Wie entwickelte sich das Leben auf der Erde?

Die Geschichte der Evolution - Teil 2

Teil 2 von 4

von Britta Pawlak

Im ersten Teil über die Evolutionsgeschichte hast du erfahren, welche Einflüsse nach dem Urknall und der Geburt unseres Planeten wohl bewirkt haben, dass Leben auf ihm entstehen konnte. Die Evolution beschreibt die Entwicklung eines Lebewesens über einen großen Zeitraum. Die Bewohner dieser Erde haben einen langen Entstehungsprozess hinter sich, bis sie zu dem wurden, was sie heute sind. Das Leben auf der Erde begann vor etwa dreieinhalb Milliarden Jahren in Form von Einzellern. Wie konnten sich die verschiedenen Arten entwickeln? Was besagt die berühmte Evolutions-Theorie von Charles Darwin?

Die ersten Wirbeltiere lebten vor etwa 500 Millionen Jahren. Es waren kieferlose, fischähnliche Arten. Ihr ungefähres Alter kann anhand von versteinerten Funden bestimmt werden. (Quelle: Wikipedia)

Die ersten Einzeller entwickelten sich im Archaikum vor etwa dreieinhalb Milliarden Jahren. Die Entwicklung schritt sehr langsam voran. Die ersten Pflanzenarten waren vermutlich Algen - sie entstanden vor etwa 600 Millionen Jahren. Im Präkambrium entwickelten sich immer mehr einfache Lebewesen. Unter ihnen waren auch die ersten Schwämme und Nesseltiere. Ihre Nachfahren leben noch heute in den Meeren - wie Quallen oder Seeanemonen. Die ersten Wirbeltiere lebten vor ungefähr 500 Millionen Jahren, es waren fischähnliche Arten.

Landtiere begannen vor etwa 400 Millionen Jahren, die Erde zu besiedeln. In der Trias vor etwa 230 Millionen Jahren lebten die ersten Dinosaurier. Auch die ersten Säugetierformen entwickelten sich etwa zu dieser Zeit. Erst nach dem Aussterben der Dinosaurier vor ungefähr 65 Millionen Jahren entstanden größere Säuger. Die ersten Urzeitmenschen lebten vor etwa zwei Millionen Jahren. Wie ist es überhaupt möglich, dass sich so viele verschiedene Arten entwickeln konnten?

Wie entstanden die verschiedenen Lebewesen?

Teil eines DNA-Moleküls. Es enthält die Gene, in denen unser Erbmaterial festgehalten ist. Dies bestimmt zum Beispiel unser Aussehen und spezielle Eigenschaften. (Quelle: Wikipedia)

Jedes Lebewesen besitzt Gene, in denen seine Erbinformationen festgelegt sind - zum Beispiel Körpergestalt und Farbe, Anlagen für gewisse Fähigkeiten oder Anfälligkeiten und viele weitere Merkmale. Der "Grundbauplan" einer bestimmten Art ist gleich und wird an die nächste Generation weitergegeben. Wie können sich Arten dann überhaupt verändern? Das ist durch so genannte "Mutationen" zu erklären. Dieser Begriff stammt aus dem Lateinischen - "mutatio" bedeutet "Wechsel" oder "Veränderung". Bestimmte Erbanlagen wandeln sich also plötzlich. Selbst heutige Genetiker - also Vererbungsforscher - haben solche genetischen Mutationen noch lange nicht vollständig ergründet.

Erbmutationen können zufällig auftreten oder durch bestimmte Einflüsse ausgelöst werden. Solche Genveränderungen führen in einigen Fällen dazu, dass ein Lebewesen weniger gut oder überhaupt nicht mehr lebensfähig ist - sie können sich aber auch positiv auswirken. Da eine Art optimal an ihren Lebensraum angepasst sein muss, setzen sich vorteilhafte Merkmale durch - und immer mehr Individuen einer Art besitzen sie. In der Evolution sind Mutationen die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein Lebewesen sich seinem Raum anpasst und "höhere" Entwicklungsstufen erreicht.

Die Evolution ist also die Entwicklung eines Lebewesens, bei der sich auch die erblichen Faktoren nach und nach verändern. Die "natürliche Auslese" bewirkt dabei, dass die "Schwächeren" mit nachteiligen Eigenschaften zurückgedrängt werden, während die "Stärkeren" sich weiter fortpflanzen und ihre Gene weitergeben. Unter "schwächeren Lebewesen" versteht man dabei diejenigen, die weniger gut an ihren Lebensraum angepasst sind. Durch äußere Veränderungen der Umwelt kann ein bestimmtes Merkmal, das sich eigentlich negativ auswirkte, aber auch plötzlich vorteilhaft für eine Population sein. Es wird sich dann mit der Zeit innerhalb dieser Art durchsetzen und nachteilig gewordene Eigenschaften verdrängen.

Evolutions-Theorie von Charles Darwin

Die Evolutions-Theorie des britischen Naturforschers Charles Darwin besagt, dass alle Lebewesen der Erde einst gemeinsame Vorfahren hatten. (Quelle: Wikipedia)

Die Theorie des berühmten britischen Naturforschers Charles Darwin (1809 - 1882) sorgte schon zu seinen Lebzeiten für Aufregung. Nach seiner Lehre haben sich alle Lebewesen aus gemeinsamen Vorfahren entwickelt. Die jeweils "stärkeren", "klügeren" beziehungsweise diejenigen, die besonders gut an ihren Lebensraum angepasst sind, überleben, haben viele Nachkommen und entwickeln sich Darwin zufolge weiter.

Darwin wurde vorgeworfen, mit seiner Theorie den Menschen auf ein "höher entwickeltes Tier" zu reduzieren. Vor allem kam Darwin stark mit der Kirche in Konflikt. Der "Darwinismus" - also die Lehre Darwins - durfte früher nicht an Schulen gelehrt werden. Heute sind sich die meisten Forscher einig, dass Darwin mit seinen Studien über die Evolution auf biologischer Ebene zu großen Teilen Recht hatte.

Die Evolutions-Theorie liefert mit Sicherheit nicht auf alle entscheidenden Fragen zum Leben auf der Erde, seiner Herkunft und seiner Entwicklung eine Antwort. Auf unsere Gesellschaft angewandt, lässt sich Darwins Theorie außerdem nicht mit unseren moralischen Werten vereinbaren. Das war Darwin selbst bewusst, wenn er auch der Ansicht war, dass die Unterstützung von kranken und hilfsbedürftigen Menschen zwar notwendig sei, der "Gattung Mensch" aus erbbiologischer Sicht jedoch schade.

Geht es in der Natur und der Entwicklung von Lebewesen - somit auch der von Menschen - nur um das "Recht des Stärkeren", würde das bedeuten, dass es der Lauf der Dinge sei, kranke, behinderte oder in irgendeiner Form schwächere und benachteiligte Menschen zu vernachlässigen, zu übervorteilen oder gar "auszusortieren", anstatt sie zu unterstützen. Und der "Wert" eines Individuums, charakterliche Eigenschaften oder besondere Fähigkeiten lassen sich ganz sicher nicht anhand seiner "biologischen Stärke" beurteilen oder auf einer bestimmten Werteskala messen.

Sozialdarwinismus als Grundlage für rassistische Theorien

Karikatur von Darwin als "Affenmensch": Sein Werk "Entstehung der Arten" ("Origin of Species") von 1859 sorgte für Aufsehen. Kritiker sagten, er würde den Menschen auf einen "intelligenten Affen" reduzieren. (Quelle: Wikipedia)

Zwar sah Darwin den "Kampf ums Dasein" also als natürliche Voraussetzung für den Prozess der Evolution von Lebewesen an, er übertrug ihn aber nicht unmittelbar auf das menschliche Zusammenleben. Der auf die Gesellschaft angewandte "Sozialdarwinismus", der von einigen Anhängern Darwins begründet wurde, ist hingegen auch ein Wesensmerkmal von Fremdenhass und rassistischen Weltanschauungen.

Auf biologische Lehren gestützt, wird von den Vertretern dieser Theorie behauptet, eine "natürliche Auslese" sei wichtig für die menschliche Höherentwicklung und einige Menschen hätten besonders "gute" Erbanlagen, die gefördert werden müssten. Menschen mit angeblich "schlechtem" Erbmaterial werden als "minderwertiger" angesehen und sollen demnach ihre Gene möglichst nicht weitergeben. Aus den Lehren des Sozialdarwinismus gingen auch die "Rassentheorien" hervor, die besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts an Einfluss gewannen. Ihnen zufolge sind bestimmte Völkergruppen "mehr wert", "höher entwickelt" und anderen angeblich "überlegen". Auch die Nationalsozialisten im Dritten Reich griffen auf eine solche "Rassentheorie" zurück, um den grausamen Völkermord an Juden, Sinti und Roma und die Tötung von kranken und behinderten Menschen zu rechtfertigen.

Natürlich gibt es keine "überlegene Menschenrasse" und auch keine einzelnen Menschen, die "mehr wert" sind als andere. Außerdem ist es gerade eine herausragende Eigenschaft des Menschen, dass er in der Lage ist, ein ethisches und soziales Verständnis für seine Mitmenschen auszubilden. Das ermöglicht es ihm, Moral, Menschlichkeit, Toleranz, Mitgefühl, Schuld sowie Unrechtsbewusstsein zu begreifen und zu entwickeln. Nicht zu vergessen ist, dass auch die Unterstützung anderer - ob zwischen Menschen oder unter Artgenossen in der Tierwelt - eine entscheidende Grundlage für die Erhaltung und Weiterentwicklung von Arten ist.

Die ersten Formen der Gattung "Homo" lebten vor etwa 2,3 Millionen Jahren. Wie lebten die verschiedenen Urmenschen, wovon ernährten sie sich und worin unterschieden sie sich vom modernen Menschen? Wann gab es erste Formen des heutigen Menschen? Im nächsten Teil wirst du mehr über die Evolution des Menschen erfahren. Dort beschreiben wir die Urzeitmenschen Australopithecus, Homo habilis, Homo erectus, Neandertaler und Homo sapiens.

Zeitalter der Erde

Ein Äon ist die größte Maßeinheit der Zeit. Der älteste Äon ist das Hadaikum, in dem nach der Entstehung der Erde zunächst die Formation des Planeten stattfand. Darauf folgen das Archaikum und das Proterozoikum. Unser derzeitiger Äon heißt Phanerozoikum. Er ist der jüngste und mit seinen 542 Millionen Jahren auch der kürzeste der vier Äonen, in die unsere Erdzeit eingeteilt ist. Da Äonen sehr große Zeiträume umfassen, werden sie in weitere Ären unterteilt. Die Ären, auch Zeitalter genannt, sind die zweitgrößten Maßeinheiten unserer Zeitrechnung. Wir leben in der Ära namens "Känozoikum", oder auch "Erdneuzeit" genannt. Weiterhin wird in verschiedene Perioden unterteilt, die wiederum aus einzelnen Epochen bestehen. Wir leben in der Periode Neogen, die vor etwa 23 Millionen Jahren begann - und zwar in der Epoche Holozän, der "Nacheiszeit".


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letzte Aktualisierung: 12.12.2012

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