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USA: Massenproteste gegen den Irak-Krieg

Der Druck auf US-Präsident Bush wächst

von Britta Pawlak - 28.01.2007

Zehntausende Menschen sind in der US-Hauptstadt Washington auf die Straßen gezogen, um gegen Bushs Irak-Politik zu demonstrieren. In einer Rede hatte der US-Präsident vor wenigen Tagen angekündigt, seinen Irak-Kurs trotz der zahlreichen Opfer, der Krisensituation im Land und der enormen finanziellen Belastung nicht ändern zu wollen. Stattdessen verkündete er, noch weitere Truppen ins Land schicken zu wollen. Der Druck anderer Politiker auf Bush wächst, immer mehr US-Amerikaner sagen "Nein" zum Irak-Krieg.

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Immer mehr US-Amerikaner gehen auf die Straßen, um gegen den Irak-Krieg zu demonstrieren.

Das Bündnis "Vereint für Frieden und Gerechtigkeit" hat nach Bushs Rede zu erneuten Protesten aufgerufen. Der US-Präsident gestand zwar Fehler ein und gab zu, dass seine angekündigten Ziele, das Land stabilisieren zu wollen, vollkommen verfehlt wurden. Dennoch kündigte er an, seinen Irak-Kurs nicht zu ändern, sondern noch zusätzliche 21.500 Soldaten ins Land zu entsenden. Derzeit sind 130.000 US-Soldaten im Irak stationiert.

Bei der Protestaktion in Washington nahmen auch Mitglieder des US-Militärs, Angehörige von im Irak stationierten Soldaten und Politiker teil. Sprecher Hany Khalil forderte die Politik dazu auf, den Willen der Wähler zu beachten. Der US-Kongress müsse Bushs Pläne für den Irak verhindern. Die Unzufriedenheit der US-Wähler mit der Politik ihres Präsidenten hat sich auch in den vergangenen Wahlen im November gezeigt: Im Kongress und im Repräsentantenhaus haben nun die Demokraten die Mehrheit, die Bushs Irak-Politik kritisch gegenüber stehen und seinen Beschluss, zusätzliche Truppen ins Land zu schicken, als "unverantwortlich" bezeichneten. Der Widerstand gegen Bush wächst.

Statt Sicherheit herrschen Chaos und Gewalt

Der Irak-Krieg fordert immer mehr Opfer - auch in der Zivilbevölkerung. Die Lage ist kritisch. Immer wieder kommt es zu Ermordungen, Verschleppungen und Anschlägen. (Quelle: Wikipedia )

Im Irak-Krieg sterben nicht nur Soldaten, sondern viele Zivilisten. Schätzungen zufolge hat der Krieg bereits über 100.000 Tote gefordert. Menschenrechtsgruppen schätzen die Zahl der Zivilopfer auf über 58.000. Auf US-amerikanischer Seite sind bisher mehr als 3.000 US-Soldaten gefallen. Hinzu kommen Morde und Entführungen von Politikern, Ausländern, Journalisten und Helfern - und viele Tausend Verwundete. Seit 2003 führen die US-Streitkräfte einen Krieg, der von Beginn an von vielen Seiten scharf kritisiert wurde.

Der Angriff wurde unter anderem damit begründet, dass sich im Irak Massenvernichtungswaffen befänden - was sich später jedoch als falsch erwies. Die US-Regierung argumentierte zudem damit, durch ihren Militäreinsatz für "mehr Ordnung und Sicherheit" im Land sorgen zu wollen. Der Diktator Saddam Hussein wurde zwar gestürzt, der Zustand im Irak wurde jedoch zunehmend chaotischer und die Sicherheitslage immer kritischer. Die Konflikte zwischen Völkern und Anhängern unterschiedlicher Glaubensrichtungen verschärfen sich mehr und mehr. Sunniten und Schiiten bekämpfen sich mit äußerster Brutalität, immer wieder kommt es zu Gewaltattacken, Ermordungen und Verschleppungen. Durch terroristische Anschläge kamen bereits nahezu 10.000 Zivilisten ums Leben.

"Nein" zum Irak-Krieg

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Der Druck auf Bush wächst zunehmend. Wird er seinen Kurs im Irak weiterhin durchsetzen können?

Auch Prominente wie die US-Schauspieler Sean Penn, Susan Sarandon und Jane Fonda nahmen am Protestzug teil: Fonda erinnerte an den Vietnam-Krieg und sagte, dass man endlich erkennen müsse, dass dieser Krieg falsch sei und man dabei nur verlieren könne.

Im damaligen Vietnam-Krieg schickten US-Amerikaner ab Mitte der 60er Jahre Truppen in den Süden Vietnams, in dem Bürgerkrieg herrschte. Es war zur Spaltung des Landes gekommen, nachdem kommunistische Vietnamesen gegen die französische Kolonialmacht und um ihre Unabhängigkeit gekämpft hatten. Die USA sahen ihre Interessen gefährdet und wollten Kontrolle über das Land gewinnen. Es kam zu jahrelangen erbitterten Schlachten zwischen US-Soldaten und kommunistischen Kämpfern. Nach viel Blutvergießen endete der Vietnamkrieg schließlich damit, dass die USA ihre Truppen aus dem Land abzogen. Die US-Kampfhandlungen gerieten damals weltweit massiv in Kritik.

Auch immer mehr Politiker stellen sich gegen Bushs Politik und fordern einen baldigen Abzug von US-Soldaten aus dem Krisengebiet. Immer größere Teile der Bevölkerung sind der Ansicht, dass der Irak-Krieg nicht nur unzählige Opfer fordert, sondern durch ihn auch die chaotische und unsichere Lage im Land nur noch weiter verschlimmert werden kann. Hinzu kommen die finanziellen Ausgaben des Irak-Kriegs, die den US-Staatshaushalt enorm belasten. Pro Tag belaufen sich die Kosten auf ungefähr 150 Millionen Dollar. Insgesamt haben die USA bis Ende des Jahres 2006 über 150 Milliarden Dollar für den Irak-Krieg ausgegeben. Diese Woche sind noch weitere Protestaktionen und Kundgebungen in verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten geplant. Die Demonstranten wollen erreichen, dass sich die Politik gegen Bushs Irak-Kurs stellt und die Truppenaufstockung verhindert wird. Die Menschen fordern darüber hinaus einen schnellen Abzug der US-Soldaten und ein Ende des Irak-Kriegs.

Mehr zur Situation im Irak und zur US-Politik erfährst du in dem Artikel "Irak: Weiterhin herrscht die Gewalt" und weiteren Beiträgen, die unten verlinkt sind.

letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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