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Krieg oder Frieden in Georgien?

12.08.2008

Nach neuesten Meldungen herrscht in Georgien wieder Waffenruhe. Schon lange bestehen Konflikte zwischen den Nachbarstaaten Russland und Georgien. Am Donnerstag (07. August) eskalierte die Situation und ein Krieg um die georgischen Regionen Südossetien und Abchasien brach aus. Der Konflikt scheint zunächst entschärft zu sein. Es bleibt aber die Frage, ob der Frieden von Dauer sein wird.

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Am Donnerstag, den 08. August, brach Krieg in Georgien aus. Seit langem besteht ein Konflikt um die georgische Region Südossetien. Nordossetien gehört zu Russland. (Quelle: United States Federal Government)

Georgien und Russland haben eine gemeinsame, nicht sehr harmonische Geschichte. Aufstände, Kriege, Unabhängigkeitserklärungen und Besetzungen prägen die Beziehungen der beiden Nachbarländer. Im Jahr 1918 erklärte sich Georgien zum ersten Mal unabhängig und bildete eine eigene Regierung.

Die Georgier im Land waren jedoch nicht alle für die Unabhängigkeit, die Bevölkerung war gespalten. Schon im Jahr 1921 marschierten russische Truppen ins Land ein und zerschlugen die Regierung Georgiens. Das Land selbst teilten sie der "Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik" zu. Nach deren Verfall wurde das Land in die Sowjetunion eingegliedert.

Unruhen herrschten im Land

Michail Saakaschwili, der Präsident Georgiens, an der Seite des US-Präsidenten George W. Bush. (Quelle: White House | Paul Morse )

Proteste und Demonstrationen ließen das Land lange nicht zur Ruhe kommen. Aufstände wurden von den russischen Besatzern immer wieder brutal niedergeschlagen. Erst 1991 sah Georgien - wie auch für viele weitere zwangseingegliederten Länder der Sowjetunion - eine neue Chance, endlich die Unabhängigkeit zu erlangen. Denn mit dem Ende des Kalten Krieges endete die Ära der Sowjetunion, und Georgien löste sich vom heutigen Russland.

Die Unzufriedenheit der Georgier machte dem Land allerdings zu schaffen - und so durchlebte Georgien eine unruhige Zeit. Durch die so genannte "Rosenrevolution" im Jahr 2003 kam der heutige Präsident Michail Saakaschwili an die Macht. Er hat in den Vereinigten Staaten Jura studiert und steht der westlichen Welt - also den USA und Europa - offen und positiv gegenüber. Schon seit längerem arbeitet Georgien darauf hin, Mitglied der NATO (des westlichen Verteidigungsbündnisses) zu werden. Russland, dem einst größten Feind des Westens, ist dies ein Dorn im Auge.

Ein langjähriger Konflikt

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Schon in der Vergangenheit kam es zu Kämpfen zwischen Georgiern und Südosseten. Bild: Gedenkstätte für die Opfer des georgisch-südossetischen Krieges in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali. (Quelle: Wikipedia)

Dass das Kriegsrecht in Georgien verhängt wurde, resultiert aus Konflikten, die schon seit der Unabhängigkeit des Landes bestehen. Dabei geht es vor allem um die so genannten "abtrünnigen Regionen" des Landes. Eine davon namens Südossetien gehört zwar offiziell zu Georgien, erklärte sich aber bereits mehrfach für unabhängig. 2004 brachen Kämpfe zwischen Georgiern und Südosseten aus, die durch einen vorläufigen Waffenstillstand unterbrochen wurden.

Dass Südossetien sich von Georgien lösen möchte, liegt in erster Linie daran, dass dort 95 Prozent der Bevölkerung einen russischen Pass besitzt und sich lieber dem russischen Nordossetien anschließen würde. Georgien fühlt sich durch die Unabhängigkeitserklärungen schon lange provoziert. Am Donnerstag startete die militärische Offensive - mit dem Ziel, Südossetien an einer Abspaltung zu hindern. Ein weiterer Konfliktherd ist die Region Abchasien, die sich ebenfalls von Georgien abspalten will.

Russland greift ein

Dmitri Medwedew, der Präsident Russlands. (Quelle: Wikipedia (Áîðèñ Ñóõèíèí))

Die Streitkräfte Russlands stellten sich auf der Seite der Südosseten und Abchasen und somit der Offensive Georgiens entgegen. Sie drangen in Teile Georgiens ein und bombardierten Städte wie Gori, nahe der Hauptstadt Tiflis. Die Menschen der Regionen fürchteten um ihr Leben. Auch innerhalb der Zivilbevölkerung ("Nicht-Soldaten") sind viele Tote zu beklagen. Unzählige Menschen begaben sich auf die Flucht. Am Montag, den 11. August, erklärte der Präsident Georgiens eine einseitige Waffenruhe. Russland setzte die Kampfhandlungen zunächst fort. Da Russland sein Ziel erreicht hatte, kündigte der russische Präsident Medwedew einen Tag später den Abzug seiner Truppen an.

Nicolas Sarkozy, der französische Präsident und derzeitige Ratsvorsitzende der Europäischen Union (EU), hat zunächst Medwedew in Moskau und danach Saakaschwili getroffen, um zu vermitteln. Einem von der EU ausgearbeiteten Friedensplan stimmten schließlich beide Seiten zu, forderten allerdings einige Änderungen der Fassung. Der Krieg im Kaukasus ist vorerst beendet. Wie lange der Frieden anhält und ob eine längerfristige Lösung für die Konflikte um die abtrünnigen Regionen Georgiens gefunden werden kann, bleibt abzuwarten.

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letzte Aktualisierung: 15.08.2009

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