"Typisch Linkshänder" - wo liegen die Unterschiede?

Teil 1

Teil 1 von 2

von Carola Beck und Britta Pawlak


Etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen sind Linkshänder. Sind sie besonders begabt? Oder einfach nur benachteiligt? In vielen Bereichen müssen sich Linkshänder umorientieren - oder spezielle Schreibgeräte, Blöcke, Computermäuse und Instrumente für Linkshänder verwenden. Gibt es Gebiete, die Linkshänder durchschnittlich besser oder schlechter beherrschen als Rechtshänder? Viele Genies waren linkshändig. So der Künstler und Wissenschaftler Leonardo da Vinci, der Maler Picasso sowie der Physiker Albert Einstein.

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Durchschlag mit links: Tennisstar John McEnroe ist Linkshänder. (Quelle: Wikipedia)

Auch unter den Sportlern gibt es sehr viele erfolgreiche Linkshänder: Boxlegende Muhammad Ali hat seine Gegner mit links geschlagen. Tennisstar John McEnroe trumpfte mit einer starken, linken Vorhand auf, wo andere nur eine schwache Rückhand zu bieten haben. Ebenso Tennisspielerin Martina Navrátilová ist Linkshänderin. Linksfuß Zé Roberto wird ab der kommenden Saison beim FC Bayern die Bälle mit zielsicheren Pässen an seine Mitspieler verteilen und an der linken Seitenlinie seine Gegner ausspielen. Andere linkshändige Fußballstars sind Bundestrainer Joachim Löw sowie die Spieler Giovane Elber und Diego Maradona. Sind Linkshänder sportlicher oder geschickter?

Oder in anderen Bereichen besonders begabt? Auch die berühmten Komponisten Mozart und Beethoven waren linkshändig. Oder der Komiker Charles Chaplin, die Schriftsteller Goethe und Franz Kafka - wie auch der Philosoph Aristoteles und die Nobelpreisträgerin Marie Curie. Neben dem Künstler Pablo Picasso waren auch Michelangelo und Albrecht Dürer Linkshänder. Andere linkshändige Persönlichkeiten waren zum Beispiel Benjamin Franklin und Mahatma Gandhi.

So ziemlich alles haben Wissenschaftler bei Linkshändern untersucht. Ob sie eher heiraten, später Kinder kriegen, die Zunge öfters nach oben rollen, häufig Manager, Rechtsanwälte, Architekten oder Künstler werden, es mehr blonde, braun- oder rothaarige Linkshänder gibt, sie öfter rauchen und eher Vegetarier sind. Ob sie geschäftstüchtiger, kreativer oder empfindsamer sind. Auch ob Linkshänder schlauer sind, wollten sie natürlich wissen. Tatsächlich sollen unter hochbegabten Menschen überdurchschnittlich viele Linkshänder sein. Die gleiche Studie zeigt aber auch, dass mehr Linkshänder "minderbegabt" seien.

Warum übernimmt eine Hand die Führung?

Geniestreich: Die "Abendstimmung in Venedig" (1908) malte Claude Monet mit rechts. Michelangelo, Picasso und Dürer waren dagegen linkshändige Künstler. (Quelle: Wikipedia)

Es könnte also sein, dass die Ausprägungen bei linkshändigen Menschen extremer sind: verhältnismäßig mehr begabte, aber auch viele "geringer begabte" Links- als Rechtshänder. Solche Studien sind aber fragwürdig. Bestimmte Begabungen müssen gefördert werden und lassen sich nicht einfach auf einer "Skala" messen - und ob nun überhaupt das eine mit dem anderen zusammenhängt, hat noch niemand wirklich bewiesen.

Franz Beckenbauer und Michael Ballack sind Rechtshänder, auch der Maler Claude Monet. Ebenso wie Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, der im Jahr 2004 den Linkshänder Bill Gates beim Titel "Reichster Mann der Welt" abgelöst hat. Der aktuelle Boxweltmeister Wladimir Klitschko hat rechts seine starke Seite. Unter Profisportlern, erfolgreichen Geschäftsmännern, Künstlern oder genialen Wissenschaftlern gibt es natürlich Links- und Rechtshänder. Warum jemand seine linke oder rechte Seite bevorzugt, um im Alltag die Hauptaufgaben zu erledigen, ist nicht eindeutig erforscht.

Fest steht, dass sich im Laufe der menschlichen Evolution die Dominanz (also "Vorrangigkeit") einer Hand herausgebildet hat. Die beiden Hirnhälften haben sich zunehmend spezialisiert und haben unterschiedliche Aufgaben bei der Verarbeitung von Informationen übernommen. Jede der Hirnhälften steuert die jeweils gegenseitige Hälfte des Körpers, mit der sie über bestimmte Nervenstränge verbunden ist. Das Zusammenspiel der beiden Hirnhälften und die Abläufe im menschlichen Gehirn sind so kompliziert, dass eine der beiden Hälften die "Führung" übernommen hat. Man geht davon aus, dass bei Rechtshändern die linke Hirnhälfte führend ist, während die rechte bei Linkshändern dominanter ist.

Vererbt oder erworben?

Meist zeigt sich schon recht früh, ob Kinder links- oder rechtshändig sind. (Quelle: Pixelio )

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Veranlagung zu einer bestimmten Händigkeit in der Familie weitervererbt wird. Selbst bei eineiigen Zwillingen bevorzugt jedoch nicht selten eines der Geschwister die linke, das andere die rechte Hand - dabei stimmt das Erbgut von eineiigen Zwillingen miteinander überein. Manche tippen auch auf die Erziehung und behaupten, Linkshänder-Eltern geben Dinge oft in die linke Hand ihrer Kinder oder decken den Tisch mit Bestecken auf der linken Seite des Tellers. Dies ist aber eine unwahrscheinliche Erklärung dafür, warum manche Kinder links-, andere dagegen rechtshändig sind.

Denn wenn Eltern überhaupt darauf achten, dann versuchen die meisten eher, ihr Kind rechtshändig "zu erziehen". Linkshänder sind nun einmal in der Unterzahl - und deshalb oft benachteiligt. Früher gab es noch deutlich weniger Linkshänder, da man sehr viele Kinder mit Zwang umgeschult hat. Die rechte Hand galt als die "richtige" und "rechtschaffene". Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass es eigentlich noch viel mehr Linkshänder gäbe, als allgemein angenommen. Manche von ihnen vermuten sogar, dass bis zu 40 Prozent der Menschen von ihrer Veranlagung her linksorientierter sind. Immer noch werden viele Kinder von ihren Eltern auf die rechte Hand geschult.

Ein linkshändiges Genie mit sowohl naturwissenschaftlicher als auch musikalischer Begabung: Albert Einstein.

Manche trainieren sich die Rechtshändigkeit auch selbst an, weil viele Dinge im Alltag darauf ausgerichtet sind - oder sie ahmen Eltern, Geschwister und Freunde nach. Warum man ausgerechnet die rechte oder linke Hand bevorzugt, konnte noch niemand eindeutig geklärt werden. Eine biologische Veranlagung ist dem Menschen aller Wahrscheinlichkeit nach gegeben. Die Forscher gehen davon aus, dass sie in der Hirnstruktur festgelegt ist.

Es ist aber denkbar, dass auch andere Faktoren bei der Händigkeit eine wichtige Rolle spielen. Sowohl die genetische Veranlagung als auch das Umfeld und die persönliche Entwicklung könnten entscheidend sein. Oft stellt sich aber schon im Kleinkindalter heraus, ob ein Mensch Linkshänder ist. Viele Tätigkeiten, etwa Greifen, Sortieren, Essen oder Malen, führen die meisten Kinder schon im Alter von etwa zwei Jahren überwiegend mit einer bestimmten Hand aus.

Warum ist Umerziehung für Linkshänder schädlich? Stimmt es, dass das Zusammenspiel beider Gehirnhälften bei ihnen ausgeprägter ist? Warum sagt man, dass Linkshänder nicht nur "benachteiligt" sind, sondern rechtshändigen Menschen in vielen Bereichen etwas voraus haben? Klicke auf den Weiter-Pfeil rechts unten, um zum zweiten Teil des Artikels zu gelangen.


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