Die Europäische Union feiert Geburtstag

25. März 1957: Römische Verträge legen den Grundstein zur heutigen EU

von Sebastian Schwalbach - 25.03.2007

Am 25. März 1957 wurde mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge der Grundstein zur heutigen Europäischen Union (EU) gelegt. Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg gründeten aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), um die gemeinsame Außenhandelspolitik der Länder zu verbessern. Zum 50. Gründungsjubiläum der EU haben die Staats- und Regierungschefs eine "Berliner Erklärung" verabschiedet.


Zu den Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum kommen die Staats- und Regierungsschefs aller Mitgliedsländer nach Berlin. (Bild: Merkel und Chirac in der Berliner Philharmonie, 24.03.2007) (Quelle: AA / Steins)

In der "Berliner Erklärung" werden die Auswirkungen der Europapolitik der letzten 50 Jahre umrissen und die Bedeutung einer Europäischen Wertegemeinschaft unterstrichen. Der Begriff "Verfassung" wird dabei zwar vermieden, aber es ist die Rede von einer "gemeinsamen Grundlage". Weiterhin werden grundlegende politische Herausforderungen der Europäischen Union - wie der Umweltschutz - benannt. Außerdem verpflichtet sich die EU darin zu Reformen bis zu den Europawahlen 2009. Die Erklärung wurde auf dem Jubiläums-Gipfel in Berlin verabschiedet.

Um die Bedeutung und Wichtigkeit der EU zu verstehen, muss man zunächst einen Blick in die Vergangenheit werfen. Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) hatte schlimme Folgen für die Menschen auf der ganzen Welt. In Europa waren Häuser und Straßen zerstört, insgesamt kamen während des Krieges ungefähr 55 bis 60 Millionen Menschen ums Leben.

Robert Schuhman gilt als Gründervater der Europäischen Union. (Quelle: Gouvernement luxembourgeois )

Unter dem Eindruck dieser schlimmen Folgen, gab die Idee eines geeinten Europas den Menschen Halt. Sie versprachen sich von einem vereinten Europa den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur und Frieden - nie wieder sollte es Krieg in Europa geben.

Am 9. Mai 1950 machte der damalige französische Außenminister Robert Schuman den Vorschlag zur Zusammenfassung der französischen und deutschen Kohle- und Stahlindustrie. Kohle und Stahl waren zu dieser Zeit die wichtigsten Industriegüter. Durch die gemeinsame Kontrolle des Kohle- und Stahlhandels erhoffte man sich eine dauerhafte Friedenssicherung, sowie eine wirtschaftliche Einigung. 1951 gründeten Belgien, die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Italien die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).

25. März 1957: Römische Verträge als Grundstein der EU

Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25.03.1957. (Quelle: Bundesbildstelle, Bonn )

Am 25. März 1957 kamen die die sechs Gründerstaaten der EGKS in Italien zusammen und unterzeichneten die Römischen Verträge. Inhalt dieser Verträge war die Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Die Gemeinschaft EURATOM stellte klare Regeln für die Verwendung von Kernenergie auf, zum Beispiel, dass Atomkraftwerke nur zu friedlichen Zwecken genutzt werden dürfen. Die EWG sollte die gemeinsame Außenhandelspolitik verbessern, dazu wurden die Zölle beim Handel innerhalb der sechs Gründerstaaten abgeschafft. Der Abschluss der Römischen Verträge und die damit verbundene Gründung der beiden Gemeinschaften EURATOM und EWG werden als Grundstein der EU gesehen, da sie als Muster für weitere Integrationsschritte dienten.

Aus der Zusammenlegung von EGKS, EURATOM und EWG entstand 1967 die Europäische Gemeinschaft (EG) mit eigener Kommission, Ministerrat und Parlament. Zwischen 1973 und 1986 traten sechs weitere Länder der EG bei. 1992 wurde schließlich mit dem Vertrag von Maastricht die Umbenennung von EG in Europäische Union (EU) vollzogen. Ziel war es, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen und eine gemeinsame Währung einzuführen. Zwei weitere Aufgabengebiete kamen hinzu: die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Justiz- und Innenpolitik. Immer mehr Länder traten der EU bei, sodass nach dem Beitritt von Schweden, Finnland und Österreich 1995 die Zahl auf 15 Mitgliedsländer anstieg. 2004 folgten im Zuge der so genannten EU-Osterweiterung zehn weitere Länder überwiegend aus Osteuropa. Heute hat die EU mit den Beitritten von Bulgarien und Rumänien zu Beginn dieses Jahres 27 Mitgliedsstaaten.

Vor- und Nachteile der Europäischen Union

Die Europaflagge wurde bereits 1955 vom Europarat eingeführt.

Aufgaben der Europäischen Union sind unter anderem die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, eine gemeinsame Währungspolitik, Kultur-, Umwelt- und Bildungspolitik. Es ist schwer für alle Mitgliedsländer einheitliche Gesetze durchzusetzen. Die Einführung des Euro 2002 zeigte die Uneinigkeit der Länder. Manche Länder wie Großbritannien oder Schweden weigerten sich, den Euro zu übernehmen und behielten ihre alte Währung. In der Umwelt- und Energiepolitik sind sich die EU-Länder ebenfalls uneinig. Vermehrt gibt es Debatten, wie man dem Klimawandel am besten entgegenwirken kann. Die Frage, ob Strom in Zukunft weiterhin mit Hilfe von Atomkraftwerken erzeugt werden soll, wird von den Mitgliedsstaaten gegensätzlich beantwortet. Einen weiteren Nachweis für die Uneinigkeit der EU-Länder stellte 2004 das Scheitern der Bemühungen um eine gemeinsame Verfassung dar.

Durch die hohe Anzahl an Mitgliedsländern gibt es 23 verschiedene Amtssprachen. Hier hat die Europäische Union ein einzigartiges Projekt geschaffen. Jeder Bürger der EU kann sich bei Problemen in der Amtssprache seines Landes an die europäischen Behörden wenden. Auch in der Schul- und Bildungspolitik gibt es große Fortschritte zu vermelden. Schulpartnerschaften wie etwa das Comenius-Programm, bei dem Schüler innerhalb der Länder der Europäischen Union an einen Austausch teilnehmen können, tragen zur Völkerverständigung bei.

50-jähriges Jubiläum – Jugendliche stehen im Mittelpunkt

So ist es nicht verwunderlich, dass gerade junge Menschen beim 50-jährigen Jubiläum der Römischen Verträge am 25. März 2007 eine wichtige Rolle spielen. Neben vielen kulturellen Veranstaltungen und einem offiziellen Festakt der europäischen Staats- und Regierungschefs wird es am Sonntag eine Premiere geben: Anlässlich des 50. Jahrestages der Gründungsverträge der EU wird in Rom, der Stadt der Unterzeichnung der Verträge, der erste EU-Jugendgipfel stattfinden. Hier kommen über 200 junge Europäer zusammen, um unter dem Motto "Dein Europa - deine Zukunft" über die Entwicklung der EU zu diskutieren. Wie im Parlament werden Jugendlichen Debatten über die Rolle der EU weltweit oder die Bildungs- und Jugendpolitik führen. Die Ergebnisse der Diskussionen sollen ernst genommen werden und an führende Politiker der Heimatländer weitergegeben werden.

Karte der 27 EU-Mitgliedsländer:


letzte Aktualisierung: 07.02.2010

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