Indianer: Die Inka

Eine hohe Zivilisation zebrach an einem Brüderstreit

Teil 9 von 9

Die Inka waren zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert das mächtigste Indianervolk Mittel- und Südamerikas. Sie beherrschten in ihrer Blütezeit von Cuzco in Peru aus ein Gebiet, das vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien reicht. Doch ihr letzter Herrscher unterschätzte die spanischen Eroberer und besiegelte dadurch das Ende des Reiches.


Einer Legende nach war der erste Inka Manco Cápac und seine Schwester Oqllo vom Sonnengott Inti selbst auf die Erde gesandt worden, um die Welt zu verbessern. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit, den sie mit einem Stoß in die Erde rammen sollten. Wo das gelänge, wäre der Nabel der Welt. Nach langem Umherziehen fanden die Geschwister die richtige Stelle mitten in Peru und gründeten dort um das Jahr 1200 die Stadt Cuzco. Manco Cápac wurde so der erste von 13 Inkas - so wurden die Herrscherkönige von den Indianern genannt.

Kriege und Bündnisse - ein riesiges Reich enstand

Der Inka-Stamm hatte gefürchtete, unbarmherzige Krieger. Bei ihrer Ankunft in Cuzco besiegten und ermordeten sie alle Indianerstämme, die dort lebten. In den folgenden Jahren schlossen die Inkas Bündnisse mit anderen mächtigen Indianerstämmen, verbanden diese mit sich durch Hochzeiten und eroberten immer weitere Gebiete. Hohe Würdenträger der unterworfenen Völker bekamen in der Inkahauptstadt Cuzco hohe Aufgaben. Dadurch gab es nur wenig Widerstand gegen die mächtigen Herrscher.

Zufriedene Untertanen in einem modernen Staat

Die Inka waren aber nicht nur erfolgreiche Krieger. Sie waren auch kluge Herrscher. Wer im Inka-Reich lebte, dem ging es nicht schlecht. Die Inkas entwickelten eine perfekt an die Regenwälder der Anden angepasste Landwirtschaft. Auf den steilen Hängen wurden fast überall Terrassen mit Bewässerung angelegt, auf denen viel mehr Früchte angebaut werden konnten als früher. Was übrig blieb, wurde in Speichern gelagert. Außerdem wurden lange Bewässerungskanäle errichtet und so brachliegende Wüsten und Hochtäler zu fruchtbaren Gegenden gemacht. Überall im riesigen Reich wurden Inka-Bauern angesiedelt, die ihr Wissen weitergaben. So gab es bald keine Hungersnöte mehr im Inkareich.

Die Inkas sorgten auch dafür, dass nicht jeder nur für sich arbeitete, sondern jeder auch seinen Teil für das Inka-Reich beisteuerte. Jeder Bürger musste ein Drittel seiner Arbeitszeit für den Sonnengott Inti, bzw. seine Wiedergeburt auf Erden, den Inka-Herrscher, arbeiten. Ein weiteres Drittel seiner Arbeitszeit musste jeder für Alte, Kranke, Witwen, Waise und Hilfsbedürftige arbeiten. Das letzte Drittel seiner Arbeitszeit durften die Inka-Bürger dann für sich selbst und ihre Familie nutzen.

Das "Volk der Sonne", wie sich die Inkas selbst nannten, lügt nicht, stiehlt nicht und ist nicht faul.

Machu Pichu, sagenumwobene Stadt in den Wolken der Inkas (Quelle: Machu Pichu)

Der ganze Inka-Staat war wie ein moderner Staat durch Beamte gut organisiert. Alles wurde geplant und hatte seinen Sinn und Zweck. Die Inkas hatten auch großartige Straßen- und Brückenbauer. Sie legten zum Beispiel zwei Königsstraßen an, eine von Cuzco durch die Anden nach Quito, die andere entlang der Pazifikküste. Das 40.000 km lange Straßennetz diente zum schnellen Verschieben von Truppen, Nachschub, Waren- und Informationsaustausch. Stafettenläufer brachten wichtige Nachrichten so an einem Tag bis zu 400 km weiter. Trotz häufiger Erdbeben können die Steinstraßen der Inkas auch heute noch zum Teil benutzt werden.

Viele Künstler, Denker und Wissenschaftler aus dem großen Inkareich kamen nach Cuzco. Gelehrte erforschten die Gesetzmäßigkeiten der Gestirne und entwickelten die Astronomie, Künstler stellten wunderschönen, fein gearbeiteten Goldschmuck her.

Der schnelle Untergang

Der elfte Inka-Herrscher verfügte, dass nach seinem Tod das Reich zwischen seinen beiden Söhnen Atahualpa und Huáscar aufgeteilt werden sollte. Das erwies sich als schlimmer Fehler. Die Brüder bekämpften sich und unterschätzten dabei die Gefahr durch die herannahenden Spanier. Als Atahualpa gesiegt hatte, war das Inkareich im Bürgerkrieg versunken. Atahualpa hoffte, dass der Spanier Pizarro mit seinen 250 Gefährten ihm helfen würde, die Aufständischen zu unterwerfen - und empfing ihn freundlich am 15. November 1532.

Doch Pizarro forderte, dass Atahualpa ihm sich sofort unterwerfen und die christliche Religion annehmen sollte. Als der Inka-Herrscher das ablehnte, wurde er gefangen genommen und viele seiner 20.000 Krieger fielen den überlegenen Schusswaffen zum Opfer.

Lösegeld für Atahualpa

Atahualpa wollte sich für ein Zimmer voller Gold und Silber freikaufen. Dazu wurden alle Tempel und Schatzkammern des Reiches "geplündert". Lamakarawanen trafen aus allen Reichsteilen ein und lieferten vielfach die Kultgegenstände ganzer Stämme und Orte ab. Trotz der Erfüllung des Lösegeldes, das heute auf einen Wert zwischen 25 und 45 Millionen Euro geschätzt wird, wurde Atahualpa am 29. August 1533 durch Erdrosselung hingerichtet. Das führerlose Volk der Inka leistete keinen Widerstand mehr. Die von den Inka unterworfenen Stämme schlugen sich auf die Seite der Eroberer, in der Hoffnung dadurch eine Unhabhängigkeit zu erreichen. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne nennenswerten Widerstand übergeben wurde.

Bis 1572 leisteten die Inka-Herrscher noch vereinzelt Widerstand, dann wurde auch der letzte Inka-König Túpac Amaru hingerichtet. Eine große Kultur war untergegangen. Die sagenhaften Inka-Goldschätze wurden von den Spaniern fast alle eingeschmolzen und als Goldbarren nach Europa verfrachtet. Nur noch wenig erinnert heute an die mächtigen Herrscher von einst. Nur die Ruinen der alten Tempelanlage von Machu Pichu wurden 1911 tief in den Bergen von Peru entdeckt. Sie sind die letzten stummen Zeugen der Inka.

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letzte Aktualisierung: 25.02.2010

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