Der Nordirland-Konflikt und die IRA

von Britta Pawlak

Der Nordirland-Konflikt belastet das Volk und die Beziehung zwischen Großbritannien und Irland seit langer Zeit. Die Irisch Republikanische Armee kämpft weiterhin für die Vereinigung von Nordirland mit der Republik. Im Jahr 2005 schwor sie der Gewalt ab. Seit 1969 will die Organisation die Unabhängigkeit Nordirlands von Großbritannien erzwingen. Die IRA schreckte dabei nicht vor Mord und Terroranschlägen zurück. Mehr als 3.600 Menschen sind den Attentaten zum Opfer gefallen. Was sind die Ursachen des Nordirland-Konfliktes?

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In Nordirland stellen nicht die "Ur-Iren", sondern die Einwanderer die Mehrheit. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Irland ist eine eigene Republik, während Nordirland zu Großbritannien gehört. In der Republik Irland leben überwiegend Katholiken, in Nordirland dagegen ist die Mehrzahl der Bevölkerung protestantisch. Der Nordirland-Konflikt belastet das Volk und die Beziehung zwischen Großbritannien und Irland bis in die Gegenwart. Die IRA kämpft weiterhin für die Vereinigung von Nordirland mit der Republik. Die Ursachen dieses Konfliktes reichen weit in die Vergangenheit hinein.

Im 8. Jahrhundert besiedelten Wikinger die Insel, die die Kultur der Iren stark beeinflussten. Im 12. Jahrhundert nach Christus begann Großbritannien, Irland zu erobern. Der englische König Heinrich der VIII. krönte sich im 16. Jahrhundert zum König von Irland. Nach der Reformation kam es im Land zu einer Umstrukturierung von Macht und Eigentum. Die Besitztümer vieler Katholiken wurden von Protestanten beschlagnahmt.

Das unterdrückte Volk

1690 ließ der englische König Wilhelm von Oranien den Aufstand der Iren blutig niederschlagen. (Quelle: Wikipedia )

Während der Französischen Revolution kam es ebenso in Irland zu Auflehnungen des Volkes. Auch der englische König Wilhelm von Oranien unterdrückte die Katholiken - sie durften in der Politik nicht mitbestimmen und kaum Güter zu besitzen. Die katholischen Iren waren nahezu rechtlos und wurden zu Leibeigenen der englischen Besatzer.

Im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts wurden im Norden der Insel, in dem sich immer mehr Briten angesiedelt hatten, zahlreiche Fabriken gebaut. Während viele irischstämmige Menschen harte Arbeiten verrichteten, besetzten überwiegend Engländer und Schotten hohe und besser bezahlte Posten. Der Süden Irlands war noch sehr rückschrittlich, die Armut innerhalb der Bevölkerung groß.

Teilung Irlands und Geburt der IRA

Im Jahre 1919 kam es zum Unabhängigkeits- krieg. Truppen der IRA kämpften gegen die britische Besatzung im Land. (Quelle: Wikipedia)

1801 vollzog man die Vereinigung von Großbritannien und Irland. Viele Katholiken rebellierten gegen ihre gesellschaftliche Benachteiligung, ihre Aufstände wurden jedoch blutig niedergeschlagen. Die Menschen verarmten immer mehr. 1845 war das Land von einer schweren Hungerskatastrophe betroffen. Ein Drittel der Bevölkerung Irlands starb oder wanderte in andere Länder - vor allem in die Vereinigten Staaten - aus.

1916 kam es erneut zu einem Aufstand. Die britische Armee musste im ersten Weltkrieg gegen Deutschland kämpfen. Viele Iren sahen nun die Chance, ihre Freiheit zu erlangen: Im Jahr 1919 kam es zum Unabhängigkeitskrieg des Landes, das sich gegen die mächtige Herrschaft Großbritanniens auflehnte. Truppen der IRA ("Irish Republican Army", bedeutet Irisch Republikanische Armee) kämpften gegen die britische Besatzung im Land. Mit einem Pakt von 1921 wurde Irland zum eigenständigen Staat erklärt. Sechs der neun Grafschaften von Ulster verblieben Großbritannien - vielen Menschen wurde dabei ihr Hab und Gut weggenommen -, insgesamt 26 Länder bildeten die Republik Irland. Die IRA wurde im Jahr 1922 verboten und trat in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr in Erscheinung.

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Der Nordirland-Konflikt

Im Jahr 2005 schwor die IRA der Gewalt ab. (Quelle: IRA)

In Nordirland stellen die Katholiken seit langer Zeit eine Minderheit dar, sie wurden über Jahrhunderte hinweg gesellschaftlich benachteiligt. Viele irischen Bewohner lebten in Nordirland in ärmeren Verhältnissen, während Briten überwiegend wohlhabendere Gegenden bewohnten. Irische Arbeiter gingen schließlich auf die Straßen, um gegen die Missstände und ihre Benachteiligung zu protestieren.

Zwar stehen sich zwei Glaubensrichtungen gegenüber, der Nordirland-Konflikt hat aber nicht wirklich einen religiösen Hintergrund. Es ist ein Kampf um die Unabhängigkeit des irischen Volks, um Gleichberechtigung und um politische Macht. Der Konflikt, der offiziell im Jahre 1969 ausbrach, war mit einem Bürgerkrieg vergleichbar. Immer wieder artete der Kampf zwischen Protestanten und irischstämmigen Katholiken aus, er forderte viele Opfer.

Die nordirische Stadt Derry, die an der Grenze zur Republik Irland liegt, war mehrmals Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Protestanten und Katholiken lieferten sich dort 1969 harte Straßenschlachten. Daraufhin wurden Britische Truppen nach Nordirland gesandt, um die Polizei zu unterstützen. Diese ging mit harten Mitteln gegen die Demonstranten vor. Die IRA erhielt nach Beginn des Konflikts immer mehr Zulauf und gewann zunehmend an Macht.

Trauriger Höhepunkt: Der "Blutsonntag"

Am "Bloody Sunday" erschossen britische Soldaten 14 Iren. Danach eskalierte die Gewalt. (Quelle: Remembering Bloody Sunday)

Am 30. Januar 1972, auch als "Bloody Sunday" ("Blutsonntag") bezeichnet, wurden in Derry bei einer friedlichen Demonstration der irischen Bevölkerung für ihre Rechte 14 Menschen von britischen Fallschirmjägern getötet und weitere verletzt. Die IRA verübte anschließend zahlreiche Bombenanschläge.

Ziel waren nicht nur Einrichtungen der britischen Armee, sondern auch öffentliche Plätze in Nordirland und England. Es starben dabei viele Zivilisten. Der Hass wurde schließlich auf beiden Seiten geschürt, an die Kinder weitergegeben und auf das ganze Volk übertragen. Zahlreiche unschuldige Menschen fielen der Gewalt des grausamen Konfliktes zum Opfer.

Seit dem "Karfreitagsabkommen" von 1998 ist das Verhältnis der beiden Staaten entspannter. Darin wurde unter anderem vereinbart, dass die Republik Irland auf ihre Forderung nach einer Wiedervereinigung mit Nordirland verzichtet, irische und nordirische Behörden zusammen arbeiten und sich die Kampftruppen zur Entwaffnung bereit erklären. Im Juli 2005 schwor die IRA der Gewalt ab und sprach sich dafür aus, ihre Ziele auf demokratische und politische Art erreichen zu wollen. Es finden regelmäßig Gespräche zwischen dem britischen Premierminister Gordon Brown und dem irischen Regierungschef Bertie Ahern statt, in denen die Situation in Nordirland thematisiert wird.

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letzte Aktualisierung: 14.03.2010

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