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Die Ritter im Mittelalter

Von Ritterorden, Kreuzzügen und dem Ende der Ritterzeit

Teil 2 von 2

von Marlen Schott und Andreas Fischer

Lese im zweiten Teil über Ritter, was man unter Vasallen, Untervasallen und Edelknappen versteht und wann die ersten Ritterorden gegründet wurden. Welche berühmten geistlichen Orden gibt es? Welche Rolle spielten sie während der blutigen Kreuzzüge des Christentums? Und was besiegelte schließlich das Ende der Ritterzeit?

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Nach einer langen Ausbildung von 21 Jahren war man schließlich Ritter. Für große Leistungen wurden manchmal auch bürgerliche Knechte zum Ritter geschlagen. (Quelle: Wikipedia)

Nicht einzig die Kosten waren Hinderungsgrund einer solchen Ausbildung, oft war es auch die lange Ausbildungszeit und die damit verbundene Trennung zwischen Eltern und Kind. So kam es, dass so mancher Rittertitel einfach für viel Gold erkauft wurde oder der Sohn anstatt Ritter Edelknappe wurde.

Die Edelknappen waren den Rittern zwar in vielen Bereichen ebenbürtig, bei den Turnieren, die ab dem 12. Jahrhundert an Beliebtheit gewannen, wurde aber streng unterschieden. So durften Edelknappe nur zwei anstatt - wie Ritter - drei Pferde auf ein Turnier mitnehmen. Obwohl sie keine Ritter waren, war es ihnen aber erlaubt, einen Schwertgurt zu tragen. Das Schwert wurde damals in den Satteltaschen der Pferde getragen, wenn es nicht gerade zum Einsatz kam.

Ab und an wurden auch bürgerliche Knechte zum Ritter geschlagen - und zwar, wenn sie besonders außergewöhnliche Leistungen vollbracht hatten. Diese konnten den Titel jedoch nicht lange behalten. Viele verzichteten darauf und blieben lieber Edelknecht, da die finanziellen Mittel fehlten, um für den Rest des Lebens Ritter zu sein. Es gab freie, unabhängige Ritter, sie konnten aber auch einen Herrn wählen, dem sie dienen wollten. Man bezeichnete sie dann als Vasallen. Die Untervasallen verpflichteten sich ihrem Herrn über Lehnen - Leihgaben (beispielsweise Ländereien). Der so genannte "Feudalismus", die Lehnsherrschaft, gehört unzertrennlich mit dem Hochmittelalter zusammen. Denn es gab damals noch keine Geldwirtschaft, wie wir sie heute kennen.

Zeit der blutigen Kreuzzüge des Christentums

An der "Schlacht bei Hattin" am 4. Juli 1187 waren auch Tempelritter beteiligt. Es war die größte Niederlage der Kreuz- fahrer. Große Teile des Landes, auch das Königreich Jerusalem, verloren sie an die Muslime. (Quelle: Wikipedia)

Die ersten Ritterorden entstanden zur Zeit der blutigen Kreuzzüge der Christen. Die anfänglichen Orden dienten noch dazu, christlichen Pilgern auf ihrem langen Weg ins "Heilige Land" - dem damaligen Palästina - Schutz und Pflege zu gewährleisten.

Ausgelöst wurden die Kreuzzüge durch einen Aufruf des Papstes Urban II. im Jahr 1095. Die türkischen Seldschuken hielten zu dieser Zeit Jerusalem besetzt, sodass die Pilger nicht zum Grab Christi reisen konnten. Der Papst rief auf, das "Heilige Land" aus der Hand der Muslime zu befreien. Ein Kreuzzug galt als ehrenhafter Krieg, der nach christlicher Auffassung durch den Papst von Gott aufgetragen wurde.

Allen Kriegern wurde der Ablass ihrer Sünden versprochen. Unzählige Menschen beteiligten sich an den Kreuzzügen, selbst Könige und hohe Adlige. Vor allem aber Bauern und einfache Bürger zogen in den so genannten "Heiligen Krieg". Später kämpften auch die Ordenritter selbst in Palästina gegen "Ungläubige" und verteidigten die "Heiligen Stätten" in Jerusalem. Bei den großen Kreuzzügen des Mittelalters wurden Millionen von Menschen ermordet.

Christliche Orden: Johanniter, Malteser und Templer

Ein Kampf zwischen Rittern. Das rote Kreuz auf der Brust des linken Kriegers war das Symbol des Templerordens. (Bild: Mittelalterfest) (Quelle: Pixelio (Uwe Funk))

Der erste geistliche Ritterorden war der berühmte Orden der Templer. Er vereinte das Ideal der adeligen Ritter mit dem der Mönche. Diese Stände waren zuvor streng getrennt. Weitere geistliche Ritterorden waren die Hospitaliter: die katholischen Malteser und die protestantischen Johanniter. Dann gab es noch den "Deutschen Orden".

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Zwar häuften diese mächtigen Orden durch ihre Eroberungen sowie Erbschaften und Stiftungen große Reichtümer an, die Ritter selbst lebten jedoch größtenteils in Armut. Viele Burgen und Festungen des "Heiligen Landes" waren im Besitz dieser Ritterorden. Der mächtige Templerorden besaß die größte Flotte von ganz Europa. Schließlich verloren die Christen an Macht und Einfluss. Die aus Jerusalem vertriebenen christlichen Johanniter-Ritter zogen Richtung Vorderasien, um dort gegen Muslime zu kämpfen.

Auflösung der geistlichen Ritterorden

Der Papst löste den Templerorden im Jahr 1312 auf. Viele Tempelritter wurden wegen Ketzerei angeklagt und hingerichtet. (Quelle: Wikipedia)

Der damalige französische König Philipp IV., der es auf die Reichtümer der Templer abgesehen hatte, beschuldigte sie, das Christentum verleugnet und Untaten begangen zu haben. Viele der Tempelritter wurden schließlich wegen Ketzerei angeklagt, in Kerker gesperrt und hingerichtet. Der Papst löste den Templerorden im Jahre 1312 auf.

Der Orden der Johanniter wurde im 16. Jahrhundert aufgelöst. Die Johanniter und Malteser, die es bekanntermaßen heute noch gibt, gründeten sich im 19. Jahrhundert neu. Seit dieser Zeit setzen sie sich für wohltätige Aufgaben im sozialen Bereich ein, vor allem für die Versorgung von Kranken.

Höfische Ritterorden gab es seit dem 14. Jahrhundert. Sie sicherten dem Monarchen - dem Herrscher, dem sie sich verpflichtet hatten - seine Macht. Im Spätmittelalter entstanden überwiegend im Südwesten Deutschlands viele Ritterbünde und Ritterbruderschaften. Diese waren nur sich selbst verpflichtet und wurden gegründet, um gerade gegen die Willkürherrschaft der mächtigen Landesfürsten anzukämpfen.

Das Ende der Ritterzeit

Die Burg Hanstein liegt im thüringischen Eichsfeld und ist heute eine Ruine. Sie wurde um 800 bis 900 erbaut und diente Raubrittern des Mittelalters als Zufluchtstätte. (Quelle: Pixelio | Sabine Fischer)

Viele behaupten, die Erfindung des Schießpulvers sei der Untergang der Ritter gewesen, da mit Schussmunition bewaffnete Krieger den Reitern mit Lanze in Schlachten natürlich überlegen waren. Vor allem aber das Ende des Lehnswesens und der Einzug der Geldwirtschaft waren das Ende der Rittersleute - zumindest, was die mit dem Schwert kämpfenden Krieger betraf.

Die Monarchen verpflichteten keine Ritter mehr, sondern Söldner. Die Söldnerheere dienten den Herrschern aufgrund finanzieller Mittel, und nicht - wie zuvor - durch eine feudale Bindung. Dazu kam, dass sich eine neue Gruppierung auf dem Schlachtfeld formiert hatte: Die Landsknechte, auch Pikenierer und Lanzierer genannt. Diese besaßen neue Waffen, mit denen sie auch gegen die gut gerüstete und berittene "schwere Infanterie" kämpfen konnten. Auch der Rittertitel verlor nach und nach die hohe gesellschaftliche Anerkennung, die er lange Zeit genoss.

Einige der Ritter veramten und gingen über zum Raubrittertum. Sie nahmen sich nach Möglichkeit das, was sich ihnen bot. Andere passten sich an, gingen in die Politik und dienten ihrem Herrn so weiterhin als Minister. Die meisten jedoch ließen sich auf ihrem Besitz nieder und widmeten sich fortan wirtschaftlichen Dingen. Viele Ritter verließen ihre Burgen und bauten sich mit ihrem Vermögen neue Schlösser. Erst mit dem Untergang des "Heiligen Römischen Reiches" im Jahr 1806 verloren auch sie ihre Herrschaftsrechte und wurden zu wohlhabenden Bürgerlichen.

letzte Aktualisierung: 26.04.2018

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