Kosovo - ein neuer Staat Europas?

Konflikt verschärft sich nach der Unabhängigkeitserklärung

von Marlen Schott und Andreas Fischer - 29.02.2008

Vor einigen Tagen hat das Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt. Seit langem forderte das albanische Volk, das dort die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht, einen eigenen Staat. Bisher gehörte das Kosovo zu Serbien. Doch weiterhin will Serbien nicht anerkennen, dass Kosovo ein eigenständiger Staat ist. Es kam zu Protesten und Gewaltausschreitungen. Nun wollen sich die im Kosovo lebenden Serben ihrerseits abspalten. Sie rüsten im Norden des Landes auf und kündigten an, ihre Ziele auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Was sind die Hintergründe des Konfliktes?

Das Kosovo ist ein kleines Gebiet im ehemaligen Jugoslawien, das bisher zu Serbien gehörte. Nun hat es seine Unabhängigkeit erklärt. (Quelle: Wikipedia)

Das Kosovo ist ein kleines Gebiet im ehemaligen Jugoslawien. Bisher gehörte es dem Staat Serbien an. Schon lange haben die Kosovo-Albaner die Unabhängigkeit der Region gefordert. Der ehemalige serbische Machthaber Slobodan Milosevic unterdrückte das albanische Volk massiv. Er strebte die Vorherrschaft der Serben in Jugoslawien an. Die Rechte anderer Völker wurden immer weiter eingeschränkt.

Als die serbische Regierung begonnen hatte, die Kosovo-Albaner systematisch zu vertreiben und Verhandlungen erfolglos geblieben waren, griff die NATO schließlich militärisch ein. Im Jahr 2000 musste Milosevic zurücktreten. Ein Jahr später wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord angeklagt und an das Kriegsverbrechertribunal (bedeutet: internationales Sondergericht) der Vereinten Nationen ausgeliefert. Im März 2006 wurde er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Auch die neue Demokratie in Serbien wollte aber nicht, dass das Kosovo ein eigenständiger Staat wird. Die serbische Minderheit, die dort lebt, sollte geschützt werden. Auf der anderen Seite sinnten einige Kosovo-Albaner auf Rache für die Verbrechen der damaligen serbischen Regierung an ihrem Volk. Der Hass und das Misstrauen zwischen den Serben und Albanern blieben bestehen.

Dieser Konflikt hat eine lange Vorgeschichte. Nach dem Tod des Diktators Tito im Jahr 1980 hatten sich die einzelnen Republiken nach und nach voneinander abgekapselt, bis sich 1991 vier von ihnen für politisch unabhängig - für "autonom" - erklärten. Die damalige Regierung Jugoslawiens wollte das jedoch nicht zulassen. Daraufhin gab es zwischen 1991 und 1999 mehrere Kriege, die so genannten Jugoslawienkriege. Der Kosovo-Krieg, an dem die NATO - das westliche Verteidigungsbündnis - beteiligt war, begann am 24. März 1999 mit Kampfhandlungen der NATO. Der Konflikt zwischen Serben und Kosovo-Albanern hatte sich immer weiter verschärft, weil das albanische Volk unter dem serbischen Präsident Milosevic mehr und mehr entrechtet und aus seiner Heimat vertrieben wurde.

Der Kosovo-Krieg

Als jugoslawischer Präsident soll Milosevic Kriegsverbrechen angeordnet haben. (Quelle: slobodan-milosevic.org)

Die Albaner hatten bereits Anfang der 1990er Jahre die Befreiungsarmee "UÇK" gegründet. Schließlich wurden von den serbischen Truppen nicht mehr nur die Kämpfer der UÇK, sondern auch albanische Zivilisten ("zivil" bedeutet "nicht militärisch") angegriffen. Nachdem Verhandlungsversuche mit Jugoslawien gescheitert waren, folgten Militäreinsätze der NATO, an denen auch deutsche Soldaten beteiligt waren. Diese fanden nicht nur Zustimmung, sondern wurden von vielen Seiten kritisiert. Die Luftangriffe sollten sich zwar gegen militärische Ziele richten, dabei wurden aber immer wieder viele unschuldige Zivilisten getötet. Außerdem gab es keine Zustimmung durch den UN-Weltsicherheitsrat zum militärischen Einsatz der NATO-Truppen.

Nach drei Monaten Krieg hatten sich alle serbischen Truppen aus der Region zurückgezogen. Jugoslawien war zerteilt, und nach und nach wurden alle Republiken zu autonomen Staaten - zuletzt Montenegro, das sich im Jahr 2006 von Serbien löste. Das Kosovo war zur Zeit Titos die ärmste Region Jugoslawiens. Auch heute noch heizen viele Bewohner mit Holzöfen müssen ihr Wasser auf dem Land meistens aus Brunnen schöpfen. Das Kosovo war nie eine echte Republik Jugoslawiens, sondern politisch ein Teil Serbiens. Es hatte aber 1974 von Tito einen "autonomen Status" verliehen bekommen, da das Kosovo hauptsächlich von Albanern bewohnt wird, während in Serbien fast nur Serben leben. Die Völker haben ihre eigene Sprache: Die Albaner sprechen albanisch, die Serben serbisch.

Konflikt verschärft sich

Im Jahr 1999 führte die NATO einen Krieg im Kosovo. Danach sollten NATO-Truppen für Sicherheit im Land sorgen, das von nun an unter der Verwaltung der UN stand. (Quelle: US Army)

Es ist also nicht überraschend, dass das Kosovo mit seinen zwei Millionen Einwohnern ebenfalls politisch unabhängig werden wollte. Die Serben sehen das Kosovo allerdings als unverzichtbaren Teil ihres eigenen Landes. Sie befürchten, dass sich das unabhängige Kosovo mit dem Nachbarland Albanien verbinden wird. Während sich vor allem Großbritannien und die USA für eine Unabhängigkeit des Kosovo einsetzten, sind die Hauptgegner Serbien und Russland, das enge Beziehungen zum serbischen Staat hat.

Nun hat sich das Kosovo am 17. Februar nach gescheiterten Verhandlungen mit Serbien einseitig für unabhängig erklärt. Einige Staaten, darunter auch Deutschland, Frankreich und die Schweiz, haben die Unabhängigkeit anerkannt, andere - wie Russland oder Spanien - halten sie für rechtswidrig und betrachten das Kosovo weiterhin als Teil Serbiens. Das Gebiet steht jedoch schon lange unter Verwaltung der Vereinten Nationen (mehr zum Thema "Vereinte Nationen": siehe unten verlinkter Artikel). Auch die Wut der Albaner auf die Vereinten Nationen und deren Verwaltung im Kosovo hat sich verstärkt. Diese wurden immer mehr als Eindringlinge empfunden und dafür verantwortlich gemacht, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht vorankommt. Armut und Arbeitslosigkeit sind dort weiterhin groß.

Serben im Norden rüsten auf

Serbien will verhindern, dass sich Kosovo dem Nachbarland Albanien anschließt. (Quelle: Helles Köpfchen)

Nun schaukelt sich der Konflikt erst recht wieder hoch: Wenige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo kam es in Serbien zu gewalttätigen Demonstrationen vor den Botschaften einiger der Länder, die Kosovo als eigenen Staat anerkannt hatten. Auch viele Serben außerhalb ihres Heimatlandes demonstrieren gegen die Selbstständigkeit des Kosovo. Im Land selbst haben sich die Spannungen zwischen Serben und Albanern noch vergrößert.

Die Gemüter sind erhitzt, denn weiterhin will die serbische Bevölkerung die Provinz Kosovo nicht freigeben. "Das Kosovo ist das eigentliche Herz Serbiens", sagen sie. Die serbische Regierung hat aus allen Staaten, die das Kosovo als eigenes Land anerkennen, ihre Botschafter abgezogen und erklärt, dass die Beziehungen zu diesen Staaten nun stark erschüttert seien.

Im Norden des Kosovo, im Ibartal, leben überwiegend Serben. Dort bezahlen die Bewohner mit serbischem Geld, haben serbische Autokennzeichen und wollen sich dem neuen Staat nicht unterordnen. Die Europäische Union plant, europäische Polizisten - auch aus Deutschland - in das Gebiet zu senden. Die Serben, die im Norden des Kosovo in der Mehrheit sind, rüsten militärisch auf und haben angekündigt, ihre Ziele auch mit Waffengewalt zu verteidigen.

letzte Aktualisierung: 26.01.2010

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