Ägypten

Uraltes Land am Nil

Teil 2 von 55

von Björn Pawlak

WikipediaDie ägyptische Flagge: Rot steht für die Kämpfe der Revolution aus dem Jahr 1952 und das dabei vergossene Blut, Weiß steht für die "strahlende" Zukunft und Schwarz steht für die "dunkle Vergangenheit". In anderer Lesart steht Rot für die Wüste, Weiß für die Pharaonen und Schwarz für die fruchtbare Erde. Der goldene Adler in der Mitte ist das Wappen des Sultans Saladin, der in der islamischen Welt als Widerstandskämpfer gegen die christlichen Kreuzfahrer verehrt wird.


Ägypten ist ein uraltes Land mit großer Vergangenheit. Die Menschen siedelten hier schon früh entlang des Nils, wo der Boden besonders fruchtbar war. Die berühmten Pharaonen herrschten schon vor mehr als 5.000 Jahren über dieses Land. Danach war Ägypten über Jahrhunderte "fremdbestimmt", erst im 20. Jahrhundert erlangte es seine staatliche Unabhängigkeit.

Die Pyramiden von Giseh sind das wohl berühmteste Wahrzeichen Ägyptens - sie befinden sich südwestlich von Kairo. (Quelle: Frank Arndt || pixelio.de)

Ab Beginn unserer Zeitrechnung wurde die ägyptische Geschichte von "fremden" Mächten bestimmt - zuerst von Griechen und Römern, später dann von Arabern und Türken, schließlich von den Briten. Die vielen Pyramiden, Tempel, Ruinen und Grabanlagen locken heutzutage viele Touristen in das Land - der Tourismus ist mittlerweile Haupteinnahmequelle für Ägypten.

Ägypten ist ein unheimlich spannendes Land, in dem man auf Spurensuche gehen kann und dabei auf eine faszinierende Vergangenheit stößt. Leider gibt es für die Ägypter selbst heutzutage auch drückende Probleme und viel Armut. Zuletzt stiegen zum Beispiel die Preise für Brot stark an, was zu Unzufriedenheit und Hunger seitens der Bevölkerung führte.

Geschichte

Gamal Abdel Nasser war nach der "Ägyptischen Revolution" im Jahr 1952 Staatspräsident und bemühte sich um die Einheit und Unabhängigkeit der arabischen Welt. (Quelle: Wikipedia)

Menschen siedelten in Ägypten schon seit etwa 250.000 Jahren. Man geht davon aus, dass vor etwa 25.000 Jahren Menschen im fruchtbaren Überschwemmungsgebiet des Nils auf Dauer sesshaft wurden. Die eigentliche Hochkultur der Ägypter, die heute noch geschichtlich nachvollziehbar ist, begann etwa um 3.000 vor Christus. Die älteste Hauptstadt Ägyptens war die südlich von Kairo gelegene Stadt Memphis. Über die Pharaonenzeit und das alte Ägypten kannst du dich in diesem eigenständigen Artikel informieren: "Das alte Ägypten".

Die Pharaonenzeit endete mit der Unterwerfung unter das Römische Reich im letzten vorchristlichen Jahrhundert - im Jahr 30 vor Christus wurde Ägypten zu einer römischen Provinz. Aber auch die Perser und die Griechen hatten Ägypten zuvor schon unterworfen.

Im siebten nachchristlichen Jahrhundert eroberten islamische Araber das Land, zur Zeit der christlichen Kreuzzüge war Ägypten dann Zentrum des muslimischen Widerstands. Im 16. Jahrhundert wurde Ägypten dann erneut unterworfen und erobert, diesmal durch das Osmanische Reich. Die osmanische Herrschaft wurde kurz unterbrochen, als Napoléon Bonaparte die französische Expedition nach Ägypten ins Leben rief, die allerdings nur kurz währte.

Schließlich wurde Ägypten von Großbritannien besetzt, und zwar im Jahr 1882. Anschließend war Ägypten britisches "Protektorat", erst 1936 erhielt Ägypten offiziell seine "Souveränität" (das bedeutet "Eigenständigkeit"). Allerdings waren im kurz später folgenden Zweiten Weltkrieg sofort wieder fremde Streitkräfte im Land - britische Truppen bekämpften dabei solche aus Italien und Deutschland. Die siegreichen britischen Truppen verließen Ägypten im Jahr 1946.

Das Bild zeigt den Karnak-Tempel bei Luxor (im Vordergrund der Obelisk) - Ägyptens Pyramiden, Tempel, Pyramiden und Grabanlagen sind Zeugnis der "großen" Vergangenheit dieses Landes. (Quelle: Dieter Schuetz || pixelio.de)

1948 kam es zur kriegerischen Auseinandersetzung mit dem neu gegründeten jüdischen Staat Israel, der von den arabischen Staaten nicht anerkannt wurde. 1952 vollzog sich die "Ägyptische Revolution": eine Gruppe von Offizieren stürzte König Farouk I. und beseitigte die Monarchie, wobei sie sich der Unterstützung der deutlichen Mehrheit der Bevölkerung sicher sein konnte. In den vom "Kalten Krieg" geprägten 1950er- und 1960er-Jahren ging Ägypten ein enges strategisches Bündnis mit der Sowjetunion ein, daneben wurde man jedoch auch führendes Mitglied der Bewegung der so genannten "blockfreien Staaten" (eine Vereinigung von Staaten, die sich im Ost-West-Konflikt neutral verhielten).

Unter dem sozialistischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser wurde ein "Einparteienstaat" aufgebaut, die Partei hieß "Arabische Sozialistische Union" ("ASU"). Ziel war außerdem eine Vereinigung mit den anderen arabischen Staaten ("Panarabismus"). 1958 schlossen sich Ägypten und Syrien zur "Vereinigten Arabischen Republik" zusammen, 1961 wurde dieses Bündnis allerdings wieder gelöst.

Die Verstaatlichung des Suez-Kanals führte zur "Suezkrise" - Großbritannien, Frankreich und Israel griffen Ägypten an und besetzten kurzzeitig die Sinai-Halbinsel. Größtes Bauprojekt in den Jahren der Präsidentschaft Nassers war der Neubau des riesigen Assuanstaudamms, der mit sowjetischer Hilfe bis zum Jahr 1971 beendet wurde - Zweck des Baus war vor allem die Ausdehnung der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche durch künstliche Bewässerung. Außerdem dient der Assuanstaudamm der Stromerzeugung.

Mit Israel folgten noch zwei weitere Kriege: der "Sechstagekrieg" im Jahr 1967, bei dem Ägypten eine schwere militärische Niederlage erlitt und die Sinai-Halbinsel erneut von Israel besetzt wurde, und der "Yom-Kippur-Krieg" im Jahr 1973. Unter Nassers Nachfolger als Staatspräsident Muhammad Anwar as-Sadat kam es in den 1970er-Jahren dann zu einer Annäherung mit den USA. 1979 wurde ein Friedensvertrag ausgehandelt und die israelischen Truppen zogen sich von der Sinai-Halbinsel wieder zurück.

Regionen

Luftaufnahme der ägyptischen Hauptstadt Kairo, die mit über 16 Millionen Einwohnern im Einzugesgebiet die größte Metropole Afrikas ist. (Quelle: Dieter Schuetz || pixelio.de)

Ägypten grenzt im Westen an Libyen, im Süden an den Sudan und östlich an den Gaza-Streifen, Israel, Jordanien, Saudi-Arabien sowie an das Rote Meer. Nördlich von Ägypten befindet sich das Mittelmeer. Mit über eine Million Quadratkilometern Fläche ist Ägypten mehr als doppelt so groß wie Deutschland.

Man unterteilt Ägypten grob in folgende Regionen: Oberägypten (südlich von Kairo entlang des Nils), Unterägypten (nördlich von Kairo entlang des Nils), Libysche Wüste (Sahara westlich des Nils), Arabische Wüste (Sahara östlich des Nils) und Sinai (Halbinsel im äußersten Osten). Die wichtigsten Oasen in der Wüste heißen Fayyum, Dachla, Farafra, Siwa und Charga.

Die Verteilung der Menschen und Städte in Ägypten war traditionell sehr stark vom Verlauf des insgesamt 6.671 Kilometer langen Nils bestimmt. Der Nil durchquert die unfruchtbare Wüste Sahara von Süd nach Nord - in der Nähe des Nils ist das Land aufgrund der Bewässerung durch den Fluss fruchtbar, man spricht auch von einer riesigen "Stromoase". Entlang den Ufern des Nils waren alle Umstände gegeben, um erfolgreich Landwirtschaft zu betreiben. Deswegen nannte man das Land Ägypten schon vor langer Zeit ein "Geschenk des Nils".

Dieses beeindruckende Satellitenfoto zeigt Ägypten von sehr weit oben: entlang des Nils und vor allem im Nil-Delta ist das Land fruchtbar und grün, jenseits davon erstreckt sich die Wüste. (Quelle: Wikipedia || NASA)

Die Menschen leben auch heutzutage in unmittelbarer Umgebung des Nils, besonders dicht ist die Bevölkerung im so genannten "Nil-Delta" im Norden des Landes. Bevor der Nil ins Meer fließt, teilt er sich in verschiedene Flussarme auf - diese Region nennt man "Delta". (Der Begriff "Delta" im Fall eines Flusses geht auf den griechischen Buchstaben "Delta" zurück, der geschrieben einem Dreieck gleicht: "Δ". Ein Fluss-Delta hat selbst oft eine solche Dreiecksform.)

Das Nil-Delta beherbergt die drei großen ägyptischen Stadtgebiete Kairo (im Süden), Alexandria (im Westen) und Port Said (im Osten). Kairo ist ägyptische Hauptstadt und mit über 16 Millionen Einwohnern im Einzugsgebiet die größte Stadt auf dem afrikanischen Kontinent. Alexandria (4,5 Millionen Einwohner) und Port Said (ungefähr 600.000 Einwohner) liegen bereits an der Küste des Mittelmeers.

Östlich von Port Said liegt der Suez-Kanal, der die ebenfalls zu Ägypten gehörende Sinai-Halbinsel vom ägyptischen Hauptland abtrennt. Der Suez-Kanal wurde im 19. Jahrhundert künstlich angelegt und verbindet das nördlich gelegene Mittelmeer mit dem Roten Meer - dieser künstliche Seeweg von Europa nach Asien spielte für die jüngere ägyptische Geschichte eine wichtige Rolle und ist von großer internationaler Bedeutung. (Bevor der Suez-Kanal fertig gestellt wurde, mussten Schiffe auf dem Weg von Europa nach Asien den gesamten afrikanischen Kontinent umsegeln.)

Natur und Klima

Wüste bei Assuan im Süden des Landes: die Landschaft ist hier eintönig und leer. (Quelle: Dieter Schuetz || pixelio.de)

Ägypten ist insgesamt ein sehr trockenes Land - nur im Norden regnet es überhaupt regelmäßig. Im Süden regnet es fast das ganze Jahr über gar nicht. In der Wüste sind die Tage heiß und trocken, nachts hingegen kann es in den Wintermonaten auch stark abkühlen.

Ein ägyptischer Sommer dauert sehr lange, nämlich von April bis Oktober. Die durchschnittliche Temperatur liegt dann bei um die 40 Grad Celsius, Temperaturen von an die 50 Grad sind keine Seltenheit. Die kältesten Temperaturen werden auf der Sinai-Halbinsel gemessen, wo die Landschaft bergig wird ("Sinai-Gebirge").

Am übersichtlichsten ist die Tier- und Pflanzenwelt in der Wüste Sahara, wo nur vereinzelt Dornsträucher und wenige Baumarten gedeihen. Auch Tiere leben in der Wüste, aber man muss lange nach ihnen suchen - so zum Beispiel Spinnen, Eidechsen, Skorpione und Schlangen. Am Rand der Wüste leben auch Hasen, Springmäuse, Schakale, Hyänen und Wildkatzen.

Je näher man dem Nil kommt, desto reicher wird die Tier- und Pflanzenwelt. Im Nil-Delta leben zahlreiche Wasservögel, vor allem Reiher und Kraniche. Es gibt hier außerdem zahlreiche Fischarten. Auch Krokodile kann man im Nil vereinzelt noch finden, vor allem im oberägyptischen Nassersee.

Bevölkerung

Das Foto zeigt eine Gruppe Beduinen - als Tourist kann man die Dienste vieler Beduinen in Anspruch nehmen und mit ihnen auf einem Dromedar in die Wüste reiten. (Quelle: Gerd Wolff || pixelio.de)

Ägypten hat rund 80 Millionen Einwohner, die fast ausnahmslos Araber sind. Die ägyptische Bevölkerung ist noch immer am Wachsen - es werden deutlich mehr Menschen geboren, als im gleichen Zeitraum sterben. Das fruchtbare Gebiet Ägyptens ist gemessen an der Größe des Landes relativ klein - dort leben natürlich die meisten Menschen, so dass Ägypten hier sehr dicht besiedelt ist. Die Wüsten sind teilweise von Beduinen bewohnt - der Ausdruck "Beduine" geht auf das Arabische zurück und bedeutet "nicht sesshaft". Etwa die Hälfte aller Ägypter lebt in Städten.

Die Muttersprache der Ägypter ist Arabisch - man unterscheidet in Ägypten verschiedene Dialekte ("Ägyptisch-Arabisch"). Die am meisten verbreiteten Fremdsprachen sind Englisch und Französisch. Obwohl der allgemeine Schulunterricht für Kinder seit 1952 kostenlos ist, können auch heute noch sehr viele Ägypter weder lesen noch schreiben.

Die meisten heute lebenden Ägypter bekennen sich zur Religion des sunnitischen Islams, allerdings gibt es auch eine einigermaßen große christliche Glaubensgemeinschaft, nämlich die "Kopten". Die koptische Gemeinde hat jedoch mit Ausgrenzung und Diskriminierung zu kämpfen und ist als Minderheit in der ägyptischen Gesellschaft klar benachteiligt. Laut ägyptischer Verfassung herrscht Religionsfreiheit, die einzigen offiziell anerkannten Religionen sind dabei jedoch nur der Islam, das Christentum und das Judentum.

Politik

Muhammad Husni Mubarak ist schon im dritten Jahrzehnt hintereinander amtierender Staatspräsident Ägyptens (Stand 2009). Er regiert das Land teilweise diktatorisch. (Quelle: Ricardo Stuckert/PR || Wikipedia, Creative Commons License Attribution 2.5 Brazil)

Ägypten hat international eine wichtige strategische Bedeutung und ist enger Bündnispartner der USA - als Gegenleistung der ägyptischen Zusammenarbeit mit den USA fließt seit 1980 jährlich eine Summe von zwei Milliarden Dollar aus den USA nach Ägypten, diese Summe ist eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle für das Land.

Ägypten gilt mittlerweile als "Vermittler" im Streit zwischen den arabischen Staaten und Israel, dessen Staatsgründung im Jahr 1948 von den arabischen Ländern abgelehnt wurde. Seit 1979 haben Ägypten und Israel im "Abkommen von Camp David" miteinander Frieden geschlossen. Allerdings sieht sich die politische Führung Ägyptens starker Kritik ausgesetzt, sowohl seitens anderer arabischer Staaten, als auch seitens der eigenen Bevölkerung. Die Mehrheit der Ägypter ist gegen den außenpolitischen Kurs als Verbündeter der USA - besonders deutlich wurde dies, als die USA den Irak-Krieg begannen.

Die ägyptische Regierung mit dem Staatsoberhaupt Muhammad Husni Mubarak von der Regierungspartei "NDP" ("Nationaldemokratische Partei") ist bereits seit dem Jahr 1981 im Amt. Mubarak löste damals den ermordeten Sadat als Staatspräsident Ägyptens ab - Sadat wurde ermordet, weil er Frieden mit Israel geschlossen hatte. Zuletzt wurde Mubarak bei den Wahlen im Jahr 2005 mit einem Stimmenanteil von mehr als 88 Prozent in seinem Amt bestätigt, dennoch gilt er beim ägyptischen Volk als nicht sehr beliebt. In Ägypten ist es nicht nur Recht, sondern sogar Pflicht zu wählen - es ist jedoch sehr fraglich, ob das Ergebnis dann auch wirklich Ausdruck des Volkswillens ist.

Ägyptische Islamisten wie die "Muslimbruderschaft", die eine Vermischung von Politik und Religion befürwortet, werden in ihrer politischen Entfaltung durch die ägyptische Regierung bekämpft, was in einen Kreislauf der Gewalt mündete. Seitens der Islamisten ist es immer wieder zu Anschlägen und Entführungen gekommen, die politische Lage bleibt unsicher und angespannt. Dazu passt auch, dass Mubarak mit einer "Notstandsgesetzgebung" praktisch diktatorisch regiert.

Als kritisch muss in Ägypten auch die Menschenrechtssituation eingeschätzt werden. So gilt Ägypten als ein Staat, in dem Menschen systematisch gefoltert werden - Hintergründe zu diesem Thema lieferte zum Beispiel die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International". Auch die Todesstrafe wird in Ägypten vollzogen.

(Nachtrag: Im Jahr 2011 kam es in Ägypten zu einer Revolution. Machthaber Mubarak wurde am 11. Februar 2011 zum Rücktritt gezwungen - vorerst hat das Militär die Macht übernommen. (Stand: September 2011))

Wirtschaft

Ein altes Foto, aufgenommen zu Beginn des letzten Jahrhunderts: obwohl Ägypten heute neben Südafrika der am meisten industrialisierte Staat Afrikas ist, spielt die traditionelle Landwirtschaft noch immer eine große Rolle. (Quelle: Wikipedia)

Es gibt drei ständige Einnahmequellen für Ägypten: den Tourismus, die vom Nil abhängige Landwirtschaft und den in den 1950er-Jahren verstaatlichten Suez-Kanal - hier entlang fahrende Schiffe müssen für die Durchfahrt eine Gebühr entrichten. Die meisten erwerbstätigen Ägypter, nämlich 52 Prozent, arbeiten im Dienstleistungsbereich, 27 Prozent in der Landwirtschaft und 21 Prozent im industriellen Sektor. Ägypten ist nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land auf dem afrikanischen Kontinent.

Nur drei Prozent der ägyptischen Landfläche wird landwirtschaftlich genutzt, die Anbaufläche verteilt sich auf das Niltal, das Nil-Delta und einige Oasen. Die ägyptische Landwirtschaft ist "exportorientiert" - das bedeutet, dass die meisten der hier produzierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse für den Verkauf ins Ausland bestimmt sind. Angebaut werden Baumwolle, Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Hirse, Kartoffeln, Obst und Gemüse.

Der Preis für die exportorientierte Landwirtschaft ist, dass große Mengen landwirtschaftlicher Erzeugnisse für den Eigenbedarf aus dem Ausland "importiert" (das bedeutet "eingeführt") werden müssen - so zum Beispiel Getreide. Ägypten ist nicht mehr dazu in der Lage, sich in ausreichendem Maße selbst zu versorgen. In den letzten Jahren sind die Preise für Lebensmittel stark angestiegen, was teilweise zu sozialen Unruhen, Aufständen und Streiks geführt hat.

Der bedeutendste ägyptische Bodenschatz ist das Erdöl - gefördert wird es im Golf von Suez und auf der Sinai-Halbinsel. Außerdem besitzt Ägypten Eisen-, Mangan- und Uranerze, die am Weltmarkt gehandelt werden. Im industriellen Sektor spielt die Weiterverarbeitung von Baumwolle und Zucker eine bedeutende Rolle. Weitere wichtige ägyptische Industrieerzeugnisse sind Fahrzeuge, Maschinen, elektronische Waren, Zement, Düngemittel und Arzneimittel. Von Bedeutung ist auch die Erzeugung von Eisen, Stahl und Aluminium.

In Ägypten werden mehr Waren aus- als eingeführt - das bedeutet, dass die Ausgaben für im Ausland gekaufte Waren deutlich höher liegen als die Einnahmen durch den Verkauf von Waren ins Ausland. Die Folge ist eine hohe und steigende ägyptische Staatsverschuldung. Teilweise wirkt dem entgegen, dass viele Touristen ins Land reisen und ausländisches Geld ("Devisen") nach Ägypten bringen. Die altertümlichen ägyptischen Kultstätten sind für ausländische Besucher von großer Anziehungskraft. Beliebt ist auch das Rote Meer, das als Tauchparadies gilt.

Küche

Schwarzer Tee ("Shai") ist das Lieblingsgetränk der Ägypter - der Genuss von Tee ist ein Ritual, das mehrmals am Tag abgehalten wird. (Quelle: RainerSturm || pixelio.de)

Wichtigste Zutaten für die traditionellen ägyptischen Gerichte sind Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte - all dies wuchs schon vor langer Zeit im fruchtbaren Niltal und im Nil-Delta. Beliebt sind vor allem Zwiebeln und Bohnen, die fast bei jedem ägyptischen Gericht Bestandteil sind.

Schon die alten Ägypter waren berühmt für ihr Brot und Bier - Bier wird heute allerdings weitestgehend gemieden, weil der Alkoholkonsum im Islam verboten ist. Insgesamt wird nur sehr wenig Fleisch verzehrt, an den Küsten ist allerdings Fisch eine sehr beliebte Speise. Ägyptisches Essen ist bei Vegetariern und Veganern sehr beliebt, weil es fast ausschließlich aus pflanzlichen Zutaten besteht.

Die auf großen Tellern angerichteten Speisen werden oft mithilfe von Fladenbrot gegessen - man reißt ein Stück Brot ab und greift dann mit diesem Stück Brot etwas von der auf dem Teller angerichteten Speise. Beliebt ist auch das etwas dickere Pita-Brot, das man aufschneidet und dann mit anderen Zutaten füllt. Für ärmere Ägypter besteht eine Mahlzeit oft nur aus etwas Brot und Bohnen. Reichhaltigere Gerichte bestehen zusätzlich aus Reis, Tomaten und Auberginen oder sogar Fleisch - am beliebtesten ist Lamm. Zum Verfeinern der Speisen sind Pfefferschoten, Dill, Limonen und Minze sehr gefragt.

Das liebste Getränk der Ägypter ist schwarzer Tee, der in Ägypten "Shai" genannt wird. Den Shai süßt man hier gerne mit Rohrzucker, außerdem wird sein Geschmack oft durch frische Minzblätter verstärkt. Auch Milch wird manchmal hinzugefügt. Im Norden trinkt man den Tee eher schwach, im Süden hingegen mag man ihn extrem stark (dem entsprechend wird auch deutlich mehr Zucker beigemischt). Kaffee ist in Ägypten beliebt, dabei allerdings deutlich weniger verbreitet als der Tee. Fast jeder Ägypter trinkt mehrmals am Tag schwarzen Tee. Außerdem kommt dem Shai auch eine soziale Bedeutung zu - es gilt als eine Selbstverständlichkeit, den Gast mit einer Tasse Tee willkommen zu heißen. Diese Regel gilt bei den Ägyptern immer, egal ob man nun jung oder alt, arm oder reich ist.


Größe des Landes
1.001.449 qkm

Hauptstadt
Kairo
Einwohner
rund 80 Mio. (Stand 2009)
Landessprachen
  • Schriftsprache: Hocharabisch
  • Umgangssprache: Ägyptisch-Arabisch und andere arabische Dialekte

Karte
letzte Aktualisierung: 02.08.2014

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