Raubtier der Meere: Der Hai

Teil 1

Teil 1 von 2

von Marlen Schott und Britta Pawlak


Haie - fleischfressende Killer, die nur allzu gerne Badegäste oder arglose Surfer aus dem Hinterhalt angreifen, um sie zu verschlingen? Solche Gruselgeschichten kennt jeder von uns. Sie beruhen zwar teilweise auf Tatsachen, wurden jedoch vor allem in unserer Fantasie produziert und dank Hollywood ausgebaut. So entstand das schlechte Image des Hais. Viele Arten der faszinierenden Unterwasserbewohner sind durch die gnadenlose Jagd vom Aussterben bedroht. Kommen im Jahr weniger als 10 Menschen durch einen Hai ums Leben, werden jährlich 200 Millionen Haie durch den Menschen umgebracht. Welche Arten können Menschen überhaupt gefährlich werden? Sind alle Haie Räuber?


Der Weiße Hai - ein grausamer Killer oder vielmehr ein normales Raubtier, das jagt, um zu überleben? (Quelle: US NOAA (Scot Anderson))

"Der weiße Hai" - ein Film, der im Jahre 1975 von Steven Spielberg nach einer Buchvorlage gedreht wurde - ist Horrorszenario pur. Zwar beruht der Film auf einer wahren Begebenheit, die sich im Sommer des Jahres 1916 ereignete. Ganz in "Hollywoodmanier" ist das Geschehene allerdings völlig überzogen dargestellt. Zuvor galten Haiangriffe noch eher als Unfälle, eine Verkettung unglücklicher Umstände - bis zu diesen zwei Wochen im Juli 1916.

Zwischen dem 1. und dem 12. Juli wurden an der Küste von New Jersey fünf Menschen Opfer von Haiangriffen, vier der fünf starben an den Folgen. Dies war ein Wendepunkt für den Hai. Galt er vorher noch als "gewöhnlicher Raubfisch", erlangte er in diesen wenigen Tagen enorme negative Berühmtheit, die sich auch heute kaum gelegt hat. Vor allem seit diesem Sommer vor knapp 90 Jahren ist der Haifisch vielerorts als kaltblütiger Menschenfresser verschrien. Vom harmlosen Meeresbewohner wurde er zum Killer, unberechenbar und unbarmherzig. Das war auch der Anfang einer gnadenlosen Jagd.

Lebensgefahr für Schwimmer und Surfer?

Der Bullenhai wird ab und an auch Stierhai genannt und gehört zu den Grundhaien. (Quelle: Albert Kok)

Doch diesen Ruf hat das intelligente Raubtier zu Unrecht. Im Schnitt fallen den Haien jährlich zwischen 4 bis 10 Menschen zum Opfer. Ein Vergleich: In einem Jahr werden mehr Menschen von einer Kokosnuss erschlagen oder vom Blitz getroffen - und auch das geschieht sehr selten. Zunächst einmal können dem Menschen nur bestimmte der vielen Haiarten überhaupt gefährlich werden. Zu den wenigen Arten, denen bisher auch Menschen zum Opfer gefallen sind, gehören der Tigerhai, der Bullenhai, der Weiße Hai und der Weißspitzen-Hochseehai. Auch Blau-, Hammer- und Zitronenhaie haben schon Menschen attackiert. Die meisten Angriffe geschehen im Pazifischen Ozean.

Die Faktoren, die zu Haiangriffen führen, sind sehr häufig auf das Fehlverhalten der Menschen zurück zu führen - oder auf irritierte, sich bedroht fühlende Haie. Gefahr besteht vor allem, wenn Schwimmer in bestimmten Gebieten die eingegrenzten Badezonen verlassen. Die meisten Haiarten meiden die Nähe zu Menschen und halten sich selten in küstennahen Regionen auf. Vor allem Bullen- und Zitronenhaie sind auch in flacheren Gewässern anzutreffen. Die Raubfische reagieren zum einen auf schnelle, hektische Bewegungen im Wasser. Zum anderen greifen einige der Tiere an, wenn man ihnen zu nahe kommt und sie provoziert. Nur in manchen Fällen handelt es sich um ein gezieltes Angreifen durch aggressive Tiere.

Fast alle Haiarten sind nun einmal Räuber. Und genau wie Raubtiere zu Land greifen sie dann an, wenn sie auf Futtersuche sind oder sich bedroht fühlen. Außerdem benötigen die meisten Haie nur zwei bis drei Prozent ihres Körpergewichts an Nahrung pro Tag. Der Hai muss somit nur etwa einmal in der Woche jagen. Verglichen mit anderen Raubtieren ist das relativ wenig. Trifft man also tatsächlich auf einen Hai, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieser gar nicht hungrig ist.

Der Hai - ein lebendes Fossil?

Ein Walhai - er gehört zu den Riesen unter den Haifischen und ist der größte lebende Fisch überhaupt. (Quelle: Wikipedia)

Vergisst man einmal die übertriebene Panik vor dem Hai, wird man sehen, wie faszinierend dieses Tier eigentlich ist. Haie - beziehungsweise dessen Vorfahren (Cladoselache) - sind bis zu 400 Millionen Jahre alt. Leider gibt es nicht viele Funde, da Haie Knorpel- und keine Knochenfische sind. So findet man als Fossil meist nur die Zähne, da lediglich diese hart und aus beständigem Material sind. Die größte bekannte Haiart lebte bis vor einer Million Jahre - also auch schon zusammen mit den menschlichen Vorfahren. Mit einer Körperlänge von über 16 Metern war dieser Fisch ein richtiger Gigant.

Der Kragenhai - auch Krausenhai oder Schlangenhai genannt - ist der älteste aller Haiarten und wird oft auch als "lebendes Fossil" bezeichnet. So werden Tier- oder Pflanzenarten genannt, die sich seit Jahrmillionen nicht oder kaum verändert haben. Von den räuberischen Haien zählen Weiße Haie und Tigerhaie zu den derzeit größten lebenden Arten. Es gibt heute drei Haiarten, die sich erheblich von den anderen unterscheiden: Walhaie, Riesenhaie und Riesenmaulhaie. Sie sind keine Raubfische, sondern ernähren sich von Plankton, winzigen Fischen und anderen Kleinstlebewesen des Ozeans. Der Walhai erreicht eine Länge von bis zu 14 Metern und wiegt um die 12 Tonnen (also 12.000 Kilogramm). Damit ist er der größte lebende Fisch überhaupt.

Haie riechen Blut milliardenfach verdünnt

Der Riesenhai saugt gerade Wasser ein, um das Plankton herauszufiltern. (Quelle: Wikipedia)

Es gibt verschiedene Arten von Plankton. Walhaie, Riesenhaie und Riesenmaulhaie filtern das Zooplankton. Dieses besteht aus kleinen Tierchen, die sich wiederum von noch kleinerem Plankton ernähren. Die Plankton fressenden Haimäuler wirken wie riesige Staubsauger: Sie saugen pro Stunde durchschnittlich 6.000 Liter Wasser ein, um es dann zu filtern und über die Kiemen wieder auszustoßen. Bei dieser Körpergröße kaum vorstellbar, dass so der Hunger der Tiere gestillt werden kann.

Aber zurück zu den räuberischen Haien, die bekannt sind für ihren extrem ausgeprägten Geruchssinn. Alleine durch diesen können sie ihre Beute genau aufspüren - so würde selbst ein blindes Tier nicht verhungern. Haie nutzen zwei Drittel ihres Gehirns ausschließlich für ihren Geruchssinn. Sie können Blut im Wasser selbst dann wahrnehmen, wenn es milliardenfach verdünnt ist. Haifische machen Beutetiere sogar auf eine Entfernung von mehr als 75 Kilometern aus. Da die Geruchsrezeptoren vorne seitlich auf dem Maul des Hais sitzen, bewegt er ständig seinen Kopf hin und her, sodass es ihm möglich ist, eine Spur aufzunehmen. Das nennt man auch Pendeln.

Kranke Tiere werden durch das Gehör aufgespürt

Ein Weißer Hai inmitten eines Fischschwarms. (Quelle: Terry Goss)

Das Gehör der Haie ist ein weiteres Werkzeug, um Beute aufzuspüren. Die Tiere hören in niedrigeren Frequenzbereichen. Sie nehmen auch tiefe Töne wahr, die für uns Menschen nicht mehr zu hören sind. Obwohl ihr Gehör viel weniger entwickelt ist als das der Landtiere, ist es perfekt an ihre Umgebung angepasst. Sie können Geräusche exakt lokalisieren.

Dies ist dem Menschen unter Wasser nicht gegeben, da Wasser Schall viel schneller leitet als Luft. So können Haie mit ihrem Gehörsinn sogar kranke Tiere von gesunden unterscheiden, da die Geräusche bei ihnen in einem anderen Frequenzbereich liegen - sie hören sich also anders an. Der Hai nimmt dann die Fährte auf, denn geschwächte und verletzte Tiere sind ihm eine leichtere Beute. Und noch eine weitere Funktion hat das Gehör: Es dient - wie auch bei uns - dem Gleichgewichtssinn und der Orientierung.

Auch sehen können Haie herausragend - etwa ähnlich gut wie Menschen. Während viele andere Meeresbewohner nur in der Lage sind, hell und dunkel zu unterscheiden, können sie Farben und Formen gut erkennen. Die Sehkraft der Haie ist auch bei Dämmerung optimal. Sobald es dunkel wird, fangen sie an, im ultravioletten Bereich zu sehen. Einzig die Weitsichtigkeit ist ihre Schwäche. Der Hai hat jedoch noch seinen außergewöhnlichen Geruchs- und Hörsinn, der ihm die Beute sichert.

letzte Aktualisierung: 14.02.2010

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