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Das Mausoleum von Halikarnassos

Ein Grabmal für die Unsterblichkeit

Teil 6 von 8

von Kai Hirschmann

Ausgerechnet sein Grab sollte dem gerissenen Statthalter Mausolos II. zum ewigen Leben verhelfen. Und dieser Traum ging tatsächlich in Erfüllung. Zwar fand sein Leichnam eine ganz andere letzte Ruhestätte - aber immerhin zählt das "Mausoleum" zu den sieben Weltwundern der Antike.

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Das Mausoleum von Halikarnassos (Quelle: Kupferstich von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1721))

Mausolos II. regierte von 377 bis 355 vor Christus als Statthalter die Provinz Karien in Kleinasien (sie liegt an der Westküste der heutigen Türkei). Zwar war er nicht besonders wohlhabend, dafür aber gerissen und ehrgeizig. Um sich seinen Traum von einem prächtigen Grabmal zu erfüllen, sammelte Mausolos Geld von den Einwohnern der reichen Stadt Maylasa ein.

Dabei bediente er sich eines Tricks: Er versprach seinen ängstlichen Untertanen, von dem Geld eine große Stadtmauer zu bauen, die sie vor den Angriffen der Feinde schützen sollte. Als er aber genug Geld beisammen hatte, erklärte Mausolos dreist, er könne die versprochene Mauer nun doch nicht errichten - die Götter hätten es ihm verboten. Stattdessen nahm er das Geld und gab eine gigantische Grabstätte in Auftrag: das Mausoleum von Halikarnassos.

"Beerdigt" im Magen der Schwester

Es war wirklich ein beeindruckendes Grabmal. Auf einem gewaltigen Sockel, der mit Reliefs geschmückt war, erhob sich ein Säulengang. Zwischen den 36 Säulen standen Skulpturen aus Marmor. Auf dem Sockel thronte ein 50 Meter hoher, dreistöckiger Tempel in griechischem Baustil. Als Dach des Mausoleums ragte eine 24stufige Pyramide in den Himmel empor.

An jeder Seite der Pyramide spie ein Steinlöwe Wasser. Den Abschluss auf der Pyramidenspitze bildete ein in Stein gehauener vierspänniger Streitwagen, den Mausolos und seine Frau Artemisia lenkten. Eine solche Figur nennt man auch Quadriga. Eine ähnliche Statue findest du auf dem Brandenburger Tor in Berlin.

Ob Mausolos II. wirklich nach seinem Tod in seinem Grabmal beerdigt wurde, ist aber ungewiss. Eine Legende erzählt davon, dass seine Schwester Artemisia, die gleichzeitig auch seine Frau war, seinen Leichnam einäschern ließ. (Früher war das durchaus üblich, dass Geschwister heirateten - in der heutigen Zeit wäre das absolut undenkbar.)

Doch statt die Asche im Mausoleum beisetzen zu lassen, streute sie sie in einen Pokal mit Wein - und trank diesen dann aus. Artemisia herrschte nach dem Tod ihres Bruders und Ehemanns noch einige Jahre, dann starb auch sie und ließ sich im Mausoleum bestatten.

Erdbeben und Kreuzritter besiegeln das Ende eines Weltwunders

Das gigantische Grabmal stand etwa 1000 Jahre, dann beschädigte ein Erdbeben den Prachtbau schwer. Anschließend plünderten Ritter des Johanniterordens im Jahr 1523 die Überreste und benutzten die Steine für den Bau ihrer Festung Sankt Peter. Außer ein paar Skulpturen, die beim Erdbeben ins Meer geschleudert worden waren, blieb von dem einstigen Weltwunder nichts mehr übrig. Die Skulpturen können heute im Britischen Museum in London bewundert werden.

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Wo früher Halikarnassos stand, befindet sich heute die Touristenmetropole Bodrum. "Bodrum" heißt übersetzt "unterirdisches Gewölbe". Der Name ein Hinweis auf die verschütteten Reste des Mausoleums. Und noch etwas hat von diesem Weltwunder überdauert: Bis heute heißt ein prächtiger Grabbau in vielen Sprachen "Mausoleum".

Das Mausoleum von Halikarnassos im Überblick

  • - Ort: Halikarnassos (Bodrum / Türkei)
  • - Entstehungszeit: ab 377 vor Christus
  • - Bauherr: Statthalter Mausolos von Halikarnassos und seine Schwester/Frau Königin Artemisia
  • - Höhe: 42 Meter; Unterbau: 33 x 39 Meter
  • - Schicksal: durch ein Erdbeben schwer beschädigt und später von Kreuzrittern zerstört.
  • letzte Aktualisierung: 13.12.2011

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