Vincent van Gogh - Tragischer Künstler mit spätem Ruhm

Der niederländische Maler wurde erst nach seinem Tod berühmt

Teil 8 von 8

von Katrin Schönfeld

Vincent van Gogh (1853 - 1890) ist einer der berühmtesten niederländischen Künstler, obwohl er nur zehn Jahre als Maler tätig war. In dieser Zeit hat er mehr als 840 Gemälde und mehr als 1.000 Zeichnungen angefertigt. Die Würdigung seiner Werke erfolgte jedoch erst nach seinem Tod.

Vincent van Gogh im Alter von 19 Jahren.

Vincent Willem van Gogh wurde am 30. März 1853 in Groot-Zundert, einer kleinen Gemeinde in den Niederlanden, geboren. Als Kind hatte er sich nicht für Kunst oder Malerei interessiert. Erst im Alter von 27 Jahren begann er zu zeichnen. Zuvor übte er verschiedene Berufe aus. So begann er im Alter von 16 Jahren als Verkäufer in einer Kunsthandlung zu arbeiten. Dieser Beruf führte ihn auch in die Städte London und Paris.

Van Gogh verlor schließlich die Lust daran, ein professioneller Kunsthändler zu sein und entschied sich, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der ein protestantischer Pfarrer war. Er war davon überzeugt, dass die Tätigkeit als Armen-Prediger genau das Richtige für ihn war. Vincent brach das Theologiestudium jedoch schnell ab und begann ein Pfarramt bei den Bergleuten von Borinage. Das Leben der hart arbeitenden Bevölkerung sollte ihn Zeit seines Lebens in seinen künstlerischen Werken begleiten. Während seiner Tätigkeit als Prediger soll er bereits gemalt haben. Angeregt durch seinen Bruder Theo, kam er 1880 schließlich zu dem Entschluss, Maler zu werden.

Durch das Selbststudium zum Maler

Eines seiner frühen Werke aus dem Jahr 1883: Es zeigt Blumenbeete in Holland.

Vincent van Gogh malte vorwiegend Landschaften, Felder, Dörfer und Landstraßen. Dabei war es ihm immer auch wichtig, das "lebende Modell" zu malen und fertigte daher viele Zeichnungen von Bauern bei der Arbeit an. Da er jedoch keinerlei künstlerische Ausbildung hatte, ging er 1880 nach Brüssel und studierte an der Kunstakademie anatomisches und perspektivisches Zeichnen. Van Gogh sah die Kunst als Möglichkeit an, mit der Umwelt in eine Beziehung zu treten. Diese Ansicht wurde von anderen Künstlern dieser Zeit jedoch nicht geteilt. Er brach das Studium ab und begann, sich das Zeichnen und Malen selbst beizubringen.

Ende 1881 ging er nach Den Haag, wo er von dem damals bekannten Maler Anton Mauve, seinem angeheirateten Cousin, unterrichtet wurde. In dieser Zeit hatte van Gogh eine Beziehung mit Sien Hoomik, einer schwangeren Prostituierten, die bereits ein uneheliches Kind hatte. Aufgrund dieser Beziehung hatte van Gogh Probleme mit seiner Familie und auch die Freundschaft mit Anton Mauve zerbrach. Dennoch führte er die Beziehung noch zwei Jahre lang weiter. In dieser Zeit war Sien Hoomik sein Modell.

"Kornfeld mit Zypressen" malte van Gogh im Jahr 1889.

Nach der Trennung im September 1883 zog van Gogh in die niederländische Provinz Drenthe, um Landschaften und Bauern zu zeichnen. Da er sich aber einsam fühlte, es zudem an ausreichend Modellen mangelte und auch die Inspiration fehlte, zog er wieder zurück zu seinen Eltern, die inzwischen in Nuenen lebten. Dort kam er erstmals in Kontakt mit Gemälden von Jean-François Millet, der zu seinem Vorbild wurde. Genau wie er wollte van Gogh das Leben der einfachen, arbeitenden Bevölkerung darstellen. So fertigte er im Winter 1884/85 zahlreiche Bilder von Bauern und Bäuerinnen an und legte Wert darauf, die Zeichen der Arbeit wie vom Wetter geprägte Hände darzustellen.

Der große Erfolg blieb zunächst aus

Diese Zeichnungen waren die Basis für sein erstes großes Werk "Die Kartoffelesser". Das im April 1885 geschaffene Gemälde wird von einigen Experten als eines seiner Meisterwerke gesehen. Das in dunklen Farben gehaltene Bild zeigt eine Bauernfamilie beim gemeinsamen Abendessen, die sich im Schein einer Öllampe einen einzigen Teller Kartoffeln teilt. Mit diesem Gemälde wollte van Gogh ein realistisches Bild des Bauerlebens darstellen. Zwar wurden nun einige Künstler auf ihn aufmerksam, doch der erhoffte große Erfolg blieb noch aus. Ende 1885 ging er nach Antwerpen, um beim Studium an der Kunstakademie seine Fähigkeiten im Figurmalen zu vertiefen. Dort wurde er von den Werken Paul Rubens und einiger japanischer Künstler beeinflusst.

Dieses Selbstbildnis van Goghs ist in Saint-Rémy im September 1889 entstanden.

1886 zog van Gogh zu seinem Bruder Theo nach Paris. Der Einfluss der dortigen Künstler und der zum damaligen Zeitpunkt modernen Kunst (Impressionismus), ließ ihn die bisher verwendeten dunklen Farben schnell gegen hellere und lebhafte austauschen. Vor allem gelb spiegelte sich nun immer wieder in seinen als ausdrucksstark bezeichneten Bildern wieder. In Paris lernte van Gogh unter anderem die Künstler Paul Gauguin und Claude Monet kennen. Mit Gauguin verband ihn eine enge Freundschaft. In einem Haus in Arles (Südfrankreich), wo van Gogh später mit Gauguin zusammen lebte, malte er Sonnenblumen, um das Schlafzimmer seines Mitbewohners zu dekorieren. Diese Bilder mit Sonnenblumen gehören nun zu seinen berühmtesten Kunstwerken.

Doch auch lichtdurchflutete südliche Landschaften, Porträts und Selbstbildnisse waren in dieser Zeit seine bevorzugten Motive. Da van Gogh kein Geld für Modelle hatte, malte er sich auch oft selbst. Allein während seines Aufenthaltes in Paris sollen mehr als 27 Selbstbildnisse entstanden sein. Neben der Malerei schrieb van Gogh sehr viele Briefe an seinen Bruder Theo, mit deren Hilfe man heute einiges über van Goghs Leben, seine Gedanken und Hintergründe zu seinen Gemälden weiß.

Das tragische Ende

"Die Sternennacht" gehört zu seinen bekanntesten Werken. Es entstand im Jahr 1889.

Ende 1888 zeigten sich die ersten Anzeichen von van Goghs Krankheit. Er litt unter Epilepsie und psychischen Störungen. In einer Art Anfall bedrohte er seinen Mitbewohner Gauguin mit einem Messer und schnitt sich später selbst ein Stück seines Ohrs ab. Danach ließ Vincent sich in eine psychiatrische Anstalt in Saint-Rémy-de-Provence einweisen, wo er seine Arbeit teilweise fortführen konnte.

In dieser Zeit schuf er auch das wohl beliebteste und einflussreichste Werk "Die Sternennacht". Die Pinselführung dieses Ölgemäldes wird von einigen Experten als Interpretation seines verwirrten geistigen Zustands gesehen. 1890 verließ van Gogh die Anstalt und zog nach Auvers-sur-Oise, einem Künstlerdorf in der Nähe von Paris. Er sah sein Leben als reine Verschwendung und verfehlt an. Deswegen versuchte er am 27. Juli 1890, sich mit einem Schuss in die Brust selbst umzubringen. Er überlebte dies zunächst, starb jedoch zwei Tage später an den Folgen der Verwundung.

Später Ruhm

"Das gelbe Haus" in Arles, 1888: Hier wollte Vincent seinen Traum verwirklichen - in diesem Atelier sollten viele Künstler gemeinsam arbeiten und leben.

Die Frau von van Goghs sechs Monate später verstorbenem Bruder Theo widmete sich der Verbreitung von Vincent van Goghs Arbeiten, was ihn schnell berühmt werden ließ. Der Ruhm, der ihm nun zuteil wurde, war ihm Zeit seines Leben versagt. Nachdem van Gogh zu Lebzeiten nur ein Bild verkaufen konnte, sind seine Gemälde nun Millionen wert. Insgesamt schuf van Gogh mehr als 1.800 Gemälde und Zeichnungen. Einige von ihnen sind noch erhalten und hängen unter anderem im nach ihm benannten Van-Gogh-Museum in Amsterdam.

Die Malweise in van Goghs Gemälden wird dem Spätimpressionismus zugeordnet, einem etwa zwischen 1880 und 1905 entstandenen Kunststil. Bei diesem Kunststil handelt es sich um eine Art Übergangsphase vom Impressionismus zum Expressionismus. Van Goghs Gemälde beinhalten, vor allem seit seinem Aufenthalt in Paris, sowohl Merkmale des Impressionismus als auch des Expressionismus.

Während die Malweise des Impressionismus ("impression" ist die französische Bezeichnung für "Eindruck") von mit kurzen Pinselstrichen gezeichneten, flüchtigen Eindrücken aus der Natur geprägt war, wurde die Wirklichkeit in den Bildern des Expressionismus ("expression" ist die französische Bezeichnung für "Ausdruck") oft verzerrt, abstrakt (also unwirklich) und mit leuchtenden, kräftigen Farben dargestellt. Somit hatte van Gogh einen sehr eigenen Stil, der spätere Künstler inspirierte und beeinflusste. Seine Malweise gilt als Vorläufer des Expressionismus und somit waren unter anderem die Werke van Gogh wegweisend für die moderne Kunst.

letzte Aktualisierung: 19.08.2017

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