Globalisierung - Teil 2: Unfairer Handel, Kinderarbeit und Armut

Teil 2 von 3

von Britta Pawlak

Im ersten Teil hast du erfahren, wie durch technologische Neuerungen ein globaler Handel und die Möglichkeiten der weltweiten Kommunikation entstanden sind - eine Entwicklung, die große Vorteile bietet. Doch die Globalisierung bringt viele Probleme mit sich: Längst nicht alle profitieren von dem weltweiten Handel. Viele Menschen müssen unter harten Bedingungen zu einen Hungerlohn arbeiten - auch Kinderarbeit ist in armen Ländern der Welt weit verbreitet.

In der globalisierten Welt stehen die Länder und Menschen weltweit miteinander in Verbindung. Wir können heute auch fast die ganze Welt bereisen und andere Kulturen kennenlernen. (Quelle: Stephanie Hofschlaeger | Pixelio)

Vorteile durch die wirtschaftliche Entwicklung der Globalisierung haben insbesondere reiche Länder wie Deutschland und andere europäische Länder sowie die Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Länder können internationalen Handel betreiben und haben bessere Möglichkeiten, ihre Produkte zu verkaufen. Dadurch werden sie wirtschaftlich noch mächtiger und vergrößern ihren Wohlstand.

Ein Vorteil, den jeder Mensch in unserer Gesellschaft hat, ist zum Beispiel, dass man billige Elektronikgeräte kaufen oder das ganze Jahr über frisches Obst essen kann. Ohne die Entwicklung der Globalisierung gäbe es diese Produkte entweder nicht, oder sie wären so teuer, dass sie sich längst nicht jeder leisten könnte. Außerdem hat der Prozess der Globalisierung dazu beigetragen, dass wir heute fast die ganze Welt bereisen und andere Kulturen kennenlernen können.

Die Globalisierung bringt aber viele Probleme mit sich und weltweite Missstände vergrößern sich sogar: Dadurch, dass die reichen und wirtschaftlich starken Länder so viel Macht haben, können sie sich aussuchen, wo sie ihre Waren einkaufen und die Preise für die Handelsgüter beeinflussen. Wenn wirtschaftlich schwächere Länder also wollen, dass die reichen Staaten ihre Produkte kaufen, müssen sie die Preise niedrig halten, um konkurrenzfähig zu sein. Oft werden die Preise dadurch so sehr gedrückt, dass die ärmeren Staaten daran kaum noch etwas verdienen oder Menschen für einen Hungerlohn arbeiten müssen.

Zwar haben einige ehemals wirtschaftlich schwache Länder wie China und Indien in Zeiten der Globalisierung einen starken Aufschwung erfahren - China ist heute eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt. Gleichzeitig wird aber ein großer Raubbau mit der Natur betrieben und viele Arbeitskräfte werden ausgebeutet - sie schuften hart für wenig Geld, und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Ein großer Teil der chinesischen Bevölkerung lebt trotz des starken Wirtschaftswachstums in Armut, und China ist von massiven Umweltproblemen bedroht. China zählt mittlerweile wie Indien, Brasilien und Mexiko zu den "Schwellenländern" - gemeint sind Staaten, die nicht mehr als "Entwicklungsländer" angesehen werden, aber auch noch keine reichen Industrienationen sind.

Die Macht der Wirtschaft

Global Player wie die Supermarktkette "Wal-Mart" werden immer mächtiger und haben einen großen Einfluss auf die Politik. (Quelle: Jared C. Benedict/ Wikimedia Commons)

Durch Übernahmen und Zusammenschlüsse von Firmen weltweit sind mittlerweile einige riesige Konzerne entstanden. Diese so genannten "Global Player" - wie die Supermarktkette "Wal-Mart", der Ölkonzern "ExxonMobil" oder der Automobilhersteller "General Motors" - werden immer mächtiger und haben einen großen Einfluss auf die Politik. Der Umsatz, den zum Beispiel "General Motors" erzielt, übersteigt die Volkswirtschaft von Dänemark.

Diese riesigen Firmen handeln vor allem nach ihren eigenen Interessen, wollen ihre Macht ausbauen und ihren Gewinn vergrößern. Deshalb versuchen sie immer wieder, Maßnahmen zum Umweltschutz, zum Schutz der Arbeiter oder Verbraucher zu verhindern. Besonders in ärmeren Ländern wird bei der Verfolgung von wirtschaftlichen Interessen kaum Rücksicht auf die Umwelt genommen - so werden in ehemaligen Naturschutzgebieten Fisch- und Garnelenzuchtbetriebe oder Zementfabriken errichtet oder wertvolle Waldflächen zerstört, um Holz für die Papierindustrie zu gewinnen.

In so genannten "Freihandels-" oder "Sonderwirtschaftszonen", von denen es bereits etwa 800 weltweit gibt, können die Firmen ganz nach ihrem Ermessen handeln - dort gibt es kaum Bestimmungen zum Schutz der Natur oder der arbeitenden Menschen. Solche Zonen wurden unter anderem in China, Indien und Uruguay errichtet. Während sich also die wirtschaftliche Macht immer mehr auf einige riesige Konzerne konzentriert, ist die Wirtschaft in ärmeren Staaten kaum konkurrenzfähig und in vielen Fällen abhängig von den wirtschaftlichen Großmächten.

Im Kreislauf der Armut

Während die reicheren Industrienationen ihre eigene Landwirtschaft mit Fördergeldern unterstützen, leben viele Kleinbauern in armen Ländern am Existenzminimum. (Quelle: J. Bariyanga/ Wikimedia Commons)

Trotz der Globalisierung gibt es weiterhin Formen von "Protektionismus", also wirtschaftliche Schutzmaßnahmen des Staates. Insbesondere geschieht dies in Form von so genannten "Subventionen" - das sind Fördergelder oder Steuervergünstigungen. Mit solchen staatlichen Subventionen schützen die reicheren Staaten häufig ihre eigene Wirtschaft, während ärmere Länder nicht mithalten können und gezwungen sind, ihre Waren zu Billig-Preisen zu verkaufen. Vor allem die eigene Landwirtschaft wird in den Industrienationen stark subventioniert.

Ein Hauptgrund für die bittere Armut der südlichen Länder auf der Welt ist ihre hohe Verschuldung bei den internationalen Banken und beim "Internationalen Währungsfonds (IWF)". Die Staaten haben dort Kredite aufgenommen - also Geld geliehen, das sie später zurückzahlen müssen. Zusätzlich fallen jedoch Zinsen an, an denen die Banken wiederum verdienen. Nicht einmal die hohen Zinsen können die von Armut betroffenen Länder aufbringen - und weitere Kredite erhalten sie nur gegen bestimmte Forderungen des IWF: nämlich der billige Verkauf von Waren ins Ausland, niedrigere Löhne und Vermögensanlagen für ausländische Unternehmen. Von den sozialen Kürzungen sind besonders die Ärmsten betroffen, während ausländische Firmen ihren Vorteil daraus ziehen: Sie finden in den Ländern für sich gute Produktionsbedingungen und günstige Arbeitskräfte vor und können somit hohe Gewinne erzielen. In der Folge werden kleinere einheimische Betriebe immer stärker verdrängt.

Einflussreiche Einrichtungen wie der Internationale Währungsfonds, die "Weltbank" und die "Welthandelsorganisation" schreiben den verschuldeten Staaten des Südens deren wirtschaftliche Ausrichtung vor - diese produzieren heute größtenteils bestimmte Waren für den Export, also den Verkauf ins Ausland. Es heißt, dass dies auch der Wirtschaft der "unterentwickelten" Staaten zugute kommen soll. Jedoch ist diese einseitige Exportwirtschaft mit Problemen verbunden: Die armen Länder geraten in starke Abhängigkeit vom Weltmarkt, müssen fehlende Nahrungsmittel aus dem Ausland einkaufen und die auf "Monokulturen" ausgerichtete Landwirtschaft - also der Anbau von nur einer Pflanzenart in einem Gebiet - führt zu Umweltschäden, da die Böden abgenutzt und andere Arten verdrängt werden.

Unfairer Handel in der globalisierten Welt

Fair gehandelte Kleidung? Gerade bei Billig-Angeboten, aber auch bei Marken-Kleidung, ist der Einsatz von Kinderarbeit weit verbreitet. (Quelle: Paul-Georg Meistner/ Pixelio.de)

Warum kommen viele Produkte wie Kleidung aus Ländern, die so weit von uns entfernt liegen? Taiwan zum Beispiel, das viele Textilwaren in andere Länder exportiert, liegt fast 9.000 Kilometer von uns entfernt. Ein Grund hierfür ist, dass die Waren in anderen Ländern der Welt viel billiger hergestellt werden können. Oft ist damit aber ein "unfairer Handel" verbunden - das heißt, die Menschen arbeiten zu sehr schlechten Bedingungen und werden an den Gewinnen des Geschäftes so gut wie nicht beteiligt.

In den ärmeren Staaten dieser Welt bekommen die Menschen viel weniger Geld für ihre Arbeit als in den reicheren Industrieländern. In Bangladesch zum Beispiel verdienen Frauen, die T-Shirts für unseren Handel nähen, umgerechnet nur zwischen 20 und 40 Euro im Monat. Das verdienen einige Menschen in Deutschland in weniger als zwei Stunden. Zwar sind die Lebenskosten in Bangladesch insgesamt viel geringer als bei uns, jedoch sind 40 Euro im Monat selbst dort ein Hungerlohn.

Dadurch, dass immer mehr Konzerne in anderen Ländern neue Fabriken und Firmenstandorte errichten, entstehen zwar einerseits Arbeitsplätze und einige Menschen dort haben die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Andererseits verlegen viele Konzerne ihren Standort deshalb ins Ausland, weil es viel kostengünstiger ist und steuerliche Vorteile bringt. Es entstehen also oft keine zusätzlichen Arbeitsplätze - sie werden nur woanders hin verlagert, wovon die großen Firmen profitieren. Sehr viele Arbeitsplätze werden von Ländern, in denen die Arbeitslöhne recht hoch sind - zum Beispiel Deutschland - in ärmere Länder wie Rumänien verlegt.

Billiglöhne und Kinderarbeit

Ein kleines Mädchen in Marokko arbeitet an einem Webstuhl. (Quelle: Zouavman Le Zouave/ Wikimedia Commons)

Die Entwicklung geht dahin, dass in immer ärmeren Ländern immer billiger produziert wird: Während zum Beispiel vor einigen Jahren viele Textilien in wirtschaftlich schwächeren Ländern Osteuropas hergestellt wurden, hat sich der Markt nun zum großen Teil in ärmere Staaten Südostasiens weiterverlagert - viele osteuropäische Arbeiter in der Textilbranche haben ihre Jobs wieder verloren. Wenn nun in anderen "Billiglohn-Ländern" Fabriken errichtet werden, erhalten zwar einige Menschen Arbeit - solche Jobs gegen verhältnismäßig wenig Geld verhelfen dem Land aber nicht zu einer aufstrebenden Wirtschaft und mehr Wohlstand, sondern das Gefälle zwischen Arm und Reich vergrößert sich.

Vielmehr wird die Notlage der Menschen ausgenutzt, die durch die harte Arbeit oft ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und dennoch kaum etwas besitzen. In den wirtschaftlich schwächeren Staaten gelten auch nicht dieselben Regelungen wie bei uns zum Schutz der Arbeiter: Ein Arbeiter in Deutschland hat viele Rechte - so soll er an seinem Arbeitsplatz so weit wie möglich vor Gefahren geschützt sein und es stehen ihm ausreichend Pausen und Urlaubstage zu. In vielen ärmeren Staaten arbeiten die Menschen in dreckigen Hütten oft über zehn Stunden ohne Pause.

Häufig ist die Arbeit mit großen Gefahren verbunden - beispielsweise erkranken und sterben immer wieder verarmte Farmer, die auf den Baumwollplantagen arbeiten, weil ihnen keine angemessene Schutzkleidung zur Verfügung steht und sie ständig mit hochgiftigen Spritzmitteln in Kontakt kommen. Manche Arbeiter werden beschimpft und sogar körperlich misshandelt, wenn sie ihre Tätigkeit nicht schnell oder nicht gut genug ausüben. Viele Frauen müssen körperliche Schwerstarbeit verrichten - und sogar Kinder müssen hart arbeiten. Sie können sich nicht in der Schule weiterbilden und in ihrer Freizeit spielen, sondern sind gezwungen Geld zu verdienen, damit sie und ihre Familien überleben können.

Warum wird die soziale Ungleichheit in der globalisierten Welt immer größer? Weshalb sehen einige in den wirtschaftlichen Entwicklungen sogar eine "Fortsetzung des Kolonialismus"? Was fordern die "Globalisierungsgegner"? Und warum schotten sich die reicheren Industrieländer in unserer vernetzten Welt immer weiter von den ärmeren Staaten ab? Im dritten Teil unserer Reihe erfährst du mehr über die Hintergründe der Globalisierung.

letzte Aktualisierung: 08.12.2011

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