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Wisent (Europäischer Bison)

Europas größtes Landsäugetier

Teil 67 von 73

Der Wisent ist Europas schwerstes und größtes Landsäugetier. Es kann bis zu 3,50 Meter lang, zwei Meter hoch und 1.000 Kilogramm schwer werden. Das letzte Wildrind des Kontinents starb nach dem ersten Weltkrieg in freier Natur aus. Doch Zoos haben es geschafft, die Art zu erhalten. Mittlerweile leben wieder über 500 Wisente in freier Wildbahn.

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Die urzeitlichen Wisente leben heute wild vor allem in Polen und in der Ukraine. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Das Wisent ist ein beeindruckendes Tier: seine wilden Hals- und Nackenhaare, die bis zu 50 Zentimeter langen Hörner und natürlich die Größe - all das flößt Respekt ein. Das dicke, zottelige, kastanien- bis dunkelbraune Fell lässt die Tiere noch wuchtiger erscheinen, als sie sowieso schon sind. Das Fell ist aber vor allem ein hervorragender Schutz gegen die winterliche Kälte in Osteuropa.

In den Sommermonaten brauchen sie ihr Winterfell nicht mehr. Daher löst es sich im Frühjahr ihn großen Stücken ab. Dann haben die Wisente richtige Löcher im Fell. Erst im Herbst wächst das Fell dann wieder nach.

Wilde Kuh-Herden

Wisente streifen vor allem in den Abend- und Morgenstunden umher und fressen Gräser, Kräuter, Knospen und Rinde. Zu einer Herden gehören sechs bis dreißig Tiere - je nach Jahreszeit. Im Sommer sind die Verbände kleiner, während sich Winter größere Herden mit mehreren Bullen bilden.

Wisent-Kühe grasen in einer kleinen Herde auf einer Waldlichtung. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Die meiste Zeit sind allerdings die Kühe und Kälber unter sich. Die Bullen streifen nämlich lieber als Einzelgänger durch den Wald. Doch zur Brunftzeit im Sommer schließen sich die Stiere den Herden an, um sich zu paaren. Zwischen konkurrierenden Bullen kommt es dann zu Kämpfen, die auch mit schweren Verletzungen enden können.

Verletzte und schwache Wisente hatten früher auch einige natürliche Feinde: Braunbären und Wölfe. Ausgewachsene Tiere waren im Schutz der Herde aber ziemlich sicher. Sie haben daher nur wenig Angst - selbst wenn sich Menschen nähern. Wisente flüchten dann nicht wie die meisten Wildtiere, sondern greifen auch schon mal an. Vor allem erwachsene Stiere und Kühe mit Kälbern gelten als angriffslustig.

Wisente können übrigens gut schwimmen. Sie lieben es auch, mit den Hörnern im feuchten Untergrund zu wühlen und Schlamm über ihren Körper zu werfen. Das ist vor allem im Sommer angenehm kühlend - und vertreibt lästige Mücken.

Steinzeitmenschen zeichneten dieses Wisent vor 13.000 Jahren auf den Boden der Höhle von Niaux (Frankreich). (Quelle: Lebensspuren Museum Wels (Österreich))

Schon Steinzeitmenschen jagten Wisente

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Seit der Eiszeit lebten in Europa wilde Rinder. Schon die Steinzeitmenschen haben uns Zeichnungen von Wisenten und Auerochsen an Höhlenwänden hinterlassen.

Das europäische Wisent ist sehr nah verwandt mit dem amerikanischen Bison. Das kennst du bestimmt aus Indianerfilmen. Vor langer Zeit bewohnten auch die europäischen Wisente in großer Zahl die Grassteppen Europas. Man fand sie von Spanien über Mitteleuropa bis ins westliche Sibirien, aber auch in England und dem südlichen Skandinavien.

Doch die Menschen machten Jagd auf die größten Säugetiere unseres Kontinents. ie So zogen sie sich von den freien Wiesen, auf denen sie grasen konnten immer mehr in die Wälder zurück.

Doch auch dort konnten sie den Menschen nicht entrinnen. In Südeuropa starben die Wildrinder noch vor der ersten Geschichtsschreibung aus. Bis ins 11. Jahrhundert lebten Wisente in England, bis zum 14. Jahrhundert in Frankreich. Im Mittelalter war die Art noch in weiten Teilen Deutschlands anzutreffen. 1755 wurde der letzte Wisent in Ostpreußen durch einen Wilderer getötet.

Die zotteligen Wisente lebten schon in Europa, als die Menschen noch Höhlen bewohnten. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Durch den Ersten Weltkrieg fast ausgestorben

Der Wisent überlebte bis ins 20. Jahrhundert zurückgezogen in entlegenen Waldgebieten im Kaukasus und in Polen. Etwa 500 frei lebende Wisente gab es damals noch. Sie standen unter strengen Schutz. Doch im ersten Weltkrieg litten die Menschen Hunger und jagten die Wisente trotzdem. Am 9. Februar 1921 wurde schließlich das letzte frei lebende Wisent in Polen von einem Wilderer erlegt. 1927 starb das letzte Wisent im Kaukasus. Das Wisent war in freier Wildbahn ausgestorben.

Im Sommer verliert das Wisent sein Winterfell. Dann scheint die dunkle Haut durch. (Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Aber 56 Tiere, 27 Stiere und 29 Kühe, hatten in Zoologischen Gärten und Tiergehegen überlebt. Tierfreunde brachten nun die verschiedenen Tiere zusammen und starteten ein Zuchtprogramm. Und tatsächlich gelang es, das Wisent zu retten. Heute leben wieder über 3.000 dieser Wildrinder in der ganzen Welt.

1956 ließ man dann im Urwald von Bialowieza (Polen) wieder eine kleine Wisentherde frei. Sie entwickelte sich prächtig und konnte geteilt werden. Aus ihr gingen Wisentherden hervor, die heute in Weißrussland, in Litauen, in der Ukraine und im Kaukasus leben. Allein im Wald von Bialowieza leben heute wieder 450 Wisente. Einige der polnischen Tiere kommen sogar mittlerweile hin und wieder über die Grenze in den Osten Deutschlands.

letzte Aktualisierung: 09.03.2010

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