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Kinder-Armut: "Die Arche" gegen den Untergang

Teil 1 von 2

29.08.2006

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Vor elf Jahren hat der evangelische Pfarrer Bernd Siggelkow in Berlin die "Arche" für Kinder und Jugendliche aus armen Familien gegründet. Am Eingang des Gebäudes steht das Jesus-Zitat: "Lasst die Kinder zu mir kommen." Und sie kommen – täglich sind es zwischen 200 und 250. Sie bekommen ein warmes Essen, machen ihre Hausaufgaben, spielen und reden miteinander. Für viele Kinder ist es der einzige Ort, an dem sie Wärme und Zuwendung bekommen. Bald soll es die Arche in ganz Deutschland geben. Wir haben Bernd Siggelkow in Berlin besucht.

Auch bei uns wachsen Kinder in Armut auf. Sie müssen zwar nicht verhungern, aber sie leiden im Stillen sehr unter ihrer Situation. (Quelle: Die Arche)

Wenn wir uns arme Kinder vorstellen, haben wir meistens Bilder von ausgehungerten Jungen und Mädchen in Afrika vor Augen. Doch auch bei uns in Europa gibt es viele Kinder und Jugendliche, die in Armut aufwachsen. Der Kinderschutzbund hat errechnet, dass allein in Deutschland rund 2,5 Millionen Minderjährige an der Armutsgrenze leben - oder sogar darunter.

Betroffen sind vor allem Kinder, die mit nur einem Elternteil aufwachsen oder aus einer Einwanderer-Familie stammen. Zwar muss hier zum Glück niemand verhungern. Aber wer kein Geld hat, der kann nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Kinder aus armen Familien können sich weder neue Kleidung noch neue Schuhe leisten. Der Besuch einer Kino-Vorstellung und die Mitgliedschaft in einem Sportverein ist für sie zu teuer. Und im Urlaub waren einige von ihnen noch nie.

Spirale der Armut

Bernd Siggelkow (links) und Kai Uwe Lindloff wollten nicht mehr länger zusehen, wie die Armut um sie herum wuchs. (Quelle: Die Arche)

Das Problem ist nicht nur das fehlende Geld. Viel schlimmer ist, dass Kinder aus armen Familien kaum Chancen haben, ihrer Armut später einmal zu entfliehen. Sie sind meist schlecht in der Schule, weil ihnen zu Hause niemand helfen kann. Außerdem sind sie im Schnitt häufiger krank als Kinder aus reicheren Familien. All das führt dazu, dass arme Kinder später oft gar keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss machen.

Das hat wiederum zur Folge, dass sie keinen gut bezahlten Beruf erlernen können. Stattdessen müssen sich viele von ihnen mit Gelegenheitsjobs oder mit staatlichen Hilfen gerade so über Wasser halten. Sie bekommen nicht selten schon recht früh recht viele Kinder, die dann ebenfalls in Armut aufwachsen. Und so wiederholt sich die Geschichte von Generation zu Generation.

"Die Arche" holt die Kinder von der Straße

Bernd Siggelkow gründete die Arche. Dort bekommen viele Kinder ein warmes Essen, auf das sie zu Hause verzichten müssten. (Quelle: Helles Köpfchen)

Während Politiker seit Jahren darüber diskutieren, wie man jungen Menschen einen besseren Start ins Leben ermöglichen kann, setzt eine Berliner Organisation auf Taten, statt auf Worte. "Die Arche" hilft seit elf Jahren armen Kindern und Jugendlichen. Sie holt Jungen und Mädchen von der Straße und bietet ihnen ein warmes Essen, Hilfe bei den Hausaufgaben und menschliche Wärme. Die jüngsten Stammgäste sind drei Jahre alt, die ältesten schon 19.

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Der evangelische Pfarrer Bernd Siggelkow hat die Organisation im Jahr 1995 gegründet. Zuvor hatte er gemeinsam mit seiner Frau Karin beobachtet, wie sich die Situation der Kinder in ihrem Stadtteil Berlin-Hellersdorf immer weiter verschlechterte. Schließlich beschloss er zu handeln, indem er Kinder und Jugendliche zu sich nach Hause einlud und sie mit Essen versorgte.

Das Haus wird zum Schiff

Über 200 Kinder und Jugendliche besuchen die Arche jeden Werktag. Sie essen, spielen, reden und lernen miteinander. (Quelle: Helles Köpfchen)

Das hat sich schnell herumgesprochen. Die Kinder brachten ihre Freunde mit. Woche für Woche standen bei den Siggelkows mehr hungrige Kinder, die zu Hause kein warmes Essen bekamen, vor der Türe. Schnell wurden die eigenen vier Wände zu klein. Pfarrer Bernd Siggelkow muss sich ein wenig wie Noah aus der Bibel vorgekommen sein.

Bevor die Sintflut hereinbrach, baute Noah ein riesiges Schiff - die Arche. Außer ihm und seiner Frau durften von jeder Tierart ein Männchen und ein Weibchen an Bord, sodass das Leben auf der Erde nach der Katastrophe weiter gehen konnte. Auch Bernd nannte sein Haus "Arche". Denn wer hier seine Zuflucht sucht, der soll vor dem drohenden Untergang bewahrt werden.

Im zweiten Teil erfährst du, warum die Arche für viele Kinder wie eine Familie ist. Und wir sagen dir, was du tun kannst, um armen Kindern zu helfen (auf "Weiter" klicken).

letzte Aktualisierung: 06.03.2010

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