Der Artemis-Tempel in Ephesos

Wo die Götter Urlaub machten

Teil 7 von 8

von Kai Hirschmann

Der größte Tempel der antiken Welt stand in Ephesos in der heutigen Türkei. Der Prachtbau aus weißem Marmor bildete den Mittelpunkt der reichen Stadt, deren Ruinen erst 1869 entdeckt wurden. Obwohl kaum noch zu erkennen ist, dass der Artemis-Tempel einst zu den sieben Weltwundern gehörte, ist er eine Touristenattraktion.


Der Tempel der Artemis (Quelle: Kupferstich von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1721))

Der Geschichtsschreiber Philon von Byzanz schwärmte vom Weltwunder und lobte es in den höchsten Tönen: "Der Tempel der Artemis von Ephesos ist eine einzigartige Wohnstätte der Götter auf Erden. Wer ihn einmal gesehen hat, ist überzeugt, dass Himmel und Erde hier ihren Sitz getauscht haben und dass die unsterblichen Götter vom Himmel auf die Erde übergesiedelt sind." Aus heutiger Sicht könnte man vielleicht sagen: Hier konnten die Götter ihren göttlichen Alltag hinter sich lassen, um auf der Erde einmal Urlaub zu machen.

Ephesos war eine blühende Großstadt in Kleinasien. Die großen Handelsrouten zwischen Europa und Asien führten alle durch Ephesos. Daher ließen sich hier viele reiche Händler nieder. Die Schönheit und der Luxus der Großstadt waren in der ganzen antiken Welt bekannt. Die Einwohner wollten den Göttern unbedingt den größten Tempel errichten, damit diese sie weiterhin beschützten.

Der erste große Tempel von Ephesos

Zuerst bauten die Amazonen einen großen Tempel. Der wurde dann von den Ephesern im Jahre 560 zum größten griechischen Tempel ausgebaut, den die Welt bis dahin gesehen hatte. Er war 55 Meter breit, 115 Meter lang und hatte 127 Säulen. Jede der edlen Marmorsäulen wog 20 Tonnen, also 20.000 Kilogramm.

Doch ein Feuer zerstörte einen großen Teil des Tempels im Jahr 356 vor Christus. Brandstifter hatten den Dachboden angezündet. Die enorme Hitze ließ den weißen Marmor zerplatzen.

Noch größer, noch prächtiger

Doch die Bewohner von Ephesos ließen sich nicht entmutigen. Sie bauten den Tempel nach 120 Jahren erneut auf - noch größer und prächtiger als jemals zuvor. Diesmal thronte er auf einem Podium.

Der Bau war 78 Meter breit, 131 Meter lang und hatte nun sogar mehrere Säulenreihen. Auf dem Dach standen vier Amazonen-Statuen. Im Inneren des Tempels war der heiligste Raum der Priester. Dort befand sich eine zwei Meter große Statue der Artemis.

Artemis ist eine Figur in der griechischen Mythologie. Sie war die Tochter des Göttervaters Zeus und die Zwillingsschwester des Apoll. Sie war unter anderem die Göttin der Fruchtbarkeit, der Jagd und des Krieges. Ihr neues Heiligtum brachte in den nächsten 500 Jahren die Menschen aus aller Welt zum staunen.

"Hilfe, die Goten kommen!"

(Quelle: Wikipedia)

Die Goten zerstörten im Jahr 262 nach Christus die Stadt Ephesos und mit ihr den Artemis-Tempel. Die Einwohner verwendeten die Bruchstücke, um ihre eigenen Häuser wieder aufzubauen. Doch die Stadt erholte sich nicht mehr vom Angriff der Goten. Die Einwohner wurden immer ärmer und verließen nach und nach ihre Heimat.

Mitte des 19. Jahrhunderts interessierten sich die Menschen in Europa wieder für die Antike. Forscher des Britischen Museums begannen, gezielt nach den sagenumwobenen Weltwundern zu suchen. Der Brite John T. Wood entdeckte im Jahr 1869 die Ruinen von Ephesos. Sie gehören heute zu den am besten erhaltenen antiken Fundstätten der Welt.

1903 fanden Forscher in den Ruinen von Ephesos den sagenhaften Schatz der Artemis: 3.000 wertvolle Perlen, Ohrringe, Haarnadeln, Broschen und Münzen. Nur von dem einst so prunkvollen Artemis-Tempel ist bis auf ein paar Steine kaum noch etwas übrig geblieben. Eine einsame Säule, die im Sumpfwasser versunken war, zeugt noch vom Weltwunder.

Der Artemis-Tempel in Ephesos im Überblick

  • Ort: Ephesos (Türkei)
  • Entstehungszeit des ersten Tempels: 560 vor Christus
  • Bauherr: Lyderkönig Krösus
  • Maße: 55 x 115 Meter
  • Material: weißer Marmor
  • Schicksal: Die Goten zerstörten den zweiten Tempel im Jahr 262 nach Christus.

  • letzte Aktualisierung: 19.02.2010

    Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben. Wir freuen uns auf dein Feedback!

    89 Bewertungen für diesen Artikel

    Teil 7 von 8

    Hinweis zum Copyright für Schüler und Lehrer: Die Texte von Helles-Koepfchen.de dürfen für den Schulunterricht (z.B. zur Unterrichtsvorbereitung, als Unterrichtsmaterialien, für Hausaufgaben oder Referate) auch für die ganze Schulklasse kostenlos ausgedruckt und vervielfältigt werden. Einzige Voraussetzung ist eine korrekte Quellenangabe, die wie folgt aussieht: Quelle: Helles-Koepfchen.de, [Link zum Artikel]. Die Druckversionen aller unserer Artikel beinhalten in der Fußzeile bereits die passende Quellenangabe - diese muss auf den Ausdrucken sichtbar sein.