Malala Yousafzai: Ein pakistanisches Mädchen mit großem Mut

Eine junge Pakistanerin kämpft für Mädchen- und Kinderrechte

20.04.2013

Malala Yousafzai ist erst 15 Jahre alt und schon weltberühmt. Alles begann damit, dass sie als Elfjährige in einem Internet-Blog die Unterdrückung in ihrer Heimat in Pakistan beschrieb. Darin stellte sie sich gegen die radikal-islamischen Taliban und forderte mehr Rechte für pakistanische Kinder, insbesondere für Mädchen. Durch ihren mutigen Einsatz riskierte sie ihr Leben und wurde im Oktober 2012 Opfer eines terroristischen Anschlags. Sie überlebte schwer verletzt und ist mittlerweile auf dem Weg der Besserung. Die Schülerin wurde sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

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Malala Yousafzai begann mit elf Jahren, in ihrem Blog die Situation in ihrer Heimat in Pakistan zu beschreiben. Sie wandte sich gegen die radikalen Taliban und forderte mehr Rechte für Mädchen. Damit riskierte sie ihr Leben und wurde im Oktober 2012 Opfer eines Attentats. (Quelle: Helles-Koepfchen.de)

Das Schicksal des pakistanischen Mädchens hat die Welt aufgerüttelt. Schon als Elfjährige hatte sie in einem Tagebuch, das auf einer Internetseite der britischen Rundfunkanstalt BBC veröffentlicht wurde, die Situation in ihrer Heimat beschrieben. Darin kritisierte die pakistanische Bloggerin die radikal-islamischen Taliban und forderte, dass auch Mädchen die Schule besuchen dürfen, was zu dieser Zeit in ihrer Heimat verboten war. Die Islamisten hatten damals im Swat-Tal, in dem das Mädchen wohnte, die Macht übernommen und verbreiteten Furcht und Schrecken.

Malala schilderte ihren Alltag und ihre Angst vor den radikalen Machthabern und kam auch in mehreren Dokumentationen über die Situation in Pakistan zu Wort. Selbst vor Morddrohungen gegen das kleine Mädchen machten die Taliban nicht halt. Im Januar 2009 schrieb sie: "Auf dem Nachhauseweg hörte ich einen Mann sagen: Ich werde dich töten." Mit diesen Tagebucheintragungen, die auf der ganzen Welt gelesen wurden, machte sie sich die radikalen Muslime zum Feind. Nach dem Sturz der Islamisten in dem pakistanischen Gebiet konnten Malala und andere Mädchen die Schule wieder besuchen. Weiterhin ist die Lage in Pakistan sehr unsicher, es werden immer wieder Anschläge verübt und die Regierungstruppen kämpfen seit Jahren vor allem in den Regionen, die an der Grenze zum Nachbarland Afghanistan liegen, gegen Taliban-Gruppen, die dort die Gewalt an sich gerissen haben.

Im Oktober 2012 verübten islamistische Terroristen einen Mordanschlag auf das Mädchen. Die Männer überfielen den Schulbus, in dem sie saß, und feuerten auf das wehrlose Kind. Malala überlebte das Attentat schwer verletzt. Zu der Tat bekannten sich die so genannten Swat-Taliban. Sie sagten, der Anschlag sei eine Strafe dafür, dass Malala die Taliban kritisiere und die westliche Kultur verbreiten wolle. Ein Sprecher der Islamisten sagte, jede Frau, die sich den Taliban entgegenstelle, müsse getötet werden. Dabei sei auch das Alter des Opfers kein Grund für Milde. In einer Notoperation im pakistanischen Peschawar wurde dem Mädchen eine Schusskugel entfernt. Malala rang mehrere Tage mit dem Tod. Schließlich konnte sie zur Weiterbehandlung in ein britisches Krankenhaus geflogen werden. Ihre Familie durfte das schwer verletzte Mädchen in das Krankenhaus nach Birmingham begleiten. Das Mädchen musste in Großbritannien zwei Mal operiert werden. Malala ist mittlerweile auf dem Weg der Besserung. Doch die Taliban drohten erneut, sie töten zu wollen.

Malala will weiterkämpfen

Malala kommt aus dem Swat-Tal in Pakistan. Bild: Saidu Sharif, die Hauptstadt vom Swat-Tal (Quelle: Isruma, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0) )

Im Krankenhaus bekam sie tausende Geschenke, Karten und Briefe. Unter den Geschenken waren CDs, Schulbücher, Kleidung, Spielzeug und "Taschengeld für Süßigkeiten". Schulklassen aus der ganzen Welt haben der jungen Pakistanerin Briefe geschrieben und ihr Mut gemacht. Auch in ihrem Heimatland hat der Anschlag für Zorn und Empörung gesorgt. In Pakistan ist sie nämlich schon lange für ihr Engagement berühmt. Für ihren Kampf für das Recht auf Bildung von Mädchen wurde sie von der pakistanischen Regierung mit dem nationalen Friedenspreis ausgezeichnet. Pakistans Militärchef Ashfaq Parvez Kayani sagte nach dem Anschlag, Malala sei für ihn eine "Ikone des Mutes".

Im Februar 2013 meldete sich das Mädchen erstmals seit dem Anschlag wieder in der Öffentlichkeit. In einem Video sagte die Kämpferin für Mädchen- und Kinderrechte, es gehe ihr von Tag zu Tag besser. Sie könne auch wieder sprechen und die Menschen in ihrer Umgebung sehen. Trotz dieses schrecklichen Anschlages will sich Malala weiter für die Rechte junger Menschen, vor allem von Mädchen, einsetzen. Im Video sagte sie: "Ich will den Menschen dienen. Ich will, dass jedes Mädchen, jedes Kind Bildung erhält." Seit Ende März besucht Malala wieder die Schule und geht nun auf die Edgbaston High School für Mädchen in Birmingham.

Schwierige Lage in Pakistan

Immer wieder kommt es in Pakistan zu Kämpfen zwischen radikalen muslimischen Gruppen und den Regierungstruppen. Im Sommer 2009 vertrieben die Streitkräfte die islamistischen Taliban aus dem Swat-Tal. (Quelle: Pakistan Armed Forces, Wikimedia Commons OTRS (CC BY-SA 3.0) )

Pakistan ist ein sehr armes Land. Vielen Menschen fehlt es an Nahrung und sauberem Trinkwasser und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Die Bildungschancen sind schlecht und Analphabetismus ist dort ein großes Problem, ein Großteil der Bevölkerung kann also nicht lesen und schreiben. In Pakistan herrscht eigentlich eine Demokratie, doch die politische Situation ist sehr unsicher. In der Vergangenheit wurde die demokratische Regierung mehrfach durch das Militär gestürzt und das Land in der Folge diktatorisch geführt. Zudem kommt es seit Jahren immer wieder zu Kämpfen zwischen verschiedenen muslimischen Gruppen sowie radikalen Muslimen und den Truppen der Regierung.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich der Konflikt noch verschärft. Der damalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf arbeitete politisch und militärisch eng mit den USA zusammen und sagte dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Pakistan galt als Rückzugsgebiet islamistischer Gruppen - auch der lange gesuchte Terroranführer Osama Bin Laden, der als Drahtzieher für die Anschläge vom 11. September verantwortlich gemacht wurde, hielt sich dort versteckt. Der damalige Anführer der Terrororganisation "al Qaida", die ähnliche Ziele verfolgt wie die Taliban, arbeitete mit dem Taliban-Führer Mullah Omar zusammen und finanzierte seinen Kämpfern Waffen und Ausbildungslager. Bin Laden wurde im Mai 2011 vom US-Geheimdienst in einem pakistanischen Haus aufgespürt und getötet.

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Der damalige Präsident Musharraf war ein fragwürdiger Verbündeter der USA - er kam nach einem Sturz der Regierung durch das Militär 1999 an die Macht und führte Pakistan wie eine Diktatur. Mit seinem Rücktritt nach den Wahlen 2008 verbanden viele Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für das Land und sahen eine neue Chance für die Demokratie gekommen. Neuer Präsident wurde Asif Ali Zardari, der Witwer der ehemaligen Premierministerin und Spitzenpolitikerin Benazir Bhutto, die als politische Gegnerin der Regierung Musharrafs zur Wahl antreten wollte und Ende 2007 kurz vor den Parlamentswahlen bei einem Attentat getötet wurde.

Radikale "Gotteskrieger" der Taliban

Die Taliban treten für eine radikale Auslegung des Islam ein und gewähren Frauen und Mädchen kaum Rechte. Sie dürfen über fast nichts selbst bestimmen und müssen sich in der Öffentlichkeit mit einer Burka verschleiern. (Quelle: AfghanistanMatters/ Flickr.com )

In einigen Regionen konnten radikale muslimische Kämpfer auch danach die Oberhand gewinnen, unter anderem in dem Gebiet, in dem Malala wohnte. Die islamischen Extremisten, die sich Taliban nennen, was so viel wie "Schüler des Koran" heißt, treten für eine sehr strenge und radikale Auslegung des islamischen Glaubens ein. Die Taliban sehen die westliche Kultur, wie sie in den USA und Europa vorherrscht, als Quelle allen Übels an. Sie verbieten Musik und Filme, auch Frisiersalons oder Schutzimpfungen für Kinder sind den Extremisten ein Dorn im Auge. Frauen gewähren sie so gut wie keine Rechte. Sie dürfen über fast nichts bestimmen und nur verschleiert und mit einem männlichen Begleiter aus dem Haus gehen. Menschen, die sich nicht an die strengen Regeln dieser "religiösen Fundamentalisten" halten, werden hart bestraft oder sogar öffentlich hingerichtet. Pakistan gehört allgemein zu den Ländern, in denen die Todesstrafe in der Gegenwart am häufigsten angewandt wird.

Im Sommer 2009 vertrieben die pakistanischen Regierungstruppen die radikalen Taliban aus dem Swat-Tal. Nachdem die Taliban gestürzt waren, zeigte der Einsatz von mutigen Menschen wie Malala Yousafzai erste Erfolge. So wie in anderen Teilen Pakistans haben sich auch im Swat-Tal inzwischen Mädchen und Frauen zu Gruppen zusammengeschlossen und fordern Bildung und gleiche Rechte für alle, egal ob Mann oder Frau. Die Regierung von Pakistan unterstützt die Reformbewegungen und hat landesweit neue Bildungsprogramme gestartet.

Die Lage bleibt jedoch schwierig und gespalten. Gerade in den Grenzgebieten zu Afghanistan kämpfen die pakistanischen Streitkräfte weiterhin gegen Taliban-Gruppen. In einigen Gebieten haben die Taliban die Macht inne, entziehen sich den in Pakistan geltenden Gesetzen und unterdrücken die dort lebenden Menschen. Auf der anderen Seite starten die USA im Zuge des "internationalen Kampfes gegen den Terrorismus" seit Jahren Militäreinsätze in Pakistan, was in der pakistanischen Bevölkerung sehr kritisch gesehen wird. Besonders umstritten sind die so genannten "Drohnenangriffe", die auch völkerrechtlich kaum zu rechtfertigen sind. Hierbei handelt es sich um Angriffe durch unbemannte US-Flieger, die durch ein Computerprogramm oder Funk gesteuert werden. Sie sollen mutmaßliche Terroristen treffen, doch dabei werden auch unschuldige Opfer in Kauf genommen. Immer wieder kommen bei diesen Einsätzen Zivilisten, also Menschen aus der pakistanischen Bevölkerung, ums Leben.

Nominiert für den Friedensnobelpreis

Nobelinstitut in Oslo: Hier werden jährlich im Oktober die Nobelpreisträger bekanntgegeben. Malala Yousafzai wurde für 2013 nominiert hat gute Chancen, den Friedensnobelpreis zu erhalten. (Quelle: Hadi, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0) )

Die Meldung über das Attentat auf Malala Yousafzai verbreitete sich wie ein Lauffeuer und löste weltweite Bestürzung sowie auch Anerkennung für das pakistanische Mädchen aus. Das US-Magazin "Time" erklärte die junge Pakistanerin hinter US-Präsident Barack Obama zur "zweitwichtigsten Person des Jahres 2012". Beim Fernsehkanal Euronews wurde sie zum "Menschen des Jahres" gewählt. Auch viele Politiker waren beeindruckt von dem Mut der heute 15-Jährigen und überlegten, das Mädchen offiziell zu ehren.

Parlaments-Abgeordnete aus Kanada, Frankreich, Großbritannien, Spanien und vielen anderen Ländern der Welt setzten sich deshalb dafür ein, dass Malala für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird. Unterstützung bekam der Vorschlag auch von Künstlern und ehemaligen Nobelpreisträgern. Nur bestimmte Leute können einen Vorschlag für den Preis in Oslo abgeben - die Vorschläge kommen zum Beispiel von Parlamentsabgeordneten, Ministern, Vertretern von internationalen Organisationen und auch ehemaligen Preisträgern. Am 8. Februar 2013 wurde bekannt, dass die junge Pakistanerin offiziell für den Friedensnobelpreis nominiert wurde, der im Oktober vergeben wird. Malala Yousafzai kämpft weiterhin öffentlich für Freiheit und das Recht von Mädchen und Frauen auf Selbstbestimmung und Bildung.

Hinweis zum Copyright: Die private Nutzung unserer Webseite und Texte ist kostenlos. Schulen und Lehrkräfte benötigen eine Lizenz. Weitere Informationen zur SCHUL-LIZENZ finden Sie hier.

letzte Aktualisierung: 22.04.2013

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