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Die "ewige Revolution" in Kuba

Wie kam es zum Sieg von Fidel Castro und Ché Guevara und welche Entwicklung nahm das Land?

von Britta Pawlak und Susanne Krause - aktualisiert - 26.11.2016

Kuba trauert um Fidel Castro, der am 25. November 2016 im Alter von 90 Jahren starb. Castro war Kubas einstiger Präsident und Führer der "Kubanischen Revolution" in den 1950er Jahren. Mehrere Jahre lang hatten die Revolutionäre gegen Batista gekämpft, der damals eine Diktatur in Kuba führte. Ihr Ziel war es, die Unabhängigkeit für das Land durchzusetzen, gesellschaftliche Umbrüche herbeizuführen und einen kommunistischen Staat zu errichten. Die Revolution endete 1959 mit einem Sieg Fidel Castros und seiner Truppen - unter ihnen Ché Guevara, einer der Köpfe der Revolution. Wie kam es zur Kubanischen Revolution? Warum siegten die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Rebellen? Wie entwickelte sich das Land in der folgenden Zeit?

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Das wohl bekannteste Bild des Revolutionärs Ernesto "Ché" Guevara (Quelle: Wikipedia)

Kuba ist eine Insel in der Karibik. Bis zum Jahr 1898 war sie eine Kolonie Spaniens. Danach war Kuba zwar formal unabhängig, aber in Wirklichkeit hatte das Nachbarland USA einen starken Einfluss. Unternehmer und zunehmend auch Kriminelle aus den USA bestimmten das Wirtschaftsleben auf der Insel.

In den 1950er Jahren herrschte auf der Insel der Diktator Fulgencio Batista. Oberflächlich betrachtet, ging es Kuba - im Vergleich zu anderen Staaten der Karibik - zu dieser Zeit nicht schlecht. Aber die Verteilung von Einkommen und Besitz war sehr ungleich: Es gab einige Reiche, aber sehr viele Arme. Hinzu kam, dass es zu wenige Krankenhäuser und Schulen gab, vor allem auf dem Land. Dies führte zu einer großen Unzufriedenheit der kubanischen Bevölkerung.

Fidel Castro: vom Rechtsanwalt zum "Máximo Líder"

Im Jahr 1952 betrat ein Neuling die politische Bühne: Der 26-jährige Rechtsanwalt Fidel Castro Ruz. Bereits während seines Studiums war Castro, der aus einer wohlhabenden Familie kam, Anhänger revolutionärer Studentenbewegungen. Der Begriff "Revolution" steht für einen politischen und gesellschaftlichen Umsturz. Die Studenten richteten sich gegen die Regierung und traten für bessere Lebensbedingungen der Bevölkerung ein.

Fidel Castro im Jahr 1959

Fidel Castro wurde Mitglied und Vorsitzender der "Orthodoxen Partei" und wollte gegen die herrschende Partei antreten. General Batista beendete die Regierung jedoch gewaltsam. Es gab keine Wahlen mehr, Batista wurde Staatschef von Kuba. Castro klagte vor Gericht gegen ihn, weil Batista zu Unrecht die Macht an sich gerissen habe. Allerdings gab das Gericht Castro nicht Recht.

Daraufhin plante Fidel Castro einen Aufstand. Er hatte das Vorhaben, die große Moncada-Kaserne in der kubanischen Stadt Santiago am 26. Juli 1953 anzugreifen. Nur 165 Angreifer auf Seiten Castros - unter ihnen sein Bruder Raúl - standen dabei 1.000 Soldaten Batistas gegenüber. Fidel Castro wollte mit dieser gewagten Aktion die Kubaner begeistern, damit sie sich seiner Revolution anschließen würden.

Schließlich scheiterte der Angriff auf die Kaserne, und Castro wurde festgenommen. Er musste sich nun als Angeklagter vor einem Gericht verantworten. Dort hielt Castro eine sehr berühmte Verteidigungsrede, in der er darlegte, wie er sich ein freies und gerechtes Kuba vorstellte. Er endete mit dem Satz: "Verurteilen Sie mich ruhig; das ist bedeutungslos, die Geschichte wird mich freisprechen!" (auf Spanisch: "La historia me absolverá!"). Fidel Castro und seine Verbündeten wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Rede Castros aber brachte ihm große Sympathien in der kubanischen Bevölkerung ein. Seine Anhänger nannten ihn "Máximo Líder", das bedeutet "größter Führer".

Die Bewegung M-26-7

Flagge der Bewegung des 26. Juli in der kubanischen Stadt Cienfuegos. (Quelle: Dirk van der Made | Wikipedia)

Fidel Castro, der eigentlich zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war, kam bereits zwei Jahre später, am 15. Mai 1955, frei. Er musste allerdings ins Exil gehen - er war also gezwungen, sein Land zu verlassen. Castro entschied sich, nach Mexiko zu gehen. Dort konnte er neue Pläne für eine Revolution in Kuba schmieden, und er gründete eine Gruppierung mit dem Namen "M-26-7". Hinter der Abkürzung verbirgt sich die "Bewegung des 26. Juli" (auf Spanisch: "Movimiento 26 de Julio"). Dieses Datum erinnerte an den Angriff auf die Moncada-Kaserne.

Der Bewegung schloss sich auch der 27-jährige argentinische Arzt Ernesto Guevara an, der schließlich den Beinamen "Ché" erhielt. Wie Castro sollte er für die Kubanische Revolution sehr wichtig werden. Die Gruppe M-26-7 setzte sich hauptsächlich aus Studenten und Mitgliedern der Mittelschicht zusammen. Arbeiter und Bauern fanden sich kaum unter ihnen. Ihre Forderungen umfassten Unabhängigkeit des Landes, Umgestaltungen in Wirtschaft und Sozialwesen sowie eine Landreform.

Die Mitglieder der Gruppe unterzogen sich einem militärischen Training und trafen Vorbereitungen zu einem erneuten Aufstand gegen Batista. Im Jahr 1958 begann die M-26-7 mit ihrem entscheidenden Kampf um Kuba: Der "Guerillakrieg" fand über mehrere Jahre sowohl im Gebirge Sierra Maestra als auch in den Städten statt. (Als Guerillakrieg bezeichnet man den bewaffneten Kampf aus dem Untergrund gegen einen übermächtigen militärischen Feind.) Die Unterstützung der Kämpfer durch die Bevölkerung wuchs immer mehr. Die Menschen im Land erhofften sich tief greifende gesellschaftliche Umbrüche und Verbesserungen ihrer Lebenssituation. Schließlich kam es auch zu einer Zusammenarbeit der Guerilla-Kämpfer mit der Kommunistischen Partei Kubas und den Gewerkschaften, die sich für die Rechte der Arbeiter einsetzen.

Januar 1959: Sieg der Revolution

Fidel Castro als Guerilla-Kämpfer

Die Entscheidung fiel an Weihnachten 1958: Nachdem die Stadt Santa Clara von den Revolutionären eingenommen worden war, gab die Armee auf. Am Neujahrstag floh Diktator Batista in die Dominikanische Republik und es kam spontan zu einem "Generalstreik": immer mehr Kubaner gingen nicht mehr zur Arbeit, die gesamte Wirtschaft brach zusammen. Damit hatte die Revolution gesiegt. Am 8. Januar 1959 zog Fidel Castro in der kubanischen Hauptstadt Havanna triumphal ein.

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Die Revolutionstruppen waren eigentlich schwach: Sie bestanden aus weniger als 3.000 Kämpfern. Doch weil die Menschen im Land sehr unzufrieden mit der Regierung Batistas waren, unterstützten schließlich große Teile der Bevölkerung die Revolutionäre. Letztendlich waren nicht einmal mehr die Vereinigten Staaten auf der Seite Batistas.

Ché Guevara wurde Wirtschaftsberater des Landes und später Präsident der Zentralbank. Sein Ziel war die wirtschaftliche Unabhängigkeit Kubas von den Vereinigten Staaten. Ab 1966 führten er und seine Mitstreiter einen Guerillakampf gegen das Militärregime in Bolivien. Sie unterstützten die Arbeiter und Bauern im Land. Im Krieg gegen die bolivianische Armee wurde Ché Guevara am 8. Oktober 1967 verwundet und festgenommen, am Tag darauf wurde er hingerichtet.

Die Kämpfer der Revolution erlangten einen "Kult-Status": Im neuen Kuba war es schick, Kampfanzüge, Stiefel und Bärte zu tragen. Um Fidel Castro und Ché Guevara wird bis heute ein starker Personenkult betrieben: Auf Plakaten findet man sie überall in Kuba, und auch weltweit sieht man das Gesicht Ché Guevaras auf Kleidungsstücken und Bildern. In den 68ern wurde Ché Guevara in den USA und Europa zur Idolfigur der rebellierenden Jugend, die sich gegen die gängigen Lebensansichten, gesellschaftlichen Entwicklungen und die Politik der westlichen Nationen auflehnte.

Wie hat sich Kuba danach entwickelt?

Heute ist die Schulbildung der kubanischen Bevölkerung höher als in vielen anderen Ländern Lateinamerikas. Bild: kubanische Schulkinder. (Quelle: Dieter Schütz | Pixelio)

Nach Fidel Castros Tod im November 2016 stellen sich viele erneut die Frage, wie sich Kuba politisch in Zukunft entwickeln wird. Fidel Castro blieb 49 Jahre Staats- und Regierungschef Kubas. Allerdings konnte er sich vor allem durch Unterdrückung und Bespitzelung so lange an der Macht halten. Viele politische Gegner ließ er festnehmen, zahlreiche von ihnen hinrichten.

Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes übertrug Fidel Castro im Jahr 2008 alle Ämter seinem Bruder Raúl. Damit gab es keinen entscheidenden Richtungswechsel in der Politik, jedoch führte Raúl Castro bestimmte Reformen ein, die zu Lockerungen führten. Zum Beispiel wurden 2013 die Gesetze zur "Reisefreiheit" für die kubanischen Bürger gelockert. Weiterhin gibt es jedoch viele Auflagen und Einschränkungen und noch immer kein allgemeines Recht der Menschen auf Ausreise aus Kuba und auf Wiedereinreise ins Land. Raúl Castro will noch bis 2018 in Amt bleiben.

Die Revolution hat den Kubanern klare Vorteile gebracht: Es wurden wichtige Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser gebaut. Heute sind Schulbildung und Gesundheit der kubanischen Bevölkerung besser als in vielen anderen Ländern Lateinamerikas. Im Bereich der Bildung gehört Kuba sogar zu den am höchsten entwickelten Ländern überhaupt. Für humanitäre Hilfsleistungen wurden von der kubanischen Regierung immer wieder Ärzte in andere Länder entsandt. Sie war entschieden gegen den Umgang der USA mit den so genannten "Entwicklungsländern" und warf den westlichen Nationen vor, die ärmeren Staaten durch ihre globale Politik und ihren Welthandel stark zu benachteiligen.

Nach der Revolution wurde eine Landreform eingeleitet. Die Regierung führte die so genannte Planwirtschaft ein. Das bedeutete, dass Fabrik-, Firmen- und Großgrundbesitzer enteignet wurden - ihnen wurde ihr Besitz weggenommen und dieser galt von nun an als "Staatseigentum". Damit sollte er allen, also dem Volk allgemein, gehören. Nur teilweise geschah dies gegen Zahlungen als Entschädigung. Auch ausländische Unternehmen, vor allem aus den USA, waren unter den verstaatlichten Betrieben.

Die Freiheit des Volkes ist im kubanischen System deutlich eingeschränkt: Die Regierung wird nicht nach demokratischen Grundsätzen gewählt, Kritik an ihr ist nicht erwünscht, es herrscht keine Pressefreiheit für die Menschen und kein allgemeines Recht auf Reisefreiheit.

Wirtschaftliche Isolation Kubas

Straßenmusiker in der kubanischen Hauptstadt Havanna. (Quelle: Erhard Stumpe | Pixelio)

Immer wieder kam es zu Konflikten zwischen Kuba und den USA. Durch den Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 wuchs die Armut in Kuba und die Isolation des Landes vergrößerte sich. Zuvor hatte Kuba noch mit den ehemaligen Ostblock-Ländern unter der Führung Russlands gehandelt, in denen ebenfalls ein sozialistisches System herrschte.

Ein so genanntes Wirtschaftsembargo von Seiten der USA sorgt seit langem dafür, dass keine Produkte aus Kuba gekauft oder an das Land verkauft werden. Außerdem brechen die Vereinigten Staaten die wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern ab, wenn diese mit Kuba handeln. Dem Land fehlt es weiterhin an Maschinen, Rohstoffen, Benzin und weiteren Gütern. Zwar gibt es immer mehr Touristen auf der Insel, die dem Staat Geld einbringen, bisher kommen diese Einnahmen dem verarmten Volk aber kaum zugute.

Die vollkommene Isolation Kubas konnte auch durch den politischen Umschwung in Venezuela verhindert werden. Der damalige venezolanische Präsident Hugo Chávez verstaatlichte seit 1999 das Ölgeschäft wieder und unterstützte Kuba wirtschaftlich. Zwischen Venezuela und Kuba wurde 2004 das Wirtschaftsabkommen ALBA ("Bolivarianische Alternative für Amerika") abgeschlossen. Inhalt des Vertrages war zunächst, dass Kuba zum Beispiel Erdöllieferungen erhält, um im Gegenzug kubanische Ärzte nach Venezuela zu schicken. Auch die lateinamerikanischen Länder Bolivien, Dominica, Honduras und Nicaragua traten in den darauf folgenden Jahren der ALBA bei.

Während sich die Beziehungen zwischen Kuba und den USA mit der Wahl Barack Obamas 2008 zum US-Präsidenten zeitweise entspannten, will der künftige US-Präsident Donald Trump eine andere Richtung einschlagen. Er kündigte bereits an, das Wirtschaftsembargo zu verschärfen und entschieden auf einen Machtwechsel in Kuba zu drängen.

letzte Aktualisierung: 02.12.2016

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