Erbitterter Bruderkrieg der Palästinenser

Die Gewalt in Nahost eskaliert

von Carola Beck - 23.06.2007

Die schweren Kämpfe zwischen der islamistischen Organisation Hamas und der Fatah weiten sich in den palästinensischen Gebieten zum Bürgerkrieg aus. Im Gazastreifen und dem Westjordanland kämpfen Palästinenser gegen Palästinenser. Vordergründig haben die Gruppen dasselbe Ziel: einen unabhängigen Staat. Die Hamas hat nun gewaltsam die Macht im Gazastreifen übernommen. Viele Menschen sind bei den Gefechten ums Leben gekommen. Unzählige Palästinenser versuchen, nach Ägypten zu fliehen.

Krisenregion Nahost: Im Gaza-Streifen und dem Westjordanland bekämpfen sich Fatah und Hamas. Konflikte mit Israel kommen hinzu.

Der Konflikt zwischen Hamas und Fatah besteht schon seit vielen Jahrzehnten. Lange war die Partei Fatah vorherrschende politische Kraft im Westjordanland und dem Gazastreifen. Dieser liegt zwischen Israel und Ägypten am Mittelmeer. Im Februar 2006 erzielte laut Wahlergebnis die radikal-islamische Hamas die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament. Sie verlangte von der Fatah, das Wahlergebnis anzuerkennen. Aber das geschah nicht.

Im Februar dieses Jahres wurde im saudischen Mekka ein Abkommen getroffen, das eine nationale Einheitsregierung unter Führung der Hamas regelt. Fatah-Anhänger Machmud Abbas war im Januar 2005 zum neuen Palästinenser-Präsidenten gewählt worden. Er behielt die Kontrolle über das 70.000 Mann starke Militär. Die Hamas baute eine eigene Truppe mit 5000 Mann im Gazastreifen auf.

Eine gemeinsame Regierung von Hamas und Fatah war aber unmöglich. Die Situation geriet außer Kontrolle und weitet sich immer weiter zu einem Bürgerkrieg aus. Viele Menschen sterben bei den Kämpfen zwischen den beiden palästinensichen Gruppen, unzählige wollen flüchten. Seit einigen Tagen hat die Hamas gewaltsam die Macht in weiten Teilen des Gazastreifens übernommen und Mitglieder der Fatah aus ihren Ämtern vertrieben.

Hamas: Mit Gewalt zum Ziel

Mit Gewalt für einen islamischen Staat Palästina: Kämpfer der Hamas. (Quelle: weaponsurvey)

Fatah und Hamas verfolgen vordergründig die gleichen Ziele: Beide Parteien wollen einen unabhängigen Palästinenserstaat errichten und beanspruchen Gebiete des Staates Israel.

Israel wurde drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1948, gegründet. Nachdem unter der grausamen Nazi-Herrschaft viele Juden verfolgt und über sechs Millionen ermordet worden waren, sollte dem jüdischen Volk als Entschädigung ihre ursprüngliche Heimat zurückgegeben werden. Allerdings hatte sich dort nun das Volk der Palästinenser angesiedelt. Es wurde zur Minderheit, nachdem Millionen von Juden in das Land zurückkehrten.

Die Palästinenser beanspruchten das israelische Gebiet ebenfalls für sich und lehnten ab, Israel und Palästina jeweils ein eigenes Staatsgebiet zuzuteilen. Es wurde nur der Staat Israel gegründet. Israel verhinderte dagegen später, dass aus den palästinensischen Gebieten ein eigener Staat entstehen konnte. Bis heute ist unklar, wo genau die Grenzen zwischen Israel und Palästina verlaufen sollen. Die meisten Palästinenser wohnen im Westjordanland und im Gazastreifen. Diese so genannten "palästinensischen Autonomiegebiete" zählen zu den ärmsten Regionen überhaupt.

Wie und mit welchen Methoden die Ziele von Fatah und Hamas durchgesetzt werden sollen - das ist allerdings die Frage, die in den palästinensischen Gebieten mit Waffengewalt entschieden wird. Ziel der Hamas ist eine Errichtung eines islamischen Staates Palästina, wenn nötig gewaltsam. Friedensverhandlungen mit Israel lehnt die Hamas ab. Bei der palästinensischen Bevölkerung konnte sie mit sozialer Unterstützung, der Errichtung von Schulen, Krankenhäusern und Arbeitsvermittlung an Zuspruch gewinnen.

Chaos und Notstandsregierung

Mahmud Abbas galt als neue Hoffnung für den Frieden. Die Hamas bedroht ihn. (Quelle: pbase)

Auch die Fatah will einen unabhängigen Palästinenserstaat gründen. Trotz schwerer Konflikte gab es von Seiten der Fatah Bemühungen, mit dem verfeindeten Israel in Verhandlungen zu treten. Vor allem unter dem Gründer und Präsidenten Jassir Arafat (1929 - 2004) kam die Annäherung zu Israel voran. Die Fatah ist bereit, den Staat Israel anzuerkennen.

In der Bevölkerung hat die Partei allerdings weniger Anhänger als die Hamas. Die Fatah wurde beschuldigt, Hamas-Mitglieder gefoltert zu haben. Vor allem wurde Politikern der Fatah vorgeworfen, sich an Geldern, die eigentlich für das Volk bestimmt waren, persönlich bereichert zu haben. Jetzt, nach der gewaltsamen Machtübernahme durch die Hamas, wurde die Einheitsregierung aufgelöst. Präsident Abbas setzte kürzlich eine Notstandsregierung ein. Er fürchtet um sein Leben und wirft der Hamas vor, einen Mordanschlag gegen ihn geplant zu haben.

Europa und die USA haben zuvor angekündigt, dass finanzielle Hilfe nur an die gemäßigtere Fatah gehen wird. Gespräche und Verhandlungen mit der radikalen Hamas haben die Staaten zunächst abgelehnt. Jetzt verlangen die europäischen Länder und die USA, dass die Hamas von der Gewalt abschwört, die bestehenden Verträge mit der Palästinensischen Autonomiebehörde akzeptiert, die von der Fatah unterzeichnet wurden, und das Existenzrecht vom Staat Israel anerkennt. Die USA wollen Großbritanniens Premierminister Tony Blair, der kürzlich seinen Rücktritt verkündet hat, als neuen Sondergesandten im Nahost-Konflikt einsetzen.

letzte Aktualisierung: 13.01.2010

Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben. Wir freuen uns auf dein Feedback!

3 Bewertungen für diesen Artikel

Hinweis zum Copyright für Schüler und Lehrer: Die Texte von Helles-Koepfchen.de dürfen für den Schulunterricht (z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, als Unterrichtsmaterialien, für Hausaufgaben oder Referate) auch für die ganze Schulklasse kostenlos ausgedruckt und vervielfältigt werden. Einzige Voraussetzung ist eine korrekte Quellenangabe, die wie folgt aussieht: Quelle: Helles-Koepfchen.de, [Link zum Artikel]. Die Druckversionen aller unserer Artikel beinhalten in der Fußzeile bereits die passende Quellenangabe - diese muss auf den Ausdrucken sichtbar sein.