Krieg im Gaza-Streifen: Harter Militäreinsatz Israels gegen Palästinenser

Hunderte von Menschen kamen ums Leben

von Christoph Hühnergarth und Björn Pawlak - 04.01.2009

Israelische Soldaten greifen seit dem 27. Dezember Einrichtungen der palästinensischen Organisation Hamas im Gaza-Streifen an. Bislang sind bei den schwersten Luftangriffen auf palästinensisches Gebiet seit 40 Jahren mehr als 500 Menschen getötet worden. Nun ist die israelische Armee auch mit Panzern in den Gaza-Streifen eingedrungen. Mit den massiven Militärschlägen antwortet Israel seiner Darstellung nach auf die Angriffe der Hamas, die zuvor ihrerseits israelisches Gebiet mit Raketen beschossen hatte.

Hamas-Kämpfer bringen eine Waffe in Stellung. (Quelle: Wikipedia)

Mittlerweile sprechen Politiker und Militärexperten offen von einem Krieg zwischen dem jüdisch geprägten Staat Israel und der radikal-islamischen Organisation Hamas, die von Israel und der Europäischen Union, also auch von Deutschland, als "Terrororganisation" angesehen wird. Ziel der palästinensischen Hamas (zu Deutsch: "Islamische Widerstandsbewegung") ist die Gründung eines "islamistischen Gottesstaates" ohne Trennung zwischen Staat und Religion. Sie erkennt die Grenzen Israels nicht an und ist durch Selbstmordattentate und andere Angriffe auf Israelis bekannt geworden.

Nach der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 kam es zum israelischen Unabhängigkeitskrieg und weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den arabischen Staaten. Es erfolgte eine schrittweise und auch gewaltsam durchgesetzte Verschiebung der Grenzen Israels, sodass die so genannten "palästinensischen Autonomiegebiete" im Gaza-Streifen und im Westjordanland immer weiter eingeengt wurden. Diese Gebiete besitzen seit dem Jahr 1993 eine gewisse "Autonomie" - also Unabhängigkeit. Palästina als international anerkannter Staat existiert bisher allerdings nicht. Politisch eingefordert wird im Sinne der Palästinenser oft ein Zusammenziehen des israelischen Staatsgebiets in die Grenzen aus dem Jahr 1967 (man spricht von der "grünen Linie"). Die Verwirklichung einer solchen Forderung scheint angesichts des mittlerweile gebauten israelischen "Sicherheitszauns", der auch durch palästinensische Dörfer und Städte verläuft, immer unwahrscheinlicher zu werden. Die Bewegungsfreiheit der Palästinenser ist also auch innerhalb der eigenen Gebiete kaum noch vorhanden.

Obwohl seit Juni 2008 ein vom Nachbarstaat Ägypten ausgehandelter Waffenstillstand vereinbart war, schossen Hamas-Anhänger in jüngster Vergangenheit immer wieder Raketen auf grenznahe israelische Siedlungsgebiete ab. Diese von der Hamas selbst entwickelten Waffen verbreiten unter der ansässigen israelischen Bevölkerung Angst und Schrecken. Sie sind wenig treffgenau und in ihrer Wirkung eher schwach. Oftmals sind israelische Zivilisten ("zivil" heißt "nicht militärisch") aber gezwungen, mehrmals am Tag in Schutzbunker zu flüchten, um den Raketenangriffen zu entgehen.

Seit der Entwicklung der Waffe im Jahr 2001 schlugen rund 4.000 Flugkörper in Israel ein und töteten 30 Israelis. Weitere israelische Zivilisten fielen Selbstmordattentaten der Hamas zum Opfer. Im gleichen Zeitraum haben israelische Vorstöße mehrere tausend Todesopfer auf Seiten der Palästinenser zu verantworten. Gleichzeitig wurden von Israel gezielt Vertreter der Hamas getötet, welche als politische Partei auch die absolute Mehrheit im palästinensischen Parlament besitzt und durch demokratische Wahlen an die Macht kam.

Israel schlägt mit harter Waffengewalt zurück

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, der anlaufende Bodeneinsatz des Militärs werde "nicht einfach und nicht kurz" sein. (Quelle: Wikipedia)

Israel verfügt über die weitaus stärkste Armee im Nahen Osten. Die israelische Luftwaffe ist bisher rund 700 Einsätze gegen vermutete Bombenwerkstätten und andere Ziele der Hamas geflogen - bislang jedoch nur mit wenig Erfolg, denn allein in der vergangenen Woche feuerte die Hamas als Vergeltung etwa 500 Geschosse in Richtung Israel ab. Israels Luftangriffe kosteten bisher über 500 Einwohnern des Gaza-Streifens das Leben, tausende wurden verletzt.

Das Leid für die dortige Zivilbevölkerung ist enorm: Lange Schlangen bilden sich vor den Lebensmittelgeschäften. Es droht eine Hungersnot, weil kaum noch Waren in den Gaza-Streifen gelangen können. Jeder Angriff Israels trägt dazu bei, die Reihen zwischen der Hamas und deren Anhängern noch enger zu schließen: "Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir werden immer mehr. Allah ist auf unserer Seite. Wir werden unsere Häuser nicht verlassen, lieber sterben wir dort. Bei einer Bodenoffensive werden wir um jedes Haus, jede Straße kämpfen", kündigte ein Hamas-Sprecher an.

Während der Beerdigung eines ranghohen Hamas-Führers, der durch einen Luftangriff getötet worden war, kam es zu hasserfüllten Racheschwüren gegen Israel. Die Spirale der Gewalt scheint endlos: Je härter Israel gegen die Hamas vorgeht, desto mehr Zulauf bekommt sie, denn Israel wird für die leidende Bevölkerung zu einem immer größeren Feindbild.

Immer mehr Kritik an Israels Militäroffensive

Aus dem Gaza-Streifen im Süden Israels beschießt die Hamas israelische Städte. Die israelische Armee drang nun dort ein. (Quelle: Wikipedia)

Je härter es die Zivilbevölkerung trifft, desto größter ist also der Zuspruch für die Hamas, die ihrerseits Israel als den Auslöser allen Übels darstellt. Die Hamas vertritt aber auch ein politisches und soziales Programm. So hat sie zum Beispiel öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser bauen lassen, und arme Menschen werden kostenlos ärztlich behandelt. Viele Palästinenser stimmen mit den Zielen der Hamas vor allem deshalb und wegen ihrer internationalen Forderung nach Unabhängigkeit und Freiheit überein, nicht wegen ihrer radikalen, militanten Gesinnung, wie es oft dargestellt wird.

Viele Politiker sagen, Israel habe keine andere Wahl gehabt, als mit massiven Militäreinsätzen auf den Raketenbeschuss der Hamas zu reagieren. Kritiker des harten Vorgehens wenden ein, dass die Militäroffensive Israels in keinem Verhältnis zu den bislang nur wenigen Todesopfern durch die Hamas-Raketen steht. Auch von einer "zu einseitigen" und "pro-israelischen" Berichterstattung in westlichen Zeitungen und Nachrichten ist immer wieder die Rede - ebenso von einer "verfehlten Einteilung in Gut und Böse". Das Land Israel hat die Rückendeckung der Vereinigten Staaten und zum großen Teil auch die Zustimmung der EU-Länder für seine Politik. Allerdings wird immer mehr Kritik über sein Vorgehen laut. Zehntausende Menschen weltweit haben in den vergangenen Tagen gegen die militärischen Angriffe Israels im Gaza-Streifen demonstriert.

Journalistenverbände und Hilfswerke kritisieren, dass Israel die Pressefreiheit stark einschränkt. Man wirft dem Staat vor, die Berichterstattung in seinem Interesse kontrollieren zu wollen. Seit Beginn der Militärschläge Israels sind hunderte Journalisten aus aller Welt ins Land gereist. Da die Reporter nicht in den Gaza-Streifen vordringen dürfen - laut der israelischen Regierung aus Sicherheitsgründen -, würde vor allem der Raketenbeschuss der Hamas auf Israel gefilmt werden.

Nach letzten Umfragen unterstützen 85 Prozent aller Israelis den Einsatz ihres Militärs. Zunehmend gefährlich - und vermutlich mit noch wesentlich mehr Opfern auf beiden Seiten - könnte der Einsatz werden, nachdem israelische Bodentruppen in Gaza einmarschiert sind. Sprengfallen, Selbstmordattentate und Häuserkämpfe könnten die israelischen Soldaten erwarten. Die Wut des palästinensischen Volkes auf Israel wächst weiter.

Gewalt im Nahen Osten: Ein scheinbar endloser Konflikt

Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern. (Quelle: Hamas/ Wikimedia Commons)

Israels Militäreinsatz im Gaza-Streifen ist bereits die siebte kriegerische Auseinandersetzung dort. Seit der Gründung des Staates Israel gibt es immer wieder Konflikte zwischen Israel und islamisch geprägten Staaten. Ursache dafür ist hauptsächlich die Teilung Palästinas und die von den Vereinten Nationen (UN) veranlasste Gründung Israels auf dem Gebiet, das den Palästinensern über lange Zeit zur Heimat geworden war. Islamisten setzten sich gegen die Existenz von Israel auch mit Waffengewalt zur Wehr. Nach ihrer Sicht gab es keine Berechtigung, einen jüdischen Staat auf dem Gebiet zu gründen, das sie selbst als Heimat beanspruchen.

Eigentlich sollte es im Jahr 1948 zur Gründung der Länder Israel und Palästina kommen. Palästina wurde nach dem Ersten Weltkrieg und bis 1948 von Großbritannien verwaltet, damals war das Größenverhältnis zwischen palästinensischen Arabern und jüdischen Siedlern etwa drei zu eins. Im Laufe der Jahre hat sich das Verhältnis vor allem durch Einwanderungen umgekehrt - von den gut sieben Millionen Einwohnern heute sind etwa 20 Prozent arabischer und über 70 Prozent jüdischer Herkunft.

Da die Palästinenser gegen die Gründung zweier Staaten waren, wurde nur Israel gegründet und offiziell anerkannt. Später forderten allerdings auch die Palästinenser ihren eigenen Staat. Israel ging immer wieder mit harter Waffengewalt gegen das palästinensische Volk vor und verhinderte, dass Palästina als eigener Staat entstehen konnte. So schaffte Gewalt wiederum Gegengewalt, der Hass wurde weiter geschürt. Auch von der internationalen Staatengemeinschaft gingen bisher keine nachhaltigen Impulse aus, um diesen Konflikt im Sinne beider Parteien zu lösen.

Weitere Informationen zur Gründung Israels, die Palästinensischen Autonomiegebiete und den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern findest du im Länderlexikon auf Helles Köpfchen (unten verlinkt).

letzte Aktualisierung: 30.05.2010

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