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Bobfahren

Teil 16 von 16

06.02.2006

Beim Bobfahren werden Sportschlitten von zwei oder vier Piloten mit bis zu 130 Stundenkilometern durch den Eiskanal gesteuert. Im Gegensatz zum bekannten Spielfilm "Cool Runnings" hat das Bobteam von Jamaika aber keine Chance, in den Kampf um die olympischen Medaillen einzugreifen. Die Sportart ist schon seit den ersten olympischen Winterspielen 1924 dabei.

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Bobfahren ist die Königsdisziplin unter den Schlittensportarten. (Quelle: Olympische Winterspiele 2006 in Turin )

Der Begriff "Bob" kommt aus dem Englischen. "To bob" heißt "sich ruckartig bewegen". Als der Bobsport am Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz entstand, versuchten die Mannschaften ihren Schlitten mehr Schwung zu verschaffen, indem sie sich am Start zurücklehnten und dann gemeinsam, ruckartig mit dem Oberkörper nach vorne schnellten.

Die ersten großen Rennen fanden ab 1885 auf der legendären Eisrennbahn "Cresta-Run" im Schweizerischen St. Moritz statt. Dort ließ der britische Major Bulpett eine Schlittenbahn-Röhre in den Schnee bauen. Zu den jährlichen Wettkämpfen kamen tausende von Zuschauern. Ab 1890 fuhren die meisten Fahrer auf dem Bauch liegend, was aber 1929 verboten wurde. Damit trennte sich der Bob- und Rodelsport vom Skeleton, bei dem weiter auf dem Bauch liegend gefahren wird.

Bei den olympischen Winterspielen gehörte Bobfahren von Anfang an dazu. Nur im Jahr 1960 gab es keine Medaillen für Bobfahrer, weil sich die Ausrichter in Squaw Valley (USA) weigerten, einen Bobkanal zu bauen. 1967 gab es die letzte große Revolution im Bobsport: in Königssee bei Berchtesgaden wurde die erste künstlich vereiste Bob- und Rodelbahn eingeweiht. In Bobbahnen wurden nun spektakulären Steilkurven und Kreisel eingebaut.

Enorme Kräfte wirken

1910 hatten die Bobs noch keine Verkleidung und wurden noch mit den Füßen gelenkt. (Quelle: Wikipedia)

Die besten Bobfahrer der Welt liegen nach vier Läufen oft nur wenige Hundertstel oder sogar nur Tausendstel Sekunden auseinander. Das entspricht wenigen Zentimetern Vorsprung. Daher kommt beim Bobfahren sehr viel auf einen guten Start an. Der Pilot und seine Mannschaft schieben nach dem Start 15 Meter lang ihren Bob an und springen dann hinein. Die meisten Anschieber in Bobmannschaften sind daher sehr gute Athleten, oft ehemalige gute Sprinter, Weitspringer oder Zehnkämpfer.

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In der Bahn steuert der Pilot mit seinen Lenkseilen den Bob durch die Kurven. Er versucht, den Schlitten möglichst in der Mitte der Bahn zu halten und selten die Bande zu rammen. In den steilen Kurven wirken dabei unglaublich hohe Kräfte - bis zur fünffachen Erdbeschleunigung - auf die Bobinsassen. Wenn der Pilot zu stark an den Lenkseilen zieht, kann er im schlimmsten Fall sogar einen Überschlag verursachen, der sehr gefährlich für alle Insassen ist. Zum Glück kommt das sehr selten vor.

Zu den Bobnationen gehören auch "Exoten" wie Brasilien, Neuseeland und das Fürstentum Monaco. Von hier kommt auch der prominenteste Bobfahrer der Olympiageschichte: Albert II., der heutige Fürst von Monaco, saß fünfmal im Bob seines Landes. Jamaika ist in Turin 2006 leider nicht mit einem eigenen Bobteam am Start.

Wettbewerbe Männer Frauen Zweierbob Gold: Andre Lange / Kevin Kuske (DEU)
Silber: Pierre Lueders / Lascelles Brown (KAN)
Bronze: Martin Annen / Beat Hefti (SUI) Gold: Sandra Kiriasis / Anja Schneiderheinze (DEU)
Silber: Shauna Rohbock / Valerie Fleming (USA)
Bronze: Gerda Weissensteiner / Jennifer Isacco (ITA) Viererbob Gold: Lange/ Hoppe/ Kuske/ Putze (DEU)
Silber: Subkow/ Golubew/ Seliwerstow/ Stepuschkin (RUS)
Bronze: Annen/ Lamparter/ Hefti/ Grand (SUI)


Olympiahoffnungen

Der Steuermann sitzt vorne im Bob und zieht an den Lenkseilen, um den Bob auf Kurs zu halten. (Quelle: La Presse)

Im Zweierbob der Männer gehören die deutschen Teams von Matthias Höpfner und Andre Lange zu den großen Favoriten. Auch die Schweizer Bob-Teams von Martin Annen und Ivo Ruegg, sowie von Wolfgang Stampfer aus Österreich gehören zu den acht weltbesten Zweierbob-Mannschaften und machen sich berechtigte Hoffnungen auf olympisches Edelmetall. Im Viererbob wollen die gleichen Piloten ihre Teams zu olympischen Erfolgen lenken. Die besten Chancen haben Martin Annen (Platz 3 der Weltrangliste), Matthias Höpfner (Platz 5), Andre Lange (Platz 7) und Ivo Ruegg (Platz 8).

Frauen treten bei den olympischen Spielen nur im Zweierbob an. Dabei kommt das hoch favorisierte Team aus Deutschland. Sandra Kiriasis fuhr in der laufenden Saison mit ihrem Team von Sieg zu Sieg und führt souverän die Weltrangliste an. Auf eine Medaille für Deutschland hofft auch die ehemalige Rodlerin Susi Erdmann. Ihre größten Konkurrentinnen kommen aus den USA, Kanada und Italien. Die Schweizer Damenteams von Sabina Hafner und Maya Bamert sind dagegen krasse Außenseiter.

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letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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