Kim Jong-un ist neuer Machthaber in Nordkorea

Wie geht es nach dem Tod von Staatsführer Kim Jong-il weiter?

03.01.2012

In den letzten Tagen wird viel über ein Land berichtet, von dem wir eigentlich nicht viel mehr wissen, als dass es eine abgeschottete Diktatur ist. In Nordkorea gibt es keine Meinungs- und Pressefreiheit und viele Menschen müssen hungern. Der Machthaber des Landes, Kim Jong-il, starb am 17. Dezember 2011 im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt. Zum Nachfolger wurde sein jüngster Sohn Kim Jong-un bestimmt. Wie ist die Situation im Land und was wird sich nun in Nordkorea ändern?

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Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-il ist am 17. Dezember 2011 gestorben. (Quelle: Presidential Press and Information Office/ Wikimedia Commons)

Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) ist ein sehr armes Land. Immer wieder wird über Hungersnöte berichtet. Neben der Lebensmittelknappheit hat das Land auch ein Energieproblem, sodass es oftmals, vor allem im Winter, Stromausfälle und keine Heizung gibt. Das Land ist zum großen Teil auf die Lieferung von Nahrungsmitteln und Brennstoffen aus dem Ausland angewiesen.

Obwohl die wirtschaftlichen Probleme riesig sind, hat Nordkorea mit über einer Million Soldaten nach China die zweitgrößte Armee Asiens. In der nordkoreanischen Politik spielt das Militär die wichtigste Rolle. Obwohl viele Menschen Hunger leiden, bekommt die Armee das meiste Geld aus dem Staatshaushalt. Laut eigenen Angaben verfügt Nordkorea auch über Raketen mit Atomsprengköpfen, die sogar Japan erreichen könnten. Offiziell heißt es, dass das Atomprogramm dazu dient, die Energieversorgung in Nordkorea zu sichern. Die Führung verwendet es aber auch dazu, andere mächtige Länder einzuschüchtern und zu erpressen und sich Lieferungen von Lebensmitteln und Erdöl zu sichern.

Die USA sind Gegner der nordkoreanischen Führung und haben das Land auf ihre Liste der so genannten "Schurkenstaaten" gesetzt. Als Schurkenstaaten bezeichnen die USA und andere westliche Staaten Länder, die die Sicherheit und die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten und des Westens gefährden oder den internationalen Terrorismus unterstützen. Die USA und Südkorea fordern schon seit Jahren, dass das nordkoreanische Atomprogramm gestoppt wird. Als Gegenleistung für Verhandlungen werden Nahrungsmittel und Öl in den Norden geliefert.

Harter Alltag in Nordkorea

Nordkoreaner arbeiten auf einem Reisfeld (Quelle: Wikimedia Commons)

Der Alltag für die Nordkoreaner ist sehr hart. Zwar gibt es offiziell keine Arbeitslosigkeit, jedoch sind die meisten Menschen sehr arm und es fehlt praktisch an allem. Vor allem die Lebensmittelversorgung ist ein Problem. Die Nahrungsmittelknappheit wird noch verschärft durch viele Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder langanhaltende Frost- oder Dürreperioden.

Noch am besten versorgt wird die Hauptstadt Pjöngjang. Auf dem Land gibt es aber nach Angaben unabhängiger Hilfsorganisationen immer wieder Hungersnöte mit tausenden Toten. Die schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln ist vor allem für die Kinder sehr schlimm. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist fast die Hälfte der rund zwei Millionen nordkoreanischen Kinder unter fünf Jahren mangelernährt. Wegen Unterernährung und mangelhafter medizinischer Versorgung müssen viele Kinder sterben.

Neben der katastrophalen Versorgung haben die Nordkoreaner auch keine Bürgerrechte, wie wir sie aus demokratischen Staaten kennen. Die Menschen im Land dürfen nicht ohne Erlaubnis ihren Wohnort verlassen. Ins Ausland dürfen sie überhaupt nicht reisen. Sie können sich auch nur über nordkoreanische Medien, wie Fernseh- und Radiosender oder Zeitungen, über das Weltgeschehen informieren. Private Internetanschlüsse gibt es praktisch keine und der Empfang von südkoreanischen Sendern ist streng verboten. Kritik an der Staatsführung und abweichende Meinungen werden von der Partei nicht geduldet. Wer sich kritisch äußert, muss damit rechnen, in eines der Straf- und Umerziehungslager eingesperrt zu werden.

Strenges politisches System

Die Armee hat in Nordkorea einen mächtigen Einfluss auf die Politik. Bild: Soldat der Koreanischen Volksarmee (KVA) auf Wache (Quelle: Wikimedia Commons)

Zwar wird das politische System vom Westen oft als "kommunistisch" bezeichnet, doch ist diese Bezeichnung nicht ganz richtig. Der nordkoreanischen Staatspartei ("Partei der Arbeit Koreas", abgekürzt PdAK) liegt die so genannte "Juche-Ideologie" zugrunde (ausgesprochen: Dschutsche). Sie leitet sich vom koreanischen Wort für Eigenständigkeit ab und soll den eigenen Weg des Landes verdeutlichen. Diese Staatsideologie wurde offiziell von Kim Il-sung, dem Staatsgründer, entwickelt. Sie ist im Grunde genommen eine Mischung aus ostasiatischer Philosophie und der kommunistischen Richtung des "Marxismus" und "Leninismus" des Westens. Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin gelten als die Väter der sozialistischen Weltanschauung.

Die Juche-Ideologie versteht sich als eine Weiterentwicklung dieser Richtung und ist auf die speziellen Bedingungen Koreas angepasst. Anders als der Marxismus und Leninismus, welche die Arbeiter und Bauern als die fortschrittlichsten Kräfte der Gesellschaft verstehen, kommt in der Juche-Ideologie auch "Intellektuellen" wie Wissenschaftlern, Denkern und Künstlern eine führende Rolle zu. Das zeigt sich am Symbol der Arbeiterpartei Nordkoreas, in dem neben Hammer (Arbeiter) und Sichel (Bauern) auch der Schreibpinsel zu finden ist. Juche wurde 1977 unter Kim Il-sung offiziell als Staatsideologie eingeführt. Neun Jahre nach dem Tod von Kim Il-sung wurde die Juche-Zeitrechnung eingeführt, die mit dessen Geburtsjahr 1912 beginnt, sodass sich das Land derzeit im Jahr Juche 100 befindet.

Wie das Leben der Erwachsenen ist auch das der Kinder streng organisiert. Praktisch alle Kinder werden gezwungen, in die staatlichen Kinderorganisationen einzutreten. Dort herrschen strenge Regeln und Disziplin. Kinder werden schon früh zu Arbeitseinsätzen im Dienste des Staates herangezogen, haben aber auch die Möglichkeit, in staatlichen Einrichtungen ihre Freizeit zu gestalten. Dort können sie musizieren, malen und basteln oder Sport treiben. Im Alltag werden die Kinder zu absoluter Treue zur Staatsführung erzogen. So spielen die Armee und die Heldentaten des Staatsführers Kim Il-sung eine große Rolle bei der Erziehung der jüngsten Nordkoreaner.

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Personenkult: Verehrung der Machthaber

In Nordkorea wird ein großer Personenkult betrieben - das heißt, die vergangenen und gegenwärtigen Machthaber werden verehrt wie übernatürliche Wesen. Bild: Riesige Bronze-Statue von Kim Il-sung in der Hauptstadt Pjöngjang (Quelle: Denis Bakfiets/ Wikimedia Commons)

Typisch für Nordkorea ist der so genannte "Personenkult" um die Familie des Staatsgründers Kim Il-sung. Dabei haben Kim Il-sung, sein Sohn Kim Jong-il und der neue Machthaber Kim Jong-un fast die Stellung von Übermenschen oder Göttern. Überall sind ihre Bilder zu sehen und sie werden wie höhere Wesen verehrt und als Nationalhelden gefeiert. Der Staatsgründer Kim Il-sung liegt seit seinem Tod im Jahre 1994 in einem Mausoleum. Das ist ein eigens für ihn gebautes riesiges Grabmal im Zentrum der Hauptstadt. Kim Il-sungs Leiche wurde einbalsamiert, sodass sie nicht verwesen kann, und wird in einem Glassarg ausgestellt. Auch sein im Dezember verstorbener Sohn, Kim Jong-il, soll in das Mausoleum gebracht werden.

Kim Jong-il hatte 1994 nach dem Tod seines Vaters Kim Il-sung die Führung der DVRK übernommen. In dieser Zeit festigte er das politische System. Als Kim Jong-il am 17. Dezember 2011 starb, wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Das Fernsehen zeigte vor Trauer und Schmerz weinende Menschen. Auch bei seinem Staatsbegräbnis säumten tausende weinender Nordkoreaner die Straßen. Das zeigte, dass die Beeinflussung der Menschen in Nordkorea sehr groß ist. Die meisten Menschen schieben ihre schlechte Situation nicht auf die Partei und ihre Führer. Aber unabhängig davon, wie sehr die Menschen hinter Kim Jong-il standen - sein Sohn und Nachfolger befahl dem gesamten nordkoreanischen Volk, um den verstorbenen Herrscher zu trauern. Sicher sehen einige Nordkoreaner die Herrschaft und das politische System im Land kritisch, aber die Mehrzahl der Menschen scheint hinter der Staatsführung zu stehen.

Kim Jong-un - Nordkoreas neuer Staatschef

Kim Jong-ils jüngster Sohn Kim Jong-un ist neuer Machthaber in Nordkorea (Quelle: KCTV, Wikimedia Commons)

Nach dem Tod von Kim Jong-il hat sein Sohn Kim Jong-un die Nachfolge angetreten. Er ist der jüngste der insgesamt drei Söhne von Kim Jong-il. Über das Alter von Kim Jong-un werden verschiedene Angaben gemacht - so heißt es, dass er am 8. Januar 28 oder auch 29 Jahre alt wird. Der kranke Staatschef Kim Jong-il hatte nach nordkoreanischen Angaben im Oktober 2011 in seinem Testament bestimmt, dass sein jüngster Sohn neuer Staats- und Armeechef des Landes werden soll. Damit ist Kim Jong-un nach seinem Großvater Kim Il-sung und seinem Vater Kim Jong-il nun der dritte aus seiner Familie, der das bettelarme Land führt.

Über Kim Jong-un ist wenig bekannt. Da es keine frei verfügbaren Informationen in Nordkorea gibt, sind Beobachter aus dem Westen meist auf Gerüchte und Informationen von Geheimdiensten oder geflüchteten Nordkoreanern angewiesen. Diese Informationen sind schwer nachprüfbar und müssen daher nicht immer der Wahrheit entsprechen. Kim Jong-un soll einen Teil seiner Schulzeit im Ausland verbracht haben. So soll er von 1998 bis 2000 eine Schule in der Schweiz besucht haben. Ob das wirklich den Tatsachen entspricht, kann nicht sicher gesagt werden, da der Junge möglicherweise unter einem falschen Namen an der Schule angemeldet war. Er soll recht gut Deutsch sprechen und ein guter Schüler gewesen sein, der sich vor allem für Basketball begeistert habe. Von 2002 bis 2007 hat Kim Jong-un an einer Militärhochschule in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang studiert. Seit 2009 soll er Chef des nordkoreanischen Geheimdienstes sein.

Was wird sich in Nordkorea ändern?

Die Flagge der nordkoreanischen Staatspartei PdAK zeigt einen Hammer, eine Sichel und einen Pinsel (Quelle: User:U2blueEagle/ Wikimedia Commons)

Laut westlichen Quellen wurde Kim Jong-un schon seit 2009 auf die Nachfolge seines Vaters vorbereitet. Dazu muss man wissen, dass das nordkoreanische Militär einen großen Einfluss auf die Geschicke des Landes hat. Auch wenn Kim Jong-il der unumschränkte Herrscher des Landes war, konnte er nichts gegen den Willen der Militärführung entscheiden. Das dürfte auch bei seiner Nachfolge der Fall gewesen sein. Das heißt, dass die höchsten Generäle ihr Einverständnis gegeben haben müssen, dass Kim Jong-un der neue Staatschef wird. Seit dem Jahr 2010 wurde Kim Jong-un immer häufiger im Fernsehen oder in der Zeitung gezeigt. Es wurde berichtet, wie er sich mit alten Parteimitgliedern unterhält und sie anleitet.

Auch die Nordkoreaner konnten schon länger davon ausgehen, dass er der kommende Führer ist. 2010 wurde sein Geburtstag, der 8. Januar, zum Nationalfeiertag erklärt. Gleichzeitig wurden die Bürger aufgefordert, Kim Jong-un bei der Machtübernahme zu unterstützen. Im September 2010 wurde der junge Mann dann zum Vier-Sterne-General befördert. Auch sein Vater war kurz vor der Machtübernahme in den Generalsrang befördert worden. Zusätzlich bekam Kim Jong-un hohe Posten in der Arbeiterpartei und der Militärführung. Im Nordkoreanischen Fernsehen und in Zeitungen wird Kim Jong-un seit dem Tod seines Vaters als Führer der Armee, des Staates und der Partei bezeichnet. Das bedeutet, dass er nun der mächtigste Mann des Landes ist.

Die Hoffnungen des Westens, dass der junge Mann in Nordkorea Reformen - also politische Neuregelungen - einführt, zerschlug Kim Jong-un gleich zu Beginn seiner Amtszeit. Sein Land werde weiter "den bewährten Weg beschreiten" und der Westen brauche nicht auf die "geringste Änderung" zu hoffen.

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letzte Aktualisierung: 21.01.2012

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