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Nepal

Teil 31 von 50

von Tanja Lindauer

Königreich Nepal(Asien)

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Die Republik Nepal ist ein Binnenstaat in Asien und grenzt im Norden an China, im Osten, Süden und Westen an Indien. Nepal ist durchschnittlich das höchstgelegenste Land der Welt und man spricht auch oft vom „Dach der Welt“, denn fast die Hälfte des Landes liegt über 3000 Meter hoch. Im Norden und Osten Nepals liegt das Himalaya-Gebirge, welches einige der größten Berge der Welt beheimatet. Hier ist auch der höchste Berg der Welt zuhause: der Mount Everest. Er ist 8848 Meter hoch. Bezwungen wurde der Berg am 29. Mai 1953 von Edmund Hillary und Tenzing Norgay, sie gelangten als erste Bergsteiger zum Gipfel. 15 Jahre später, am 8. Mai 1978 schafften es Reinhold Messner und Peter Habeler ohne zusätzlichen Sauerstoff bis zum Gipfel (da der Mount Everest sehr hoch ist, braucht man eigentlich zusätzlichen Sauerstoff zum Atmen). Ihnen gelang damit etwas, was noch nie zuvor einem Menschen gelungen ist. Neben dem berühmten Himalaya ist Nepal vor allem auch als das Geburtsland von Buddha bekannt.

In Nepal gibt es über 100 verschiedene ethnische Gruppen und Kasten. Zudem werden auch mehr als 100 Sprachen und Dialekte gesprochen.

Geschichte

Das erste Volk, das sich in Nepal niederließ, waren die Newar. Sie siedelten sich im heutigen Kathmandu-Tal an. Sie zogen in diese Gegend, da der Boden hier sehr fruchtbar war. Die Stadt Kathmandu gab es aber zu der Zeit noch nicht, vielmehr war früher an der Stelle, an der heute die Hauptstadt des Landes ist, ein See. Durch ein Erdbeben verschwand der See ganz plötzlich. Und so kam es, dass die Newar hier hinzogen.

Im 14. Jahrhundert gehörte Nepal zum Einzugsgebiet der indischen Rajputenherrschaft. Aber die Nepalesen schafften es sich zu befreien, vor allem dank einem Newar namens Jayasthiti Malla. Er wurde so zum Herrscher von Nepal und später übernahm sein Enkel Yakasha Malla die Herrschaft, er schaffte es, die Grenzen zunächst auszuweiten. Aber seine vier Söhne teilten das Land wieder, und Nepal wurde dadurch sehr geschwächt.

Die Herrscher von Gorkha (ein Gebiet im östlichen Teil Nepals) beäugte schon immer neidisch den Wohlstand von Malla. Schließlich gelang es 1768 auch dem Gorkha König namens Prithvia Narayan Shah (Shah-Dynastie) nach einem 27jährigen Krieg an die Macht zu gelangen.

Zwischen 1814 und 1816 kämpfte dann Prithvia Narayan Shah mit den Briten (sie waren zu dieser Zeit in Indien) um Nepal, sein Heer wurde geschlagen und der König musste einen Vertrag unterzeichnen (Vertrag von Segauli), in dem stand, dass die Gorkha Teile ihres Landes an die Briten abtreten mussten. (Es waren die Gebiete Sikkim und Teile des Terai. Nepal erhielt sie aber später zurück, da sie den Briten im Kampf gegen die indische Rebellion 1857 geholfen haben.)

Bis 1846 regierte die Shah-Dynastie. Jang Bahadur, ein Mitglied der Shah-Armee, schaffte es durch List und Tücke an die Macht. Er nutzte die Morde innerhalb der königlichen Familie und Intrigen für sich und ließ ebenfalls Hunderte von einflussreichen Männern ermorden, die sich auf dem Kot-Platz versammelt hatten (Kot-Massaker). Mit diesem Blutbad gelang er an die Macht. Er ernannte sich selbst zum Premierminister, nannte sich Rana (ein sehr prestigebesetzter Name) und führte ein neues Regierungssystem ein. Er beschloss nämlich, dass der Posten des Ministerpräsidenten erblich sei. Es gab zwar immer noch einen König, aber die eigentliche Macht hatte von diesem Zeitpunkt an der Ministerpräsident. Seine Familie lebte in großem Wohlstand in riesigen Palästen, während der Rest der Bevölkerung am Hungertuch nagte.

Als sich die Briten 1948 aus Indien zurückzogen, verloren die Rana an Einfluss, denn mit dem Rückzug der Briten verloren sie sehr wichtige Verbündete. Viele Nepalesen begannen sich zu wehren und viele Aufstände fanden statt. So mussten sie kleinbeigeben und Indien zwang die Rana-Herrschaft Verhandlungen zu zulassen. Es wurde die Nepalesische Kongresspartei gegründet und 1951 wurde Tribhuvan zum König ernannt. Es fanden sogar demokratische Wahlen statt, aber Tribhuvans Sohn, König Mahendra, empfand das demokratische System für ungeeignet und führte das parteilose Panchaayat-System ein. Das bedeutet, der König wählte den Premierminister und das Kabinett selbst. Damit hatte nur der König die Macht über sein Land und über das Volk. Viele Nepalesen setzten sich zur Wehr: Das Ergebnis war die Jana Andolan, eine Volksbewegung. Viele Menschen wurden verhaftet und gefoltert. 1972 beschloss der König Birendra das Panchaayat-System aufzulösen und er legalisierte politische Parteien. Dadurch konnte eine Demokratie im Land entstehen und schließlich fanden 1991 die ersten freien Wahlen statt.

2001 wurde König Birendra bei einem von seinem Sohn verordneten Massaker ermordet. Birendras Bruder übernahm daraufhin die Macht. 2005 erklärte sich König Gyanendra Bir Bikram Shah Dev zum absoluten Herrscher 2006 erfolgt ein Generalstreik und es wurde eine Sieben-Parteien-Regierung gebildet. Die Rechte des Königs wurden in diesem Zuge in einer Übergangsverfassung auf den Ministerpräsidenten übertragen. 2007 wurde die Monarchie endgültig abgeschafft, 2008 folgte schließlich die Ausrufung der Republik und am 21.Juli wurde Ram Baran Yadav zum ersten Präsidenten gewählt.

Leider hat die Einführung der Demokratie auch negative Seiten in diesem Fall, Nepal muss nun erst lernen, mit dieser umzugehen. Hinzukommen andere Probleme des Landes wie die schwache Wirtschaft, die vielen Arbeitslose und Analphabeten und die ethnischen und religiösen Konflikte.

Die Maoisten

Von 1996 bis 2006 herrschte in Nepal ein Bürgerkrieg. Die Kommunistische Partei Nepals (KPN, sie werden auch Maoisten genannt) verlangte die Abschaffung der Monarchie und des hinduistischen Klassensystems. Zudem verlangten sie auch, dass es den verarmten Bauern auf dem Land wieder besser gehen müsse, wofür die Regierung verantwortlich sein sollte.

Am 13. Februar 1996 fingen sie an, sich lokalen Polizeiposten zu widersetzen und kämpften mit ihnen. Mehr als 1500 Menschen wurden Opfer derartiger Auseinandersetzungen, die seitdem regelmäßig stattfinden. 2005 versprachen die Maoisten einen Waffenstillstand, denn zu dieser Zeit bildete sich die Sieben-Parteien-Regierung, die sich gegen König Gyanendra wehren wollte. Ebenso wie die Maoisten, wollten sie die Monarchie abschaffen. Nach ein paar weiteren Auseinandersetzungen wurde dann der Bürgerkrieg nach 12 Jahren endlich beendet. 2007 wurde Premierminister Girija Prasad Koirala zum Präsidenten ernannt, der von den Maoisten unterstützt wurde und sie stellten sogar 5 von 23 Ministern.

Politik und Gesellschaft

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Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt, in diesem Land gibt es außerdem noch eine sehr große Kluft zwischen der Stadt und dem Land. Menschen, die auf dem Land wohnen, sind noch viel ärmer, als die in der Stadt. Das sieht man auch an der Infrastruktur, wie an den Straßen oder dem Bahnnetz. Es gibt nur eine Bahnstrecke in ganz Nepal, und sie ist nur knapp 30 Km lang. Es gibt auch nur wenige Straßen, die asphaltiert sind. Die meisten Leute sind zu fuß unterwegs, so gibt es viele Fußwege und noch mehr Hängebrücken über Flüsse und Täler. Viele Sachen werden von Eseln oder von den Menschen selbst transportiert. In den Städten sieht das anders aus, da gibt es sogar so viele Autos, LKWs und Rikschas, dass die Stadt unter einer regelrechten Smog-Wolke verschwindet.

Viele Menschen in Nepal können noch nicht einmal lesen oder schreiben, sie sind Analphabeten und sie waren noch nie in einer Schule.

Ein anderes Problem ist das Kastensystem, das zwar bereits 1963 von der Regierung für nichtig erklärt wurde, aber in den Köpfen immer noch existiert. Jeder zweite Nepalese wird daher als nicht gleichwertig angesehen. Dadurch kommt es in Nepal immer wieder zu Aufständen. Auch die Korruption (das bedeutet, das man sich mit Geld bestechen lässt) im Land verschlimmert die Situation, denn die Menschen trauen der Polizei nicht und damit auch nicht der Regierung. Deshalb gibt es in Nepal auch ganz oft Demonstrationen, damit wollen die Menschen zeigen, dass sie mit den herrschenden Zuständen nicht zufrieden sind.

Kastensystem

Das nepalesische Kastensystem entwickelte sich zwar Parallel zum indischen Kastensystem, doch im Laufe der Zeit hat sich das nepalesische System gewandelt und unterscheidet sich nun doch sehr vom indischen. Sehr viele Hindus wanderten im 10ten Jahrhundert nach Nepal aus, um so der Islamisierung zu entgehen. Unter den Flüchtlingen befanden sich viele Brahmanen, sie wollten die hinduistische Kultur und Religion weiterpflegen und so entstand auch in Nepal ein Kastensystem.

Zwar sind seit 1963 alle Menschen vom Gesetz her gleichzubehandeln, aber das Kastensystem existiert nach wie vor und hat so auch Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. Im Vergleich zu Indien wird das Kastensystem aber nicht so aggressiv durchgesetzt wie in Indien.

Wie in Indien gibt es auch in Nepal vier Hauptkasten: die Bahun (in Indien die Brahmanen), die Chetris (in Indien die Kshatriyas), die Vaishyas und Sudras. Es gibt aber eine scharfe Trennlinie, die sogenannte Wasserlinie. Über der Linie stehen die reinen Kasten, darunter die unreinen. Die reinen Kasten dürfen von den unreinen kein Wasser und keine Nahrung annehmen, insbesondere keinen Reis. In die Kaste der Bahuns, sie sind die Träger der heiligen Kette, kann man nur hineingeboren werden. Zwischen den anderen Kasten gibt es eine durchlässige Barriere, d.h., man hat auch Kontakt mit Menschen aus anderen Gruppen.

In Nepal kann man schon an dem Familiennamen die Kastenzugehörigkeit erkennen, dies gilt aber nicht überall (Ein Inder könnte die Zugehörigkeit eines Nepalesen aber nicht anhand seines Namens erkennen.).

Es gibt buddhistische, hinduistische und gemischte Kasten.

Aufgrund der verschiedenen Ethnien ist das Kastensystem in Nepal etwas verwirrend. So haben die Newars (sie werden im Allgemeinen als Ureinwohner des Kathmandu-Tals angesehen) eigentlich ein eigenes Kastensystem, werden aber im hinduistischen oftmals als Unterkaste behandelt, obwohl sie eine ethnische Gruppe sind und keine Kaste. Aber nicht viele Einwohner des Tales halten sich streng an diese Gruppierung. Dennoch sind die Auswirkungen zu beobachten. So wohnen beispielweise nur die höchsten Kasten in den Stadtzentren. Wie in Indien, so wird auch hier die Kastenzugehörigkeit vererbt, man sie kann aber durchbrechen und in eine höhere Kaste einheiraten, aber das kostet sehr viel Geld, was die meisten Nepalesen nicht haben. Die Kasten werden in eine höhere und in eine untere Gruppe eingeordnet, die sich dann in eine Ober- und Mittelschicht sowie in die Gruppe der Unberührbaren und der Unreinen aufteilt. Bei den Newar werden Hinduismus und Buddhismus gleichwertig im Kastensystem behandelt, sie haben andere Bezeichnungen: In der oberen Kaste sind die Bahuns im hinduistischen System sowie die Vajracharya im buddhistischen, darunter sind die Shresta im hinduistischen und die Sakyabhikshu (Abkömmlinge von buddhistischen Geistlichen). Darunter ist die Gruppe der Jaypu, hierzu zählen Bauern, Handwerker und andere Arbeiter aus dem Tal.

Kultur Kunst

Die Kunst in Nepal wurde sehr stark durch religiöse Vorstellungen beeinflusst. Vor allem die Thangka Malerei beschäftigt sich mit der Darstellung verschiedener Gottheiten. Diese Art der Malerei gibt es schon sehr lange. Sie wird für die Meditation in den Tempeln oder auch bei den Menschen zuhause ausgehängt. Die Gottheiten, Buddhas oder Lamas werden auf den Bildern in verschiedenen Lebenssituationen oder verschiedenen Inkarnationen (d.h. eine Gottheit in einem Menschenkörper) dargestellt. Oft werden auch Mandalas gemalt, das sind kreisförmige Gebilde, die auch eine religiöse Bedeutung haben. Man unterscheidet bei Thangka-Bildern zwischen verschiedenen Typen, die man aufgrund des Materials und der Maltechnik erkennen kann. Nagthang werden mit goldenen Linien auf schwarzem Hintergrund verziert. Ein Serthang kann man an den goldenen Linien auf rotem Hintergrund erkennen. Manchmal sind es auch rote Linien auf blauem Hintergrund. Sehr beliebt sind auch Seidenthangkas, auf die etwas gestickt oder geklebt wird.

Architektur

Vor allem die Stadt Bhaktapur im Kathmandu-Tal ist ein Touristenmagnet, dort kann man viele architektonische Meisterwerke bewundern. Bei einem Spaziergang durch diese kleine Stadt bei Kathmandu kann man beispielsweise viele Pagoden bewundern. Eine Pagode ist ein Gebäude, das an einen Turm erinnert dessen Etagen allerdings durch Dachvorsprünge voneinander getrennt sind. Heute ist diese Art der Gebäude vor allem in China bekannt. Daneben kann man in ganz Nepal auch noch Stupas bewundern. Das sind typische buddhistische Bauten, die schon seit 4000 Jahren gebaut werden. Früher waren es noch einfache Grabhügel, aus der sich dann im Laufe der Zeit die typische Grundform entwickelte, die wir auch heute noch kennen: Auf einer quadratischen Plattform befindet sich eine halbkugelige Kuppel. Es gibt immer eine Kammer mit Spitze, die von einer Krone, einem sogenannten Juwel, abgeschlossen wird. Diese vier Elemente stehen für die vier Elemente im Buddhismus: Sangha ist die Basis, sie steht für die Moral. Dhamma die Kugel, ist die Versenkung. Buddha ist die Kammer und steht für die Weisheit und Nibbana, das Juwel, ist die Erleuchtung. Oftmals sind Stupas mit den Augen des allsehenden Buddhas bemalt.


Größe des Landes
140.800 qkm
Einwohner
27.000.000
Hauptstadt
Kathmandu
Landessprachen
Nepali

zuletzt aktualisiert: 18.08.2011

(Quelle: CIA World Factbook)

Co-Autorin: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 18.08.2011

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