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Luisas Kolumne: Barbie dank Kinderarbeit?

von Luisa - 08.10.2007

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"Geld ist Macht": Das Bedürfnis, reich zu sein, wird uns von klein auf antrainiert. (Quelle: Pixelio (mel_horn))

Wie wird man reich? Eine verlockende Frage für viele Menschen. Ohne Geld kann man in unserer Gesellschaft praktisch nicht existieren. Die Leute wollen für das bezahlt werden, was sie tun oder geben. Nur um zu überleben, muss man nicht reich sein. Dennoch träumen die meisten Menschen davon. Woran liegt das? Die Antwort darauf ist ausgesprochen einfach: Geld ist Macht und heißt die Erfüllung jeglicher materiellen Wünsche. Das Bedürfnis, reich zu sein, wird uns fast antrainiert, wie einem Hund das Fressen aus dem Napf.

Kleinen Mädchen werden Prinzessinnen-Kostüme gekauft und sie hören Lieder wie "Diamonds are a girl's best friend". Jungen spielen mit Spielzeug-Ferraris Wettrennen. Von klein auf werden unsere Wünsche auf möglichst teure Gegenstände ausgerichtet. Schon im zarten Alter von sechs Jahren ermahnt die Mutter ihr Kind, fleißig für die Schule zu lernen - und zwar vor allem deshalb, damit es später einen guten Job bekommt, in dem man möglichst viel verdient. Der durchaus gut gemeinte Rat wird das Kind bis ans Ende seiner Tage verfolgen und daran erinnern, dass man nicht stolz auf es ist, wenn es "keinen Erfolg" hat und nur wenig Geld mit nach Hause bringt.

Weltweit stellen Kinder zu niedrigsten Löhnen Spielzeug her. Laut den Nachforschungen des Senders NBC werden sie bei uns als Barbie, Matchbox oder Fisher Price verkauft. (Quelle: Pixelio (Klaus Rupp))

Es gab allerdings einmal eine Zeit, in der Menschen versuchten, sich diesem Konsumdenken zu entziehen. Auf die "Hippie-Zeit" der 60er blicken viele heutzutage äußerst amüsiert, aber sie hatte tatsächlich den Ansporn, die Gesellschaft "zu verbessern". Der Versuch ist fehlgeschlagen, und mittlerweile belächelt man dieses Experiment nur noch und führt es auf den gesteigerten Drogenkonsum dieser Menschen zurück.

Aber auch während der 60er und 70er sind die wenigsten Eltern in unseren Breitengraden auf die Idee gekommen, ihr Kind betteln zu lassen. Genau das muss jedoch ein Großteil der Eltern abseits von der "heilen westlichen Welt" tun. "Ein Beitrag zum Wohle der Familie" könnte man es harmlos ausgedrückt nennen. Denn ohne diese Einnahmequellen würden viele Familien nicht überleben. Und knapp 200 Millionen Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren arbeiteten im Jahr 2006 - sowie noch einmal so viele, ohne dass man ihr genaues Alter bestimmt hat.

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Schuften auf Kosten der Gesundheit: Viele Kinder müssen unter Bedingungen arbeiten, die eine gesunde Entwicklung verhindern. (Quelle: Unicef)

Viele dieser Kinder begeben sich dabei in große Gefahr, bleiben in der Entwicklung zurück oder werden von der harten Arbeit krank. Einige sterben sogar bei Arbeitsunfällen oder den Folgen der Strapazen. Arbeit findet sich für sie genug. Kinder sind nämlich äußerst beliebte Arbeitskräfte. Sie sind nicht nur "produktiv" und können bestimmte Arbeiten aufgrund ihrer Größe besser als Erwachsene verrichten, man muss sie noch nicht einmal richtig bezahlen.

Ein weiterer Grund, warum sie so "beliebt" sind, ist unsere Nachfrage nach möglichst billigen Konsumgütern und unsere Gleichgültigkeit zu diesem Problem. Allgemein interessiert es uns relativ wenig, ob es im Welthandel gerecht zugeht. So ist zwar allgemein bekannt, dass Chiquita Kinderarbeiter beschäftigen soll, trotzdem ist die Firma der weltweit größte Bananenlieferant. Und das ist kein Einzelfall. Gegen fast alle großen Konzerne werden ähnliche Vorwürfe erhoben. Das fängt bei H&M an, geht über Disney, Mattel bis hin zu Coca-Cola. Firmen, die jeder hier kennt und von denen bestimmt auch schon jeder etwas gekauft hat. Wer jedoch etwas dagegen tun will, stößt auf ein Problem.

Fair gehandelte Kleidung? Gerade bei Billig-Angeboten, aber auch bei Marken-Kleidung, ist der Einsatz von Kinderarbeit weit verbreitet. (Quelle: Paul-Georg Meistner/ Pixelio.de)

Alternativen gibt es wenige, gerade bei Kleidung. Zwar existieren mittlerweile Firmen, die sich für den fairen Handel einsetzen, doch die sind meistens sehr teuer und nur übers Internet zu finden. Als billigere Alternativen werden Secondhand-Läden und selbst hergestellte Kleidung genannt. Da die Hippie-Zeiten jedoch vorbei sind, ist das nicht unbedingt jedermanns Sache. Grund dafür ist das fehlende Interesse an solchen Alternativen.

Denn es ist wie mit dem Klimaschutz und vielen anderen Dingen im Leben. Zwar sagen wir immer, wie ausgesprochen böse Kinderarbeit doch ist, doch die wenigsten unternehmen etwas dagegen. Schließlich werden die Leute wahrscheinlich nicht aufgrund dieses Artikels aufhören, bei H&M Kleidung zu kaufen, nur noch auf fair gehandelte Produkte zurückgreifen, zur Firmenzentrale fahren und eine große Demonstration gegen Kinderarbeit starten. Wirklich helfen könnte nur eine Änderung der Gesellschaft. Wir müssen uns endlich darüber klar werden, dass unsere Geizigkeit und Gleichgültigkeit, gepaart mit unseren verschwenderischen Wünschen, Folgen hat: Sie zerstört das Leben von Millionen von Kindern, verstärkt die Kluft zwischen Arm und Reich - und macht unseren Lebensraum kaputt.

letzte Aktualisierung: 13.09.2010

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