind die Finanzmärkte weltweit eng miteinander verstrickt - und droht der mächtigen Wirtschaftsnation USA eine Krise, breitet sie sich schnell auch in den anderen Ländern aus. Hat der Dominoeffekt erst begonnen, ist er bei diesen Größenverhältnissen nur schwer wieder zu stoppen.

Auch in Deutschland standen schon einige Male Banken kurz vor dem Bankrott - jedoch konnten riesige Verluste dank unseres Finanzsystems verhindert werden. Auch diese Krise wird die "normalen" deutschen Sparer wohl vorerst nicht betreffen. Die Entwicklung am Aktienmarkt ist allerdings nicht vorherzusagen. Auf längere Sicht werden vermutlich weniger Produkte aus Europa an die Vereinigten Staaten verkauft werden. Denn durch die vielen Dollars, die auf dem amerikanischen Finanzmarkt zur Rettung der Banken vom Staat gezahlt wurden, verlor der Dollar an Wert - und Produkte aus Ländern mit anderer Währung steigen dadurch im Preis immer weiter an.

Wer ist Schuld an der weltweiten Finanzkrise?

Lange Zeit galt in den USA die Devise: "Der Markt regelt sich selbst". Doch der undurchsichtige Finanzmarkt gleicht mittlerweile einer Art "Glücksspiel", bei dem nur wenige die Gewinner sind. (Quelle: Pixelio || Fotograf: Gerd Altmann)

Letztendlich ist es kein wirklicher Vorteil für Europa, wenn der Euro eine enorme Wertsteigerung gegenüber dem US-Dollar hat. Dies bringt für die EU-Länder einen geringeren Export - also Verkauf von Produkten eines Landes in andere Staaten - mit sich. Wenn weniger Produkte in die Staaten exportiert werden, wird weniger verkauft und die Firmen nehmen weniger Geld ein. Gegebenenfalls müssen sie so Arbeitsplätze einsparen. Auf diese Weise sind in unserer "globalisierten Welt" die Finanzmärkte miteinander verknüpft und betreffen schließlich alle Menschen.

Es bleibt die Frage, wer eigentlich die Schuld an der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten trägt und wie man ihr entgegen steuern kann. Vor allem das fehlende Kontrollsystem der großen Finanzmärkte, die sich größtenteils verselbstständigt haben und völlig undurchsichtig geworden sind, wird stark kritisiert - aber auch die extrem hohen Managergehälter, besonders in den USA. Viele sind empört darüber, dass im "kapitalistischen" Wirtschaftssystem einige wenige den Markt beherrschen, um sich persönlich zu bereichern - und dabei unvorstellbar hohe Summen "verzocken", für die der Staat und damit auch die Steuerzahler aufkommen müssen. So plant die US-Regierung, zur Rettung ihrer Wirtschaft 700 Milliarden US-Dollar in den Markt zu pumpen. Da das komplette System keiner mehr wirklich überblickt, gleicht der internationale Finanzmarkt nach Ansicht vieler Menschen mittlerweile einer Art "Glücksspiel", bei dem nur wenige die Gewinner sind.

letzte Aktualisierung: 14.11.2011

Wenn dir ein Fehler im Artikel auffällt, schreib' uns eine E-Mail an redaktion@helles-koepfchen.de. Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben.
ANZEIGE

23 Bewertungen für diesen Artikel

Hinweis zum Copyright für Schüler und Lehrer: Die Texte von Helles-Koepfchen.de dürfen für den Schulunterricht (z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, als Unterrichtsmaterialien, für Hausaufgaben oder Referate) auch für die ganze Schulklasse kostenlos ausgedruckt und vervielfältigt werden. Einzige Voraussetzung ist eine korrekte Quellenangabe, die wie folgt aussieht: Quelle: Helles-Koepfchen.de, [Link zum Artikel]. Die Druckversionen aller unserer Artikel beinhalten in der Fußzeile bereits die passende Quellenangabe - diese muss auf den Ausdrucken sichtbar sein.

ANZEIGE