Nutria (Biberratte)

Ein Nager erobert die Welt

Teil 34 von 73

Bei so manchen Tieren hat die Jagd auf sie dazu gefürt, dass sie ausgestorben sind. Nicht so bei den Nutrias. Der Mensch sorgte dafür, dass sich diese großen Nagetiere über Pelztierfarmen auf der ganzen Welt ausbreiteten.

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(Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Nutrias lebten bis Ende des 17. Jahrhunderts ausschließlich in Südamerika - von Paraguay bis nach Chile. Dort bevölkerten sie in Kolonien von über 20 Tieren offene Flussufer und Sumpfgebiete. Heute leben Nutrias auf der ganzen Welt.
Wie kam es dazu?

Die Menschen jagten die Biberratten wegen ihres schönen Fells und ihres schmackhaften Fleisches. Ihr warmer, wasserabweisender Pelz wurde ihnen fast zum Verhängnis. Für Nutriafelle wurden hohe Preise gezahlt. Anfang des 19. Jahrhunderts waren deswegen fast alle in Freiheit lebenden Biberratten den Jägern zum Opfer gefallen. Strenge Schutzmaßnahmen verhinderten ihr Aussterben.

Doch ihr Pelz war es wenig später auch, der es den Nutrias ermöglichte, die ganze Welt zu erobern. Denn als es kaum noch wild lebende Nutrias gab, begannen die Menschen, die Nagetiere in Pelztierfarmen in der ganzen Welt zu halten. Aus den Farmen brachen immer wieder Tiere aus, andere wurden bewusst an Flüssen ausgesetzt. So kam es, dass Nutrias heute nicht nur in Südamerika wieder heimisch sind, sondern sich auch in den USA, in Japan oder in Ost- und Mitteleuropa ausgebreitet haben.

(Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))

Ein willkommener Einwanderer

In Südfrankreich wurden Nutrias ausgesetzt, um Fischteiche von allzu reichem Pflanzenwachstum zu befreien. Das klappte prima - und so wurde der Biber hier heimisch. In Deutschland kam man auf die Idee, Nutrias zur "Schädlingsbekämpfung" anzusiedeln. Denn sie besetzen die Bauten der unbeliebten Bisamratten, die vor ihnen eingeführt wurden. So können Nutrias dazu beitragen, dass sich Bisamratten nicht immer weiter ausbreiten. Mit dem einheimischen Biber können Nutrias dagegen gut zusammen leben. Sie besetzen verschiedene ökologische Nischen.

Nutrias können allerdings nur in Gegenden überleben, in denen es keine harten Winter gibt. Denn wenn Teiche und Flüsse zufrieren, dann finden die Biberratten nichts mehr zu fressen. Das ist auch der Grund, warum es nie gelang, Nutrias in Österreich oder in der Schweiz anzusiedeln. In Deutschland sind sie dagegen heute in vielen Gegenden, etwa im Ruhrgebiet oder in der Eifel, zu Hause.

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In manchen Orten, etwa in Mülheim an der Ruhr siedeln sie sogar im Stadtpark und lassen sich von Besuchern mit Karotten und Äpfeln füttern.

In freier Natur stehen allerdings ganz andere Leckereien auf dem Speiseplan der Nutrias. Sie verzehren dort vor allem viele Arten von Wasser- und Sumpfpflanzen, Kräutern, aber auch mal Schnecken, Muscheln oder Regenwürmer. Tagsüber bekommt man Nutrias nur selten zu Gesicht, weil sie da meistens schlafen. Sobald es dämmert, begeben sie sich auf Nahrungssuche. Ihre Vorliebe für Obst und Gemüse haben die europäischen Nutrias erst in den Pelztierfarmen entdeckt, aus denen fast alle ihre Vorfahren stammen.

(Quelle: Kai Hirschmann (Helles Köpfchen))
Treue Partner

Biberratten werden bis zu 65 Zentimeter lang und wiegen dann acht bis zehn Kilogramm. Sie haben einen runden Schwanz von etwa 45 Zentimeter Länge.

Nutrias leben paarweise oder in Gemeinschaften mit etwa 12 bis 15 Tieren zusammen. Dabei bleiben sich die Päärchen aber immer treu. In Südamerika sind die Kolonien noch größer.

Das Nutria lebt wie seine Verwandten, der Biber und die Bisamratte, meist in Erdhöhlen. Die können bis zu sechs Meter lang werden und bis zu drei Meter tief in den Boden reichen. Gerne verjagen Nutrias dafür auch Bisamratten, um dann deren Höhlen auszubauen. Der Eingang zur Höhle liegt bei Nutrias immer über der Wasserlinie, im Gegensatz zu Bisam und Biber. Nutrias bauen aber auch manchmal Schilfnester über der Erde als Behausung.

letzte Aktualisierung: 19.08.2017

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