Franziskus ist der Nachfolger von Papst Benedikt XVI.

19.03.2013

Die katholische Kirche hat einen neuen Papst: Der 76 Jahre alte Argentinier Jorge Mario Bergoglio tritt die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. an, der am 28. Februar von seinem Amt zurückgetreten ist. Wer ist der neue Papst Franziskus und was bedeutet der Führungswechsel für die katholische Kirche?

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Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist seit dem 13. März 2013 neuer Papst und nennt sich seitdem Franziskus. (Quelle: Casa Rosada, casarosada.gob.ar (CC BY-SA 2.0) )

Das so genannte Konklave, so heißt die Versammlung der Kardinäle, wählte Bergoglio am 13. März im fünften Wahlgang zum neuen Oberhaupt von über einer Milliarde Katholiken auf der ganzen Welt. Die Wahl des ehemaligen Erzbischofs von Buenos Aries gilt als Sensation, denn er ist der erste Papst seit 1272 Jahren, der nicht aus Europa stammt. Trotzdem hat Bergoglio europäische Wurzeln, denn seine Familie stammt ursprünglich aus Italien. Deshalb hat er auch einen italienischen Familiennamen.

Jorge Mario Bergoglio wurde 1936 in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, geboren. Sein Vater war aus Italien nach Südamerika ausgewandert, um dort Arbeit zu finden. Er erhielt eine Anstellung bei der argentinischen Eisenbahngesellschaft. Auch Bergoglios Mutter kommt aus einer italienisch-stämmigen Familie. Jorge war das älteste von insgesamt fünf Kindern. In der Schule gehörte er zu den fleißigsten Schülern. In seiner Freizeit interessierte er sich, wie viele Jungen, für Fußball. Er spielte selbst und bis zum heutigen Tag ist er Fan der Mannschaft San Lorenzo. Aber nicht nur auf dem Fußballplatz war der junge Bergoglio unterwegs. Freunde von damals berichten, dass er auch ein guter Tänzer gewesen sei und den Tango geliebt habe. Außerdem hatte er früh ein Herz für die Literatur. Er liebte die Gedichte des deutschen Romantikers Friedrich Hölderlin und die Romane des Russen Fjodor Dostojewski. Nach seiner Schulzeit studierte Jorge Bergoglio Chemietechnik.

Erster Papst aus dem Jesuitenorden

Die Lateranbasilika ist die Kathedrale des Papstes als Bischof von Rom. (Quelle: Stefan Bauer, http://www.ferras.at (CC BY-SA 2.5) )

Mit 22 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein. Der Jesuitenorden wurde im 16. Jahrhundert, zur Zeit der Reformation, von Katholiken gegründet, die die Reformbewegungen in der Kirche ablehnten und einen strengen, katholischen Glauben predigten. Der Alltag der Jesuiten ist von Disziplin, Strenge und Gehorsam geprägt. Von Anfang an legte der Orden sehr großen Wert auf Bildung. Er gründete Schulen, die Jesuitenkollegien genannt wurden und die Vorläufer der heutigen Gymnasien waren. Auch heute noch gibt es Jesuitenschulen. Selbst weltbekannte Politiker wie der sowjetische Diktator Josef Stalin oder der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro waren in ihrer Jugend Jesuitenschüler.

Die Jesuiten versuchten schon immer, neue Mitglieder für die katholische Kirche zu finden. So war der Orden nach der "Entdeckung", Unterwerfung und Besiedelung des amerikanischen Kontinents durch die Europäer vor allem dort sehr aktiv. Deshalb hat auch heute noch der Jesuitenorden in ganz Südamerika einen großen Einfluss und viele Mitglieder. Innerhalb des Jesuitenordens gibt es keine strenge Rangordnung. Das soll verhindern, dass die Mitglieder nur auf Karriere und Aufstieg aus sind. Dazu gehört auch, dass Jesuiten eigentlich keine hohen kirchlichen Ämter erhalten sollen. Wenn es die katholische Kirche aber ausdrücklich wünscht, so kann auch ein Jesuit wie Jorge Bergoglio das höchste Amt in der katholischen Kirche ausüben. Bergoglio ist der erste Jesuit in der Geschichte, der zum Papst gewählt wurde.

Vorbild Franz von Assisi

Papst Franziskus wählte seinen Namen in Anlehnung an den heiligen Franz von Assisi, der sich im 13. Jahrhundert für die Armen einsetzte. (Quelle: Giotto di Bondone)

Seit 1998 war Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires. Im Jahre 2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt. Schon bei der Wahl seines Vorgängers Papst Benedikt XVI. im Jahre 2005 zählte Bergoglio zu den Favoriten. Er soll aber nach dem dritten Wahlgang seine Kandidatur zurückgezogen haben.

Nach der Wahl zum Papst wählte sich Jorge Bergoglio den Namen Franziskus. Damit will er an den heiligen Franz von Assisi erinnern, der zu den Vorbildern des neuen Papstes gehört. Franz von Assisi, auch der heilige Franziskus genannt, lebte im 12./ 13. Jahrhundert in Italien und wurde berühmt, weil er ein bescheidenes und ärmliches Leben führte und sich für die Armen, die Umwelt und den Frieden einsetzte. Bekannt wurde der heilige Franziskus auch für seine Kritik am prunkvollen und protzigen Leben am damaligen päpstlichen Hof und für seine Ablehnung der Kreuzzüge der christlichen Kirche gegen den Islam.

Lob und Kritik für den neuen Papst

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Bergoglio hat sich in seiner Zeit in Argentinien den Ruf eines "Priesters der Armen" erworben. Viele Argentinier haben den einstigen Kardinal von Buenos Aires als einen bescheidenen und zurückhaltenden Kirchenmann kennengelernt. Bergoglio hat auf ein prunkvolles Leben verzichtet und statt im Palast in einer Dienstwohnung gelebt. Für Aufsehen in seiner Heimat sorgte er auch, weil er auf einen Dienstwagen verzichtete und lieber den Bus oder die Metro benutzt haben soll. Als Bischof soll sich Bergoglio immer wieder für arme Menschen eingesetzt haben. So habe er Gottesdienste in Armenvierteln besucht und sich den Problemen der Ärmsten der Armen gewidmet. Für viele steht eine solche bescheidene Einstellung jedoch im großen Widerspruch zum prunkvollen Papsttum im reichen Vatikanstaat.

Amtssitz des Papstes ist der Vatikan. Bild: Blick auf den Petersplatz von der Kuppel des Petersdomes aus. (Quelle: Diliff, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0))

Es wurde auch Kritik am neuen Papst laut, die vor allem zwei verschiedene Bereiche betrifft: seine Rolle während der Militärdiktatur in Argentinien und seine religiösen Anschauungen. In Argentinien herrschte von 1976 bis 1983 eine Militärregierung, die alle demokratischen Rechte abschaffte. In dieser Zeit wurden tausende Menschen eingesperrt oder umgebracht.

Menschenrechtler werfen Bergoglio vor, in dieser Zeit mit den Militärmachthabern zusammengearbeitet zu haben. Außerdem soll er sich als Priester nicht für zwei 1976 verhaftete Jesuiten eingesetzt haben. Die zwei Armen-Priester waren kurz nach der Machtergreifung der Militärs verhaftet worden. Bergoglio sagt, er habe die beiden rechtzeitig vor einer Verhaftung gewarnt und ihnen angeboten, sie zu verstecken. Die beiden hätten aber das Angebot abgelehnt. In der Zeit der Diktatur wurden auch andere Angehörige der katholischen Kirche verhaftet und verhört. Bergoglio wird vorgeworfen, nichts gegen diese Ungerechtigkeiten getan zu haben. Bergoglio hatte engen Kontakt zu den damaligen Mächtigen. Kritiker behaupten, er habe mit den damaligen Militärmachthabern zusammengearbeitet und ihre Politik gut gefunden.

Bekannte argentinische Persönlichkeiten verteidigen dagegen den heutigen Papst. Der Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel sagte, dass es zwar mit den Machthabern verbündete Bischöfe gab, aber Bergoglio habe nicht dazugehört. Auch bekannte argentinische Kirchenleute nehmen Bergoglio in Schutz und glauben, dass er sich zur Zeit der Diktatur korrekt verhalten hat. Die Widerstandskämpferin Alicia Oliveira sagte, Bergoglio habe sie in dieser Zeit unterstützt.

Ein "altmodischer" Papst

Benedikt XVI. trat am 28. Februar 2013 von seinen Amt als Papst zurück. (Quelle: Massimo Macconi, Wikimedia Commons)

Andere werfen dem neuen Papst seine Haltung zu Fragen wie Abtreibung und der Ehe von Homosexuellen vor und kritisieren, dass nach Benedikt XVI. erneut ein sehr "konservativer" Katholik zum Papst gewählt wurde, obwohl die katholische Kirche dringend Neuerungen und ein Umdenken in vielen Bereichen nötig hätte. Das heißt, auch der neue Papst vertritt Meinungen, die vielen Menschen altmodisch und überholt vorkommen. So ist er strikt dagegen, dass homosexuelle Menschen ihre Partner heiraten können. In Argentinien will die Regierung die so genannte "Homo-Ehe" gesetzlich erlauben. Als Kardinal von Buenos Aires organisierte Bergoglio Demonstrationen gegen dieses Gesetz und bezeichnete diese Ehe als ein "Manöver des Teufels". Die argentinische Präsidentin Christina Fernandez de Kirchner sagte darauf, diese Worte erinnerten sie an "mittelalterliche Zeiten" und die damalige "Ketzerei" - dieser wurden "ungläubige", andersgläubige oder verdächtig erscheinende Menschen bezichtigt, die von der Kirche brutal verfolgt wurden.

Der neue Papst ist auch strikt gegen Abtreibungen, also einen herbeigeführten Schwangerschaftsabbruch. Er spricht sich selbst dann gegen das Recht einer Frau auf Abtreibung aus, wenn sie durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist. Der neue Papst hat auch etwas gegen die Benutzung von Verhütungsmitteln wie Kondomen, mit denen nicht nur eine ungewollte Schwangerschaft, sondern auch die Übertragung bestimmter Krankheiten verhindern werden kann. Gerade in Afrika stecken sich viele Menschen mit Aids an, weil sie sich an die Regeln der katholischen Kirche halten und keine Kondome benutzen. Oft kommen so schon mit HIV infizierte Kinder auf die Welt. Auch die so genannte Sterbehilfe lehnt der Papst ab, bei der todkranke Menschen die Möglichkeit bekommen, ihr Leben voller Leiden selbstbestimmt zu beenden.

Der neue Papst wird vermutlich nicht die Hoffnungen vieler Katholiken erfüllen, die eine Reform ("Neuerung") der Kirche fordern. So ist er strikt gegen die Abschaffung des Zölibates, also des Verbotes, dass katholische Priester heiraten dürfen. Auch mehr Rechte für Frauen im Katholizismus, zum Beispiel die Möglichkeit, Priesterin zu werden, wird es mit diesem Papst nicht geben.

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letzte Aktualisierung: 01.04.2013

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