Lexikon: Nahost-Konflikt

Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern. (Quelle: Hamas/ Wikimedia Commons)

Als "Naher Osten" werden die arabischen Staaten in Vorderasien sowie Israel bezeichnet. Dort kommt es seit langem zu Konflikten zwischen dem jüdisch geprägten Staat Israel und den angrenzenden arabischen Gebieten. Insbesondere zwischen den Israelis und den Palästinensern, die keinen eigenen Staat haben, sondern in den so genannten Palästinensischen Autonomiegebieten leben, werden immer wieder erbitterte Kriege geführt, bei denen viele Menschen getötet oder verletzt werden.

Israel, das militärisch sehr stark ist, über die mit Abstand größte Armee im Nahen Osten verfügt und moderne Waffen besitzt, geht immer wieder mit aller Härte militärisch gegen die palästinensischen Gebiete vor. Nicht nur werden diese von israelischen Soldaten bewacht und kontrolliert, weite Teile sind auch von israelischen Siedlern besetzt. In den Wohngebieten der Palästinenser werden rechtswidrig neue israelische Siedlungen errichtet, weil Israel diese Gebiete für sich beansprucht. Zahlreiche Palästinenser mussten fliehen und leben mittlerweile in Flüchtlingslagern außerhalb ihrer Heimat.

Auf der anderen Seite geht von palästinensischen Gruppen und radikalen Vereinigungen immer wieder unberechenbare Gewalt in Form von Raketenangriffen und Selbstmordanschlägen aus. Insbesondere die radikal-islamische Organisation Hamas ("Islamische Widerstandsbewegung"), die von Israel und der Europäischen Union als "Terrororganisation" angesehen wird, verübt solche Anschläge und erkennt die Grenzen Israels nicht an. Ziel der palästinensischen Hamas ist die Gründung eines "islamistischen Gottesstaates" ohne Trennung zwischen Staat und Religion. Die von der Hamas selbst entwickelten Waffen sind zwar wenig treffgenau, können aber dennoch großen Schaden anrichten und verbreiten unter der israelischen Bevölkerung Angst und Schrecken.

Die Hamas, die Israel als Auslöser des Konflikts darstellt, erhält auch deshalb Zuspruch aus der palästinensischen Bevölkerung, weil sie ebenso ein politisches und soziales Programm verfolgt. So hat sie beispielsweise öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser bauen lassen, und arme Menschen werden kostenlos ärztlich behandelt. Viele Palästinenser stimmen mit den Zielen der Hamas vor allem deshalb und wegen ihrer internationalen Forderung nach Unabhängigkeit und Freiheit der Palästinenser überein, nicht wegen ihrer radikalen, militanten Gesinnung.

Der geschichtliche Hintergrund

Doch was sind die Hintergründe für diesen tief sitzenden und erbitterten Konflikt? Lange Zeit musste das jüdische Volk, das von etwa 1.300 bis 700 vor Christus in Israel regierte, heimatlos und verfolgt in vielen Teilen der Welt leben. Nach Zeiten der Unterdrückung durch die Griechen und andere Völker verließen immer wieder Juden das Land. Endgültig wurde die jüdische Bevölkerung im Jahr 70, also vor etwa 2.000 Jahren, von den Römern aus ihrer Heimat vertrieben. Die Juden lebten über viele Jahrhunderte hinweg auf der ganzen Welt verteilt, und ihr früheres Land hieß schließlich Palästina. Arabische Völker siedelten sich dort an, und Türken regierten im Land.

Das Osmanische Reich, also die Türkei, verlor nach seiner Niederlage im Ersten Weltkrieg viele Gebiete, ebenso das Land Israel. Ab 1922 wurde es von Großbritannien geführt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten immer mehr Juden nach Palästina ein, das einst ihre Heimat gewesen war. Doch über lange Zeit hatten sich im Land die arabischen Palästinenser angesiedelt, Palästina war also zu ihrem Heimatland geworden. Während dem Terror der Nationalsozialisten flohen viele verfolgte Juden nach Palästina.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) sollte der jüdischen Bevölkerung nach der langen Zeit der Vertreibung, Verfolgung und vor allem den Schrecken des Holocaust, also der massenhaften Tötung von Juden durch die Nazis, endlich wieder eine Heimat gegeben werden. Deshalb wurde im Jahr 1948 auf Veranlassung der Vereinten Nationen (UN) der Staat Israel gegründet. Damals war das Größenverhältnis zwischen palästinensischen Arabern und jüdischen Siedlern im Land etwa drei zu eins. Im Laufe der Jahre hat sich das Verhältnis vor allem durch Einwanderungen umgekehrt - von den gut sieben Millionen Einwohnern heute sind etwa 20 Prozent arabischer und über 70 Prozent jüdischer Herkunft.

Warum gibt es nicht einfach zwei Staaten?

Zunächst sollte es zur Gründung der Länder Israel und Palästina kommen. Die arabische Bevölkerung war jedoch gegen dieses Vorhaben, da sie das Land als ihre Heimat wahrnahm und keine Berechtigung für die Gründung des jüdischen Staates sah. Deshalb wurde nur Israel gegründet und offiziell anerkannt. Später forderten allerdings auch die Palästinenser ihren eigenen Staat. Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO), die 1964 gegründet wurde, setzt sich bis heute für einen eigenen palästinensischen Staat ein. Israel ging jedoch immer wieder mit harter Waffengewalt gegen das palästinensische Volk vor und verhinderte, dass Palästina als eigener Staat entstehen konnte. So schaffte Gewalt wiederum Gegengewalt, der Hass wurde weiter geschürt.

Nach der Staatsgründung Israels kam es zum israelischen Unabhängigkeitskrieg und weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den arabischen Staaten. Es erfolgte eine schrittweise und auch gewaltsam durchgesetzte Verschiebung der Grenzen Israels, so dass die palästinensischen Autonomiegebiete im Gaza-Streifen und im Westjordanland immer weiter eingeengt wurden. Diese Gebiete besitzen seit dem Jahr 1993 eine gewisse "Autonomie" - also Unabhängigkeit. Palästina als international anerkannter Staat existiert bisher allerdings nicht. Politisch eingefordert wird im Sinne der Palästinenser oft ein Zusammenziehen des israelischen Staatsgebiets in die Grenzen aus dem Jahr 1967 (man spricht von der "grünen Linie"). Die Verwirklichung einer solchen Forderung scheint angesichts des mittlerweile gebauten israelischen "Sicherheitszauns", der auch durch palästinensische Dörfer und Städte verläuft, immer unwahrscheinlicher zu werden. Die Bewegungsfreiheit der Palästinenser ist also auch innerhalb der eigenen Gebiete kaum noch vorhanden.

Während die Israelis die Anerkennung des Staates Israels fordern, wollen die Palästinenser endlich einen eigenen Staat für sich beanspruchen können und sind nicht einverstanden mit der Verschiebung der Grenzen durch die Israelis, die sich immer weiter in ihren Wohngebieten ansiedelten und die palästinensische Bevölkerung vertrieben. Selbst wenn also Israel eine "Zwei-Staaten-Lösung" akzeptieren und einen palästinensischen Staat anerkennen würde, während die Palästinenser den Staat Israel ihrerseits anerkennen würden, wäre der große Streitpunkt die Grenzziehung zwischen den beiden Staaten. Was würde mit den israelischen Siedlungen in den palästinensischen Gebieten geschehen, die die Palästinenser natürlich als ihre rechtmäßige Heimat ansehen? Weiterhin fordern die Palästinenser das Recht auf Rückkehr der vielen Flüchtlinge, die aus ihren Gebieten vertrieben wurden. Auch Wasser ist ein Konfliktpunkt zwischen den Israelis und Palästinensern, denn die Ressourcen in den dortigen Gebieten sind sehr knapp. Aus diesen Gründen trafen Verhandlungen und Abkommen zu einer Selbstständigkeit der palästinensischen Gebiete immer wieder auf Widerstand und führten zu Gewalt.

letzte Aktualisierung: 06.08.2014

Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben. Wir freuen uns auf dein Feedback!

5 Bewertungen für diesen Artikel

Hinweis zum Copyright für Schüler und Lehrer: Die Texte von Helles-Koepfchen.de dürfen für den Schulunterricht (z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, als Unterrichtsmaterialien, für Hausaufgaben oder Referate) auch für die ganze Schulklasse kostenlos ausgedruckt und vervielfältigt werden. Einzige Voraussetzung ist eine korrekte Quellenangabe, die wie folgt aussieht: Quelle: Helles-Koepfchen.de, [Link zum Artikel]. Die Druckversionen aller unserer Artikel beinhalten in der Fußzeile bereits die passende Quellenangabe - diese muss auf den Ausdrucken sichtbar sein.